Profil von Eva Pietsch

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Anzahl Gedichte: 295
Anzahl Kommentare: 23
Gedichte gelesen: 46.945 mal
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Titel
275 Wasserscheu 07.06.26
Vorschautext:
Das Meer sei eigens zum Baden gemacht,
hatte ich ursprünglich gedacht.
Doch riskier’n will ich nichts, denn mir deucht,
das Meer ist heute womöglich feucht.
Ich bevorzuge, beim Baden trocken zu bleiben
und auf dem Badetuch hocken zu bleiben.
274 Lebenskünstler 07.06.26
Vorschautext:
Das Tier, das - obgleich es ständig was tut -
wie kein anderes in sich ruht,
will meistens just deinen Platz besetzen,
und mitunter nur seine Krallen dran wetzen.
Mal will es dir stumm um die Beine streichen,
mal miaut es zum Steinerweichen
und verlangt so mit Nachdruck, Filet zu speisen.
Mal zieht’s vor, sich wälzend das Dasein zu preisen.
Oftmals stellt sich das Tier ganz und gar
in den Mittelpunkt und ist dann plötzlich unsichtbar.
Was es auch tut, tut’s in aller Ruhe
ganz frei von Gehabe und ohne Getue.
...
273 Das Schicksal der gelben Himbeere 07.06.26
Vorschautext:
Die gelbe Gartenhimbeere grämt,
dass sie nicht frei durch Wälder düst.
Sie wurde eingezäunt und gezähmt
und hat ihren gesunden Teint eingebüßt.

Nur ihre Form gleicht noch der ihrer Oma.
Man hat mit ihrer Zucht bezweckt,
dass die Farbe verblich und mit ihr das Aroma,
weshalb sie vergilbt aussieht und schmeckt.
272 Vom Licht vertrieben 07.06.26
Vorschautext:
Einst gab es ihrer am Himmel viel.
Doch heute? Keine Sternchen mehr über Kiel.
Sie scheinen unsere Stadt zu meiden,
denn sie mögen das Licht nicht leiden.

Sterne verschwenden nicht gern ihr Funkeln
im Hellen. Sie strahlen lieber im Dunkeln.
Ich gäbe die Stadtbeleuchtung gern her
für ein prächtiges Sternenmeer.
271 Vielversprechend 07.06.26
Vorschautext:
Die imposanten Wolkengebilde
führen womöglich etwas im Schilde.
Sollte durch sie das Wetter sich wenden?
Werden sie ergiebigen Niederschlag spenden?
Als Vorhut vor dunklen Wolkentürmen
sind Böen dabei, das Land zu erstürmen.
Die Wolken schließen sich zu Bergen zusammen.
Gleich steht hier der Himmel in zackigen Flammen.
270 Essen fassen (eine wahre Geschichte) 07.06.26
Vorschautext:
Ins Jogurt hatte ich Früchte geschnitten
und wäre fast schon zur Tat geschritten,
es gleich zu Hause zu verspeisen,
doch die Idee an den Strand zu reisen,
ist mir gerade noch gekommen.
Mein Fruchtjoghurt habe ich mitgenommen.

Am Strand habe ich mein Geviert abgesteckt
und darin die Picknicktafel gedeckt.
Kaum hab' ich bei meinem Jogurt gesessen,
kam mir in den Sinn, es aufzuessen.
Doch wie wird bloß man von Jogurt satt,
...
269 Wetterfühlig 07.06.26
Vorschautext:
Das Wetter findet’s heut’ draußen nicht toll
und weiß nicht, wohin es mit sich soll.
Verständlich! Wer hat schon bei Bindfadenregen
Lust, sich außer Haus zu bewegen.
Wer einfühlsam ist, hat fürs Wetter Gespür
und jagt solchen Tages es nicht vor die Tür.
Seinem Verweilen im Haus hab’ ich zugestimmt,
solang’ es sich drinnen gut benimmt.
So befleißigen wir uns im Stubenhocken
und haben’s behaglich, warm und trocken.
268 Der kleine Landschaftsarchitekt 07.06.26
Vorschautext:
Der kleine Landschaftsarchitekt

Auch er liebt, wie ich, die Landschaftsform
des Mittelgebirges ganz enorm.

In ihre liebevolle Gestaltung steckt
er viel Mühe, der kleine Landschaftsarchitekt.

Reise ich ins Gebirge, bleibt er standorttreu
und gestaltet sich das Flachland neu.

Seine Kunst beherrscht der Maulwurf nicht schlecht,
...
267 Warum Sturmmöwen auf Dächern brüten 07.06.26
Vorschautext:
Am Strand, wo Möwen einst Nester bauten,
liegen heutzutage die vielen lauten
Touristen, eine jeder auf seinem Tuch.
Das steht so in keinem Vogelbuch.
Die wollen da in der Sonne braten.
Den Sturmmöwen schien es drum angeraten,
an einen ruhigeren Ort zu entfliehen,
um dort ihre Kinder aufzuziehen.
Da ihr gemütliches Leben am Strand nun vorbei war,
nahmen sie eben den Platz, der noch frei war.
und wählten als müden Ersatz die tristen
Flachdächer der Stadt, um auf ihnen zu nisten.
...
266 Lauer Sommertag am Meer 07.06.26
Vorschautext:
Endlich ist mir die Übersetzung gelungen.
Folgendes hatte die Möwe gesungen:
"An lauen Sommertagen wie diesen
sei mir das Matjesbrötchen gepriesen,
und ein paniertes Stück Backfisch im Bauch
als Hauptspeise behagt mir durchaus auch.
Zum wohlverdienten Nachtisch fräse
ich mich durch Krabben in Majonäse.
Vor Lachen hab’ ich mich fasst bepisst,
du unerfahrener doofer Tourist,
doch zahl' ich stattdessen die Wegeszehrung
wie üblich in weicher weißer Währung.“
265 Testen statt handeln 03.06.26
Vorschautext:
Um die Motorik von Kindern steht’s nicht zum Besten.
Das wissen wir zwar, doch soll’n wir es testen.
Mit dem Sport-Test haben wir Kinder geschunden.
Folgendes haben wir rausgefunden:
Mehr Bewegung für Kinder tut not,
doch haben wir nichts im Angebot.
Wir schonen unser karges Budget
mit unserer genialen Idee.
Das festgestellte Defizit
teilen wir einfach den Eltern mit
und hoffen, dass wenigstens sie dazu neigen,
sich verantwortlich zu zeigen.
264 Stillstand 25.05.26
Vorschautext:
Als Zug bezeichnet man, was zieht.
Wenn dieses aber nicht geschieht,
hat es den Namen nicht verdient,
auch dann nicht, wenn der Weg geschient.
Bleibt's stehen, liegt doch auf der Hand,
dass man es umbenennt in Stand.
263 Rendsburger Hochbrücke 25.05.26
Vorschautext:
Von der Rendsburger Eisenbahnbrücke
ließ ich schweifen meine Blicke.
Ich schaute von oben herab und mir schien,
als schaute ich auf ein Modell von Märklin.
Die Rendsburger Gegend gefällt mir nicht nur
Eins zu eins, sondern auch in Miniatur.
262 Kuckucks Namensgedächtnis 25.05.26
Vorschautext:
Vergesslichkeit -sein Markenzeichen;
sie sucht wirklich ihresgleichen.
Der Kuckuck singt nicht einfach nur Lieder;
seinen Namen übt er wieder und wieder,
denn wenn er den einmal vergisst,
weiß er nicht mehr, wer er ist.
261 Eiderstedter Haubarg 24.05.26
Vorschautext:
Endemisch
Ausschließlich von Eiderstedt ist er bekannt,
der endemische Haustyp wird Haubarg genannt.
Sein Gebälk ruft Erinnerungen wach.
Einst teilten sich Heu, Vieh und Menschen sein Dach.

Nachhaltig
Damals war des Bauherrn Ziel,
ein Haus zu bau'n, fest und stabil,
damit nachfolgende Generationen
auch nach ihm weiterhin drin wohnen.

...
260 Abgehängt 24.05.26
Vorschautext:
Gegenwind-Radfahren fällt mir schwer.
Mein Schatten fährt mühelos neben mir her.
Ein möglicher Grund hierfür fällt mir ein:
Bestimmt wird er noch jünger sein.
Er ist auch jetzt am Abend größer
und vermutlich muskulöser.
259 Café am See 23.05.26
Vorschautext:
Bei Torte und einer Tasse Kaffee
belauschte ich die Frösche im See.
Ich hab' eine Übersetzung gewagt.
Folgendes haben die Frösche gequakt:

"Wir wollen hier in uns'ren Tümpeln
nichts als planschen, dösen, dümpeln;
und manch fetter Brummer im Bauch
behagt uns hin und wieder auch."

Möglicherweise jedoch ist diese
Quak-Analyse nicht ganz präzise.
...
258 Unvereinbar 21.05.26
Vorschautext:
Es widerspricht sich nicht nur scheinbar.
Die Inhalte sind wirklich unvereinbar:
Zugleich als Mitglied der Gewerkschaft dabei
und in der menschenverachtenden Partei?
Das erfordert entweder die innere Haltung
einer klaffenden Persönlichkeitsspaltung,
oder soll das Gewerkschaftsmitglied-Spielen
eher auf Infiltration abzielen?
257 Erprobte Wirksamkeit 21.05.26
Vorschautext:
Wer einschläft in der Kirchenbank
benötigt einen Zaubertrank.
Drum wünschte ich, man reichte mir
‘nen Kelch voll Lebenselixier.
Auch ist mein Appetit enorm
auf Mehlspeise in Plättchenform.
Dank der darin enthaltenen Stärke
schreite ich frisch gekräftigt zu Werke.
256 Gut gezaubert 21.05.26
Vorschautext:
Die Beschaffenheit des Wollfadens war
Am Anfang eindeutig linear.
Ich konnte den Zauber nicht durchblicken:
Wie konnte dieses Kunststück glücken,
durch Klappern mit zwei Zauberstäben
die zweite Dimension zu weben?