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Gedichte über Katastrophen


Das Meer

Navigare necesse est – Seefahrt tut not

Dünung verläuft - hin zum Felsenstrand,
Wassers Lippen schmeicheln dem Sand,
Donnernd waschen Wellen felsige Rippen,
Brandung aufschäumt an rauen Klippen.

Wasser und Luft sich brausend vermischt,
Vor dem Bug hell aufschäumt die Gischt,
Ein einsames Segel eilt unter Land,
Geführt von einer sicheren Hand,
Strebt zu dem schützenden Hafen,
Schlag um Schlag gegen die Wasserwand,
Gewinnt es Meile um Meile den Kampf.

Eine Monstersee - rollende Flut droht,
Brechende Seen heben das Boot
Hoch hinauf - tragen es fort,
Schon geborgen geglaubt, ist es in Not.

Turmhoch hinauf ragen die Wogen,
Auf dem Rücken der Welle surft das Boot,
Widerstrebend gegen das Ufer gezogen,
Bevor sich Schiff und Mannschaft versehen,
Ist es schon um sie geschehen.
Die Wasser, sie rollen mit geifernden Rachen,
Reißen hinab in die tödlichen Schatten.

Der Schiffer noch hinter dem Steuer steht,
Ein stummes Gebet seine Miene bewegt,
Die rasende Welle das Schiffchen fortträgt,
Unbrauchbar das Ruder im Brausen schwebt.

Dann – gurgelnd der Kaventsmann bricht,
Das Schiffchen stürzt in die Felsen zurück,
Zerschmettert, zerbirst Stück um Stück.
Das Wasser bricht sich seine Bahn,
Bevor der Mensch sich besinnen kann,
Ein paar Wrackteile schwimmen umher,
Langsam wieder, beruhigt sich das Meer.
Es hat sein Opfer gefunden,
Das Schifflein ist verschwunden,
Als hätt man es niemals gesehen,
Als wäre es niemals geschehen.

Natur kann so grausam sein und so schön,
Seemann, du hast einen schweren Stand,
Der Feind der Seefahrt ist das Land,
Und ewig anpreien Wellen die Küste,
Gezeugt von der riesigen Wasserwüste,
Eine kurze Affäre im Zeitverbrauch,
Eine winzige Episode im Weltenlauf.

Rei©Men
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Technikpanne

Neulich ist mir was passiert,
da hab ich mich selbst geniert.
Um pünktlich einzuschiffen im Hafen,
habe ich im Hamburger Hotel geschlafen.
Als ich spät kam im Dunkeln an,
stand vor der Tür ein uniformierter Mann.

Er riss für mich die Türe auf,
die Koffer schafften andere rauf.
Ich selbst kam garnicht bis zum Zimmer.
Mir fehlte etwas, wie immer.
Deshalb lief ich in die Innenstadt,
wo es wunderschöne Boutiquen hat.

Unterwegs ich eine Grillwurst aß
und auch das Alsterwasser nicht vergaß.
Das heißt, es wurden 2 oder drei,
was ist in Hamburg schon dabei.
Zwei Frauen konnte ich entfliehen,
sie wollten mich in eine Haustür ziehen.

Im Hotel gab’s Smalltalk wegen der Karten,
die auch als Zimmerschlüssel warten.
Mir sagte der Zimmerverwalter, genannt Portier:
!“Sie haben Zimmer 126 b.“
Das Alsterwasser hat dumpf geschwappt,
als ich die Treppe hoch getappt.

124, 125, konnte ich sehen,
gleich musste da mein Zimmer stehen.
Ich brauchte meine Haare nicht zu raufen,
ich war nun weit genug gelaufen.
Die Karte trug ich in der Hand,
und suchte vom Schlüsselkartenschlitz den Rand.

Ich war hier doch ganz allein,
deshalb trat ich auch wortlos ein.
Die Bierwerbung von einem Lokal
beleuchtete das Zimmer mit einem Strahl.
Ich zog mich aus und ging auf die Toilette,
leicht gewaschen wollt ich ins Bette.

Da dachte ich, ich bin im Märchen,
im Bett lag schon ein nacktes Pärchen.
Waren sie etwa in dieser Nacht
beide Bi für mich gedacht?
Ich räusperte, ich hustete,
die Frau schniefte, der Mann pustete.

Anstatt mich aus dem Staub zu machen
und nur über die Situation zu lachen,
schaltete das Licht ich ein
und fing an ganz laut zu schrein.
Der Mann sprang auf, wollte mich erstechen,
er glaubte an ein nächtliches Verbrechen.

Die Frau daneben war dick und kleiner,
fragte nur: „Was denn, noch einer?“
So langsam wachten beide gänzlich auf
und wir klärten die Probleme zu hauf.
Ich hatte die Zimmernummer nicht gescheckt,
die Karte eine Tür zuvor gesteckt.

Aus dem 4-Bettzimmer hatte man 2 Zimmer gemacht
und gönnte so manchen Eltern eine schöne Nacht.
Dass die Karten für beide Türen passten,
wir erst nach und nach erfassten.
Als der Portier kam mit der Polizei,
waren wir noch immer nackt, wir drei.

Wir öffneten erst meine Tür,
da wollte die Dame gleich zu mir.
Ich hab sie aber nicht eingelassen,
es sollte der Schlüssel nicht überall passen.

05.06.2018 © W.R.Guthmann
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