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| 230 | Es wird | |||
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Vorschautext: *** Nun eilt die Zeit den frohen Farben zu, auch wenn die Tage sich der Kälte beugen. Das Jahr legt ab den festen Winterschuh und liegt schon wunderbringend in den Zweigen. ... |
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| 229 | Das Schweigen der Dichter | |||
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Vorschautext: Manchmal schweigen alle Türen zu dem Herzen, hin zum Sinn. Kein Geschehen klopft von Außen -keine Regung innen drin. Sitze Helikon zu Füßen, bin wie Echo sprachberaubt. Mancher Hang zu grünen Höhen ist verschüttet und verstaubt. Und kein Sturm wirbelt Gefühle, auch kein Wind Erinnerung ... |
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| 228 | Frühling im Wald | |||
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Vorschautext: *** Sie stehen starr, mit Lanzen aufgerüstet die türmehoch gespitzten Nadelbäume, wie fernöstliche Terrakottasöldner, wie Raumfähren, die träumen- Sternenträume. Sie stehn mit erdenferner, kühler Würde, der Wind hat keinen noch verkrümmt, verbogen. Doch hat der Tannen Heer kein Grün zum Keimen, zum Sprießen unter seinem Schutz bewogen. ... |
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| 227 | Der Fels in der Brandung | |||
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Vorschautext: Ein glitschiger Stein ist er nun, von Fernen umgeben, wo sich einst Leben klammerte und er es trug, wo die Brandung sich Wunden schlug und die Unendlichkeit aufhörte zu sein. Damals ein Fels zum Anlehnen und Halt. Jetzt alt und kalt und sie gleitet davon, ... |
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| 226 | Kindheit… | |||
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Vorschautext: Der Sonne war ich ein verwandtes Kind. In Regen kehrt’ ich ein, verträumt und heiter. War meinem Fluss am Dorfrand Wegbegleiter und war zu Hause stets im Sturm und Wind. Der Dämm’rung Licht, den goldnen Farbkontrast, die ließ ich wohlig durch die Sinne fließen. Die Erd’ liebkoste ich mit bloßen Füßen. Der Wiese war ich längst kein seltner Gast. Versunken in der wilden Blumen Pracht, in all den kindheitlichen Sommerzeiten, ... |
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| 225 | Wer, was, wie | |||
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Vorschautext: Dem Einen bin ich viel zu klein, bemitleidet mein bied'res Sein. Dem Andren bin ich viel zu groß beneidet und umgeht mich bloß. Der Dritte gönnt mir jederzeit die seichte Mittelmäßigkeit. Ein jeder legt sich was zurecht, mal bin ich falsch, mal bin ich echt, mal bin ich grob, mal viel zu fein. Es ist nicht leicht, ein Mensch zu sein. ... |
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| 224 | An dich | |||
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Vorschautext: Im Klang der Worte dir noch Tränen zittern, es stirbt gequält ein Lächeln auf den Lippen. Mit mattem Flor die Blicke sich vergittern, ins Uferlose scheinst du jetzt zu kippen. Ich stehe Tag für Tag am gleichen Hafen, aus dem du einst, wie frei, in Fernen schwebtest. Die Mahnungen dein Innerstes nicht trafen, weil du voll Glück im siebten Himmel schwebtest. Dies Glück scheint jetzt in Scherben zu zerfallen. Noch spricht dein Mund nicht klar des Herzens Sprache. ... |
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| 223 | Beethoven | |||
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Vorschautext: Höre ich Beethoven gerne, weil ich ihn gerne hören will? Oder will ich ihn gerne hören, weil man ihn gerne hören sollte? Oder sollte ich ihn gerne hören, weil es sich gehört, ihn gehört zu haben? Und soll ich ihn gerne gehört haben, weil er sich selbst gerne gehört hätte? Um zu wissen, wie es sich anhört, wenn man gerne gehört werden kann. Lisa Nicolis |
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| 222 | Das Warten | |||
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Vorschautext: Es drohten die Dornen im Heckengewirr, doch hab ich die purpurnen Rosen geköpft und streute ihr samtenes Licht in den Raum, hab Duft aus den flammenden Kelchen geschöpft. Es zeichnet vielleicht dieses dämmrige Licht in offener Tür deine Umrisse mir. Ich weiß dann im zartroten Schimmer wohl nicht, erträum ich dich noch, oder bist du schon hier. Ich fiebere, eng in mein Warten gehüllt und schaue im Geist in dein liebes Gesicht. ... |
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| 221 | Heut Morgen um sieben | |||
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Vorschautext: Ganz verwaschen und verwischt blickt heut durch das Wolkenmeer jämmerlich des Mondes Licht. Wolken hängen trüb und träg. überm Himmel kreuz und quer Ist aus Mondes Sicht recht schräg! Dieses Funzeln ängstlich bricht noch durch`s Grau. Und`s gräuelt sehr über`s gräulich Mondgesicht. ... |
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| 220 | Herbstgedanken | |||
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Vorschautext: Heute färbt der Herbst meine Gedanken, bin ein Stück Natur, bin Busch und Baum, ich versuch im Wind mal nicht zu wanken, zupft er auch an meiner Kleider Saum. Tönt nun golden meiner Stimmung Saiten, Glücksgefühl für mich zum wohl'gen Preis. Etwas Farbe will ich doch erstreiten: für'n Dezember, nur ein wenig Weiß! Sieh, auf meinen sturmgeformten Zweigen, flattert bunt mir noch ein müdes Blatt. ... |
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| 219 | Körperwelten | |||
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Vorschautext: Die Kniekehlen, die singen keine Lieder, der Augapfel schmeckt auch nicht frisch und süß, dein Zwerchfell braucht 'nen Modeschnitt nie wieder, der Zungenbrecher mundet meist ganz fieß. Die Fingerkuppen musst du nicht begehen, das Ohrläppchen wischt sicher keinen Staub. Dein Blickfeld musst du keinesfalls auch mähen, im Hörgang klingt ein Klang öfter auch taub. Das Augenlicht beleuchtet keine Nächte, das Doppelkinn braucht kein Doppelgesicht, ... |
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| 218 | Fiebernde Philosophin | |||
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Vorschautext: *** Vielleicht ist die Erde nur eine Genmutation im Bauch oder der Blutbahn eines armen Riesen. Und wenn uns seine Globuline zur Antigenmutation beschießen, dann wird’s auf der Erde von allen Dächern gepfiffen: „Wir werden extraterrestrisch angegriffen!“ Dabei ist wohl das unerhört, ... |
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| 217 | Agoraphobie | |||
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Vorschautext: Ich streife mir die schweren Möbel ab und meinen Blicken all die Porzellangesichter. Die Teppichmuster hab ich abgelegt entschlossen, von den zimmersteifen Füßen. Und lasse sie zerbröckeln, die Bilder, die vergilbten, die mich so fest umrahmten. Ich gehe ganz entblößt hinaus, bekleide mich aufs neu ... |
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| 216 | Fragen, fragen | |||
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Vorschautext: Hätten Sterne keinen Halt, wohin würden sie dann fliegen? Könnten Bäume nicht nur stehn, würden sie gern öfter liegen? Könnt das Wetter nur noch schnei’n, würde es auch gerne blitzen? Ist die Zeit im Flug vorbei, würd’ sie gern dazwischen sitzen? Würd’ der Wind, statt trostlos weh‘n, lieber schöne Lieder singen? ... |
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| 215 | Meine Bega | |||
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Vorschautext: Zwischen Rohr und Schilfes Schneide trägt sie sich und ihre Lasten, schwenkt, leicht kräuselnd, ohne Hasten um der Heide Trauerweiden. Loses Band auf weiten Fluren, wie vom Wind ins Land getragen, folgt sie nachts den Himmelswagen auf den feinen Sternenspuren. Morgens tauchen müde Strahlen, weit gereist, in ihre Tiefen, ... |
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| 214 | Wenn... | |||
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Vorschautext: Ach, schwiegen einmal nur des Fortschritts Mühlen und gäbs nur einen Tag noch Altsteinzeit! Ich würde meine eignen Sinne fühlen von allem Hasten, Dröhnen kurz befreit. Wenn alles Schweigen aus den Tiefen sprösse, wie Sonnenblumen, strahlend, sonnengleich, in dieser Vielzahl stolzer Übergröße, ich wähnte mich in einem Feenreich. Wenn alle Stille aus den Wolken bräche, wie kühler Sommerregen auf die Glut ... |
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| 213 | Schweben | |||
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Vorschautext: Im Nirwana, lichtjahrferne, schwebt im roten Orionnebel, losgelöst im Glanz der Sterne, sanft mein Floß mit weißem Segel. Hab mich über Bord geworfen und nur meinen Geist behalten. Sonnenwind hat mir geholfen, meine Schwingen zu entfalten. Liege schwerelos im Schweben, werde mich nun treiben lassen. ... |
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| 212 | Auf Sand gebaut | |||
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Vorschautext: Die Sonne verfängt sich im Bann deines Blicks und irrt durch das Blau deiner Augen. Wir liegen am Trümmerfeld unsres Geschicks voll Träume, die heut nichts mehr taugen. ”Komm, bau’n wir ein Schloss!” Und dein Eifer steckt an. Wir buddeln, und bauen, und lachen. Vergessen sind unsere Stürme, woran die Blumen der Liebe zerbrachen. Die Türme des Schlosses, mit Muscheln geschmückt, verkünden, das ist keine Klause. ... |
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| 211 | Dreikäsehochs Sorgen | |||
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Vorschautext: Die Wolken fallen tropfenschwer zur Erde, sie sickern in die sonn’gestemmten Ritze. Der Boden fängt es durstig auf, das Strömen, und dampfend weicht die angestaute Hitze. Der Sturm ist jetzt vorbei, die Luft ist klarer. Der Regen liegt als Duft noch auf den Gärten. Die Menschen trau’n sich wieder aus den Häusern, um all den wüsten Schaden zu bewerten. Im Hof, auf dem Asphalt, ganz selbstverständlich, die Pfützen haben Zeit nach all dem Rinnen ... |
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