Profil von Lisa Nicolis

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Titel
48 Solang ich bin 13.10.25
Vorschautext:
Da draußen atmet er, mein bunter Garten,
verstreut die Farbendüfte an den Wind.
Nur meine Astern werden auf mich warten,
wenn ich verblüh und sie schon wieder sind.

Ich streute hoffnungsvoll den vollen Samen,
da war mein Leben noch ein weites Feld.
Bald steht für mich nur mein geschrieb’ner Namen
und ich geh wortlos in die andre Welt.

Noch bin ich unterwegs. Weiß nicht wie lange.
Die Sorgen sind schon viele Tage tief
...
47 Eichenblatt 13.10.25
Vorschautext:
Laubgebunden
seit dem Mai.
Sieh, es flattert.
Ist es frei?
Lösgelöst
oder vertrieben?
Wollt es fort?
Wär’s gern geblieben?
Hegt es Wehmut?
Duldet Schmerz?
Ist es froh,
nun weg zu fliegen?
...
46 Der Pfad 12.10.25
Vorschautext:
Auf den öden Stoppelfeldern
liegt der Himmel grau verschleiert,
ruht gespenstisch auf den Wäldern,
drin sich Schweigen dunstig feiert.

Kühle Finger dunkler Mächte
löschen früh die letzten Strahlen,
und im Mantel langer Nächte
wird der Herbst das Land bemalen

Dicht entlang der dorn’gen Schlehen
will ein Pfad, schon nachtverhangen,
...
45 Der Abend 12.10.25
Vorschautext:
Ist er Fama aus der Götter Bläue,
Sternenregen übers weite All?
Ist er wiederholte Erdentreue,
Truggebilde nur im freien Fall?

Ist er Sehnsucht nach der Rast vom Leben,
ist er Ruh, vor was uns noch geschieht,
gar Belohnung für ein fraglich Streben,
nur ein Schatten, der vorüberzieht?

Ist er einer dieser dunklen Ringe,
der sich prägend auf das Leben legt?
...
44 Der alte Leuchtturm 11.10.25
Vorschautext:
In meinem Winter steht die Einsamkeit,
in ihren Augen blinken fahle Lichter,
ein Nebel zieht gespenstisch küstenweit
den Vorhang vor die Fernen immer dichter.

Kein Weg läuft zu mir hin, es ruht die Zeit
verschlummert in dem blinden kalten Schweigen.
Nur meine Träume sind so licht und weit
und knospeln noch in allen Lebenszweigen.

Ich träum mich weg von mir und träum mich wach
und bin ein Kind in Licht und Duft bekleidet
...
43 Am See 11.10.25
Vorschautext:
Aus der Tiefe zieht der Morgen
graue Schleier übers Land,
wie gewebt von Geisterhand.
Und noch neblig und verborgen
lauscht im Hintergrund der Hain
in den neuen Tag hinein.

Blind, noch birgt der See sein Sehnen
nach dem blauen Himmelslicht.
Durch die Morgenstille bricht
schrilles Rufen. Und den Schwänen
öffnet wohl gesonnt, noch bleich,
...
42 Fremdfliegen ist gefährlich 10.10.25
Vorschautext:
Ach, war der Klock ein Stolzer, Kühner,
er liebte seine drallen Hühner,
war bunt und hatte strahl’nde Feder
und es bestaunte ihn auch jeder.

Und hatte gute Eigenschaften.
Wenn wir ihn neugierig begafften,
da fütterte er stets mit Eifer
die Haremsfrau’n, ob jung, ob reifer.

Nur hin und wieder zu erkennen:
er schielte zu des Nachbars Hennen
...
41 Schon wieder Samstag 10.10.25
Vorschautext:
Kennt ihr den Sam? Der steht oft hier,
gefühlt fast täglich, vor der Tür.
Ein Engländer kann es nicht sein,
sonst fällt mir auch nichts auf und ein,
nur dass er nicht mein Liebling ist,
weil er mir meine Tage frisst.
Versuche sie ganz fest zu halten,
die jungen Tage und die alten.
Das ärgert mich, er kommt so nah.
Kaum weg, ist er schon wieder da.
Wenn ich mit Demut sie auch trage,
sind es dann wieder nur- Sams Tage.
...
40 Zeit 10.10.25
Vorschautext:
Sekundenschnell,
oder noch schneller,
wischen die Zeiger
Zeit mir aus der Uhr.

Wohin,
wenn nichts verloren geht,
entschwindet sie,
die Zeit?

Welch eine Frage!
Nicht sie.
...
39 In Dämmerlicht 10.10.25
Vorschautext:
Der Abend ist vom Berg gestiegen
mit tauperlenbesetztem Saum,
und streift die Gräser, die sich wiegen,
und lullt die Blumen in den Traum.

Die Bäume, die den Weg einfassen,
verhüllen sich in Schummertand.
Die Nacht füllt schweigend alle Gassen
und auch das Tal bis an den Rand.

Frau Lunas Sichel mäht den Rasen
des Himmels Sternengarten blank.
...
38 Dreikäsehochs Sorgen 09.10.25
Vorschautext:
Die Wolken fallen tropfenschwer zur Erde,
sie sickern in die sonn’gestemmten Ritze.
Der Boden fängt es durstig auf, das Strömen,
und dampfend weicht die angestaute Hitze.

Der Sturm ist jetzt vorbei, die Luft ist klarer.
Der Regen liegt als Duft noch auf den Gärten.
Die Menschen trau’n sich wieder aus den Häusern,
um all den wüsten Schaden zu bewerten.

Im Hof, auf dem Asphalt, ganz selbstverständlich,
die Pfützen haben Zeit nach all dem Rinnen
...
37 Auf Sand gebaut 08.10.25
Vorschautext:
Die Sonne verfängt sich im Bann deines Blicks
und irrt durch das Blau deiner Augen.
Wir liegen am Trümmerfeld unsres Geschicks
voll Träume, die heut nichts mehr taugen.

”Komm, bau’n wir ein Schloss!” Und dein Eifer steckt an.
Wir buddeln, und bauen, und lachen.
Vergessen sind unsere Stürme, woran
die Blumen der Liebe zerbrachen.

Die Türme des Schlosses, mit Muscheln geschmückt,
verkünden, das ist keine Klause.
...
36 Wer, was, wie 07.10.25
Vorschautext:
Dem Einen bin ich viel zu klein,
bemitleidet mein bied'res Sein.
Dem Andren bin ich viel zu groß
beneidet und umgeht mich bloß.

Der Dritte gönnt mir jederzeit
die seichte Mittelmäßigkeit.
Ein jeder legt sich was zurecht,
mal bin ich falsch, mal bin ich echt,

mal bin ich grob, mal viel zu fein.
Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein.
...
35 Abendflimmern 07.10.25
Vorschautext:
Aus dem Osten steigt der Abend,
überflutend mild die Stille,
nur im Nichts zirpt eine Grille.
Lau umschlingt seine Mantille

alles Sein. Die Karriolen
sich am Himmel überholen.
Leuchtkäfer mit Lichtkapriolen

ihren Liebsten Nachricht blinken.
M￶öcht im Gräserduft versinken,
mich mit Tauperlen betrinken,
...
34 Schweben 07.10.25
Vorschautext:
Im Nirwana, lichtjahrferne,
schwebt im roten Orionnebel,
losgelöst im Glanz der Sterne,
sanft mein Floß mit weißem Segel.

Hab mich über Bord geworfen
und nur meinen Geist behalten.
Sonnenwind hat mir geholfen,
meine Schwingen zu entfalten.

Liege schwerelos im Schweben,
werde mich nun treiben lassen.
...
33 Wenn... 06.10.25
Vorschautext:
Ach, schwiegen einmal nur des Fortschritts Mühlen
und gäbs nur einen Tag noch Altsteinzeit!
Ich würde meine eignen Sinne fühlen
von allem Hasten, Dröhnen kurz befreit.

Wenn alles Schweigen aus den Tiefen sprösse,
wie Sonnenblumen, strahlend, sonnengleich,
in dieser Vielzahl stolzer Übergröße,
ich wähnte mich in einem Feenreich.

Wenn alle Stille aus den Wolken bräche,
wie kühler Sommerregen auf die Glut
...
32 Die Ruine 05.10.25
Vorschautext:
Wie sich die Mauern aneinander klammern,
wie heimlich jeder Schatten in aller Mondnacht fällt,
wie jede Zeit entflieht,sich aus der Wirrnis
dieser Wände schält,
der Sturm um hohle Türme jammert
und wieder weiter zieht,
der Himmel, wie zerriss'nes Tuch,
sich drüber spannt.
Aus allen Wunden rieselt,
trist wie Fluch, der Sand.
Die Treppen führen
nirgendwärts ins Land.
...
31 Morgens bei Colleferro 05.10.25
Vorschautext:
Nebelschleier hängen rund um Fernen,
Graugespinst, drin Gipfel sich verbergen.
Mir zu Füßen, aus dem Talgewinde,
wölben Hügel sich in hohen Wellen.

Auf den gräsersatten Hängen sprühen
Gänseblümchen Funken durch die Halme.
Und am Wegrand lodert, zwischen Dornen,
Klatschmohn, grell, in unruhigen Flammen.

Würzig steigt die taugetränkte Frische
aus den grünen Säften in den Morgen.
...
30 Meine Bega 04.10.25
Vorschautext:
Zwischen Rohr und Schilfes Schneide
trägt sie sich und ihre Lasten,
schwenkt, leicht kräuselnd, ohne Hasten
um der Heide Trauerweiden.

Loses Band auf weiten Fluren,
wie vom Wind ins Land getragen,
folgt sie nachts den Himmelswagen
auf den feinen Sternenspuren.

Morgens tauchen müde Strahlen,
weit gereist, in ihre Tiefen,
...
29 Kindheit… 04.10.25
Vorschautext:
Der Sonne war ich ein verwandtes Kind.
In Regen kehrt’ ich ein, verträumt und heiter.
War meinem Fluss am Dorfrand Wegbegleiter
und war zu Hause stets im Sturm und Wind.

Der Dämm’rung Licht, den goldnen Farbkontrast,
die ließ ich wohlig durch die Sinne fließen.
Die Erd’ liebkoste ich mit bloßen Füßen.
Der Wiese war ich längst kein seltner Gast.

Versunken in der wilden Blumen Pracht,
in all den kindheitlichen Sommerzeiten,
...