Profil von Eva Pietsch

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Anzahl Gedichte: 283
Anzahl Kommentare: 17
Gedichte gelesen: 42.055 mal
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Titel
283 Vogelperspektive 07.06.26
Vorschautext:
Heute flog ich über dein Haus.
Ich finde, es sah winzig aus.
Du meintest ja selbst, es sei ziemlich klein.
Recht hast du, da kannst du dir sicher sein.
Es handelt sich tatsächlich nur
um eines Hauses Miniatur.
Das sah ich von oben ganz genau,
denn mein Flugzeug stand eine Weile im Stau.
Im Garten sah ich dich winkend stehen.
Du hast mich am Flugzeugfenster gesehen.
Recht klein warst auch du, doch standest du schon
zum Haus in der rechten Relation.
282 Hoyersworter Empfangskommittee 07.06.26
Vorschautext:
Pechschwarz, weiß, fuchsrot und blond wie Garben,
Die Glückskatze hat ein Fell in vier Farben.
Welch ein gelungenes Fell-Design!
Sie kommt zu mir. Das Glück ist mein.

Ein schnurrendes Bündel Wohlbehagen
auf meinem Schoß kann ich vertragen.
Ich bin sicher, dass ich Glück jetzt hab’.
Das Fell nicht, aber das Wohlbehagen färbt ab.

Na sowas! Die Glückskatze ist nur eine von zwei’n.
Kein Wunder! Glück kommt ja nur selten allein.
281 Der Reisepfirsich 07.06.26
Vorschautext:
Mein Umgang mit ihm war nicht ganz sacht:
in den Rucksack ihn stopfen? Wie unbedacht!
In seiner einst runden Form die Dellen
stammen vielleicht von den Bodenwellen,
oder sie wurden auf andere Weise
zuteil ihm auf unserer Wanderreise.
Kommt ein Pfirsich im Rucksack zu liegen,
neigt er dazu, sich in Falten zu schmiegen.
Kann sein, er wird dabei etwas eckig
und der Rucksack von innen dreckig.
Ich fragte mich: Wo steckt er nur.
Dann folgte ich einfach der saftigen Spur.
...
280 Unterwegs 07.06.26
Vorschautext:
Zu verreisen macht mich froh.
Die Qualität des Anderswo
durchbricht des Alltags Immerhier.
Zu verreisen lob’ ich mir.

Seinen engen Horizont
erweitert, wer verreist, gekonnt.
Die Perspektive zu verändern
fällt leicht beim durch-die-Lande-schlendern.
279 Friedensdorf im Hinterland 07.06.26
Vorschautext:
Hinter etwa sechs Bergen ganz abgeschieden
gibt es noch Idylle und Frieden.
Nomen est omen, das merke dir wohl!
Friedensdorf heißt dieser Ruhepol.

Es handelt sich nicht um den Nabel der Welt.
Das ist es, was mir so gut gefällt.
Überwältigend wenig bis gar nichts ist los.
Da plätschert die Dautphe durch Gras und Moos.

In Baumwipfeln säuselt ein sanfter Hauch.
Da kennt man im Nu jeden einzelnen Strauch
...
278 Alle Wetter! 07.06.26
Vorschautext:
Der Wetterfrosch hielt sein Versprechen nicht.
Der sonnige Himmel blieb nicht lange dicht.

Die erhöhte Luftfeuchtigkeit an diesem Tag
ging über in zaghaften Niederschlag.

Das Maximum war noch lang nicht erreicht.
Am Anfang tröpfelte es nur leicht.

Sprühregen fiel auf Schirme und Mützen
und bildete nach und nach erste Pfützen.

...
277 Einzigartig 07.06.26
Vorschautext:
Wer nicht Fotoshop nutzt, hat's womöglich begriffen:
Wir sind ungehobelt und ungeschliffen.
Wer aber wagt, zu sich selbst zu stehen,
schafft auch, in einen Spiegel zu sehen.
Und wer nicht, vermeint vielleicht, für ihn spräche
die retouchierte Oberfläche.
Doch Ecken und Kanten sind nicht zu tadeln,
sie und die Falten sind’s doch, die uns adeln.
Durch sie offenbart sich im Laufe der Zeit
unsere Einzigartigkeit.
276 Frosch-Schicksal 07.06.26
Vorschautext:
Das Leben von Fröschen hat einen Haken:
Sie können nicht sprechen, sondern nur quaken.
Ihr Lebensraum, ihr ganzes Reich
ist nur ein kalter, nasser Teich.
Außerdem riecht der durch und durch
nach Entengrütze und nach Lurch.
Sie können nicht über ihr Schicksal reden,
und darum interessiert es nicht jeden.
275 Wasserscheu 07.06.26
Vorschautext:
Das Meer sei eigens zum Baden gemacht,
hatte ich ursprünglich gedacht.
Doch riskier’n will ich nichts, denn mir deucht,
das Meer ist heute womöglich feucht.
Ich bevorzuge, beim Baden trocken zu bleiben
und auf dem Badetuch hocken zu bleiben.
274 Lebenskünstler 07.06.26
Vorschautext:
Das Tier, das - obgleich es ständig was tut -
wie kein anderes in sich ruht,
will meistens just deinen Platz besetzen,
und mitunter nur seine Krallen dran wetzen.
Mal will es dir stumm um die Beine streichen,
mal miaut es zum Steinerweichen
und verlangt so mit Nachdruck, Filet zu speisen.
Mal zieht’s vor, sich wälzend das Dasein zu preisen.
Oftmals stellt sich das Tier ganz und gar
in den Mittelpunkt und ist dann plötzlich unsichtbar.
Was es auch tut, tut’s in aller Ruhe
ganz frei von Gehabe und ohne Getue.
...
273 Das Schicksal der gelben Himbeere 07.06.26
Vorschautext:
Die gelbe Gartenhimbeere grämt,
dass sie nicht frei durch Wälder düst.
Sie wurde eingezäunt und gezähmt
und hat ihren gesunden Teint eingebüßt.

Nur ihre Form gleicht noch der ihrer Oma.
Man hat mit ihrer Zucht bezweckt,
dass die Farbe verblich und mit ihr das Aroma,
weshalb sie vergilbt aussieht und schmeckt.
272 Vom Licht vertrieben 07.06.26
Vorschautext:
Einst gab es ihrer am Himmel viel.
Doch heute? Keine Sternchen mehr über Kiel.
Sie scheinen unsere Stadt zu meiden,
denn sie mögen das Licht nicht leiden.

Sterne verschwenden nicht gern ihr Funkeln
im Hellen. Sie strahlen lieber im Dunkeln.
Ich gäbe die Stadtbeleuchtung gern her
für ein prächtiges Sternenmeer.
271 Vielversprechend 07.06.26
Vorschautext:
Die imposanten Wolkengebilde
führen womöglich etwas im Schilde.
Sollte durch sie das Wetter sich wenden?
Werden sie ergiebigen Niederschlag spenden?
Als Vorhut vor dunklen Wolkentürmen
sind Böen dabei, das Land zu erstürmen.
Die Wolken schließen sich zu Bergen zusammen.
Gleich steht hier der Himmel in zackigen Flammen.
270 Essen fassen (eine wahre Geschichte) 07.06.26
Vorschautext:
Ins Joghurt habe ich Früchte geschnitten
und wäre schon fast zur Tat geschritten,
es gleich zu Hause zu verspeisen,
doch die Idee, an den Strand zu reisen,
ist mir gerade noch gekommen.
Mein Fruchtjoghurt habe ich mitgenommen.

Am Strand habe ich meinen Claim abgesteckt
und darin meine Picknicktafel gedeckt.
Kaum hab’ ich bei meinem Joghurt gesessen,
kam mir in den Sinn es aufzuessen.
Doch wie wird man von Joghurt satt,
...
269 Wetterfühlig 07.06.26
Vorschautext:
Das Wetter findet’s heut’ draußen nicht toll
und weiß nicht, wohin es mit sich soll.
Verständlich! Wer hat schon bei Bindfadenregen
Lust, sich außer Haus zu bewegen.
Wer einfühlsam ist, hat fürs Wetter Gespür
und jagt solchen Tages es nicht vor die Tür.
Seinem Verweilen im Haus hab’ ich zugestimmt,
solang’ es sich drinnen gut benimmt.
So befleißigen wir uns im Stubenhocken
und haben’s behaglich, warm und trocken.
268 Der kleine Landschaftsarchitekt 07.06.26
Vorschautext:
Der kleine Landschaftsarchitekt

Auch er liebt, wie ich, die Landschaftsform
des Mittelgebirges ganz enorm.

In ihre liebevolle Gestaltung steckt
er viel Mühe, der kleine Landschaftsarchitekt.

Reise ich ins Gebirge, bleibt er standorttreu
und gestaltet sich das Flachland neu.

Seine Kunst beherrscht der Maulwurf nicht schlecht,
...
267 Warum Sturmmöwen auf Dächern brüten 07.06.26
Vorschautext:
Am Strand, wo Möwen einst Nester bauten,
liegen heutzutage die vielen lauten
Touristen, eine jeder auf seinem Tuch.
Das steht so in keinem Vogelbuch.
Die wollen da in der Sonne braten.
Den Sturmmöwen schien es drum angeraten,
an einen ruhigeren Ort zu entfliehen,
um dort ihre Kinder aufzuziehen.
Da ihr gemütliches Leben am Strand nun vorbei war,
nahmen sie eben den Platz, der noch frei war.
und wählten als müden Ersatz die tristen
Flachdächer der Stadt, um auf ihnen zu nisten.
...
266 Lauer Sommertag am Meer 07.06.26
Vorschautext:
Endlich ist mir die Übersetzung gelungen.
Folgendes hatte die Möwe gesungen:
"An lauen Sommertagen wie diesen
sei mir das Matjesbrötchen gepriesen,
und ein paniertes Stück Backfisch im Bauch
als Hauptspeise behagt mir durchaus auch.
Zum wohlverdienten Nachtisch fräse
ich mich durch Krabben in Majonäse.
Vor Lachen hab’ ich mich fasst bepisst,
du unerfahrener doofer Tourist,
doch zahl' ich stattdessen die Wegeszehrung
wie üblich in weicher weißer Währung.“
265 Testen statt handeln 03.06.26
Vorschautext:
Um die Motorik von Kindern steht’s nicht zum Besten.
Das wissen wir zwar, doch soll’n wir es testen.
Mit dem Sport-Test haben wir Kinder geschunden.
Folgendes haben wir rausgefunden:
Mehr Bewegung für Kinder tut not,
doch haben wir nichts im Angebot.
Wir schonen unser karges Budget
mit unserer genialen Idee.
Das festgestellte Defizit
teilen wir einfach den Eltern mit
und hoffen, dass wenigstens sie dazu neigen,
sich verantwortlich zu zeigen.
264 Stillstand 25.05.26
Vorschautext:
Als Zug bezeichnet man, was zieht.
Wenn dieses aber nicht geschieht,
hat es den Namen nicht verdient,
auch dann nicht, wenn der Weg geschient.
Bleibt's stehen, liegt doch auf der Hand,
dass man es umbenennt in Stand.