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| 1798 | Ich bin ich | 20.02.26 | ||
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Vorschautext: So lang’ schon will ich’s nicht mehr wissen, was war, sei hin, soll in sich zerfließen. Kein alter Schmerz soll je mich binden, kein fremdes Leid mir Wege finden. Ich will allein mich stärkend tragen, mit Herz und Mut an schwachen Tagen. Talente, die in mir sind, soll`n mich weiten die will ich schleifen, mich vorbereiten Nicht warten auf kalte Arme die ergreifen, bei Gefahr nicht zögernd oder zweifelnd, ... |
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| 1797 | Sei dein Freund | 20.02.26 | ||
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Vorschautext: Wenn die Welt sich gegen dich zu wenden scheint, und die, die Freundschaft predigen, dich in der Stunde des Leids verlassen, wenn du zwischen Stühlen zermalmt werden sollst, während andere das Drama applaudierend betrachten, wenn die Kälte der Menschen zu Eis wird, das Misstrauen ... |
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| 1796 | Ruhend in mir selbst | 20.02.26 | ||
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Vorschautext: Es erzürnt mich, und doch bleib ich ruhig. Die Welt dreht sich nur noch um sich selbst, und ich frag mich, wann wir aufgehört haben zuzuhören. Menschen sind laut geworden, aber sagen nichts. Sie tragen Masken, führen Dinge im Schilde, unberechenbar wie Wetter im April. ... |
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| 1795 | Das Erbe kann warten.. [Teil 11] | 19.02.26 | ||
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Vorschautext: Frau Scherz steht am Fenster und blickt hinaus. Mitte Februar, der Schnee liegt wie ein weißer Teppich über der Landschaft und glitzert im Licht, als wolle er sagen: „So schön kann Kälte sein.“ Tatsächlich pfeift ein eisiger Wind durch die Gassen und trifft ihr Gesicht mit der Diskretion eines schlechten Journalisten. „Fast schlimmer als Lügen“, denkt sie, „ist eine Kälte, die gleichzeitig beleidigt und frieren lässt.“ Schneeschieben? Nein danke. Dafür gibt es den Hausmeister und seine Spezialmaschine mit Rollen, Borsten und Benzin, die den Schnee beiseite räumt, als hätte er das persönlich verschuldet. Sie lehnt sich zurück, Tee in der Hand, und lässt den Blick zur Flimmerkiste wandern. Dort läuft Olympia in Italien. Die Winterspiele finden gerade zwischen dem sechsten und dem zweiundzwanzigsten Februar in Mailand, Cortina d’Ampezzo und weiteren Orten im Norden des Landes statt. Fast zwei‑tausendneunhundert Sportlerinnen und Sportler aus rund zweiundneunzig Nationen haben sich eingefunden, um in über hundert Wettbewerben Medaillen zu erringen. Skifahren auf steilen Hängen, Snowboarden über schneebedeckte Rampen, Eiskunstlauf mit funkelnden Kostümen und Biathlon, wo man hofft, dass Präzision nicht nur bei Schießen und Zeitmessung zählt, sondern auch beim Spaghetti‑Essen danach. Frau Scherz nimmt das Ganze mit einer Mischung aus Bewunderung und schelmischem Spott wahr. Es ist ein riesiges Theater, ein globales Fest der menschlichen Leistung, aber auch ein buntes Spektakel aus Kameras, jubelnden Zuschauern und Sprechern, die sich überschlagen, um jeden Schwung, jeden Sprung und jede Sekunde mit Superlativen zu versehen. „Regen aus Gold“, murmelt sie lächelnd, „und drunter stolpert die Seele.“ Sie weiß, wie viel Training, Technik und eiserner Wille hinter jeder Medaille steckt, aber sie beobachtet auch die Schattenseiten: den Druck, der auf Leistung lastet, die vermarktete Emotionalität, die manchmal mehr Inszenierung als Gefühl ist, und die ungeheure Aufmerksamkeit, die aus einem Wettkampf ein globales Event macht. Zwischendurch schweifen ihre Gedanken ab in die Erinnerung an die Kindheit, an jene leuchtenden Bilder, die hängen bleiben, während die peinlichen oder langweiligen längst im Nebel der Vergessenheit verschwunden sind. „So brauch ich schon keine Alzheimer“, kichert sie in sich hinein, lachend über sich selbst und über das Leben. Vereinsamung ist ein Wort, das sie kennt, nicht als Angst, sondern als Bestandsaufnahme dessen, wie Menschen sich oft in ihre eigenen Gedanken zurückziehen, wenn die Welt zu laut, zu hektisch oder zu missgünstig wirkt. Und auch darüber denkt sie mit einem scharfen Hauch Ironie nach: über den allgegenwärtigen Neid, der wie ein unsichtbarer Schatten mitspielt, stets unterschwellig, nie offen, immer bereit, eine Freude zu trüben. Sie rückt ihr Geld auf dem Tisch ein wenig zur Seite, als ordne sie die Welt in Gedanken neu. Gewinnen, Verlieren, Einsicht, Humor, alles ist Teil eines größeren Spiels, und Frau Scherz liebt Spiele. Sie atmet tief ein und aus, genießt den Wind, die Stille und den ironischen Kontrast zwischen der scheinbar perfekten Olympia‑Inszenierung und dem chaotischen Alltag, der jeden Einzelnen von uns täglich fordert. Ein Sturz, ein missglückter Sprung, ein unerwarteter Erfolg, das olympische Chaos ist wie das echte Leben, nur glitzernder und mit dramatischerem Soundtrack. Wenn die Nacht kommt, geht Frau Scherz spät ins Bett. Gerade dann, wenn alles schläft und die Straßen leer sind, wird sie ein bisschen romantisch und ein bisschen melancholisch. Carpe diem, ruft sie sich zu, nutze den Tag! Aber nutze auch die Nacht, fügt sie hinzu, stets bereit, einen spitzen, frechen Kommentar auf die Lippen zu setzen. In der Dunkelheit ist sie eine kleine Denkfabrik, in der sie Gedanken sortiert, reflektiert und manchmal auch verspottet, bevor sie sie wieder loslässt. Ohne diese Stunden, denkt sie, würde das Leben an ihr vorbeiziehen wie ein Film, ohne dass sie die Essenz, den Witz und die bitteren Momente wirklich spürt. ... |
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| 1794 | Meisterstück | 19.02.26 | ||
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Vorschautext: Wenn du die Bühne betrittst, kleines Mädchen, mit der roten Schleife im Haar – mit aufspringendem Siegel wie aus der Werkstatt einer gotischen Sonne, und den Tanzschuhen, die klingen wie ferne Hufe auf dem Pflaster einer alten Königsstadt, da neigt sich selbst der Atem der Menge. Dein Antlitz, erst Grimasse, keck und kühn, ist vergleichbar mit dem Spiel eines Hofnarren im Saal des Kaisers, doch hinter der Maske schwefelt und schwärmt dein Ernst, so alt wie die Psalmen Davids, so jung wie der erste Morgen im Paradies. ... |
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| 1793 | Der Fremdling | 18.02.26 | ||
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Vorschautext: Sein Herz verglimmt in eigner Glut, vom Zweifel an sich selbst verzehrt; was Ursprung war und tiefstes Gut, hat sich dem Denken selbst entleert. Es trennte ihn von seines Zeichen, vom prägenden Gesetz der Zeit; nun treibt sein Ich in Schattenreichen entbunden von Notwendigkeit. Vor Schwellen stand er, Geist und Schranke zu stolz für Bitte, bang für Tat; ... |
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| 1792 | Winter | 17.02.26 | ||
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Vorschautext: Der Frost berührt die Haut so sacht, Die Lippen bleichen blau bei Nacht. Die Schritte weichen, alles ruht, Vergeht die Welt, so wie sie tut. Wenn alles schläft, der Winter schreibt, Und alles friert von Zweig zu Zweig. Ganz tief im Innern scheint ein Licht, Das warme Herz, das nie zerbricht. © Marcel Strömer ... |
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| 1791 | Meine Geschichte | 17.02.26 | ||
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Vorschautext: Ich war ein Kind. Ein Herz, das Schutz suchte, manchmal fast fand. Manchmal lachten sie. Manchmal schlugen sie. Manchmal war alles fast okay. Und manchmal war alles kaputt. Ich habe gesprochen. Aber niemand hörte zu. „Ach, so schlimm wird es schon nicht sein.“ „Typisch, heile Welt.“ ... |
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| 1790 | Klage an den Tod | 16.02.26 | ||
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Vorschautext: Oh Tod, du Herr der letzten Stunde! Du schreibst dein Wort in meine tiefste Wunde. Mein Dasein gleicht der Kerze Schein, ihr Licht aus Flammen möchte ewig sein. Am Docht, ein kurzer Glanz der Zeit, verglimmt im Rausch der Ewigkeit. Die Tränen löschen nicht, was nie vergeht, kein einzig Wort, das ewig uns besteht. Die Last der Welt liegt schwer auf mir, meine Sehnsucht die an Kraft verliert. ... |
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| 1789 | Tanz am Rande | 16.02.26 | ||
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Vorschautext: Ich werde an meinen Tränen zerbrechen, meine Trauer verzehrt mich von innen. Ich bin ein moderner Bettelmönch, durstig nach einer Welt, die andere nicht wahrnehmen. Meine Wünsche bleiben unerfüllt, weil sie aus einer anderen Dimension stammen, die der Volksmund nicht zu deuten weiß. Meine Worte tanzen am Rand, umschreiben das Leben, ohne es zu verkürzen, ... |
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| 1788 | Unter fremden Himmel | 16.02.26 | ||
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Vorschautext: Sie verließen mich, jene, die sich Familie nannten. Ich wurde gegeben, als wäre ich ein Gegenstand mit Atem. Ein Kind in fremden Armen, unter fremden Dächern. Und doch hing mein Himmel noch voller Geigen. Nachts zog ich die Decke über den Kopf, ... |
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| 1787 | Abgrund | 16.02.26 | ||
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Vorschautext: Wenn alles im Leben zerbricht wie Eis unter einer unerbittlichen Sonne, wenn mein Weg von Leid gepflastert ist und ich keine Schuld erkenne, die ich tragen müsste, dann erinnere ich mich. An eine Kindheit, in der das Licht noch weich war. An Hände, die pflegen wollten und doch etwas in mir trafen, ... |
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| 1786 | Kinder Sommergedicht | 14.02.26 | ||
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Vorschautext: Funken fliegen durch die Luft, streck deine Hände, schnupper Duft. Sommerlieder klingen hell, mein Herz hüpft froh, mein Herz hüpft schnell. Hoch erheben wir nun Kopf und Hand, Freude kommt ins ganze Land. Ärger, Kummer, werden klein, unser Tag darf heute richtig lustig sein. ... |
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| 1785 | Seelenklage | 14.02.26 | ||
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Vorschautext: Bald bin ich Stein, in finstrer Gruft, vom rauen Schicksal hart bezwungen, bald treibt mein Herz wie Sturm in Luft, vom wilden Weltenrad verschlungen. Zuletzt zu schwer, die große Last, bald bin ich Asche, im Wind verwehend, die mir meine Qual umfasst, ... |
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| 1784 | Zwischen den Abgründen | 12.02.26 | ||
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Vorschautext: Ganz oben, wo das freie Auge kühn in des Himmels Bläue schwelgt und sich der Geist, vom Licht berauscht, zum Ewigen emporzuschwingen wähnt, und ganz unten, wo in dumpfer Finsternis der Mensch sich selbst zum Rätsel wird, wo Zweifel wie Gewürm am Herzen nagen und jede Hoffnung matt zusammenbricht, in diesem furchtbar heiligen Zwischenreich bewegt sich unser menschlich Los. ... |
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| 1783 | Pflegekind | 06.02.26 | ||
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Vorschautext: Sie legen mir Roben an lieblos und Häme, jeder Stich Spott, Urteile als Willkür. Kalk auf meinem Schädel, Verdautes ins Gesicht, nur in der Dunkelheit brennt es. Sie hassen mein Licht. "Fesselt ihn, mit krallenden Glieder" zur Strafe in die Dunkelkammer, ... |
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| 1782 | Versuchung | 06.02.26 | ||
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Vorschautext: Boden heißt Fallen. Mein Herz genährt von Sturm, von dem, was du Liebe nanntest. Mit gebrochenem Rückblick lerne ich, was Teilen heißt - wenn die Sonne Splitter lächelt unf Zucker auf meine Wunden streut. Hinter allem, was bricht und brennt, lag dieser Sehnsuchtswunsch, unvernünftig, bittersüß. ... |
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| 1781 | Zwischen Himmel und Erde | 06.02.26 | ||
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Vorschautext: Wie ein Vogel will ich fliegen, hoch über die gezackten Häupter der Berge, über kristallklare Bäche, die im Sonnenlicht wie flüssiges Glas erstrahlen. Nicht länger soll mein Schritt an die Schwere der Erde gebunden sein. Mein Herz verlangt nach Höhe, nach Weite, nach jenem stillen Raum zwischen Himmel und Welt. Ich sehne mich danach, den warmen Südwind an meiner Brust zu spüren, wie eine unsichtbare Hand, die mich hebt. Er soll meinen Herzschlag verstärken, ihn mit heiliger Inbrunst erfüllen. In seinem Atem werde ich gereinigt. Mein Herz wird leicht, meine Seele klar. Und im Fluge erkenne ich: Freiheit ist kein Ort, sie ist ein Erwachen. Unter mir treiben die Wolken, von meinem Flügelschlag bewegt, und tief unten tosen die Wassermassen in uralter Kraft. Doch ich fürchte sie nicht. Denn ich weiß: Die Natur trägt eine Seele in sich. Die Strömung ist lebendig, mächtig und stark, so wie meine Sehnsucht nach der Zukunft. Diese Zukunft ruht hinter dem Horizont wie ein verborgener Schleier. Sie wartet, still, unergründlich, voller Verheißung. Und meine Sehnsucht reicht nach ihr wie ein ausgestreckter Arm im Morgengrauen. Meine Worte sind nicht bloß Klang im Wind. Sie sind Töne meines innersten Wesens. Sie steigen empor wie ein Gebet, tragen mein Hoffen und mein Beben hinauf, bis an die Pforte des Himmels. So fliege ich. Nicht nur über Berge und Wasser, ... |
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| 1780 | Sturm und Stille | 04.02.26 | ||
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Vorschautext: Nicht um Schmuck nenn ich dich, sondern weil dein Wirken alle Welt durchdringt; Wort und Tat gehorchen deiner unsichtbaren Hand, wie Flüsse, die den Ozean suchen. Du bist Maß und Urteil, Licht und Nacht, und alles Sein folgt deiner unteilbaren Kraft; kein Pfeil, kein Schatten, kein Gedanke bleibt verborgen, wenn du den Kreis deiner Ordnung spannst. Geborgenheit und Strenge wohnen in dir, wie Sonne und Mond in ewiger Bahn; ... |
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| 1779 | Wo meine Seele ruht.. | 04.02.26 | ||
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Vorschautext: Des Morgens, da der Tau noch schweigt im Gras, erhebt sich mir die Welt wie neu geboren; kein Tag gleicht je dem andern, denn dein Maß hat alles Sein in stetem Wandel verloren. Was gestern war, vergeht im ersten Licht, und neu ersteht, was deinem Willen folgt. Des Nachts jedoch, wenn Schlaf mein Auge bricht und mich in dunkle Hallen niederbeugt, da trittst du ein in Traum und Zeichenwort, in Farben tief wie Erz und Sternenbrand; nicht greifbar bist du, doch an jedem Ort ... |
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