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Gedichte über Gewalt - Seite 3


läuft...

Es tropft vor Selbstherrlichkeit
die bequeme Anonymität.
Die eigene innere Zerissenheit
nach außen um sich schlägt.

Wofür man selber sich gerne hält,
trägt man unerkannt zur Schau.
Was unerreicht lange schon quält,
jetzt ist die Zeit reif für die Show.

Mangels Personal Multitasking gilt,
eine Rolle alleine ist eh zu wenig.
Schlüpft mehrmals ins Bühnenbild,
omnipresent, das Talent rührselig.

Ist die Lebensrealität noch so bitter,
im Virtuellen kann man alles sein.
Ob Polizist, Politiker oder gar Richter,
ob Demonstrant oder Kritikerlein.

Wozu einem real der Mut fehlt,
traut man sich hier tapfer aufzutragen.
Kann behaupten, was nichts belegt,
blockiert lässig lästige Nachfragen.

Schwindet die begeisterte Gemeinde,
schafft man sich paar neue Rollen.
Doch sicher ist man nie ganz alleine,
paar Unzufriedene das Gleiche wollen.

Die Echokammer im Gleichklang hallt,
worin die schöne neue Welt verfängt.
Wer sich permanent mit Hass verstrahlt,
ins aggressive Krebsgeschwür einlenkt.

Alte weiße Männer und alte weiße Frauen
träumen von einst priviligierten Zeiten,
von einer letzten Generation aus Blauen,
dafür wollen sie jetzt den Weg bereiten.

Selbst unverbesserlichste Weltverbesserer
sind dabei, frustriert ihr Ideal zu verlieren,
zwischen Zähnen lauern Hetze und Messer,
als Feindbild vorbereitend sich zurückzieren.

Es scheint als dreht sich alles stets im Kreis,
nicht nur die Natur läuft so durchs Jahr.
Geschichte holt sich wieder ein als Beweis,
nicht jeder Mensch lernt aus dem was war.

© meteor 2025
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Bereshit = Anfang des Geschehens

Ach, wie oft wurds schon ersponnen,
wie Menschendasein hat begonnen,
und auch mich konnt es erfassen,
hab die Geister losgelassen,
habs akut und viel betrieben,
und nun wird´s hier aufgeschrieben.
Religion ist nur ein Bild,
das des Menschen Leere füllt!
Und wenn nun wer darüber lacht,
bezeug mir, dass er´s besser macht.

Dem Creator konnt es grade glücken:
aus Weltenall ein Teil zu stücken.
Durch die Formel eins: „Es werde!“
entstand gebärend Mutter Erde.
Und am End gab´s Lebewesen!
Damit schien das Bild erlesen -
von sich selber ausgedacht -
gerad am Scheitelpunkt der Nacht.
Dann hat der Geist der Ruh gepflegt
und merkte kaum, was nun sich regt.
Denn das, was er geschaffen sich,
das tummelt nun sich fürchterlich,
weil ein jeder schielt zum Thron
und sah sich als erles´nen Sohn.

Der Creator gab es selber preis–
Er war schwarz, war rot und weiß
Es zierte ihn sogar das Gelbe.
Nur innen drin blieb es dasselbe.
Doch jeder glaubt, ihm sei der Lohn,
sich zu sehn als liebsten Sohn.
Drob fingen sie laut an zu schrein
und hieben aufeinander ein.

Als Vater sich erhob vom Lager
wirkte er sehr bleich und hager
zwischen seinen aufgeblas´nen Söhnen,
und man hört ihn leise stöhnen:
„Was haben nur mit meinem Plan
diese Kerle hier getan?
Ich muss die Welt von diesem Bösen
rings um mich wieder erlösen.
Gleich Amöben und den Drachen
Werd ich auch zunichte mache
was die Menschheit – schnell entbrannt -
sofort als Gottessohn benannt,
die gleich Puppen in den Händen
schlimmer Kreaturen enden,
die sich selbst mit bösen Gaben
sich so schnell gewandelt haben.
Während ich geschlafen hab,
gruben sie sich selbst ihr Grab.
Einer ist am Kreuz gestorben,
anderer durch Schnaps verdorben.
Auch jenen - fett durch sein Getröte -
im Goldgewand ich ganz schnell töte.
Ich lös mich ganz von dem Gewerbe,
indem ich an mir selber sterbe.
Ich brauch kein Bild samt Unterschrift,
weil es allein nur mich betrifft.
Und hab ich selber mich umkreist,
ernenn ich den zum Heilgen Geist,
der meine Worte weiterträgt,
doch nie an meinem Stuhl gesägt.
Der dann das neue Bereschit
verbreitet als des Daseins Lied.
Dann werden Geister endlich wagen,
auch den Dichtern Dank zu sagen.“

So sprach G´tt, ging ins Labor -
und schuf das Ende
der Legende.
Das war groß, wie nichts zuvor.

Ach, könnt der Menschsohn sich doch fangen,
würd er nicht mehr am Pfahle hangen.


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