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Gedichte gelesen: 360.627 mal
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Titel
115 Akademikerdrama
Vorschautext:
Ein Dr. und ein Ing.
verdroschen gestern – wahr – ich schwör,
mit einem mitteldicken Stock
den Herrn Mag. Manfred Bock
und seinen Sohn. Der fährt zwar Laster,
doch macht er nächstes Jahr den MA.
Ein Dr. der Gesamtheilkunde
versorgte aber schnell die Wunde.
Das Täterpaar samt RA
begab sich zur Justizanstalt.
114 Fromme Diebe
Vorschautext:
Vorausgenomm’ner Nächstenliebe
bedienen sich die frommen Diebe.
Sie nehmen sich, zwar heimlich still,
was ohnehin man geben will,
um - folgend christlichem Gebote –
von seiner Habe und dem Brote
sich gern zu trennen, froh zu teilen.
Sie wandeln zauderndes Verweilen
im Geiz zu Gottgefälligkeit
in anonymer Vornehmheit.
113 Docht oder Dolch?
Vorschautext:
Ich war ein Kindchen, vier vielleicht,
mein Denken dementsprechend seicht.
So kannte ich den Wortsinn schlicht
vom Dolch und auch vom Docht noch nicht.

Nun, heute weiß ich, mit dem Docht
wird Brust und Oberbauch gelocht.
Der Dolch dagegen brennt, sein Licht
dringt bis zum Herzen und besticht.
112 Wintersonne in der Au
Vorschautext:
Der Schnee ist Zuckerstaub heut nur,
ein Fleckchen da, ein Weißfeld dort,
genug jedoch, des Fuchses Spur,
die hin zum sanften Ufer führt,
in jäher Neugier nachzugehen.

Die Sonne doppelt jeden Ast
der Erle, jeden Weidenstamm
im Spiegel, der sich golden fast
ins Dunkel schiebt. Den Mistelbusch
vermeinst du so als Nest zu sehen.

...
111 If you come to San Francisco
Vorschautext:
Vor deine Küste bläst der Buckelwal Fontänen,
die Pelikane stürzen, wo sie Beute wähnen,
wie Pfeile aus dem Himmel in das Wogenmeer
und Schiffe ziehen Nebelschwaden hinterher.

Aus dichtem Grau taucht um die Mittagsstund die Brücke,
das Tor zur Stadt. Die Wolkenbank zerfällt in Stücke,
du kannst dein reiches, armes Antlitz sehen lassen,
dein buntes Volk und Narrenfeste in den Gassen.
110 Monoton
Vorschautext:
Ein Goldfisch schwimmt im kleinen Glas
im Kreis, berechnet dies und das,
mit Lineal und Winkelmesser
erkennt er, zweierpi sind besser
in dieser Einzelhaft zu meistern
und seine Quäler zu begeistern.
Er fügt sich in das bittre Los,
macht Mund und Augen riesengroß.
Der Mensch - in seiner Großhirnräude –
glaubt fest, das Fischchen täts aus Freude.
109 Winter-Hagebutte
Vorschautext:
Der Hagebutte Freudenträne,
ein Tautropf milder Abendluft,
friert in der Nacht zu Glas. Ich lehne
am Zaun, betrachte das Gefunkel,
das Spiel der Strahlen. Hell und Dunkel
vermengen sich. Kein Rosenduft
dringt durch das blanke, starre Eis,
doch bricht das Licht sich zum Gegleiß.
108 Vogelfasching
Vorschautext:
Man feiert Fasching heute, Vogelmaskenball
im Futterhaus, dem Vogeltanzparkett.
Sie fliegen her und segeln an von überall,
herausgeputzt und mehr als sonst adrett.

Doch täuschen deine Augen dich, es ist ein Fink
den du als Misteldrossel tänzeln siehst.
Ein Kleiber tritt als Buntspecht auf und hämmert flink
zur Polka, was den Bergfink arg verdrießt,

der da, als Buchfink reichlich einfallslos getarnt,
ein Stück aus Krieg und Frieden lesen mag.
...
107 Bergeinsamkeit
Vorschautext:
Ein Schneefeld streckt sich hin zu schroffen,
in Licht getauchten Gipfelreihen,
zum blauen Firmament, das offen
für Blicke in den Äther ist.

Ein Zaun durch diese Endlosweite
verspricht dir für das Auge Ruhe,
er gleicht dem Stehhaar von der Seite
auf einer Gämse Widerrist.

Und wären da nicht diese Stützen,
gesetzt von arbeitssamen Leuten,
...
106 Unaufhaltsam
Vorschautext:
Schon quert ein Kiebitzschwarm die Felder,
der Wind streicht milder durch die Wälder
und steiler fällt der Strahl.
Die Krähe flattert aus der Buche,
im Sinn die Freude an der Suche
nach Buntem in dem grauen Kahl.

Ein Glöcklein mag sich nicht verstecken,
ja, Blumenschwestern will es wecken
mit zärtlichem Geläut.
Die Zeit der Winterdrohgebärden
ist nicht vorbei, doch neues Werden
...
105 entensiesta
Vorschautext:
enten träumen
enten räumen
frohgedanken plätze ein
in den wiesen
blumenfliesen
blinzelaug im sonnenschein

schillerdaunen
leises raunen
aus dem gänseblümchenreich
erpelschwänzchen
mückentänzchen
...
104 Vom Weberknecht zum Amurhecht
Vorschautext:
Weberknechte ohne Bein
wirken fraglos ungemein
sesshaft oder bodenständig,
jedenfalls nicht maßlos wendig.
Dieser Eindruck gilt auch für
Warzenschwein und Murmeltier,
Steppenzebra, Pangolin,
Elster, Wühlmaus, Pinguin,
Hamster, Elefant und Kuh,
Sterngiraffe, Elch und Gnu
auch für mich und ihn und dich.
Irgendwie verwunderlich,
...
103 Die Würde der Tiere
Vorschautext:
Kein Tier ist würdelos auf Erden.
Den Regenwürmern, Schnecken, Pferden
wohnt lebenskluge Tugend inne,
ja Ehre gar im echten Sinne.
Beim Pestfloh und beim Spulwurm aber
wirkt die Prämisse fast makaber.
102 Märzmorgen am See
Vorschautext:
Der Morgen ist anders heut, kühner sein Kommen,
Konturen sind klarer, nicht nebelverschwommen.
Des Holzstegs Piloten im Schrägsonnenscheine
erinnern von ferne an Tausendfußbeine.
Sie teilen das Hell zwischen fahlgelben Scheiben,
geleiten die Nacht, um sie schnell zu vertreiben.
So kann das Gestrahle mit kitzelndem Stechen
die schwächelnde Macht früher Reifgeister brechen.
Azur färbt den Himmel, der See leiht sich Bläue,
ein Tag hält dem Morgenversprechen die Treue.
101 Wie Zeberas rennen
Vorschautext:
In den Steppen und Savannen
rennen Zeberas von dannen.
Selten rennen sie von hinnen,
wohl aus Mangel an Savinnen.
Notgedrungen aber rennen
Zeberas auch durch Savennen,
wenn auch Tiere andrer Sippen
an die eigne Stirne tippen.
100 Der Nachtvogel
Vorschautext:
Des Nachtvogels Federkleid trägt keine Farben,
die je man gesehen hätt‘. Krähen und Scharben
verstecken die Schwärze nicht, zeigen sie immer.
Der Schementier will aber keinerlei Nähe,
es zeigt sich von fern nur, auf dass man es sehe
als Umriss im sterbenden Abendrotschimmer.

Sein stummes Verharren im Astwerk der Buche,
sein Kopf in erstarrter, befremdlicher Suche
nach dir lässt dich frösteln. Kein Kauzruf im Schweigen
macht derart betroffen und unbestimmt bange.
Und trotzdem glüht freudig erregt deine Wange,
...
99 Frohes Erwarten
Vorschautext:
Der Berg hält dem Winter – schon zweifelnd – die Treue,
ein See spiegelt Gipfelweiß, zeigt aber scheue
Versuche des Sommers, sein Kommen zu künden.
Die Wiesen, die Sträucher und Bäume verbünden
sich freudig mit Malern in tiefem Verstehen;
das Fahle und Graue lässt Lauwind verwehen.
Im Doppelbild eifern die Kelche und Sterne
mit gleißendem Firnschnee aus wachsender Ferne -
und üppiger, bunter bestellt sich der Garten
von Stunde zu Stunde. Welch frohes Erwarten!
98 Unauslöschlich
Vorschautext:
Du gingst da vor mir und ich sah deine Füße -
die nackten - in dünnriemig braunen Sandalen.
Die Maikirschen lockten mit duftender Süße,
das Rot deiner Nägel gewann dieses Strahlen.

Das waren die Tage der quälenden Fragen,
es war auch die Zeit der verrückten Gedanken,
sie stachelten auf, doch verboten das Sagen.
Der Juni ging, Juli hob endlich die Schranken.

Wir kennen nun Sommer im Maß hoher Zahlen
und Maikirschen locken noch immer mit Süße.
...
97 Frühlingswiese
Vorschautext:
Wo noch vor Tagen der Schneedecken Reste
bräunliches Altgras im Winterschlaf ließen,
feiern die Bienen und Erdhummeln Feste,
laden die summenden Völker als Gäste
auf die sich frühlingshaft schmückenden Wiesen.

Taubnesseln locken mit Nektargetränken,
Kelche und Becher, gefüllt bis zum Rande,
werben mit lieblichen Farben und schenken
Faltern, die tief ihre Rüssel versenken,
Göttertrunk, festigen nützliche Bande.

...
96 Farbenball
Vorschautext:
Bunt treibt’s der Frühling, dem Harlekin gleich,
Farbtupfgirlanden verteilt er, sein Reich
wird so zum Ballsaal. Im Reigentanz schwingen
Schatten und Lichter, geschäftige Bienen,
Hummeln im Streifpelz. Verdrießliche Mienen
hellen sich auf, wenn die Buchfinken singen,
Amselvolk flötet und Falter auf Blüten
Flügelgeheimnisse länger nicht hüten.
Leuchtfrohes, himmelgeschenktes Azur
wirft noch ein Teich in das Bunt der Natur.
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