Titel | ||||
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115 | Akademikerdrama | |||
Vorschautext: Ein Dr. und ein Ing. verdroschen gestern – wahr – ich schwör, mit einem mitteldicken Stock den Herrn Mag. Manfred Bock und seinen Sohn. Der fährt zwar Laster, doch macht er nächstes Jahr den MA. Ein Dr. der Gesamtheilkunde versorgte aber schnell die Wunde. Das Täterpaar samt RA begab sich zur Justizanstalt. |
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114 | Fromme Diebe | |||
Vorschautext: Vorausgenomm’ner Nächstenliebe bedienen sich die frommen Diebe. Sie nehmen sich, zwar heimlich still, was ohnehin man geben will, um - folgend christlichem Gebote – von seiner Habe und dem Brote sich gern zu trennen, froh zu teilen. Sie wandeln zauderndes Verweilen im Geiz zu Gottgefälligkeit in anonymer Vornehmheit. |
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113 | Docht oder Dolch? | |||
Vorschautext: Ich war ein Kindchen, vier vielleicht, mein Denken dementsprechend seicht. So kannte ich den Wortsinn schlicht vom Dolch und auch vom Docht noch nicht. Nun, heute weiß ich, mit dem Docht wird Brust und Oberbauch gelocht. Der Dolch dagegen brennt, sein Licht dringt bis zum Herzen und besticht. |
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112 | Wintersonne in der Au | |||
Vorschautext: Der Schnee ist Zuckerstaub heut nur, ein Fleckchen da, ein Weißfeld dort, genug jedoch, des Fuchses Spur, die hin zum sanften Ufer führt, in jäher Neugier nachzugehen. Die Sonne doppelt jeden Ast der Erle, jeden Weidenstamm im Spiegel, der sich golden fast ins Dunkel schiebt. Den Mistelbusch vermeinst du so als Nest zu sehen. ... |
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111 | If you come to San Francisco | |||
Vorschautext: Vor deine Küste bläst der Buckelwal Fontänen, die Pelikane stürzen, wo sie Beute wähnen, wie Pfeile aus dem Himmel in das Wogenmeer und Schiffe ziehen Nebelschwaden hinterher. Aus dichtem Grau taucht um die Mittagsstund die Brücke, das Tor zur Stadt. Die Wolkenbank zerfällt in Stücke, du kannst dein reiches, armes Antlitz sehen lassen, dein buntes Volk und Narrenfeste in den Gassen. |
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110 | Monoton | |||
Vorschautext: Ein Goldfisch schwimmt im kleinen Glas im Kreis, berechnet dies und das, mit Lineal und Winkelmesser erkennt er, zweierpi sind besser in dieser Einzelhaft zu meistern und seine Quäler zu begeistern. Er fügt sich in das bittre Los, macht Mund und Augen riesengroß. Der Mensch - in seiner Großhirnräude – glaubt fest, das Fischchen täts aus Freude. |
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109 | Winter-Hagebutte | |||
Vorschautext: Der Hagebutte Freudenträne, ein Tautropf milder Abendluft, friert in der Nacht zu Glas. Ich lehne am Zaun, betrachte das Gefunkel, das Spiel der Strahlen. Hell und Dunkel vermengen sich. Kein Rosenduft dringt durch das blanke, starre Eis, doch bricht das Licht sich zum Gegleiß. |
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108 | Vogelfasching | |||
Vorschautext: Man feiert Fasching heute, Vogelmaskenball im Futterhaus, dem Vogeltanzparkett. Sie fliegen her und segeln an von überall, herausgeputzt und mehr als sonst adrett. Doch täuschen deine Augen dich, es ist ein Fink den du als Misteldrossel tänzeln siehst. Ein Kleiber tritt als Buntspecht auf und hämmert flink zur Polka, was den Bergfink arg verdrießt, der da, als Buchfink reichlich einfallslos getarnt, ein Stück aus Krieg und Frieden lesen mag. ... |
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107 | Bergeinsamkeit | |||
Vorschautext: Ein Schneefeld streckt sich hin zu schroffen, in Licht getauchten Gipfelreihen, zum blauen Firmament, das offen für Blicke in den Äther ist. Ein Zaun durch diese Endlosweite verspricht dir für das Auge Ruhe, er gleicht dem Stehhaar von der Seite auf einer Gämse Widerrist. Und wären da nicht diese Stützen, gesetzt von arbeitssamen Leuten, ... |
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106 | Unaufhaltsam | |||
Vorschautext: Schon quert ein Kiebitzschwarm die Felder, der Wind streicht milder durch die Wälder und steiler fällt der Strahl. Die Krähe flattert aus der Buche, im Sinn die Freude an der Suche nach Buntem in dem grauen Kahl. Ein Glöcklein mag sich nicht verstecken, ja, Blumenschwestern will es wecken mit zärtlichem Geläut. Die Zeit der Winterdrohgebärden ist nicht vorbei, doch neues Werden ... |
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105 | entensiesta | |||
Vorschautext: enten träumen enten räumen frohgedanken plätze ein in den wiesen blumenfliesen blinzelaug im sonnenschein schillerdaunen leises raunen aus dem gänseblümchenreich erpelschwänzchen mückentänzchen ... |
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104 | Vom Weberknecht zum Amurhecht | |||
Vorschautext: Weberknechte ohne Bein wirken fraglos ungemein sesshaft oder bodenständig, jedenfalls nicht maßlos wendig. Dieser Eindruck gilt auch für Warzenschwein und Murmeltier, Steppenzebra, Pangolin, Elster, Wühlmaus, Pinguin, Hamster, Elefant und Kuh, Sterngiraffe, Elch und Gnu auch für mich und ihn und dich. Irgendwie verwunderlich, ... |
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103 | Die Würde der Tiere | |||
Vorschautext: Kein Tier ist würdelos auf Erden. Den Regenwürmern, Schnecken, Pferden wohnt lebenskluge Tugend inne, ja Ehre gar im echten Sinne. Beim Pestfloh und beim Spulwurm aber wirkt die Prämisse fast makaber. |
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102 | Märzmorgen am See | |||
Vorschautext: Der Morgen ist anders heut, kühner sein Kommen, Konturen sind klarer, nicht nebelverschwommen. Des Holzstegs Piloten im Schrägsonnenscheine erinnern von ferne an Tausendfußbeine. Sie teilen das Hell zwischen fahlgelben Scheiben, geleiten die Nacht, um sie schnell zu vertreiben. So kann das Gestrahle mit kitzelndem Stechen die schwächelnde Macht früher Reifgeister brechen. Azur färbt den Himmel, der See leiht sich Bläue, ein Tag hält dem Morgenversprechen die Treue. |
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101 | Wie Zeberas rennen | |||
Vorschautext: In den Steppen und Savannen rennen Zeberas von dannen. Selten rennen sie von hinnen, wohl aus Mangel an Savinnen. Notgedrungen aber rennen Zeberas auch durch Savennen, wenn auch Tiere andrer Sippen an die eigne Stirne tippen. |
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100 | Der Nachtvogel | |||
Vorschautext: Des Nachtvogels Federkleid trägt keine Farben, die je man gesehen hätt‘. Krähen und Scharben verstecken die Schwärze nicht, zeigen sie immer. Der Schementier will aber keinerlei Nähe, es zeigt sich von fern nur, auf dass man es sehe als Umriss im sterbenden Abendrotschimmer. Sein stummes Verharren im Astwerk der Buche, sein Kopf in erstarrter, befremdlicher Suche nach dir lässt dich frösteln. Kein Kauzruf im Schweigen macht derart betroffen und unbestimmt bange. Und trotzdem glüht freudig erregt deine Wange, ... |
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99 | Frohes Erwarten | |||
Vorschautext: Der Berg hält dem Winter – schon zweifelnd – die Treue, ein See spiegelt Gipfelweiß, zeigt aber scheue Versuche des Sommers, sein Kommen zu künden. Die Wiesen, die Sträucher und Bäume verbünden sich freudig mit Malern in tiefem Verstehen; das Fahle und Graue lässt Lauwind verwehen. Im Doppelbild eifern die Kelche und Sterne mit gleißendem Firnschnee aus wachsender Ferne - und üppiger, bunter bestellt sich der Garten von Stunde zu Stunde. Welch frohes Erwarten! |
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98 | Unauslöschlich | |||
Vorschautext: Du gingst da vor mir und ich sah deine Füße - die nackten - in dünnriemig braunen Sandalen. Die Maikirschen lockten mit duftender Süße, das Rot deiner Nägel gewann dieses Strahlen. Das waren die Tage der quälenden Fragen, es war auch die Zeit der verrückten Gedanken, sie stachelten auf, doch verboten das Sagen. Der Juni ging, Juli hob endlich die Schranken. Wir kennen nun Sommer im Maß hoher Zahlen und Maikirschen locken noch immer mit Süße. ... |
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97 | Frühlingswiese | |||
Vorschautext: Wo noch vor Tagen der Schneedecken Reste bräunliches Altgras im Winterschlaf ließen, feiern die Bienen und Erdhummeln Feste, laden die summenden Völker als Gäste auf die sich frühlingshaft schmückenden Wiesen. Taubnesseln locken mit Nektargetränken, Kelche und Becher, gefüllt bis zum Rande, werben mit lieblichen Farben und schenken Faltern, die tief ihre Rüssel versenken, Göttertrunk, festigen nützliche Bande. ... |
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96 | Farbenball | |||
Vorschautext: Bunt treibt’s der Frühling, dem Harlekin gleich, Farbtupfgirlanden verteilt er, sein Reich wird so zum Ballsaal. Im Reigentanz schwingen Schatten und Lichter, geschäftige Bienen, Hummeln im Streifpelz. Verdrießliche Mienen hellen sich auf, wenn die Buchfinken singen, Amselvolk flötet und Falter auf Blüten Flügelgeheimnisse länger nicht hüten. Leuchtfrohes, himmelgeschenktes Azur wirft noch ein Teich in das Bunt der Natur. |
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