Profil von Marie Mehrfeld

Typ: Autor
Registriert seit dem: 21.06.2021

Statistiken


Anzahl Gedichte: 128
Anzahl Kommentare: 272
Gedichte gelesen: 8.614 mal
Sortieren nach:
Titel
128 Warum nur 17.05.22
Vorschautext:
Wer kommt in meine Arme, riefen sie, und ich frage sie nachträglich, warum haben Hüte keine drei Ecken mehr, warum werfe ich keine Bälle mehr über rote Häuser in bunte Gärten, warum war es Heimat bei Regen im Spitzboden neben müde von der Decke baumelnden trocknenden Tabakblättern, die wie Pisse stanken; sagt man nicht, weiß ich doch;

worin lag der Reiz verbotener Worte und Orte, nachts heimlich mit Taschenlampe lesen lesen lesen unter klumpigem Plumeau; warum hat er mich verpetzt; warum war Rache süß; waren Schläge so bitter; die Reue so groß; so groß aber auch die Liebe, die Geborgenheit; und der liebe Gott, warum zwinkerte er mit den Augen, wenn ich geflunkert hatte; warum bin ich;

und überhaupt, bin ich noch, jetzt, da du nicht mehr bist; und wo seid ihr, Gefährten meines Lebens, warum gegangen, warum so früh und wohin; und wohin nur; wohin gehe ich, wo bist du; warum die Trauer, Tränen, die Einsamkeit; warum dennoch Momente des Glücks; warum bleibt nichts, wie es war; warum verstehen wir nicht, dass wir lernen müssen, endlich, abgeben, teilen,

hinschauen, verzichten; der Tod stets so nah, ist er; warum überall Krieg, immer noch, nah und fern; weltweit, Hunger, Vertreibung, warum drehen wir nur um uns selbst, warum verstehen wir nicht, dass es bald sehr bald sehr bald zu spät sein wird; warum so selbst zerstörerisch, der Mensch, die angebliche Krönung der Schöpfung? Warum schreibe ich das? Sag es mir. Bitte.


© M.M.
127 Habichtswald - Elfchen 17.05.22
Vorschautext:
Habichtswald.
Lange her.
Hör Hornissen brummen,
laufe, hüpfe, jubelnd singend
hinterher.

Habichtswald.
Sich verstecken
hinter Bäumen, Hecken.
Springen über Stock und Stein.
Jubelschrei.

...
126 Zweigeteilt 16.05.22
Vorschautext:
Ach - bin ich nicht ein wirklich armer Tropf?
Mein zweigeteiltes ICH im Zwist, im Streit -
das ist so schwer, ich tu mir selber Leid.
Die Zweifelsschere teilt Gefühl und Kopf.

Mein Geist war vorher anders ausgerichtet.
Nur auf Versöhnung und ganz gegen Waffen,
mit Pflugscharen aus Schwertern Frieden schaffen!
Die ZEITENWENDE hat das umgewichtet.

Ich hatte beste Gründe, so zu denken.
Denn als ich Kind war, hab’ ich’s nah erlebt,
...
125 ganz ganz fest 13.05.22
Vorschautext:
wieder einmal lange im park gesessen
mit einem Buch das nichts taugt

nur geifernde hetzende worte
hat den Feuertod verdient

halt mich fest lieber
ganz ganz fest


©M.M.
124 alter Baum, hör mir zu 13.05.22
Vorschautext:
du meine uralte Eiche
bist weise und stark,
knorrig dein Stamm,

dein betagtes Geäst
nur sparsam belaubt,
stehst du unbeugsam

und aufrecht vor mir;
spür mein Streicheln;
leg mein waches Ohr

...
123 Die Erde, sie wird sich auch ohne uns drehen 10.05.22
Vorschautext:
Bilder des Kriegs kann man so verstecken,
dass wir uns nicht zu sehr erschrecken,
auf dass wir die Contenance behalten,
zufrieden und froh die Tage gestalten,

die Fotos des Horrors, man kann sie zensieren,
dass wir des Nachts den Schlaf nicht verlieren,
die lodernde Glut der Bombennächte,
die den Opfern erscheint wie höllische Mächte,

das Wimmern von Menschen unter den Trümmern,
ist so weit entfernt, soll uns nicht bekümmern,
...
122 wenn aber 10.05.22
Vorschautext:
wenn aber
die haut alt ist
und der fluss der

worte stockt im getriebe
der tage der geist nicht mehr
will weil die bilder geräusche der

schrillen schaurig heulenden sirenen
den schlaf stehlen wenn die angst zurück
ist in der nacht wenn das hoffen auf einsicht

...
121 Hoffnungsmond 07.05.22
Vorschautext:
den Lärm brauche
ich und die Stille, das Heiße,
das Kalte, das Klare, das Trübe, die

Lüge, das Wahre; brauche den Schmerz
und die Heilung, das Schwarz des Dunkels,
das Gold des Tags; die Schwere der Angst und

die Leichtigkeit fröhlichen Lachens und Tanzens;
steche mir mit dem Zirkel in meine Gedanken,
markiere sie mit roten kreisrunden Grenzen,

...
120 die Farbe der Farben 29.04.22
Vorschautext:
mein Denken an euch in der Nacht, es dröhnt,
wenn euer Schreien nach Gerechtigkeit,

nach Brot, nach Wasser, nach Liebe
meine Trommelfelle zertrümmern will

und sich alle lichten Gefühle des Lebens
in scharfe Stücke aus Eis zu verwandeln drohen,

hilf mir, Lieber, den Ballast der schwarzen Teile
meines Fühlens, meines fliehenden Lebens

...
119 ich widersetze mich 19.04.22
Vorschautext:
verwirrter Klageton schwebt
über rauchgeschwärztem Horizont

und die Ungewissheit der Dämmerungen
kommender Tage breitet ihr graues Trauertuch

über ausgebrannte Trümmer Häuser die Toten haben
ihre Namen vergessen und legen kein Zeugnis mehr ab

wer Feind ist wer Freund und unter der Last zu leise
gesprochener guter Worte der Versöhnung trägt

...
118 Letzte Pilgerreise 15.04.22
Vorschautext:
Am Ende des Pilgerwegs fragt er sich oft -
war zu leben vergebens, nichts so wie erhofft;
oder war’s ein Geschenk, ein wunderbares,
des Gebens, Nehmens, ein Schönes, ein Rares;
war’s ein inniges, zärtliches Händehalten,
ein lächelnd gemeinsam die Zukunft Gestalten;
ein gelegentlich sich mit Worten Verhöhnen -
um sich bereuend danach zu versöhnen;

mit Jammer, Jubel und so viel Liebe
und dem Hoffen darauf, dass es ewig so bliebe;
mit gemeinsamem Wandern in fremden Welten,
...
117 Zeiten der harten Worte 12.04.22
Vorschautext:
Tränen trennen
die Nacht vom Tag
in der Ferne ein
grollendes Donnern

Geister von gestern
sie tanzen Tango
auf verbrannten Wiesen
weil sie nichts wissen

davon wie es jetzt ist
vereinsamte Seelen
...
116 Nur Hand in Hand 31.03.22
Vorschautext:
Der Krieg so nah bedroht die Menschlichkeit.
Weckt Schreckensbilder auf aus alter Zeit.
Werden wir je gemeinsam wieder wandern,
durch Felder, Wälder zieh’n, ein’ Tag am andern?

Die Waffen mehren - wohin führt uns das?
Das Feindbild nähren schürt die Wut, den Hass
und macht uns für die eine Wahrheit blind -
dass wir doch erdweit Schwestern, Brüder sind.

Die Welt im Wandel, Angst hat zu viel Macht.
Wer steht mir bei, geht mit mir durch die Nacht?
...
115 du bist bei mir 22.03.22
Vorschautext:
du bist bei mir

sie schießen bomben töten wieder
und drohen mit totaler Vernichtung
tonloses Singen und Hände haltend

bin ich bist du sind wir eingesperrt
in starren Kristallen der Erinnerung
in den Kampf um Leben oder Tod

mir fehlt die Stille fehlt deine Nähe
wie wir da hockten in Verzweiflung
...
114 geronnene Zeit 22.03.22
Vorschautext:
geronnene Zeit
im Bangen erstarrt,
die Frühjahrsblumen, sie
vergessen das Blühen und
hinter den schwarzen Gardinen
des Zimmers der Kindheit im Krieg
wehen die eisigen Winde, während sich
der Grauregen schüttet über unbegrünten
Fassaden der verblassenden Winterhäuser,
neigt und biegt sich mir meine Straßenlaterne
müde lächelnd entgegen, ganz ohne zu scheinen;
Angst und Zuversicht, sie schlummern Seite an Seite;
...
113 So hebt sich der Morgen 11.03.22
Vorschautext:
Auch dieser Tag vergeht;
trage geduldig das Kreuz
der Irrwege andauernder
Suche nach Heimat selbst
im Schlaf; ich laufe, laufe

davon vor der Angst und
vor mir; taumle verstört,
es rast die Flut der Bilder
blutig geröteter Horizonte;
nie wieder ein Krieg, bitte,

...
112 Wir haben leider nichts gelernt 08.03.22
Vorschautext:
Wir haben leider nichts gelernt
aus all’ den großen Kriegen,
vom Frieden wieder weit entfernt
träumt man erneut vom Siegen,

Misstrauen macht die Augen blind,
im Vormarsch ist das Hassen,
in Bunkern Mutter, Vater, Kind,
Glücksträume nun verblassen,

die Wahrheit wird sich selber fremd,
sie lügen, wenn sie chatten,
...
111 und meine Seele durfte fliegen 08.03.22
Vorschautext:
nur loben will ich, darf nicht klagen,
denn heute möchte ich euch sagen -
es ist die Wahrheit und kein Spiel -
denn aus dem hohen Himmel fiel -

da zählte weder Zeit noch Raum -
ein helles Licht in meinen Traum,
umhüllte zärtlich mich mit Summen,
es heilte mein in Furcht Verstummen

und hob mich auf und trug mich fort
an einen wundersamen Ort,
...
110 ich flehe 01.03.22
Vorschautext:
abrüsten, innerlich, äußerlich, zu verzichten
neu lernen, nur das kann diese Erde retten,
dachte ich, meintest du; wir waren so sicher,
so soll es sein; sich hoffend Hände reichen -

weltweit; wenn Zeiten sich wenden, änderst
du dein Denken - das Zweifeln bleibt, meinst
du, Aufrüstung kann je zum Frieden führen?,
diesen Despoten in seine Knie zwingen?, zum

Umdenken bringen? fragen wir uns sehr bang,
und so ratlos, unsicher; ist weit weg, fühlte ich,
...
109 Wenn man 01.03.22
Vorschautext:
Wenn man
alt ist und versteht,
dass begrenzt ist alles
Leben, dass es nicht mehr
lange geht, und man weiß, so
ist es eben - dann lenkt man den
Blick zurück, blendet aus die dunklen
Zeiten, und man sieht nur noch - das Glück;
kann sich darauf vorbereiten, dass die Zeiten sich
nun runden, Licht - es wird verdrängt vom Schatten,
und ich zähl die guten Stunden, die wir miteinander hatten.

...
Anzeige