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| 64 | Spazifiziergang | 21.10.25 | ||
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Vorschautext: Die Schuhe schleifen gleichmütig über das Pflaster, die Jacke schlenkert mit mit Fingernspitzgefühl. Und es ist kühl. Die Hose schickt sich an, modisch designt, zu kneifen, während des Schales Enden verloren flatternd um sich greifen. ... |
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| 63 | Späte Gäste | 21.10.25 | ||
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Vorschautext: Tolle Gäste, tolle Gäste. „Hat mich wirklich sehr gefreut!“ Beide stehn sie angezogen und zum Gehen schon bereit. Doch er schüttet unverfroren, wie ’ne Sintflut, über mich, seine ursteinalten Witze - jedes Wort ein Nadelstich. Halbe Stunde schon verloren. Fühl, das wäre jetzt genug! ... |
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| 62 | Schweigen ist Gold | 20.10.25 | ||
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Vorschautext: Ich zerkaue wieder alle Worte, schmecken bitter und ich schluck sie schwer, ich verbanne sie in Seelenorte und ich schweige meine Lippen leer. So erträumst du meine Sternennähe, Schein sein, leuchten ohne eigner Glut dass ich lautlos um dein Ego drehe, wie die Nacht das um die Tage tut. Redest nur dein Silber mir, das kühle, bist nur deinem Selbstwert all zu hold. ... |
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| 61 | Die Kette | 20.10.25 | ||
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Vorschautext: Durch meine Vorfahren hab ich das Leben erreicht. Ströme der Menschlichkeit, die mich durchfließen, tragen das Gen der Vergangenheit und der Kreis wird sich so vielleicht niemals schließen. Mein Sein -ein Echo aus ferner Zeit, mit einem Hauch von Vergänglichkeit. Ihre Geschichten kreisen leis mir im Geist. In meiner Zelle ruht die Essenz, die millionen Jahre schon reist, durch Herz und Blut, durch Geschichten von Eis und von Glut. Geschichten von Leben, von Kampf und vom Wandel der Zeit, von Schmerz, von Liebe und Leid, von Gefahren und von Beständigkeit. So weben sich Fäden aus aller Zeit um mich und in mir auch, in Frieden und Streit, noch im Heut. Bin ein Teil eines ew' gen Geflechts und Verwebens. Millionen von Ahnen bestimmen auch jetzt noch ein Teil meines Lebens. Lisa Nicolis |
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| 60 | Herbstgedanken | 19.10.25 | ||
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Vorschautext: Heute färbt der Herbst meine Gedanken, bin ein Stück Natur, bin Busch und Baum, ich versuch im Wind mal nicht zu wanken, zupft er auch an meiner Kleider Saum. Tönt nun golden meiner Stimmung Saiten, Glücksgefühl für mich zum wohl'gen Preis. Etwas Farbe will ich doch erstreiten: für'n Dezember, nur ein wenig Weiß! Sieh, auf meinen sturmgeformten Zweigen, flattert bunt mir noch ein müdes Blatt. ... |
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| 59 | Heut Morgen um sieben | 19.10.25 | ||
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Vorschautext: Ganz verwaschen und verwischt blickt heut durch das Wolkenmeer jämmerlich des Mondes Licht. Wolken hängen trüb und träg. überm Himmel kreuz und quer Ist aus Mondes Sicht recht schräg! Dieses Funzeln ängstlich bricht noch durch`s Grau. Und`s gräuelt sehr über`s gräulich Mondgesicht. ... |
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| 58 | Das Warten | 17.10.25 | ||
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Vorschautext: Es drohten die Dornen im Heckengewirr, doch hab ich die purpurnen Rosen geköpft und streute ihr samtenes Licht in den Raum, hab Duft aus den flammenden Kelchen geschöpft. Es zeichnet vielleicht dieses dämmrige Licht in offener Tür deine Umrisse mir. Ich weiß dann im zartroten Schimmer wohl nicht, erträum ich dich noch, oder bist du schon hier. Ich fiebere, eng in mein Warten gehüllt und schaue im Geist in dein liebes Gesicht. ... |
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| 57 | Das Schweigen | 17.10.25 | ||
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Vorschautext: Streut der Abend diese Leere durch den seichten Dämmerschein? Dunkelt er nur meine Blicke oder auch in mich hinein? Auf den hellen Sternenwegen, die ich mitgegangen bin, sagten wir schon alle Worte, führt kein Steg mehr zu uns hin. Jeder geht an seinem Ufer, gleisengleich, im müden Schritt. ... |
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| 56 | Brombeerenmär | 16.10.25 | ||
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Vorschautext: Der Brombeerenbär liebte Brombeeren sehr, drum fiel er so gern über Brombeeren her. Da sagte 'ne Brombeere, Brombeerenbär, ich bilde ab heut eine Brombeerenwehr, dann wird's dir, du Brombeerenbär, richtig schwer. Der Brombeerenbär sagt, nadann, bitte sehr, so fress ich erst recht alle Brombeeren leer. Die Worte die flogen ganz bös hin und her, von Brombeere hin zu dem Brombeerenbär. Am Ende da war in dem Brombeerenmeer ... |
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| 55 | Beethoven | 16.10.25 | ||
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Vorschautext: Höre ich Beethoven gerne, weil ich ihn gerne hören will? Oder will ich ihn gerne hören, weil man ihn gerne hören sollte? Oder sollte ich ihn gerne hören, weil es sich gehört, ihn gehört zu haben? Und soll ich ihn gerne gehört haben, weil er sich selbst gerne gehört hätte? Um zu wissen, wie es sich anhört, wenn man gerne gehört werden kann. Lisa Nicolis |
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| 54 | Agoraphobistisches | 16.10.25 | ||
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Vorschautext: Als heut die Straße sich in meinem Blick verfing und freudig, nach so langer Zeit, auch meinen Herzschlag tönte, ließ ich mich heldenhaft und sachte von ihr den Häusern lang begleiten und suhlte mich in ihrer sonn'gen Endlichkeit, bis sie mich ... |
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| 53 | An dich | 15.10.25 | ||
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Vorschautext: Im Klang der Worte dir noch Tränen zittern, es stirbt gequält ein Lächeln auf den Lippen. Mit mattem Flor die Blicke sich vergittern, ins Uferlose scheinst du jetzt zu kippen. Ich stehe Tag für Tag am gleichen Hafen, aus dem du einst, wie frei, in Fernen schwebtest. Die Mahnungen dein Innerstes nicht trafen, weil du voll Glück im siebten Himmel schwebtest. Dies Glück scheint jetzt in Scherben zu zerfallen. Noch spricht dein Mund nicht klar des Herzens Sprache. ... |
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| 52 | Dämmerstunde | 15.10.25 | ||
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Vorschautext: Abendmüd gleiten die letzten Strahlen ins Land. Ahnung von Nacht legt sich über die Fluren, umarmend das Rund der Erde. Vor meinem Fenster greifen die herbstkahlen Bäume schon illusorisch ... |
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| 51 | Abendstern | 15.10.25 | ||
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Vorschautext: Abends holst du meine schönsten Träume, wenn du, Abendstern, durchs Fenster schwebst. Du berührst so still die Seelenräume, wenn du mich zu deinem Leuchten hebst. Und ich schwebe fort, vorbei an Sternen, durch ein Nebel und durch Raum und Zeit. Gibst mir Zuflucht, hoch in deinen Fernen und mein Glück reicht sieben Himmel weit. © Lisa Nicolis |
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| 50 | Nur mehr | 14.10.25 | ||
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Vorschautext: Im nächsten Leben, Gott, lass mich nur Möwe sein, oder nur Gischt, nur Treibgut, nur Sonne im Gesicht. Oder ein Sandkorn, bitte, sei es noch so klein, oder auch mehr, auch Meer… nur Meer… das möchte ich sein! ... |
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| 49 | Mal so gesehen | 14.10.25 | ||
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Vorschautext: Im Mond hat sich ein Stern verfangen, `ne Wolke sitzt am Schornstein fest. Im Kirchturm Glocken müd verklangen, da baut Pegasus jetzt ein Nest. Ein Leuchten springt aus allen Fenstern, ein Strahl bricht grad sich das Genick. Das Martinshorn, beliebt bei Gangstern, blöckt in die Stille einen Knick. Oktober schluckt schwer die Realien, entblößt zu sein, das tut ihm weh. ... |
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| 48 | Solang ich bin | 13.10.25 | ||
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Vorschautext: Da draußen atmet er, mein bunter Garten, verstreut die Farbendüfte an den Wind. Nur meine Astern werden auf mich warten, wenn ich verblüh und sie schon wieder sind. Ich streute hoffnungsvoll den vollen Samen, da war mein Leben noch ein weites Feld. Bald steht für mich nur mein geschrieb’ner Namen und ich geh wortlos in die andre Welt. Noch bin ich unterwegs. Weiß nicht wie lange. Die Sorgen sind schon viele Tage tief ... |
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| 47 | Eichenblatt | 13.10.25 | ||
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Vorschautext: Laubgebunden seit dem Mai. Sieh, es flattert. Ist es frei? Lösgelöst oder vertrieben? Wollt es fort? Wär’s gern geblieben? Hegt es Wehmut? Duldet Schmerz? Ist es froh, nun weg zu fliegen? ... |
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| 46 | Der Pfad | 12.10.25 | ||
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Vorschautext: Auf den öden Stoppelfeldern liegt der Himmel grau verschleiert, ruht gespenstisch auf den Wäldern, drin sich Schweigen dunstig feiert. Kühle Finger dunkler Mächte löschen früh die letzten Strahlen, und im Mantel langer Nächte wird der Herbst das Land bemalen Dicht entlang der dorn’gen Schlehen will ein Pfad, schon nachtverhangen, ... |
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| 45 | Der Abend | 12.10.25 | ||
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Vorschautext: Ist er Fama aus der Götter Bläue, Sternenregen übers weite All? Ist er wiederholte Erdentreue, Truggebilde nur im freien Fall? Ist er Sehnsucht nach der Rast vom Leben, ist er Ruh, vor was uns noch geschieht, gar Belohnung für ein fraglich Streben, nur ein Schatten, der vorüberzieht? Ist er einer dieser dunklen Ringe, der sich prägend auf das Leben legt? ... |
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