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Gedichte über Ehrlichkeit


Der falsche Prophet

Ein düsterer saurer regen;

gesang der möwen von fern her murmelnd
ein tiefes wispern in den büschen des windes
verschwommener ruf des lichts über der stadt
der gesang des nachtigalls seufzt in wehmut

ein donnerknall und das aufscheuchen der krähen
ein vertrockneter olivenbaum ragt in die mittagsstunde
die drachen davids wie wellen der schreckensherrschaft
dornige zweige knistern im wind wie zerbrochene knochen

gesang und feuer in die dünen der stille schnatternd
und der wortkarge trockene boden ertrinkt in rotem wein
des nachtigalls gesang der ruf des muezzins verstummt
ich lausche besonnen dem geschrei der weissen tauben

einen langen satz spricht der falsche prophet der götter
er spricht oft im schlaf einen zauberspruch aus dem buch
ein gemisch aus eitrigem und fein zermahlenen knochen
sein atem steigt empor aus dem sinn und davon stürzend…

der fluss der verdammten schillerndes blutrotes wasser
frieden und krieg eins in einem ergibt zuweilen keinen sinn
aber so heuchlerisch sind die worte des falschen propheten
wie feuer- und wasser die zugleich ausgesprochen werden

jüngstens vertraute der dichter moses du sollst nicht töten
und schrieb die nachrichten nieder wahrhaftig wie epitaphe
wie die alten götter tyrannische selbstverliebte despoten
selbst manche gotteslästerer schweigen vor ihnen stumm

an jenem morgen, wehen demokratische winde
der himmel entrollt sich wieder und es regnet säure
sehe diese der wolken verbergen die freiheit in sich
der tyrann wäscht sich die hand und singt aus dem alten testament ein triumphgesang ..

…wahrend geruch und rauch von etwas verbranntem
das verkohlt aber noch schwelt über der landschaft schwebt-
-verliert sich stechende erinnerung und duft der des todes
und der falsche prophet wahrhaft so hinterlistig und genau berechnend steigt auf, ist scharf und vernichtend
123 und alles ist verwischt….


Der stille Poet
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Kirschen stehlen

Soll ich euch einmal erzählen,
nur aus der Erinnerung,
von dem großen Kirschen stehlen?
Schließlich waren wir auch mal jung.

Jährlich wenn die Bäume blühen,
die Bienen die Pollen schleifen,
dann die Monate ins Land ziehen,
bis man kann die Früchte greifen.


Nicht jeder hat einen Garten,
wo dann wächst die reife Frucht.
Mancher braucht nur zu warten,
dass der Zufall für ihn sucht.

Wir studierten in einer Stadt,
den Namen habe ich vergessen,
die viele Obstplantagen hat,
zum Mosten und zum Essen.

Als wir aus der Schule schauten,
gegenüber fast die Pflaumen blauten.
Und dahinter standen in Reih und Glied
Kirschbäume, was man selten sieht.

Ihre Zweige sich nach unten bogen,
weil jede Kirsche überreif sein müsste.
Schnell haben wir uns umgezogen,
um zu befriedigen unsere Gelüste.

Da keiner da war, der mit uns gewettert,
die Kirschen haben uns frech angelockt,
sind wir jeder auf einen Baum geklettert.
und haben In dessen Astgabel gehockt.

Mit vollen Händen haben wir gepflückt,
gespuckt, gekaut, geschluckt, geleckt,
denn jeder der Zweige war gut bestückt.
Doch leider hat man uns dabei entdeckt.

Am nächsten Tag in der Frühstückspause,
wir erzählten gerade von diesem Streich,
rief der Direktor uns in seine Klause,
wir wurden rot und stotterten bleich.

Wir wollten den Schaden finanzieren
und schätzten, was wir alle so verdrückt.
Doch das schien nicht zu interessieren,
sie wollten, dass jeder von uns pflückt.

Das konnte der Direktor nicht zulassen,
es gibt Arbeitsgesetze in unserem Land.
Und ratlos mit lieben und hassen
verlief dieser Mundraub im Sand.

Waren wir auch des Besitzers Plage,
sprach man doch in jedem Laden:
„Dort auf der großen Obstplantage
haben die Kirschen keine Maden.“

11.01.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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Kinderaugen

Zum mitspielen war ich zu klein
meine Geschwister wollten mich nicht
war sehr oft allein
zeigte öfter keinerlei Einsicht

habe mich in der Schule von ihnen ferngehalten
wollte mein eigenes Ding durchziehen
habe immer alle Regeln eingehalten
wollte dem Stress von zuhause entfliehen

hatte ne schwierige Schulzeit
mehr gibt’s nicht zu sagen
wurde behandelt wie eine Krankheit
musste so einiges ertragen

mein Zimmer war mein Rückzugsort
meine älteste Schwester mein Vorbild
es hat sich niemand um mich gesorgt
war als Teenager ziemlich wild

habe meinen Eltern das Leben zur Hölle gemacht
das waren sie teilweise selber Schuld
haben ihre Zeit mit saufen verbracht
hatten mit uns nie die geringste Geduld

Hausaufgaben mussten schnell gemacht werden
Zeit mit uns verbrachten sie sehr selten
dachte früher schon daran zu sterben
lebten in unterschiedlichen Welten

hatten früher einen Wohnwagen
meine Eltern tranken jeden Tag
konnte es irgendwann nicht mehr ertragen
feierte auch nie meinen Geburtstag

habe mich für meine Eltern geschämt
nie Freunde mit nachhause genommen
war damals noch viel zu gelähmt
habe mir damals etwas wichtiges vorgenommen

niemals so zu werden wie die beiden
ihre Lebensweise zu vermeiden
nicht dabei zusehen, wie meine Kinder leiden
und es nicht mit jeglichem Konsum zu übertreiben

als Kind war diese Zeit für mich traumatisch
denke heutzutage intensiver darüber nach
dieses Verhalten war absolut abartig!
Es waren diese Momente, in denen etwas in mir zerbrach

Papa hat Mama immer angeschnauzt
Mama hat sich jeden Mittag hingelegt
ich wollte einfach nur von zuhause raus
habe damals lange überlegt

wie konnten wir zuhause überleben?
Unsere Seelen trugen Schäden davon
wollte ganz oft einfach aufgeben
wie oft sagte ich mir “komm schon!“

vielleicht übertreibe ich auch einfach
ich empfand diese Zeit als sehr schmerzhaft
als Kind war ich emotional sehr schwach
war diejenige, die nie etwas schafft

mit meinen Kinderaugen
wollte ich immer an das gute glauben
ich empfinde meine Vergangenheit als pure Qual
um ehrlich zu sein, hatte ich nie eine andere Wahl

mit meinen Erwachsenenaugen
sehe ich die Welt als schier endlose Dunkelheit
werde wohl nicht mehr allzu viel taugen
heute bis in alle Ewigkeit

gehöre den kranken Menschen an
werde in eine Schublade gesteckt
an mich traut sich keiner heran
bin mit Pessimismus verdreckt

“Es wird alles gut!“
Ich kann´s nicht mehr hören!
In mir brodelt unbändige Wut
lasse mich davon nicht mehr stören

wieso ist diese Krankheit ein Tabu?
Man kann es auch übertreiben
sie gehört zum Leben nunmal dazu
und wird es auch immer bleiben

nehmt Depressionen bitte ernst!
Es ist nicht toll, wenn du das lachen verlernst …
dich weiter von deinem Leben abschottest
und als Misanthrop durch die Gegend trottest

dir Suizidgedanken die Sicht vernebeln
deine Welt in schwarz weiß siehst
lebst nach den “schwarzen“ Regeln
und dich in dunkle Gedanken zurückziehst

sie ist wie ein Gift, welches sich ausbreitet
vegetierst langsam und qualvoll vor dich hin
sie trifft dich völlig unvorbereitet
und nimmt dir jeglichen Lebenssinn!




© Lily .N. Hope
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