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| 50 | Nur mehr | 14.10.25 | ||
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Vorschautext: Im nächsten Leben, Gott, lass mich nur Möwe sein, oder nur Gischt, nur Treibgut, nur Sonne im Gesicht. Oder ein Sandkorn, bitte, sei es noch so klein, oder auch mehr, auch Meer… nur Meer… das möchte ich sein! ... |
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| 49 | Mal so gesehen | 14.10.25 | ||
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Vorschautext: Im Mond hat sich ein Stern verfangen, `ne Wolke sitzt am Schornstein fest. Im Kirchturm Glocken müd verklangen, da baut Pegasus jetzt ein Nest. Ein Leuchten springt aus allen Fenstern, ein Strahl bricht grad sich das Genick. Das Martinshorn, beliebt bei Gangstern, blöckt in die Stille einen Knick. Oktober schluckt schwer die Realien, entblößt zu sein, das tut ihm weh. ... |
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| 48 | Solang ich bin | 13.10.25 | ||
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Vorschautext: Da draußen atmet er, mein bunter Garten, verstreut die Farbendüfte an den Wind. Nur meine Astern werden auf mich warten, wenn ich verblüh und sie schon wieder sind. Ich streute hoffnungsvoll den vollen Samen, da war mein Leben noch ein weites Feld. Bald steht für mich nur mein geschrieb’ner Namen und ich geh wortlos in die andre Welt. Noch bin ich unterwegs. Weiß nicht wie lange. Die Sorgen sind schon viele Tage tief ... |
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| 47 | Eichenblatt | 13.10.25 | ||
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Vorschautext: Laubgebunden seit dem Mai. Sieh, es flattert. Ist es frei? Lösgelöst oder vertrieben? Wollt es fort? Wär’s gern geblieben? Hegt es Wehmut? Duldet Schmerz? Ist es froh, nun weg zu fliegen? ... |
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| 46 | Der Pfad | 12.10.25 | ||
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Vorschautext: Auf den öden Stoppelfeldern liegt der Himmel grau verschleiert, ruht gespenstisch auf den Wäldern, drin sich Schweigen dunstig feiert. Kühle Finger dunkler Mächte löschen früh die letzten Strahlen, und im Mantel langer Nächte wird der Herbst das Land bemalen Dicht entlang der dorn’gen Schlehen will ein Pfad, schon nachtverhangen, ... |
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| 45 | Der Abend | 12.10.25 | ||
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Vorschautext: Ist er Fama aus der Götter Bläue, Sternenregen übers weite All? Ist er wiederholte Erdentreue, Truggebilde nur im freien Fall? Ist er Sehnsucht nach der Rast vom Leben, ist er Ruh, vor was uns noch geschieht, gar Belohnung für ein fraglich Streben, nur ein Schatten, der vorüberzieht? Ist er einer dieser dunklen Ringe, der sich prägend auf das Leben legt? ... |
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| 44 | Der alte Leuchtturm | 11.10.25 | ||
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Vorschautext: In meinem Winter steht die Einsamkeit, in ihren Augen blinken fahle Lichter, ein Nebel zieht gespenstisch küstenweit den Vorhang vor die Fernen immer dichter. Kein Weg läuft zu mir hin, es ruht die Zeit verschlummert in dem blinden kalten Schweigen. Nur meine Träume sind so licht und weit und knospeln noch in allen Lebenszweigen. Ich träum mich weg von mir und träum mich wach und bin ein Kind in Licht und Duft bekleidet ... |
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| 43 | Am See | 11.10.25 | ||
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Vorschautext: Aus der Tiefe zieht der Morgen graue Schleier übers Land, wie gewebt von Geisterhand. Und noch neblig und verborgen lauscht im Hintergrund der Hain in den neuen Tag hinein. Blind, noch birgt der See sein Sehnen nach dem blauen Himmelslicht. Durch die Morgenstille bricht schrilles Rufen. Und den Schwänen öffnet wohl gesonnt, noch bleich, ... |
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| 42 | Fremdfliegen ist gefährlich | 10.10.25 | ||
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Vorschautext: Ach, war der Klock ein Stolzer, Kühner, er liebte seine drallen Hühner, war bunt und hatte strahl’nde Feder und es bestaunte ihn auch jeder. Und hatte gute Eigenschaften. Wenn wir ihn neugierig begafften, da fütterte er stets mit Eifer die Haremsfrau’n, ob jung, ob reifer. Nur hin und wieder zu erkennen: er schielte zu des Nachbars Hennen ... |
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| 41 | Schon wieder Samstag | 10.10.25 | ||
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Vorschautext: Kennt ihr den Sam? Der steht oft hier, gefühlt fast täglich, vor der Tür. Ein Engländer kann es nicht sein, sonst fällt mir auch nichts auf und ein, nur dass er nicht mein Liebling ist, weil er mir meine Tage frisst. Versuche sie ganz fest zu halten, die jungen Tage und die alten. Das ärgert mich, er kommt so nah. Kaum weg, ist er schon wieder da. Wenn ich mit Demut sie auch trage, sind es dann wieder nur- Sams Tage. ... |
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| 40 | Zeit | 10.10.25 | ||
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Vorschautext: Sekundenschnell, oder noch schneller, wischen die Zeiger Zeit mir aus der Uhr. Wohin, wenn nichts verloren geht, entschwindet sie, die Zeit? Welch eine Frage! Nicht sie. ... |
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| 39 | In Dämmerlicht | 10.10.25 | ||
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Vorschautext: Der Abend ist vom Berg gestiegen mit tauperlenbesetztem Saum, und streift die Gräser, die sich wiegen, und lullt die Blumen in den Traum. Die Bäume, die den Weg einfassen, verhüllen sich in Schummertand. Die Nacht füllt schweigend alle Gassen und auch das Tal bis an den Rand. Frau Lunas Sichel mäht den Rasen des Himmels Sternengarten blank. ... |
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| 38 | Dreikäsehochs Sorgen | 09.10.25 | ||
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Vorschautext: Die Wolken fallen tropfenschwer zur Erde, sie sickern in die sonn’gestemmten Ritze. Der Boden fängt es durstig auf, das Strömen, und dampfend weicht die angestaute Hitze. Der Sturm ist jetzt vorbei, die Luft ist klarer. Der Regen liegt als Duft noch auf den Gärten. Die Menschen trau’n sich wieder aus den Häusern, um all den wüsten Schaden zu bewerten. Im Hof, auf dem Asphalt, ganz selbstverständlich, die Pfützen haben Zeit nach all dem Rinnen ... |
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| 37 | Auf Sand gebaut | 08.10.25 | ||
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Vorschautext: Die Sonne verfängt sich im Bann deines Blicks und irrt durch das Blau deiner Augen. Wir liegen am Trümmerfeld unsres Geschicks voll Träume, die heut nichts mehr taugen. ”Komm, bau’n wir ein Schloss!” Und dein Eifer steckt an. Wir buddeln, und bauen, und lachen. Vergessen sind unsere Stürme, woran die Blumen der Liebe zerbrachen. Die Türme des Schlosses, mit Muscheln geschmückt, verkünden, das ist keine Klause. ... |
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| 36 | Wer, was, wie | 07.10.25 | ||
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Vorschautext: Dem Einen bin ich viel zu klein, bemitleidet mein bied'res Sein. Dem Andren bin ich viel zu groß beneidet und umgeht mich bloß. Der Dritte gönnt mir jederzeit die seichte Mittelmäßigkeit. Ein jeder legt sich was zurecht, mal bin ich falsch, mal bin ich echt, mal bin ich grob, mal viel zu fein. Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein. ... |
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| 35 | Abendflimmern | 07.10.25 | ||
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Vorschautext: Aus dem Osten steigt der Abend, überflutend mild die Stille, nur im Nichts zirpt eine Grille. Lau umschlingt seine Mantille alles Sein. Die Karriolen sich am Himmel überholen. Leuchtkäfer mit Lichtkapriolen ihren Liebsten Nachricht blinken. Möcht im Gräserduft versinken, mich mit Tauperlen betrinken, ... |
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| 34 | Schweben | 07.10.25 | ||
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Vorschautext: Im Nirwana, lichtjahrferne, schwebt im roten Orionnebel, losgelöst im Glanz der Sterne, sanft mein Floß mit weißem Segel. Hab mich über Bord geworfen und nur meinen Geist behalten. Sonnenwind hat mir geholfen, meine Schwingen zu entfalten. Liege schwerelos im Schweben, werde mich nun treiben lassen. ... |
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| 33 | Wenn... | 06.10.25 | ||
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Vorschautext: Ach, schwiegen einmal nur des Fortschritts Mühlen und gäbs nur einen Tag noch Altsteinzeit! Ich würde meine eignen Sinne fühlen von allem Hasten, Dröhnen kurz befreit. Wenn alles Schweigen aus den Tiefen sprösse, wie Sonnenblumen, strahlend, sonnengleich, in dieser Vielzahl stolzer Übergröße, ich wähnte mich in einem Feenreich. Wenn alle Stille aus den Wolken bräche, wie kühler Sommerregen auf die Glut ... |
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| 32 | Die Ruine | 05.10.25 | ||
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Vorschautext: Wie sich die Mauern aneinander klammern, wie heimlich jeder Schatten in aller Mondnacht fällt, wie jede Zeit entflieht,sich aus der Wirrnis dieser Wände schält, der Sturm um hohle Türme jammert und wieder weiter zieht, der Himmel, wie zerriss'nes Tuch, sich drüber spannt. Aus allen Wunden rieselt, trist wie Fluch, der Sand. Die Treppen führen nirgendwärts ins Land. ... |
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| 31 | Morgens bei Colleferro | 05.10.25 | ||
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Vorschautext: Nebelschleier hängen rund um Fernen, Graugespinst, drin Gipfel sich verbergen. Mir zu Füßen, aus dem Talgewinde, wölben Hügel sich in hohen Wellen. Auf den gräsersatten Hängen sprühen Gänseblümchen Funken durch die Halme. Und am Wegrand lodert, zwischen Dornen, Klatschmohn, grell, in unruhigen Flammen. Würzig steigt die taugetränkte Frische aus den grünen Säften in den Morgen. ... |
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