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Gedichte über das Schicksal - Seite 184


Bin ich Mädchen oder Junge - Teil I

Eine wahre Geschichte aus Kanada


In Winnipeg war es, Provinz Manitoba,
Kanadisches Land, sehr weit weg von Europa.
Janet und der Ron warn ein glückliches Paar,
sie hatten sich zeitig gefunden fürwahr.

Sie war grade achtzehn, er hatt' zwei Jahr mehr.
Sie planten die Ehe, sie liebten sich sehr.
Sie hatten zwar Arbeit, doch nicht grad viel Geld,
und dann hat sie ihm eines Tages erzählt:

Sie sind schon in Kürze nicht mehr nur zu zwein,
wie sie seit jetzt weiß, werdens Zwillinge sein.
Die Eltern von beiden warn garnicht begeistert,
drum haben sie selbst ihre Hochzeit gemeistert.

Ein Glück war, dass Ron jetzt im Schlachthof beginnt,
wo er doppelt so viel wie vorher verdient.
Das war freilich nun ein ganz neuer Beginn,
sie konnten 'ne 3-Zimmerwohnung beziehn.

Janet wurde vor der Entbindung noch krank,
die lief aber trotzdem recht gut - Gott sei dank.
Nach längerem Warten hat Ron dann erfahrn,
dass es eineiig-männliche Zwillinge warn.

Die Eltern, die konnten bald leicht unterscheiden:
Der Bruce war der Lebhaftere von den Beiden,
der Brian, den Janet als zweiten gebar,
viel ruhiger, weniger anstrengend war.

Doch eins nahm die Mutter sich schließlich zu Herzen:
Sie hatten beim Pinkeln nach Monaten Schmerzen.
Der Arzt stellte schnell die Standard-Diagnose,
es ist gar nicht selten, man nennt es Phimose.

Die Lösung war einfach zur Schmerzensvermeidung,
es war zu beheben durch Vorhautbeschneidung.
Im Krankenhaus hatte man schnell den Termin,
sie schafften die Jungen am Abend schon hin.

Der Kinderarzt war zum Termin nicht im Haus,
drum führt es der Praktische Arzt diesmal aus.
Der Bruce kam als erster zur Operation,
er lag auf dem Tisch, man betäubte ihn schon.

Man nutzte zum Schneiden nicht einfach Skalpelle,
ein Elektrokauter vertrat diese Stelle.
Die Stromstärke wurde auf Minimum gestellt ,-
die Nadel, sie schnitt nicht. Woran hats gefehlt?

Ob's 'ne Fehlfunktion war? Stimmt die Handhabung nicht?
Oder hat man zu sehr auf Ampere verzicht't?
Jedenfalls ward die Stromstärke mehrmals erhöht -
und dann plötzlich steigt Rauch auf! Ein Zischen entsteht!

Ein Geruch wie beim Schmoren von Fleisch in der Luft!
Ganz dringend man den Urologen jetzt ruft.
Das Organ dieses Babys war ganz stark verletzt,
und es ward für den Harn ein Katheder gesetzt,

an das äußere Ende ein Beutel gemacht,
und das Kind zur Station Brandverletzung gebracht.
Was damals passiert ist - es ist kaum zu fassen.
(Das Brüderchen wurde in Ruhe gelassen).



Anmerkungen zum Gedicht:

Die Informationen zu diesem mehrteiligen Gedicht habe ich folgendem Buch entnommen:
John Colapinto: Der Junge, der als Mädchen aufwuchs.
Es ist die sehr gründlich recherchierte und hervorragend geschilderte Lebensgeschichte eines Menschen, der Entsetzliches durchgemacht hat.
Ich kann das fesselnde und lehrreiche Buch jedem sehr empfehlen.
Es erschien mir deshalb auch sinnvoll, ein Gedicht daraus zu machen, um es auch Lesern nahe zu bringen, welche die kürzer gefasste Form des gereimten Gedichtes (zunächst) bevorzugen.

Heinz Säring
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Bin ich Mädchen oder Junge - Teil II

Der Vater kam spät in der Nacht von der Schicht,
Janet hatte dafür das Essen gericht't.
Es brannte bis früh um halb drei noch das Licht.
Das schreckliche Unglück, sie ahnten es nicht.

Man hat dort fast tausend mal Vorhaut beschnitten,
noch nie hat ein Kind einen Unfall erlitten.
Es gab auch speziell eine Kinderstation,
man war sich ganz sicher, die machen das schon.

Sie schliefen noch morgens, da klingelte schon
aus der Klinik recht zeitig das Haustelefon.
Sie sollten gleich kommen, so ward informiert,
es sei heute leider ein Unfall passiert.

Im Zimmer des Arztes - die Zeit zog sich hin -,
bis schließlich dann der Doktor Huot erschien,
und auf Janets Frage, sie war stark berührt:
"Bei Bruces Beschneidung ist etwas passiert."

"Was heißt das?" fragt Janet , jetzt völlig gebannt.
"Es wurde dem Jungen der Penis verbrannt."
Und was sie dann sah'n ist entsetzlich gewesen!
Nie konnte das Kind von dem Schaden genesen.

Sie fuhrn mit dem Baby in die USA,
und fragten sich nachher: "Was wollten wir da?"
Nach allen Versuchen, da sahen sie ein,
der Bruce bleibt sein Leben lang immer allein.

Sie konnten auch praktisch mit niemandem sprechen,
sie hieltens geheim, wie ein schweres Verbrechen.
Der Ron zog Kollegen mal kurz in Betracht,
die haben sich drüber noch lustig gemacht!

Nicht einmal ins Kino mehr konnten sie gehen,
vielleicht hätt' die Aufsichtsfrau alles gesehen.
Sie hätte es überall weitererzählt -,
das hätte zum Unglück jetzt grad noch gefehlt!

Dem Ron kamen Albträume bald in der Nacht,
er hätte den Arzt Dr. Hout umgebracht.
Er hatte ihn oft und sehr hart an der Kehle -,
vielleicht tat das Not für die schmerzende Seele.

Bei Brian ergab sich nach einigen Zeiten,
es war gar nicht nötig, das ganze Beschneiden.
Das ließ nun das Unglück noch schlimmer erscheinen,
die Mutter, sie konnte nur bitterlich weinen.
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Bin ich Mädchen oder Junge? - Teil III

Zehn Monate später, das Fernsehen brachte
die Sendung, die ihnen dann Hoffnungen machte,
denn da trat ein Dr.Money auf den Plan,
der glänzend die Menschen beeindrucken kann.

Er war Sexualforscher, weltweit bekannt,
erst recht in Amerika sehr oft genannt.
Ein sehr großes Krankenhaus in Baltimore -
dort machte der Mann schon seit Jahren Furore.

Und vom Moderator sehr stark attackiert,
das hat ihn doch so gut wie garnicht berührt.
Und schließlich war da noch ein Weibsbild zu preisen,
die hat vor paar Jahren noch Richard geheißen.

Es kam auch die Rede auf Kinder, sehr junge,
das lag dem Experten schon recht auf der Zunge,
er meinte, das sei ja gerade das Tolle,
Geschlecht bei Geburt spiele gar keine Rolle.

Durch Hormonbehandlung und Operation
und richt'ge Erziehung, da klappt das dann schon.
Janett schrieb dem Doktor auch gleich unumwunden -,
für den war der Fall wie "Gesucht und gefunden."

Er wird jetzt - und darum nur konnt es sich handeln -
den Bruce in ein glückliches Mädchen verwandeln,
und Brain als Vergleichsperson! - Das war ein Fall!
Eineiige Zwillinge - ganz ideal!

Er schildert die Zukunft in rosigen Farben,
dass sie beim Besuch schnell Vertrauen erwarben:
Das Kind wird zum Mädchen und später zur Frau,
bei der funktioniere dann alles genau,

sie wird auch Erotik auf Männer ausüben,
es wär ganz normal, sich in sie zu verlieben,
sie würde auch einen Orgasmus erleben,
die Ehe vollziehen, - nur eines sei eben

nicht möglich, dass sie eigne Kinder austrage,
da kommt eben die Adoption dann in Frage.
Doch wär es von Übel, noch Zeit zu verlieren,
man müsse den Jungen jetzt ganz schnell kastrieren.

Es gibt leider Menschen, die kommen zur Welt,
bei denen sind nicht klar die Weichen gestellt,
ob Mädchen, ob Junge ist erst mal umstritten,
man nennt solche Menschen dann Hermaphroditen.

Bei denen wird dann stets erst gründlich bedacht,
ob man sie zu Jungen, zu Mädchen nun macht.
Doch ist es bei Bruce ein ganz anderer Fall,
der war von Geburt her ja völlig normal.

Den Eltern, den wurde nach Jahren erst klar,
dass das ein gewaltiger Unterschied war.
Der Doktor musst' das aber eindeutig sehn,
er hoffte wohl darauf, es würde schon gehn.

Doch war das bisher überhaupt nicht bekannt,
für ihn war das Experiment int'ressant.
Hat er dieses Unglückskind erst mal beim Wickel,
es war ein Vesuch und der Bruce das Karnickel.

Die Eltern, die zwar voller Hochachtung waren,
sie waren sich doch nicht vollkommen im Klaren,
ob sie, was Money meint, nun wirklich auch wollen,
und ob sie der Umwandlung zustimmen sollen.

Ihr Kinderarzt riet ihnen eindeutig ab,
und aus der Verwandschaft sich nicht viel ergab.
Sie dachten daran, was als Junge er eben
an Demütigungen müsst alles erleben.

Sie stimmten dann schließlich darin überein,
als Mädchen, da würde es einfacher sein.
Entscheidend war aber, man konnte drauf bauen,
zu solch einem Abgott da hat man Vertrauen:

Doc Money, der drängte sie schon wie zwei Deppen,
schrieb ihnen, sie würden die Sache "verschleppen".
Dann stimmten sie zu, Bruce wurde "entmannt",
und wurde dann zukünftig Brenda genannt
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Bin ich Mädchen oder Junge - Teil IV

Der Doc: Es wär gut, wenn sie niemals erfahr,
dass sie nicht ein Mädchen von Anfang an war.
Er wolle -sie würdens bestimmt nicht bereuen -
die Brenda und Brian auch weiter betreuen.

Drum bringe man sie etwa einmal im Jahre
zu ihm, dass er stets die Entwicklung erfahre.
Die Informationen noch mehr zu verdichten,
da soll ihm Janet zwischendurch noch berichten.

Vorm 2. Geburtstag, da zieht sie ihr dann
erstmalig ein sehr hübsches Kleidchen nun an.
Dem Kind ist die Sache am Anfang schon dumm,
sie zerrt und zupft bös an dem Kleidchen herum.

Die Haare, die sind ja inzwischen gewachsen -,
Ein bildhübsches Mädchen, ganz ohne zu flachsen
Die Mutter, die redet sich immerhin ein,
sie wird sich bald freuen, ein Mädchen zu sein.

Doch Puppen und Kleidchen, die mochte sie nicht,
sie war sehr auf Spielzeug vom Bruder erpicht.
Der war zwar der Junge, doch Brenda dagegen,
die war ihm im Kampfe total überlegen.

Und wenn sie sich kampelten, weil sie sich stritten,
da hat nun der Brian schon tüchtig gelitten.
Es ging noch am Anfang, da waren sie zwei,
doch bald warn auch andere Kinder dabei.

Ward Brian geschlagen, braucht sie nur auftauchen,
da scheut sie sich nicht, ihre Fäuste zu brauchen.
Sie rettet den Bruder, als wärs ihre Pflicht,
den anderen Kindern gefällt's aber nicht.


Damit das Int'resse aufs Nähen man lenkt,
bekam sie 'ne Spiel-Nähmaschine geschenkt.
Sie musste nur erst mal an Werkzeug ran kommen,
da wurde das Ding auseinander genommen.

Das hat ihr gefallen, das fand sie sehr schön,
doch nicht damit alberne Tücher zu nähn.
Sie musste doch sehen, wie das funktioniert,
das Nähen hat sie aber nicht int'ressiert.

Die Zwillinge fandens beizeiten beschissen,
dass sie immer wieder zum Doktor hin müssen.
Und wurden sie nach Baltimore gebracht,
das hat sie sehr bald schon sehr ängstlich gemacht.

Es wurden dort immer viel Fragen gestellt,
zum Beispiel, was ihnen für Spielzeug gefällt.
Ob sie sich auch streiten und schlagen zur Frist,
und wer von den Beiden der Anführer ist.

Und wie sie mit Jungen und Mädchen sich fühlen,
und ob sie auch manchmal Familie spielen,
und wie das ist. wenn sie pipi machen gehn,
und wie sie so zwischen den Beinen aussehn.

Der Doktor verlangte auch Sachen von ihnen,
die widerlich waren und seltsam erschienen.
Sie klagten auch nicht ihren Eltern ihr Leid,
sie glaubten ganz einfach, die wissen Bescheid!

Nicht etwa ein Missbrauch war seine Bemühung,
er meinte, das wäre Geschlechtererziehung.
Sexspiel unter Kindern sei gar nicht obszön,
er hab es im Norden Australiens gesehn.
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Bin ich Mädchen oder Junge - Teil V

Die Brenda verstand nicht, was war mit ihr bloß,
im Vorschulkindalter da ging es schon los,
sie hat es auf keine 2 Tage gebracht,
da wurde gekichert, da wurde gelacht.

Sie war ja so was, wie ein ganz schwarzer Schimmel,
saß breitbeinig da, wie ein Rowdy, ein Lümmel.
Wie konnte ein Mädchen so jungenhaft laufen,
und ständig drauf aus sein, mit andern zu raufen?

Sie hat sich nun freilich auch manchmal bemüht,
sich so zu verhalten, wies Mom gerne sieht.
Sie merkte ja bald, sie wird stets überwacht,
dann hat sie mal was mit im Haushalt gemacht.

Die Mutter hat solche Momente sondiert,
und -etwas beschönigt- dem Doc präsentiert.
Int'ressen, die sonst als sehr maskulin galten,
die nennt Dr.Money halt "Wildfangverhalten".

Die Einschulung nahte, da sah es so aus,
als lässt man sie besser ein Jahr noch zu Haus.
Doc Money ließ testen dann ihren IQ,
der lag um die 90, da fehlt nichts dazu.

Probleme gabs nur im sozialen Kontakt,
der Doc war der Meinung, dass sie das bald packt,
doch Ende des Schuljahres ward klar empfohlen,
sie musste das Jahr noch einmal wiederholen.

Doc Money sprach - beiläufig sollte es klingen -,
es wäre da noch was in Ordnung zu bringen,
ne kleine Veränderung unter dem Bauch,
"dann bist du ein Mädchen, wie andere auch."

Er fürchtete nämlich den Misserfolg schon
und drängte sie heftig zur Operation,
er glaubte, ihr Widerstand würde erschlaffen,
sobald man ihr eine Vagina geschaffen.

Doch mit sieben Jahren da hat sie's gewagt,
und hat diesem Doktor ganz deutlich gesagt:
"Ich will überhaupt nicht die Operation!"
Da war er sehr sauer, sie ahnte es schon.

Die Brenda, sie sträubt sich noch mehr mit den Jahren,
noch einmal zu diesem Doc Money zu fahren.
Im Jahr 74 - sie wurde 9 Jahr -
hat sie einen Nervenzusammenbruch gar.

Doch dann im November, da konnt man sie zwingen,
sie wiederum nach Baltimore zu bringen.
Ganz aussichtslos war dann die Situation,
sie rannte dem Doktor in Panik davon.

Von Großeltern wurde sie heimlich beäugt,
denn die waren längst schon davon überzeugt,
man hätte als Jungen sie aufziehen müssen,
doch Ron und Janet wolln das jetzt nicht mehr wissen.

Sie glaubten, es wäre jetzt wirklich am besten,
hier fortziehn und dann ganz weit weg Richtung Westen.
Das Haus und die Möbel ward alles versetzt,
mit nur einem Laster verschwanden sie jetzt.

Warum hatten sie die Veränd'rung gesucht?
Es ist nicht zu leugnen, es war eine Flucht!
Probleme verschwinden nicht an andern Orten,
es war nur noch alles viel schlimmer geworden.

Die Mutter sie weinte, der Vater der trank,
bei allen da lagen die Nerven jetzt blank.
Sie waren belastet wie durch einen Fluch!
Janet machte gar einen Freitod-Versuch.

Sie zogen ganz ernst in Erwägung die beiden,
sich völlig zu trennen, die Ehe zu scheiden.
Die ganze Aktion brachte wirklich kein Glück,
nach anderthalb Jahren gings wieder zurück.

Die Brenda allein zeigte sehr viel Geduld,
sie glaubte, sie trüg an dem Ganzen die Schuld.
'ne Top-Psychologin bekommt sie mit 12,
klein war die, als wäre sie selber erst 11,

doch Mary McKenty war tüchtig und gütig,
ein Großmuttertyp und so richtig gemütlich.
Obwohl Brenda anfangs sehr misstrauisch war,
zu ihr fasst sie volles Vertrauen sogar.

Sie und Dr.Winter, die sagten nach Jahren:
"Das Kind muss jetzt endlich die Wahrheit erfahren!
Es ward viele Jahre gequält und geschunden,
es hat sich ja niemals als Mädchen empfunden."
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