Profil von Eva Pietsch

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Registriert seit dem: 25.10.2020

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Anzahl Gedichte: 287
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Gedichte gelesen: 45.727 mal
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Titel
67 Ein Hoch auf die Lerndiagnostik
Vorschautext:
Die Digitaldiagnostik ist richtig gut,
weil sie tut, was Diagnostik halt tut.
Daten erhebt sie und gibt dann Bericht:
Was kann das Kind und was noch nicht?
Ihre Aufgabe ist es zu eruieren,
was muss der Testling noch trainieren.
"Wo ist denn bloß die Großstelltaste?",
war, was das Kind nicht recht erfasste.
Der Bedarf, den wir ermittelt haben,
ist ein Kurs für Großbuchstaben.
66 Abgehauen
Vorschautext:
Auf der Deichkrone bekam ich einen Schreck:
Das ganze Nordseewasser war weg.
Wozu haben wir sie denn eingedeicht,
wenn dann die Nordsee doch entweicht?
65 Richtungsweisend
Vorschautext:
Das Schaf ist eine Art wolliger Ball.
Bei ihm ist nicht in jedem Fall
gewiss, wo welche Seite ist.
Schau nach, wenn du nicht sicher bist:
Geht draus hervor aus Dung ein Dings,
ist wahrscheinlich da nicht links.
64 Leisetreter
Vorschautext:
Eine orthopädische Wohltat ist der Gang auf dem Deich.
Auf seinem Untergrund tritt es sich weich.
Zu danken ist dafür den wolligen Tieren,
die allüberall ihre Köttel verlieren.
Das ist für das Knochengerüst von Nutzen.
Danach empfiehlt es sich, Schuhe zu putzen.
63 Wasserdicht
Vorschautext:
Einen Wollpelz hat das Schaf.
Der hält es warm nicht nur im Schlaf.
Er wärmt es auch tagsüber treu
während des Schafes Wiedergekäu.
Selbst produziert sein Lanolin
das Schaf, und damit fettet's ihn,
weil so ein Mantel besser nützt,
wenn er gleich noch vor Regen schützt.
Ich staune und mir imponiert,
wie's Schaf sich selber imprägniert.
62 Demo-Plakat
Vorschautext:
Statt demonstrieren zu müssen in Menschenmassen,
könnten wir uns mit etwas Klugem befassen,
würden die Dummen das Dummsein nur lassen.
Doch leider sind sie noch nicht weit
genug entwickelt und nicht gescheit.
Wie schade um die schöne Zeit!
61 Moment mal!
Vorschautext:
Du scheinst im Galopp durchs Leben zu traben
und für nichts und niemanden Zeit zu haben.
Wünschst du es anders, musst du dich bequemen,
zum Innehalten dir Zeit zu nehmen.

In deiner Hektik sägst du dumpf
den Wald um, doch die Säge ist stumpf.
Hältst du inne, um mal einen Blick zu werfen,
fällt dir vielleicht ein, dein Werkzeug zu schärfen.
60 Nö!
Vorschautext:
"Nö" ist mein neues Lieblingswort.
"Nö" sage ich in einem fort
Ich weide mich daran und freue mich still,
all das nicht zu tun, was ich nicht will.
Ich fange auch erst gar nicht an
mit alledem, was ich nicht kann.
59 Fassade gewahrt
Vorschautext:
Potemkinsche Dörfer und Prunkkulissen
soll unser werter Besuch nicht missen.
Wir räumen das Chaos in den Keller.
Ordnung dauert. So geht es schneller.
Oben hui, unten pfui gemäß altem Brauch.
Waschen nicht nötig - Parfüm tut's doch auch.
Dreckecken-Mief bringt keinen zum Niesen,
wenn überall Duftbäumchenwälder sprießen.
Auf diese Weise haben wir Arbeit gespart
und zugleich die Fassade gewahrt.
58 Fake News
Vorschautext:
"Fake News" ist Englisch, falls du das nicht weißt.
Willst du wissen, was das heißt?
Gemeint sind die als Tatsachen verpackten
unbewiesenen, "alternativen Fakten".
Man hört sie an, schon das lässt tief blicken.
Und dann erwischt man sich noch beim Nicken.
57 Der Untergang im Abend-Land
Vorschautext:
Vermeintlich geht täglich die Sonne unter.
Immer wieder spricht man darüber munter.
Gehören denn alle, die sowas behaupten
zu den ihres Verstandes Beraubten?
Man sehe den Tatsachen ins Gesicht:
Untergehen kann die Sonne nicht.
Nein, sie steht still an ihrem Fleck.
Wir dreh'n uns mit der Erde weg.
Und was muss da die Sonne sehen?
Sie denkt, sie sieht uns untergehen.
Bedenkt man das etwas genauer,
kommt raus: Sie ist kein bisschen schlauer.
56 Den Hals nicht voll genug kriegen
Vorschautext:
Gierige lechzen danach, Gut und Geld zu vermehren
und Kaviar und Austern en gros zu verzehren.
Dabei geht es ihnen nicht so sehr
ums Wieviel, sondern um das Immer-mehr.

Eine Gewinnfunktion, die linear, aber steil ist,
ist etwas, das schon ziemlich geil ist.
Verläuft eine Kurve erst immer steiler,
ist das schlichtweg noch viel geiler.

Ein solcher Wachstumsverlauf, ein exponentieller,
bedeutet, das Einkommen wächst immer schneller.
...
55 Plötzlicher Durchblick
Vorschautext:
Jüngst präsentierte sich alles um mich herum speckig.
Himmel und Erde war'n verdreckt und fleckig.
Ich fand, dass all diese Schleier und Schlieren
nicht dienten, das Universum zu zieren.

Kurz drauf strahlte alles in neuem Glanz.
Der liebe Gott, dachte ich, der kann's!
Und doch ließ mich diese Veränderung stutzen.
Ich sollte wohl öfter die Brille putzen.
54 Auf Wahrheitssuche
Vorschautext:
Den Wahrheitssucher, ihn machte nicht bang
tiefes Wasser, das zum Schwimmen ihn zwang.
Die Gefahr verachtend mit stürmischer Glut
teilte er zielstrebig die reißende Flut.

Auch scheute er sich nicht, im Trüben zu fischen
und darin Wahrheiten zu erwischen.
Nur mit einer Gewässerart tat er sich nicht leicht:
mit jener nämlich, die ihm zu seicht.
53 Aktionismus
Vorschautext:
Aktionismus ist nichts als heiße Luft,
die ohne jeden Effekt verpufft.
Keinesfalls wird zum Ziele führen,
Vorhand'nes mit eins zu multiplizieren.
52 Verzicht
Vorschautext:
Wir meinen wohl, wir meiden Neid,
durch den Verzicht aufs Seidenkleid.
Doch unsere Bescheidenheit
tut uns am Ende beiden leid.
51 Raffinierte Gewinnbilanz
Vorschautext:
Mein erklärtes Shopping-Ziel
heißt: für sehr wenig richtig viel.
Darum gilt es die Fülle an Angeboten
auf Werbetafeln auszuloten.
Es gibt niemanden, der wie ich so willig ist,
schlichtweg alles zu kaufen, was billig ist.
Es kann gescheh'n, dass Qualität
dabei mal außer acht gerät.
Mir geht's nicht um Klasse und tolle Güte,
sondern um Masse und volle Tüte.
Angebote können vor Kosten bewahren
und mir als Kundin viel Geld einsparen.
...
50 Mitgenommen
Vorschautext:
Uns're Kritik äußern wir ganz offen.
Zuständige nicken und gucken betroffen.
"Das nehmen wir mit", sagen sie beflissen.
Wohin bloß, würde ich gern wissen.
Doch niemals offenbaren sie,
bis zu welcher Deponie.

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49 Atmosphärische Irrung
Vorschautext:
Die Atmosphäre heute ist unerklärlich.
Vielleicht ist das, was sich ereignet, gefährlich.
Die Bäume stehen ganz und gar unverbogen.
Die Wolkendecke wurde beiseite gezogen.
Ein fremdes Wesen am Himmel sendet
heut’ Licht aus, das mich scheußlich blendet.
Der Mangel an Dunkelheit ist gleißend
und wirkt auf meine Netzhäute beißend.
Noch etwas, das mich entsetzt, ja - verstört:
Die Luft ist regelrecht ausgedörrt.
Sonst kommt Nässe stets seitwärts geflogen,
doch wurde der Luft alles Nass entzogen.
...
48 Echokammer
Vorschautext:
Ich postuliere meine Phrase
laut hinein in meine Blase,
denn dorther kommt auf jeden Fall
nur positiver Widerhall.
Ich aale mich sehr gern im Glanz
Der unisono-Resonanz.