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| 85 | Für dich | 16.11.21 | ||
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Vorschautext: Der Tag hat sich im Grau verzehrt, so schemenhaft die Geister, auch du hast das Genie verehrt - in Fugen ist er Meister; ich lausch gebannt dem Celloklang, er tröstet mich tagtäglich, und dennoch ist mir oft auch bang – die Lage ist unsäglich; mein Stern, er flackert so verzagt, als wollte er zerspringen, ... |
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| 84 | Gemeinsinn geht vor Eigennutz | 13.11.21 | ||
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Vorschautext: In Dunkelheit such ich nach Licht, kaum Funkeln mehr am Firmament - viel Hoffnung spür ich heute nicht; die Erde leidet, und sie brennt; im Müll sind die Theaterkarten, mein letzter Mut schwimmt grade fort, Kulturgenuss muss wieder warten - zu viele Menschen sind vor Ort; die Seuche hält uns fest im Griff; Egomanie macht Seelen blind; ... |
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| 83 | wirf ein Zeichen auf's Papier | 05.11.21 | ||
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Vorschautext: bist am Ende vom Latein, musst mit dir alleine sein; fluchst und jammerst vor dich hin, zweifelst an des Lebens Sinn … dazu geb’ ich, in der Tat dir den einzig guten Rat – Notstand setzt zwar enge Grenzen, doch begreif, nun kannst du glänzen, wenn du in dir selber gräbst, wenn du endlich das auslebst, was du an Begabung hast, es bereitet Lust, nicht Last; lass dich von dir selbst berühren, lass dich vom Gefühl verführen, Zeit hast du im Überfluss, sie kann Segen sein, Genuss; hör ... |
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| 82 | Glückssplitter | 23.10.21 | ||
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Vorschautext: Wenn ich die Einsamkeit verfluche und grabe nach des Daseins Sinn, wenn ich nach jenen Worten suche, die das umschreiben, was ich bin, dann ahn’ ich es, die Zeit mit dir, sie füllt mein Wesen immer noch, bei Mondenschein ist sie in mir, dann gleite ich aus dunklem Loch, du warst Gesang in Dur und Moll, hast allen stets die Schuld vergeben, ... |
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| 81 | Kein Jahr des Lichts? | 10.10.21 | ||
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Vorschautext: Kein Jahr des Lichts und wahr ist nichts? Die Seuche weicht? Ist’s bald erreicht? Kein Sinn, der Rest? Nach uns die Pest? Willst so sein, wie? Gelingt dir nie! Bleib, wie du bist, voll Lust, voll List. Heut in der Nacht hab ich gewacht ... |
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| 80 | das Leuchten in mir | 06.10.21 | ||
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Vorschautext: wieder gefunden habe ich mich in deinen lächelnden Augen, du fremder Mann in der Bahn, für einen Momente beglückt, doch war es nur der schale Abglanz eines alten Traums von der Glut, die wir spürten, wenn wir uns selig hielten, und ich fühle keine Trauer, keine Reue, kein Bedauern, im Grauen des fahlen Tags sagt mir mein Spiegelbild, nimm dich endlich an wie du jetzt bist, denn es ist gut so, und viel besser als nichts, heute denke ich nicht an die brennenden Erden und auch nicht an dich und verstecke den Schmerz der Ein- samkeit hinter den vorgehaltenen Händen, ... |
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| 79 | Das Maß ist voll | 03.10.21 | ||
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Vorschautext: Die Furcht vor Zukunft prägt auch dein Gesicht; das dumpfe Sorgen nimmt uns jede Sicht auf das, was einzig wichtig ist; das Teilen ist jetzt angesagt; doch wer dies auszusprechen wagt, wird laut beschimpft, verflucht, gejagt; aus Angst davor, was uns da droht zeigt sich gebrülltes Wort verroht; wir sind dabei, uns zu zerstören, wird höchste Zeit, nun hinzuhören, um endlich wirklich zu verstehen, so kann es nicht mehr weiter gehen; ich bitte dich, rück nah zu mir ... |
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| 78 | Zeit, die da kommt | 30.09.21 | ||
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Vorschautext: morsches Pappelholz klopft zaghaft gegen das Mauerwerk, der Wind will Fugen lockern, und dunkle Steine lassen vergrabene Worte fliegen; die Liebe, die Sehnsucht, der Augenblick, alles ist so unendlich endlich; Abschied nehmende Hände streichen zärtlich über blinde Scheiben, vergilbte Fensterrahmen, du spürst den kalten steinernen Boden mit nackten Füßen und weißt, Schatten haben das Helle herausgeschnitten aus deiner Erinnerung; zögerlich schleichst du ein letztes Mal mit verschränkten Armen durch leere Zimmer, alle Bilder entfernt, deine Stimme formt sich am Ungewissen und kommt nicht über das Flüstern ... |
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| 77 | Glück | 30.09.21 | ||
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Vorschautext: In den Höllentraum vom Stürzen in den Abgrund ohne Boden drängt sich plötzlich jene Sehnsucht nach dem Schweben über schmerzgetränktem Leben fern von jeder Art von Toden, wenn wir himmelweit hoch flogen, wenn wir von der Welt abhoben, zärtlich um uns selbst geschlungen leise Sphärisches gesungen von der Hoffnung, dass sie bliebe, unsre zeitbegrenzte Liebe, wenn wir angstfrei jubelnd sprangen auch von allerhöchsten Klippen, fühlt ich mich von dir umfangen ohne nächtlich schweres Bangen, fern vom Leiden und vom Hassen unsre Hände sich umfassen, unsre Lippen, die es wagen, nie gedachte Worte sagen, sehn ich mich zu dir zurück, und der düstre Traum vom Fallen, er zerfließt in purem Glück. ... |
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| 76 | Herbstliches | 23.09.21 | ||
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Vorschautext: in Moll erklingen sie, die alten Liebeslieder; das Jahr, es neigt sich wieder und wird langsam rund; nun färben sich der Bäume Blätter bunt; und doch verzeiht, es ist so weit, dass ich es sag, dass ich’s beklag’, zu viele Lebens Weggefährten haben mich verlassen, bevor die Narben falscher Worte ganz verblassen; wir haben über das, was wichtig ist, nicht mehr geredet, nicht mehr gemeinsam für die Welt im Lot gebetet; ich schreibe keine Briefe an mein Gestern, denn was verging, hält keine Botschaften bereit, ... |
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| 75 | freier Fall | 22.09.21 | ||
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Vorschautext: nach dem zwölften Schlag des Mitternachtsgeläuts ist Stille in mir für ein, zwei Sekunden, und die alte Zeit fällt über mich wie ein schwarz gewebtes Tuch; wie wir da saßen mit heilen Gliedern und kranken Seelen inmitten unserer inneren Wüsten unter kerzenlos schütterem Christbaum, wie traurig künstlich das Lachen, tonlose Singen, ... |
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| 74 | geträumt | 20.09.21 | ||
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Vorschautext: ihr Gewitterwolken; schwarz dräuend ballt ihr euch kopfwärts im verwirrten Traum, furioses Donnergetöse grollend schwebend über vertrockneten Wäldern und monotonen grellgelben Rapsfeldern, die Horizonte begrenzen; einschläfernde Chorgesänge ferner Kindheitstage sind flüsternd erloschen, meine Ohren zischen im Takt der immer näher einschlagenden ... |
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| 73 | Der Genießer (eine Moritat) | 20.09.21 | ||
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Vorschautext: Ein netter Mensch, noch gut erhalten, mit ein paar Schrunden, Flecken, Falten, auch wenn das Alter ihn schon beugt, so ist er doch sehr überzeugt, dass er ein Typ ist, ziemlich echt, er ist von männlichem Geschlecht, fläzt sich im Sessel, der ist rot, genießt mit Lust das Abendbrot, Bistecca alla Florentina nach dem Rezept von seiner Nina, dann Nudeln mit Tomatensoße, Serviette knüllt sich auf der Hose, ein Gläschen Roten trinkt er froh, es ist sein Lieblingswein, Bordeaux, ja, und es bleibt nicht bei dem einen, man lebt nur einmal, sollt’ man meinen, dann freut er auf den Nachtisch sich, denn der steht auch schon auf dem Tisch, ein köstliches Tiramisu, Espresso gibt es noch dazu, er reibt vergnügt sich seine Hände und wünscht, es nähme nie ein Ende, doch irgendwann, da ist er satt und fühlt sich nur noch müde, matt, er spürt, er war von Gier besessen, hat wieder mal zu viel gefressen, entsetzt schaut er die Wampe an und jammert kläglich, Mann-o-Mann - mit seinem Frohsinn ist’s vorbei, er sehnt nur noch sein Bett herbei, muss reuevoll sich eingestehen, so kann es nicht mehr weiter gehen, man übernimmt sich beim Genuss und hat am Ende nur Verdruss, er sagt sich selbst, lass Fasten walten und weiß genau, er kann’s nicht halten, er kennt sich schließlich lange doch, ist nicht umsonst ein Hobbykoch. Zum Schluss denkt er, ich bleib’ Genießer, qui mal y pense, der ist ein Spießer ... ... |
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| 72 | Stimmungsloch | 14.09.21 | ||
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Vorschautext: Du bereitest dir deine eigene Hölle, klagst über das „Zuviel“ an allem, misst dich mit der größtmöglichen Elle, dabei musst du doch nur dir selbst gefallen; deine unsäglichen Selbstanklagen, dumm sind sie, das will ich dir sagen; über dich lachen, weniger grübeln und aufhören, dir zu viel zu verübeln, deine ... |
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| 71 | vorübergehend | 12.09.21 | ||
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Vorschautext: was ich schrieb dachte sprach was ich lebte liebte tat es ist vorübergehend und endlich jetzt spreche ich zu euch und ich weiß dass ihr mich hört von den Wegkreuzungen des Lebens den Umarmungen und glücklichen Augen sich die Liebe zu gestehen mit offener Seele dem Summen der Telegrafenmaste und dem irren Klirren zerberstender Fensterscheiben und ich schüre nicht gelöschte Feuer in mir und in euch mit der Macht heiliger Worte auf dass sie die Wurzeln der Wunden die wir uns schlugen ausbrennen von der Kraft der Träume vom Frieden unserer frühen Jahre ... |
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| 70 | der Geschmack der Erinnerung | 10.09.21 | ||
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Vorschautext: noch ist Sommer und Hoffnung, und ich erzähl’ dir, was war, bis ich heiser bin, wenn du so lange schweigst; ein Haus war da, eins mit stets offenen Fenstern und Türen, aus rotem Stein war es, darauf ein spitzes Schindeldach mit großen und kleinen Schornsteinen, die immerzu rauchten, es stand im Hellen, im Grünen, aus und ein gingen viele, die wir liebten, auch ich und du, als wir Kinder waren und heimlich unter dem schwarzen Flügel hockten zur Nachtzeit und lauschten, wie die Einen verzückt musizierten und die Anderen, in behutsames Flüstern gehüllt, mit zierlichen Silberlöffeln ... |
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| 69 | Niemandszeit | 07.09.21 | ||
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Vorschautext: in der Niemandszeit des frühen Dämmerns zwischen Tag und Nacht, wenn die grauen Dunkelgeister ihr Wimmern nach Liebe und Wie- derkehr einstellen, die Sterne nicht mehr scheinen, schimmern die Pflastersteine vor der alten Kapelle zwischen Hoffen und Bangen, schmiege ich den Kopf halbwach in die Beuge deiner ... |
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| 68 | Von dem Nebel, der über den Wiesen steht | 07.09.21 | ||
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Vorschautext: Wieder ist’s weit nach Mitternacht, mein Tagwerk habe ich endlich vollbracht, krieche sinnierend unters Plumeau und frage mich zweifelnd, bin ich nun froh? Denke ich an die vergangenen Stunden – was habe ich heute getan und gedacht? Kam ich gelassen über die Runden? Bin ich beruhigt für den Rest der Nacht? Konnte den Haustürschlüssel nicht finden, musste mich mit Hausarbeit schinden, ... |
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| 67 | dann wird es gut | 01.09.21 | ||
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Vorschautext: hör, wie dein Herz laut klopft im Trommelregen der Trauer, der Angst vor dem Einsamsein und dir den Schlaf stiehlt; die Jahre kannst du nicht umblättern wie ein abgegriffenes Buch, denn diese Seiten, sie kleben fest aneinander, und die Eselsohren, sie sind nicht mehr zu glätten; doch sie sind schön in ihrer Zerbrechlichkeit, schau genau hin; du weißt, was du in schwarzer Tinte geschrieben hast auf reines Papier, es ist unlöschbar und unumkehrbar; nimm ... |
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| 66 | alte Augen | 28.08.21 | ||
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Vorschautext: verblassten Konturen die Farben geben, sie neu betrachten, es hilft beim Leben, uns lösen auch aus der Starre der Zeit, erst, wenn wir uns fühlen, sind wir bereit, die Zacken vergilbter Bilder zu streicheln, die alten Augen wollen uns schmeicheln, die vor uns waren, sie schauen uns an, ob mahnend, lächelnd, wir denken daran. ... |
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