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Titel
2604 Sonntagsruhe 20.10.20
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Sonntagsruhe

Fern hört man Glocken,
kein Auto lärmt die Straße hinunter,
man bleibt zu Hause,
denn wer will nicht gesund bleiben?

Sind wir noch klug genug,
die Hast der Woche abzustreifen,
sie nicht auch noch am Sonntag
ins Land hinaus zu tragen?

...
2603 Eine Woche ohne Medien 20.10.20
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Eine Woche ohne Medien

Der Urlaub bringt Erholung dann,
Wenn fern er sein darf jeder Nachricht,
Der Geist dem Weltreich fliehen kann
Und nur noch blüht des Südens Licht.

Wohl wird es so den Hirnregionen,
Die Ganglien, sie werden frei:
Das Klettern, es muss sich doch lohnen,
Wenn da der Schweiß am Leben sei!

...
2602 Schwer fällt es mir 19.10.20
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Schwer fällt es mir

Schwer fällt es mir, das zu ertragen,
Was zahlreich und doch inhaltsleer
Mit Worten will uns Trost versagen
Und doch als Flut wird immer mehr.

Da gibt’s sehr wenig zu vermelden,
Das Ohr flieht gern dem Wiederholten,
Das doch von unseren Tageshelden
Erdacht, damit wir das uns holten.

...
2601 Schenk' ihm 19.10.20
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Schenk' ihm

Schenk' ihm eine Puppe, ein Haustier,
Denn nur die Musik, die Violine
Allein stärken kein Weltgespür
Für Streicheln und für die Minne.

Du fragst mich: Muss das sein,
Dass Mädchen Streicheln lernen.
Wollen sie ein Dasein allein,
Sich von Liebenden gar entfernen?

...
2600 Götterwind 18.10.20
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Götterwind

Manchmal beginnt alles beim Hosenbund,
Die Schlankheit wird Markenzeichen.
Nichts jedoch gilt bestem Herz und Mund,
Die Seele kann bis dahin nicht reichen.

Deshalb schwindet im trüben Tageslicht
Mancher Traum von gelingender Harmonie,
Nimmt den Sinnen dabei ihr feines Gesicht,
Obwohl die Seele nach Höherem schrie.

...
2599 Vegetariers Gunst 18.10.20
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Vegetariers Gunst

Wenn im frühen Morgengrauen
Käufer nach der Leber schauen,
Nach Schnitzel und nach Tafelspitz,
Fürs Gemüt die Küche schwitz',
Ist noch lang nicht aufgeschnappt,
Ob Feines man daraus auch macht.

Was man nicht kauft, wird weggeschmissen,
Totes wird keiner vermissen –
Und bis man sich das Neue borgt,
...
2598 Märchens Geschick 18.10.20
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Märchens Geschick

Märchen der Kindheit bleiben ein Hoffen
Dem, der noch ein wenig Kind sein kann,
Der im Traume immer noch Feen getroffen,
Selbst wenn er schon ein gestandener Mann,
Weil sie ihn noch zum Staunen bringen,
Wo er sich nicht vollständig kontrolliert,
Um der Fantasie ein Zutrauen zu singen,
Das ihn zur inneren Freiheit führt,
Denn ohne die früh erzählten Geschichten
Aus den Tiefen der lieblichen Kinderzeit
...
2597 Demokratieprivileg 17.10.20
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Demokratieprivileg

Im Windschatten der Gedanken
Bewegt sich meist nicht viel,
Wenn Gerangel und Zanken
Das bevorzugte Ziel.

Gerudert wird zwar kräftig,
Doch immer nur aufgerechnet
Und die Gesetze heftig
Mit Blockaden abgerechnet.

...
2596 Unter der Trauerweide 16.10.20
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Unter der Trauerweide

Wenn sich unter der Trauerweide
Im Herbst die Liebenden treffen,
Erlösen sie sich vom Herzeleide,
Wo fern die vielen Hunde kläffen,
Sehr nah bei der alten Mühle,
Wenn Jugend lebt ihre Gefühle.

Da finden sich ein die Liebenden,
Weil anderswo das ihnen nicht möglich,
Sie das Glück tragen in ihren Händen,
...
2595 Dunklere Tage 16.10.20
Vorschautext:
Dunklere Tage

Dunklere Tage werden jetzt länger,
Menschen ziehen sich langsam zurück:
Geschlossene Fenster stignalisieren strenger,
Dass viele suchen im Haus ihr Glück.

Dann rauchen wieder die vielen Kamine,
Damit inhäusig endlich Wärme aufsteigt
Und aushäusig offen die leere Bühne
Mit Buntlaub hin zur Winternacht zeigt.

...
2594 Liebe sei 15.10.20
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Liebe sei

Davonlaufen wollte sie schon lange,
Ihr Verhältnis hatte sich abgekühlt.
Manchmal ist Liebe jene Schlange,
Die sich nicht mehr beheimatet fühlt.

Das Leben zog sich immer zäher hin,
Sie fühlten sich ganz weit auseinander
Und sahen in der Nähe keinen Sinn –
Er war nur noch ein verlorener Ganter.

...
2593 Sechs Weisheiten 15.10.20
Vorschautext:
Sechs Weisheiten

Weisheit 1:

Die Welt wird bunt,
Wenn wir sie bunt gestalten.
Bleibt sie noch rund,
Wenn wir sie nicht erhalten?

Weisheit 2:

Der erhobene Zeigefinger
...
2592 Das letzte Wort 14.10.20
Vorschautext:
Das letzte Wort

Das letzte Wort
haben nicht Lärm und Egomanen,
selbst wenn sie sich
auf Erden ihre Herrschaft bahnen,
denn alles,
was am End' uns allen bleibt,
ist Ewigkeit,
nachdem die Seele sich entleibt.


...
2591 Frauenmacht 14.10.20
Vorschautext:
Frauenmacht

Ja, wie beglückt man einen Mann,
Der alt, nicht mehr gut pinkeln kann
Und dem – man glaubt es mental kaum –
Der Wille steigt doch hoch im Raum?

Nun, er braucht eine junge Frau,
Die ideal, mit Körperbau
Ihm eine gute Liebe sei,
Dann glaubt er wieder, er sei frei.

...
2590 Nähmen wir uns nicht so wichtig 13.10.20
Vorschautext:
Nähmen wir uns nicht so wichtig

Nähmen wir uns nicht so wichtig,
ja, mich herzlich eingeschlossen,
manches wäre Null und Nichtig,
unsere Welt wenig verdrossen;
die Mitwelt brächte Blumen her,
müsst' nicht in Tagessümpfen landen,
hätte der Freuden endlich mehr –
und Ängste würden so versanden...

Wären wir doch alle toleranter,
...
2589 Weltmädchentag 13.10.20
Vorschautext:
Weltmädchentag

Wie kann die Welt den Tag begehen,
Wenn sie nur männlich kommt daher,
Nicht mehr will ihre Nöte sehen,
Wo Mädchen haben's reichlich schwer?

Wie kann man Mädchen fair begegnen,
Wenn man nur ans Machtspiel gebunden,
Um ihren Selbststand nicht zu segnen,
Weil Egomanie man kaum verwunden?

...
2588 Traumwelten 12.10.20
Vorschautext:
Traumwelten

Die Träume hängen sich in meinen Schlaf,
Wehen wie Girlanden von Nachtschattengewächsen.
Weil es mich nächtens so überraschend traf,
Umschwirren mich Geister und tanzende Hexen.

Nachmahre treiben die Angstsinne an,
Aus ungeahnten Tiefen steigen sie hinauf.
Weil im Schlafe ich leider nicht anders kann,
Muss ich sehen, wie ihre Welt geht auf.

...
2587 Quellende Horizonte 12.10.20
Vorschautext:
Quellende Horizonte

Wenn der Himmel langsam abläuft
und der bläuende Tag sich zeigt,
gar zur Unendlichkeit aufsteigt,
erweitern sich unsere Horizonte,
quellen auf in der Ferne
und geben den Blick frei
in ersehnte Ziele.

Ach, wie engt doch die Zeit ein,
wenn nichts mehr wirklich geht,
...
2586 Was ist Dir wichtig? 11.10.20
Vorschautext:
Was ist Dir wichtig?

Wer physiologische Funktionen
Nicht mehr auf die Reihe kriegt,
Hat wünschbar doch die Intentionen,
Mit denen er manchmal im Kriege liegt.

Glaub' mir, o Freund, die Welt ist auch die meine,
Noch ist Dein Nachtwerk nicht mein Tagwerk!
Das grelle Licht mag so im Kerzenscheine
Zwar überleben, doch schattet es den Zwerg!

...
2585 Wegwerfzeiten 11.10.20
Vorschautext:
Wegwerfzeiten


Das Paar saß lange, unterhielt sich gut bei Tisch,
Es ging da auch um Lebenswürdigkeiten und um Duldung.
Würdevoll hereingetragen kam schließlich der Schwertfisch –
Sie redeten konsensfähig und ohne jede Schuldung.

Nachhaltigkeit, Bewahrung waren die Begriffe,
Mit denen sie sich theoretisch auseinandersetzten,
Auch dass auf unseren Weltmeeren die übergroßen Schiffe
Schwerölschleudernd dem Globus den Schlag versetzten.
...
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