Sortieren nach:

Gedichte Über Gedanken - Seite 180


Ein Brief an meinen Ziehvater oder Angst und Mut zur Selbstständigkeit

Ich möchte Dir heute einen Brief schreiben. Mein lieber Ziehvater, auch ich habe Angst vor diesem Schritt in die Selbstständigkeit aber ich habe auch den Mut dazu. Du bist derjenige, der mir diesen Mut gegeben hat. Du und meine Schwester hattet mich aus meinen gescheiterten ersten Versuch heraus geholt. Da dieser erste Versuch schief gegangen ist, habe ich große Angst, das ich ein zweites Mal versage. Man sagt: "Ein jeder hat eine zweite Chance verdient" und Du hast mich auf diesem zweiten Mal sehr gut vorbereitet. Bei jedem Stolperer in den letzten 13 Jahren warst Du immer zur Stelle und hast mich wieder aufgerichtet. Trotz Deiner Krankheiten, die mit der Zeit immer schlimmer geworden sind, hast Du immer Dein Bestes gegeben. Deswegen habe ich den ganzen Mut zusammen gerafft, um diesen zweiten Versuch zu starten.
Ich kann Dir hoch und heilig versprechen, das ich alles unternehmen werde, das dieser Versuch klappen tut. Außerdem verspreche ich Dir, das ich weiterhin auch für Dich da sein werde. Viel zui viel habe ich Dir zu verdanken. Außerdem bist Du mir in den letzten 13 Jahren zu sehr an mein Herz gewachsen, das es für mich eine Ehre ist jetzt auch für Dich da zu sein. Zu jeder Zeit kannst Du mich anschreiben, wenn Du etwas brauchst, ich werde so schnell wie möglich dann bei Dir zu sein.
Und nein! Ich flüchte nicht vor Dir und Deinen Krankheiten! Auch wenn es so aussehen tut, ich werde für Dich auf Ewigkeit da sein. Hätte ich nömlich mir einen Vater aussuchen hätte können, meine Wahl würde auf Dich fallen. Ich sage es nicht sehr oft aber in diesem Brief muss ich es Dir einmal sagen. Mein lieber Ziehvater ich liebe Dich wirklich sehr und deswegen drücke ich Dir die Daumen, das es klappen tut mit Deinem Antrag in einem Seniorenheim aufgenommen zu werden.
Aber was hattest Du mir immer eingebläut: "Man muss sich immer Prioritäten setzen!" Ich versuche halt den Spagat zwischen dem, das ich weiterhin für Dich da bin und meinem Auszug und dem Einzug in die Selbstständigkeit.
Gut, Du hast auch noch Recht damit, das ich noch einige Schwächen habe, vor allem die Ordnung und das ich manchmal falsche Prioritäten gesetzt habe aber ich will es Dir beweisen, das ich es Dich schaffen kann.
Ich schätze mal, das hier wird mein einziger Brief an Dich sein, denn alles andere werde ich Dir immer direkt ins Gesicht sagen aber Du sagtest, das auch Du nicht über alles sprechen kannst aber im schriftlichen warst Du immer schon genial und konntest dabei aus Dir raus gehen. Deswegen habe ich mir gedacht, das ich es auch mal probiere. Das es am Ende so viel geworden ist, hätte ich nicht gedacht aber das Wichtigste noch einmal:

"Mein Ziehvater, ich liebe Dich sehr!"


Zwischen all meinen Masken und mir

Ich habe früh gelernt, dass ich nicht einfach nur ich sein kann.

Also habe ich angefangen, Masken zu tragen.
Eine nach der anderen.
Manche leise, manche stark aber alle mit demselben Ziel: dazugehören, nicht auffallen, nicht verloren gehen.

Da ist die Stimme in mir, die sagt, ich sei nie gut genug.
Egal, was ich tue es reicht nicht.
Also strenge ich mich mehr an. Noch mehr.
In der Hoffnung, irgendwann dieses eine Gefühl zu erreichen: Jetzt bin ich okay.

Ich habe gelernt, fröhlich zu sein.
Zu lächeln, zu funktionieren, leicht zu wirken.
Auch dann, wenn es in mir schwer ist.
Weil ich gespürt habe, dass meine Traurigkeit keinen Platz hat.

Ich habe mir Stärke angezogen wie eine Rüstung.
„Reiß dich zusammen.“
Also habe ich aufgehört zu weinen.
Habe geschluckt, was zu viel war.
Und heute halte ich durch selbst dann, wenn ich innerlich längst zerbreche.

Ich wurde brav.
Leise. Unauffällig.
So, dass ich niemandem zur Last falle.
Ich habe mich kleiner gemacht, als ich bin
und irgendwann geglaubt, dass ich genau so richtig bin: nicht zu viel, nicht zu laut, nicht zu sichtbar.

Dann kam die Perfektion.
Der Versuch, alles richtig zu machen.
Fehler zu vermeiden, Erwartungen zu erfüllen.
Weil irgendwo tief in mir dieser Satz sitzt:
Vielleicht werde ich geliebt, wenn ich nur gut genug bin.

Ich habe gelernt, unsichtbar zu sein.
„Du brauchst doch nichts.“
Also habe ich aufgehört zu fragen.
Habe meine Bedürfnisse so lange zur Seite geschoben,
bis ich selbst nicht mehr wusste, dass sie überhaupt da sind.

Ich war das erwachsene Kind.
Vernünftig, angepasst, stark.
Ich habe funktioniert, als hätte ich nie etwas gebraucht.
Und heute fällt es mir schwer, Leichtigkeit zuzulassen,
weil ich nie gelernt habe, wie sich das anfühlt.

Ich war der Problemlöser.
Für alle da. Immer.
„Wenn du es nicht machst, wer dann?“
Also habe ich getragen, gehalten, aufgefangen.
Nur mich selbst hat dabei niemand gehalten.
Und heute weiß ich oft nicht, wie man überhaupt um Hilfe bittet.

Und ich habe mich angepasst.
So lange, bis ich mich selbst kaum noch erkennen konnte.
Bis ich nicht mehr wusste, was wirklich von mir ist
und was nur das ist, was ich geworden bin, um zu passen.

Heute trage ich diese Masken noch.
Nicht immer sichtbar, aber spürbar.

Sie flüstern mir zu, wie ich sein soll.
Wie ich funktionieren muss.
Wie ich nicht zu viel bin.

Und gleichzeitig ist da etwas in mir,
ganz leise, aber echt.

Etwas, das müde ist vom Kämpfen.
Das fühlen will, ohne sich zu schämen.
Das Raum einnehmen will, ohne Angst zu haben.
Das nicht perfekt sein muss, nicht stark, nicht angepasst.

Ein Teil von mir, der einfach nur ich sein will.

Ich weiß nicht genau, wie das geht.
Ich weiß nicht, wer ich ohne all das bin.

Aber vielleicht darf ich anfangen, es herauszufinden.
Ganz vorsichtig.
Ganz ehrlich.
Schicht für Schicht.

Und vielleicht…
bin ich am Ende nicht zu viel.
Sondern zum ersten Mal einfach genug.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen