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Gedichte über Vergangenheit


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Abijubiläumsfeier

Abijubiläumsfeier

©Hans Hartmut Karg
2018

Die immer schon gut plaudern konnten,
Die redeten schön miteinander,
Weil sie sich in Vergangenem sonnten:
Nun endlich wieder beieinander!

Schwofen war einst Jugendvergnügen,
Zart wuchsen kleine Bindungen.
Es ging um Lernen, nicht um Siegen,
Das Leben zeigte Windungen.

Die Mädchen, längst erwachsene Frauen,
Die Mitschüler – jetzt grau-meliert.
Freude war es, sie anzuschauen –
Und alles war rückschaugeführt.

Wie es doch war, als wir noch hatten
Ein bindungsloses Freiheitssehnen,
Noch ohne Gattin, ohne Gatten
Das unendliche Zukunftswähnen.

Altachtundsechzig kam zum Laufen:
Wir wussten schon: „Wir sind Elite!“
Damals konnte man geistreich raufen:
Streitsätze – die halbe Miete!

Da wurde Toleranz geschärft,
Der Muff entsorgt von tausend Jahren.
Gar mancher war auch schulgenervt:
Diskursfreiheit lag sich in Haaren!

Nun, da das Leben wohl gelebt,
Karriere, Aufstieg recht erfolgreich,
Hat sich der Ehrgeiz sanft gelegt:
Die Altersmilde macht' uns weich!

Die alte Stadt suchten wir auf,
Wo wir im Rund der Reichsstadt reiften
Und planten unseren Lebenslauf –
Womit wir auch schon Grenzen streiften.

Und wir erfuhren leider auch,
Wer nicht mehr unter uns sein kann:
Zur Schule ging es, s'ist halt Brauch,
Wo einst die Bildungslust begann.

Natürlich wurde angebaut,
Es hat sich da Vieles verändert,
Und wenn man zu den Freunden schaut,
Hat mancher Ernst Augen gerändert.

Nach fünfzig Jahren jene sehen,
Lebendig und stets voller Leben,
Die nun zurück ins Alter gehen,
Wo Kraft Erinnerungen geben.

Manche jagen noch vergebens,
Doch das Schicksal ist's, das schreibt.
Geld als Status echten Lebens?
S'ist doch nur die Zeit, die bleibt!

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