Profil von Marie Mehrfeld

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Anzahl Gedichte: 177
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Titel
57 unverzagt 08.08.21
Vorschautext:
aufgestaute unausgesprochene
worte der liebe stauen sich in deiner kehle,
bringen gefühlen den tod, nur halb gebaute brücken
vernichten die hoffnung auf versöhnung von auge zu auge,
mund zu mund, gräben, nicht zugeschüttet, sie schreien ohne
unterlass den schmerz der verlassenheit in den grauen tag, fäuste
geballt in den taschen machen die augen so hart, mit leichter hand
bewerf ich dich mit gedanken der zuversicht, doch prallen sie ab am
glatten glas des spiegels, der dein gesicht verzerrt, und ich wende
mich ab von dir für immer, weil ich mich schützen muss vor
deinem blinden hass, der die liebe verleugnet, vernichtet;
und begebe mich ohne dich auf den letzten pilgerpfad
...
56 ohne uns 08.08.21
Vorschautext:
wenn nach
uns alles beten
stumm verhallt sein

wird am ende der tage, ist
die welt wieder wüst und wild
wie am anfang, und die bitterkeit

der vergeblich geweinten tränen fällt
aus leerem himmel auf die ausgedörrte
erde, doch irgendwann, da wird es wieder

...
55 winterpelz 07.08.21
Vorschautext:
die dochtlose rote kerze
hat wie du die mitte verloren,
gesucht hast du und nicht gefunden,
rastlos ratlos willst du das rätsel der rätsel
lösen und verstehst doch nichts; wir alle sind blind
und taub, drehen uns um uns und haben zu viele fragen,
wollen die antwort nicht hören, die wahrheit nicht sehen;
mein winterpelz warst du und nicht ein mann für jede
jahreszeit; lege ich mein ohr auf die beschrifteten
steine zur stunde der mitternacht, erzählen die
gräber das leben der toten, viel zu viel trauer,
die einsamkeit und die monotonie lichtlos
...
54 momentaufnahme 05.08.21
Vorschautext:
weit verstreut die
blätter deines letzten
briefes mit füller und tinte,
alle vorwürfe sind geschwärzt,
weggelächelt, denn sie sind nur ein
dokument der einsamkeit, die auch du
spürst; ich weiß nicht, welcher sprachart ich
sie zuordnen soll, bleibt mir das verbrennen auf
dem nasskalten balkon; vor mir diese schlanke vase
mit den gelben plastikblumen, grau eingestaubt, ich mag,
dass sie mir nie widerspricht; lerne, mit mir alleine zu sein, nicht,
dass es leicht wäre; sind so viele eingebrannte narben in meiner alten
...
53 Wunderworte 05.08.21
Vorschautext:
Wunderworte

Klare helle
Wunderworte sind
im Traum zu mir gekommen
als Geschenk, dass ich sie horte,
haben mir den Schlaf genommen,
hindern mich am trägen Dösen, wollen
Freude mir bereiten und mir sanft die Zunge
lösen, bringen Glanz aus fremden Zeiten, eure
Weisheit lässt mich staunen, sollt euch über mich
ergießen, ihr dürft zärtlich mich umraunen, Sprache
...
52 cello suiten 02.08.21
Vorschautext:
stunden
lang kann ich
euch lauschen, liegend,
tanzend und schwebend und

fliegend, die gedanken, sie laufen mit,
wie sie wollen; ich höre mit allen fasern des
körpers, der seele, des geistes und sauge die töne
auf mit geschlossenen augen, immer wieder von vorn;

der bogen durchdringt mich, sehnsucht umschlingt
mich, ich bin nur noch klang; will’s hüten,
...
51 Nebelgrau 01.08.21
Vorschautext:
Im grauen Grau verharren Regentropfen
zaghaft an den Zweigen, die sich nicht trau’n
zu fallen auf den nassen Grund, wie Tränenperlen,

die sich wiegend reigen am Wimpernmund, die Knospen
haben keinen Mut zu sprießen und meine Blumen hören auf
zu grüßen, es steigen schwere Seufzer in die Leere dieses

blassen Tags, die Zeit steht still, und selbst der Kater sitzt
betrübt am Fensterplatz, traut sich nicht aus dem Haus,
in’s Silbernass, wo fahle Nebel über Dächern wallen

...
50 von wort zu wort 01.08.21
Vorschautext:
auf dem schmerzvollen weg
im ungeheuren hat die müdigkeit alle
halbworte verschluckt, die ich auswerfe,
ohne zu wissen, warum; wir alle sind auf der
suche nach dem licht des anfangs; gibt es den
punkt am horizont, wo die im nebel versteckten
wälder mit den hohen himmeln verschmelzen,
wenn ich das nur wüsste; so treibe ich von
wort zu wort, von bild zu bild, und ich
hangele mich von dir zu mir, von
tag zu nacht und nacht zu
tag, als wäre es ein
...
49 Die Träumerin 31.07.21
Vorschautext:
Nachts ist die Zeit, wo sie tut, was sie will,
dann ist sie bereit, dann wird’s in ihr still;
Phantastin ist sie, will raus aus der Welt,
das Träumen ist, was lebendig sie hält;
sie flieht vor sich selbst in wildem Lauf,
Gott Hypnos, er fängt sie tröstend stets auf;
ihre Träume schillern in silbernem Glanz
und vergehen lautlos im stummen Tanz;
aus zarten Schleiern besteht mancher Traum,
er flüstert und weht in den weiten Raum,
er kann wie ein Federwölkchen sein,
sie greift danach, will eins mit ihm sein;
...
48 Heiku 30.07.21
Vorschautext:
Mann in der U-Bahn.
Fremde Weisen summt er
aus tiefer Kehle.

© M.M.
47 Zwölf vierfüßige Wort Reimpaare 30.07.21
Vorschautext:
Fließende Worte sind Leben, nicht Tod.
Wenn Worte stocken, bist du in Not.
Worte des Hasses? Sie sollen zerstören.
Nicht wiederholen. Und nicht darauf hören.
Streichelnde Worte wollen dich heilen,
denn selbst du brauchst Tröstung zuweilen.
Worte missbrauchen wir oft zum Lügen.
Setzen bewusst sie ein zum Betrügen.
Von stolpernden Worten hast du zuviel’?
Da kommt die Gelassenheit ins Spiel.
Die warmen Worte kommen von Herzen.
Kalte bereiten dir seelische Schmerzen.
...
46 mit dir 28.07.21
Vorschautext:
nur ich und du, die Augen zu und
Lust im Kopf packte die Nacht uns fest
am Schopf, so Haut an Haut und Hand in Hand,
so tief vertraut, am weiten Strand, am wilden Meer,
ein guter Geist stets um uns her, so Tag um Tag und Jahr
um Jahr, da sang der Bäume Seele gar, die Wurzeln
tief verschraubt in mir, ich weiß es doch, so war’s
mit dir, sich fühlend bei einander ruh’n, eint’
uns das Band der Liebe nun, das Dunkel
wich, das Licht zu hell, die Zeit verlor
ihr Maß so schnell, stets mit im
Bund die Traurigkeit, das Glück war
...
45 Asche zu Staub 26.07.21
Vorschautext:
Das lecke Schiff Erde
schlingert ächzend unter
wutgeschwärzten Monster
Wortwellen, so einsam die
Buche im Garten, kein Vogel,
der zwitschert; deine Tage sind
gezählt; du lauschst dem Flüstern
der Ahnungen; willst, dass es bleibt,
wie es ist, obwohl du weißt, dann bleibt
nichts; gelähmte Gedanken, gebrochenes
Fühlen; Fallzahlen sinken, doch es reicht nicht;
der Schleim der Angst schnürt uns die einsamen
...
44 einfach selig 26.07.21
Vorschautext:
einfach selig


ein leben lang
gegen jeden strom
geschwommen, bin ich,
bin in dem fluss aus tränen

meiner und deiner trauer über die
zu vielen erkalteten worte, die dir und
mir die zunge lähmten, beinahe für immer
ertrunken; und jetzt bist du vielleicht ein engel;
...
43 cello suiten 26.07.21
Vorschautext:
stunden
lang kann ich
euch lauschen, liegend,
tanzend und schwebend und
fliegend, die gedanken, sie laufen mit
wie sie wollen; ich höre mit allen fasern des
körpers, der seele, des geistes, ich sauge die töne
auf mit geschlossenen augen, immer wieder von vorn;
der bogen durchdringt mich und liebe umschlingt
mich, ich bin nur noch klang; will’s hüten,
beschützen, bestaunen, bewahren,
dass es wächst, leuchtet und
...
42 wie gut, dass ich bin 23.07.21
Vorschautext:
um die Schrebergärten mittags um zwölf,
und endlich mal wieder mit hellerem Mut;
dazu das Geläut; im Kopf immer auch du;

unser Baum, die alte Eiche, sie steht noch
unverwüstlich aufrecht vorm Bahndamm,
grüne Schaukel am Eck nun leer, verwaist;

ein Güterzug rast vorbei fast wie ein Spuk;
der uralte Mann mit Stock und grauem Hut,
maskiert auch er über schlohweißem Bart,

...
41 letzter Nebel 23.07.21
Vorschautext:
frage mich, immer wieder aufs Neue,
wie fing es nur an - wann hörte es auf,
was ist real und was Gespinst des Hirns,
sahst du Blaues, wenn ich grün sagte,

hörtest du meine Abendseele flüstern,
wenn wir uns nah waren Haut an Haut,
gab es den Wind, der Märchen erzählte,
gibt es den Punkt, der gesetzt werden

muss; ein Schönwortgebinde fand ich
am Waldesrand zwischen den Veilchen,
...
40 Dunkelkind 21.07.21
Vorschautext:
wir reisten
auf dem Rücken
greiser Schildkröten
in unbenannte Welten,
in den Zeiten zwischen den

Monden teilten wir uns Galle
und Honig, dann brach die Decke
über unserer Herberge zusammen und
zertrümmerte alles, was vorher war; liebes
trunkenes Flüstern haben wir in der Monotonie

...
39 über Horizonte hinaus 21.07.21
Vorschautext:
unter dem Baum sitzend, eingeritzt in die vom Alter
zerfurchte Rinde die Namen derer, die zu uns gehörten
in der Zeit heller Gesänge, zerbrechlicher Träume,

Gefühle ziehen Bahnen, zitternd in banger Erwartung
ungespiegelter Phantasien, nicht fassbarer Ewigkeiten,
erlebte Glücksmomente, selbst unter den Augenlidern,

menschenleere Uferpfade unter steilen Klippenfelsen,
gestreichelt von ungestümer Sanftheit gestriger Worte,
sehe ich Wege, sich windend über Horizonte hinaus, in

...
38 IHR! 21.07.21
Vorschautext:
Macht aus mir, was ich bin,
reiht euch auf zu Kolonnen,
gebt dem Leben den Sinn
und bereitet uns Wonnen,
kennt den Wert der Dinge,
berührt unsre Seelen,
seid Rettungsringe und
versteckt euch in Höhlen,
habt das Lügen erfunden,
könnt vernichten und funkeln,
seid der Wahrheit verbunden,
beschützt uns im Dunkeln,
...