| Titel | ||||
|---|---|---|---|---|
| 57 | unverzagt | 08.08.21 | ||
|
Vorschautext: aufgestaute unausgesprochene worte der liebe stauen sich in deiner kehle, bringen gefühlen den tod, nur halb gebaute brücken vernichten die hoffnung auf versöhnung von auge zu auge, mund zu mund, gräben, nicht zugeschüttet, sie schreien ohne unterlass den schmerz der verlassenheit in den grauen tag, fäuste geballt in den taschen machen die augen so hart, mit leichter hand bewerf ich dich mit gedanken der zuversicht, doch prallen sie ab am glatten glas des spiegels, der dein gesicht verzerrt, und ich wende mich ab von dir für immer, weil ich mich schützen muss vor deinem blinden hass, der die liebe verleugnet, vernichtet; und begebe mich ohne dich auf den letzten pilgerpfad ... |
||||
| 56 | ohne uns | 08.08.21 | ||
|
Vorschautext: wenn nach uns alles beten stumm verhallt sein wird am ende der tage, ist die welt wieder wüst und wild wie am anfang, und die bitterkeit der vergeblich geweinten tränen fällt aus leerem himmel auf die ausgedörrte erde, doch irgendwann, da wird es wieder ... |
||||
| 55 | winterpelz | 07.08.21 | ||
|
Vorschautext: die dochtlose rote kerze hat wie du die mitte verloren, gesucht hast du und nicht gefunden, rastlos ratlos willst du das rätsel der rätsel lösen und verstehst doch nichts; wir alle sind blind und taub, drehen uns um uns und haben zu viele fragen, wollen die antwort nicht hören, die wahrheit nicht sehen; mein winterpelz warst du und nicht ein mann für jede jahreszeit; lege ich mein ohr auf die beschrifteten steine zur stunde der mitternacht, erzählen die gräber das leben der toten, viel zu viel trauer, die einsamkeit und die monotonie lichtlos ... |
||||
| 54 | momentaufnahme | 05.08.21 | ||
|
Vorschautext: weit verstreut die blätter deines letzten briefes mit füller und tinte, alle vorwürfe sind geschwärzt, weggelächelt, denn sie sind nur ein dokument der einsamkeit, die auch du spürst; ich weiß nicht, welcher sprachart ich sie zuordnen soll, bleibt mir das verbrennen auf dem nasskalten balkon; vor mir diese schlanke vase mit den gelben plastikblumen, grau eingestaubt, ich mag, dass sie mir nie widerspricht; lerne, mit mir alleine zu sein, nicht, dass es leicht wäre; sind so viele eingebrannte narben in meiner alten ... |
||||
| 53 | Wunderworte | 05.08.21 | ||
|
Vorschautext: Wunderworte Klare helle Wunderworte sind im Traum zu mir gekommen als Geschenk, dass ich sie horte, haben mir den Schlaf genommen, hindern mich am trägen Dösen, wollen Freude mir bereiten und mir sanft die Zunge lösen, bringen Glanz aus fremden Zeiten, eure Weisheit lässt mich staunen, sollt euch über mich ergießen, ihr dürft zärtlich mich umraunen, Sprache ... |
||||
| 52 | cello suiten | 02.08.21 | ||
|
Vorschautext: stunden lang kann ich euch lauschen, liegend, tanzend und schwebend und fliegend, die gedanken, sie laufen mit, wie sie wollen; ich höre mit allen fasern des körpers, der seele, des geistes und sauge die töne auf mit geschlossenen augen, immer wieder von vorn; der bogen durchdringt mich, sehnsucht umschlingt mich, ich bin nur noch klang; will’s hüten, ... |
||||
| 51 | Nebelgrau | 01.08.21 | ||
|
Vorschautext: Im grauen Grau verharren Regentropfen zaghaft an den Zweigen, die sich nicht trau’n zu fallen auf den nassen Grund, wie Tränenperlen, die sich wiegend reigen am Wimpernmund, die Knospen haben keinen Mut zu sprießen und meine Blumen hören auf zu grüßen, es steigen schwere Seufzer in die Leere dieses blassen Tags, die Zeit steht still, und selbst der Kater sitzt betrübt am Fensterplatz, traut sich nicht aus dem Haus, in’s Silbernass, wo fahle Nebel über Dächern wallen ... |
||||
| 50 | von wort zu wort | 01.08.21 | ||
|
Vorschautext: auf dem schmerzvollen weg im ungeheuren hat die müdigkeit alle halbworte verschluckt, die ich auswerfe, ohne zu wissen, warum; wir alle sind auf der suche nach dem licht des anfangs; gibt es den punkt am horizont, wo die im nebel versteckten wälder mit den hohen himmeln verschmelzen, wenn ich das nur wüsste; so treibe ich von wort zu wort, von bild zu bild, und ich hangele mich von dir zu mir, von tag zu nacht und nacht zu tag, als wäre es ein ... |
||||
| 49 | Die Träumerin | 31.07.21 | ||
|
Vorschautext: Nachts ist die Zeit, wo sie tut, was sie will, dann ist sie bereit, dann wird’s in ihr still; Phantastin ist sie, will raus aus der Welt, das Träumen ist, was lebendig sie hält; sie flieht vor sich selbst in wildem Lauf, Gott Hypnos, er fängt sie tröstend stets auf; ihre Träume schillern in silbernem Glanz und vergehen lautlos im stummen Tanz; aus zarten Schleiern besteht mancher Traum, er flüstert und weht in den weiten Raum, er kann wie ein Federwölkchen sein, sie greift danach, will eins mit ihm sein; ... |
||||
| 48 | Heiku | 30.07.21 | ||
|
Vorschautext: Mann in der U-Bahn. Fremde Weisen summt er aus tiefer Kehle. © M.M. |
||||
| 47 | Zwölf vierfüßige Wort Reimpaare | 30.07.21 | ||
|
Vorschautext: Fließende Worte sind Leben, nicht Tod. Wenn Worte stocken, bist du in Not. Worte des Hasses? Sie sollen zerstören. Nicht wiederholen. Und nicht darauf hören. Streichelnde Worte wollen dich heilen, denn selbst du brauchst Tröstung zuweilen. Worte missbrauchen wir oft zum Lügen. Setzen bewusst sie ein zum Betrügen. Von stolpernden Worten hast du zuviel’? Da kommt die Gelassenheit ins Spiel. Die warmen Worte kommen von Herzen. Kalte bereiten dir seelische Schmerzen. ... |
||||
| 46 | mit dir | 28.07.21 | ||
|
Vorschautext: nur ich und du, die Augen zu und Lust im Kopf packte die Nacht uns fest am Schopf, so Haut an Haut und Hand in Hand, so tief vertraut, am weiten Strand, am wilden Meer, ein guter Geist stets um uns her, so Tag um Tag und Jahr um Jahr, da sang der Bäume Seele gar, die Wurzeln tief verschraubt in mir, ich weiß es doch, so war’s mit dir, sich fühlend bei einander ruh’n, eint’ uns das Band der Liebe nun, das Dunkel wich, das Licht zu hell, die Zeit verlor ihr Maß so schnell, stets mit im Bund die Traurigkeit, das Glück war ... |
||||
| 45 | Asche zu Staub | 26.07.21 | ||
|
Vorschautext: Das lecke Schiff Erde schlingert ächzend unter wutgeschwärzten Monster Wortwellen, so einsam die Buche im Garten, kein Vogel, der zwitschert; deine Tage sind gezählt; du lauschst dem Flüstern der Ahnungen; willst, dass es bleibt, wie es ist, obwohl du weißt, dann bleibt nichts; gelähmte Gedanken, gebrochenes Fühlen; Fallzahlen sinken, doch es reicht nicht; der Schleim der Angst schnürt uns die einsamen ... |
||||
| 44 | einfach selig | 26.07.21 | ||
|
Vorschautext: einfach selig ein leben lang gegen jeden strom geschwommen, bin ich, bin in dem fluss aus tränen meiner und deiner trauer über die zu vielen erkalteten worte, die dir und mir die zunge lähmten, beinahe für immer ertrunken; und jetzt bist du vielleicht ein engel; ... |
||||
| 43 | cello suiten | 26.07.21 | ||
|
Vorschautext: stunden lang kann ich euch lauschen, liegend, tanzend und schwebend und fliegend, die gedanken, sie laufen mit wie sie wollen; ich höre mit allen fasern des körpers, der seele, des geistes, ich sauge die töne auf mit geschlossenen augen, immer wieder von vorn; der bogen durchdringt mich und liebe umschlingt mich, ich bin nur noch klang; will’s hüten, beschützen, bestaunen, bewahren, dass es wächst, leuchtet und ... |
||||
| 42 | wie gut, dass ich bin | 23.07.21 | ||
|
Vorschautext: um die Schrebergärten mittags um zwölf, und endlich mal wieder mit hellerem Mut; dazu das Geläut; im Kopf immer auch du; unser Baum, die alte Eiche, sie steht noch unverwüstlich aufrecht vorm Bahndamm, grüne Schaukel am Eck nun leer, verwaist; ein Güterzug rast vorbei fast wie ein Spuk; der uralte Mann mit Stock und grauem Hut, maskiert auch er über schlohweißem Bart, ... |
||||
| 41 | letzter Nebel | 23.07.21 | ||
|
Vorschautext: frage mich, immer wieder aufs Neue, wie fing es nur an - wann hörte es auf, was ist real und was Gespinst des Hirns, sahst du Blaues, wenn ich grün sagte, hörtest du meine Abendseele flüstern, wenn wir uns nah waren Haut an Haut, gab es den Wind, der Märchen erzählte, gibt es den Punkt, der gesetzt werden muss; ein Schönwortgebinde fand ich am Waldesrand zwischen den Veilchen, ... |
||||
| 40 | Dunkelkind | 21.07.21 | ||
|
Vorschautext: wir reisten auf dem Rücken greiser Schildkröten in unbenannte Welten, in den Zeiten zwischen den Monden teilten wir uns Galle und Honig, dann brach die Decke über unserer Herberge zusammen und zertrümmerte alles, was vorher war; liebes trunkenes Flüstern haben wir in der Monotonie ... |
||||
| 39 | über Horizonte hinaus | 21.07.21 | ||
|
Vorschautext: unter dem Baum sitzend, eingeritzt in die vom Alter zerfurchte Rinde die Namen derer, die zu uns gehörten in der Zeit heller Gesänge, zerbrechlicher Träume, Gefühle ziehen Bahnen, zitternd in banger Erwartung ungespiegelter Phantasien, nicht fassbarer Ewigkeiten, erlebte Glücksmomente, selbst unter den Augenlidern, menschenleere Uferpfade unter steilen Klippenfelsen, gestreichelt von ungestümer Sanftheit gestriger Worte, sehe ich Wege, sich windend über Horizonte hinaus, in ... |
||||
| 38 | IHR! | 21.07.21 | ||
|
Vorschautext: Macht aus mir, was ich bin, reiht euch auf zu Kolonnen, gebt dem Leben den Sinn und bereitet uns Wonnen, kennt den Wert der Dinge, berührt unsre Seelen, seid Rettungsringe und versteckt euch in Höhlen, habt das Lügen erfunden, könnt vernichten und funkeln, seid der Wahrheit verbunden, beschützt uns im Dunkeln, ... |
||||