| Titel | ||||
|---|---|---|---|---|
| 327 | Karnevalsonett | 08.01.26 | ||
|
Vorschautext: Ich setz mir heut ein Lächeln ins Gesicht, nicht, weil die Welt auf Wunder eingestellt. Doch einmal wird das ganze Regelwerk ganz leis beiseitgeschoben durch das Licht. Der Ernst zieht ab, verwundert und verzicht’, die Stadt wird Bühne, jede Rolle zählt. Ich lach nicht tief, doch ehrlich in der Welt, ohn´ dass mein innerst Sein zerbricht. Die Zeit hält an, setzt Maske auf und schweigt und merkt erstaunt: Sie wird heut nicht vermisst. ... |
||||
| 326 | Die Welt - ein Wunschzettel | 07.01.26 | ||
|
Vorschautext: Es leben in Ländern gar weit verstreut, einige Herren, von Macht sehr erfreut. Gewählt, beklatscht, mit sicherem Blick, sie wissen genau um den eigenen Trick. Der eine im Westen spricht laut, nicht gewandt, er baut sich Welten aus Worten und Sand. Er verspricht seinem Volk das Blaue vom Meer und glaubt es selbst – vielleicht noch viel mehr. Er liebt den Beifall, das schnelle Gericht, doch fragt nach Wahrheit am liebsten man nicht. ... |
||||
| 325 | Vogelquartett im Schneesturm | 05.01.26 | ||
|
Vorschautext: Es hocken die Vögel im Schnee. Der Frost ist für sie nicht okay. Im Gesicht sitzt Verdruß. Es ist kein Genuß. Sie zwitschern: "Wo bleibt den der Tee?" SDR |
||||
| 324 | Dritter Advent | 13.12.25 | ||
|
Vorschautext: Nicht alle zählen Kerzenlicht, manche nur die stillen Tage. Der dritte Advent verspricht nichts – er kennt die alte, schwere Lage. Er tritt nicht laut in manche Zimmer, setzt sich leise an den Rand. Noch tragen alte Hände Jahre, die niemand ihnen nehmen kann. Die Stadt hängt Glanz in jedes Fenster, doch drinnen bleibt es arm und klein. ... |
||||
| 323 | Einmal hebt das JETZT den Kopf | 05.12.25 | ||
|
Vorschautext: Ein Hauch von Zeit liegt auf der Haut, ein kaum gefasster Zwischenfall aus Licht. Er tritt hervor wie ein ungerufener Gedanke, zitternd, als fürchte er den Sturz zurück ins Niemals. Der Augenblick, ein rastloser Gast, stellt seinen Becher auf mein Herz und trinkt aus meinen Fragen. Ich höre, wie die Welt in ihm knackt, ein Splitter Zukunft, ... |
||||
| 322 | Schwellenzeit | 02.11.25 | ||
|
Vorschautext: Ein matter Schleier hängt auf kahlen Wegen, der Nebel tastet still nach jedem Stein. Verblasst ist, was im Sommer schien zu leben, und jeder Laut versinkt im fahlen Sein. Die Tage schrumpfen, sacht und ohne Gnade, die Sonne sinkt, ein müder, goldner Schwur. Im Atem liegt die Ahnung alter Pfade, die Zeit verrinnt – ein Kreis im Still der Spur. Die Erde ruht, ihr Herz schlägt tief im Grunde, es sammelt sich, was bald vergehen muss. ... |
||||
| 321 | Allerheiligen | 02.11.25 | ||
|
Vorschautext: Die Nebel ruh’n auf alten Steinen sacht, ein Blätterflüstern trägt vergangne Lieder. Die Erde atmet still in weicher Nacht, und Schatten wandern leis’ die Pfade wieder. Ein Hauch von Zeit liegt auf dem welken Kranz, die Kerzen flackern – goldne, zarte Wunden. Im Glanz der Flamme hebt sich Traum und Glanz von jenen, die im Schweigen Ruh gefunden. Ein Name schimmert, halb vom Moos verdeckt, ein Leben sinkt zurück in Wort und Schweigen. ... |
||||
| 320 | Wenn die Glocke zwölf schlägt | 27.10.25 | ||
|
Vorschautext: Die Hexen reiten wieder über verbrannte Karten, ihre Besen tasten nach Grenzen, die niemand mehr glaubt. In den Fenstern frieren Geister, sie murmeln Verträge, die in Blut geschrieben sind und mit Gas gelöscht werden. Ein Mann mit dem Gesicht aus Stahl, aus dem Osten kommt er, ... |
||||
| 319 | Und Gott sah, dass es mühsam war | 17.10.25 | ||
|
Vorschautext: Es heißt Gott schuf nach seinem Bild den Mann. Doch war er auch gewillt ein Leidenswesen zu erschaffen, dem alle Muskeln gleich erschlaffen, wenn er zur Hausarbeit gerufen? Des Mannes liebster Satz „Wo ist?...“ so hofft er, gibt ihm eine Frist, sich hurtig aus dem Staub zu machen. So lang der Mann in Blütejahren, ... |
||||
| 318 | Schwestern | 21.09.25 | ||
|
Vorschautext: Sie schweigt. Die Nachrichten gelesen, kein Wort zurück. Ein Leben lang Verbindungen zerschnitten, Stimmen vergiftet, Herzen ausgehöhlt. Die Krankheit frisst, doch sie hält die Hand verschlossen, ... |
||||
| 317 | Altweibersommer | 21.09.25 | ||
|
Vorschautext: Die Spinne webt ihr feines Kleid, im Morgen hängt es schillernd weit; der Tau, er flimmert gläserklar, als wär der Sommer noch mal da. Die Blüte zittert matt und scheu, ihr Purpur welkt im Himmelstreu; die Sonne lächelt müd und lind, als ob wir alle Abschied sind. Der Traum verweht, der Sommer flieht, zurück bleibt nur ein leises Lied; ... |
||||
| 316 | Herbstlied | 16.09.25 | ||
|
Vorschautext: Die Felder sind still, die Garben gebunden, Der Sommer verweht in der Lüfte Lied. Ein matter Glanz liegt auf allen Gründen, Der Tag schon früh zur Nacht entflieht. Die Blätter sinken, gleich müden Händen, Sie lösen sich sanft vom Lebensast. Ein dunkler Schleier will niederblenden, Was einst im Licht geborgen saß. So wandl’ ich einsam durch graue Stunden, Die Erde schläft in tiefem Traum. ... |
||||
| 315 | Spätsommer | 05.09.25 | ||
|
Vorschautext: Die Felder sind matt, ein Rest von Gold hängt zwischen den Halmen, schwer wie ein letztes Wort. Der Wind trägt den Staub der Tage, legt ihn in meine Hände, und ich spüre: es war zu viel Sonne, zu viel Verheißung. Am Rand des Gartens ... |
||||
| 314 | Die Tür | 19.07.25 | ||
|
Vorschautext: Die Tür steht offen. Du könntest gehen. Aber wohin? Wozu? Wer, wenn du gehst, wird dann bleiben? Du blickst hinaus, siehst die Straßen, die leer sind, und merkst: Freiheit – das klingt wie ein Versprechen, und fühlt sich an wie eine Frage. ... |
||||
| 313 | Das Wasserherz- eine Ballade | 09.07.25 | ||
|
Vorschautext: Durch dunklen Forst bei dämmrigem Licht zieht ein Jüngling allein, mit Sehnsucht im Blick. Er folgt einem Ruf, von dem keiner mehr spricht, der tief aus dem Grund alter Zeiten aufbricht. „Mein Vater erzählte vom See, der nicht schweigt, wo Nebel sich ringelt, wo Schatten gereiht, ein Wesen, das flüstert aus spiegelndem Grund – ich finde die Wahrheit, und sei sie mein Schlund.“ Still wird der Wald, der Wind legt sich schief, kein Laut, der noch lebt, kein Laub, das mehr rief. ... |
||||
| 312 | Schwerelos | 01.07.25 | ||
|
Vorschautext: Im Dämmerlicht, wenn Häuser schlafen, tritt sie hinaus, noch ungekannt. Die Stadt, die träumt in grauen Schafen, hält ihren Atem – wie gebannt. Kein Takt, kein Lied, kein Applaus, nur Stille fließt durch ihre Glieder. Der Garten wird ihr Weltenhaus, sie tanzt – und findet sich stets wieder. Der Tau, er küsst die nackten Zehen, ihr Leib ein leises Instrument. ... |
||||
| 311 | Die Abseite | 01.07.25 | ||
|
Vorschautext: In mir ein Keller, mit morscher Treppe, den keiner betritt. Nicht einmal ich. Ich lag dort, im eigenen Schatten verräumt, die Gedanken — wie Spinnen in alten Gläsern — bezirzten sich selbst und fluchten mir. ... |
||||
| 310 | Der Himmel trägt zwei Stimmen | 23.06.25 | ||
|
Vorschautext: Die Sonne tritt auf wie ein Versprechen, schreibt goldene Linien in das Gras, streichelt das Antlitz der Schlafenden und flüstert: Es ist Zeit. Die Wärme liegt schwer auf den Schultern der Felder, zieht durch die Poren der Haut, macht die Träume schmelzbar wie Zucker im Regen. Doch über den Wipfeln der Bäume ... |
||||
| 309 | Franz Schuberts Schwanengesang | 15.06.25 | ||
|
Vorschautext: Die Welt war eine Note zu hoch, eine Hoffnung zu tief. Du hast den Schmerz vertont und nie zurückgefragt. Ein Lied blieb, das niemand ganz versteht. nicht einmal der Schmerz, der es geboren hat. Die Fenster standen offen – für das Licht? ... |
||||
| 308 | Die Farbe Lila -Ballade | 14.06.25 | ||
|
Vorschautext: In einem Dorf, das kaum bekannt, wo Nebel schlich durchs graue Land, stand einst ein Haus mit lil’ner Tür – vergessen war’s, kein Mensch ging hier. Der Maler Malin zog dort ein, ein Sonderling, verschroben, klein. Er sprach mit Schatten, nie mit Licht, und malte stets ein einzig Bild. Die Leinwand zeigte stets dasselbe: ein Mädchen, das im Lilafeld ... |
||||