Titel | ||||
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135 | Salzburg im November | |||
Vorschautext: Fahl der Tag und grau der Feste Mauern, Bergkonturen in der Nebelbleiche schwächeln. Schemenhafte Bäume lassen schauern, wenn sie letztes Laub aus ihren Kronen fächeln. Bleich sind auch die schrägen Strahlenbahnen, ohne Kraft die rauchig blassen Lichterbündel. Türme, Kuppeln lassen sich nur ahnen, heut ist Salzburg fremdbestimmtes Spätherbstmündel. Dennoch, trüber Schleier, dichte Schwaden führen deine Fantasie zu neuen Sichten. ... |
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134 | Bergwinter | |||
Vorschautext: Des Bergwaldes Bäume, sie kennen die Härte des Winters, der beißende Nordwind hängt Bärte in Lärchen - und Schneepölster beugen den Ast. Ein Bild, möcht man meinen, bedrückender Last. Doch sanft schmiegt das flockige Weich sich in Mulden, die freudig, so scheint es, die Weißdünen dulden. Kulissen für traumhafte Jännergeschichten auf frostiger Bühne. Wer möchte verzichten, das Blau zu bestaunen, der Zweigschatten Weg im Kopfe zu nützen als leitenden Steg zu all diesen Auftritten, wechselnden Szenen, ... |
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133 | Novemberreise | |||
Vorschautext: Stille herrscht, kein Vogel singt, welke Blätter fallen. Schräger, greller Lichtwurf dringt in die kühlen Hallen. Nebeliger heller Rauch zieht durch Säulenreihen. Aphrodites Seelenhauch scheint den Hain zu weihen. Im Novemberbuchenwald rüsten die Gedanken ... |
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132 | melancholie am spätherbstsee | |||
Vorschautext: winzigen dünen gleichen die wellchen landwinde fächeln seewasser auf herbstliche leere schweigende starre fischernetzpflöcke spiegeln ihr schwarz düstergedanken einsamkeitstrauer ... |
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131 | Vergehen in Schönheit | |||
Vorschautext: Zwei letzte Blätter haften noch am Zweig, von Pilzen angenagt die dürren Ränder. Das goldne Satt der Mitte wölbt sich auf, und Moderbraun formt Flecken, Ringe, Bänder, wo Frost schon Adern von der Spreite trennt. Vergehen zeigt des Laubes karger Rest, die Schritte allen Seins zu seinem Ende. Ein leichter Windstoß löst des Sommers Schmuck. Betrübnis nimmt zum Lächeln hin die Wende, so wunderschön ist dieses Herbstpräsent. |
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130 | Ausgleichssport der Gämse | |||
Vorschautext: Tausend Meter überm Tal gehen Gämsen gern spazieren, wie gewohnt nur vertikal, niemand will sich strapazieren. Heute aber wollen sie auf der flachen Wiese grasen. Körpertraining irgendwie, einmal darf der Herzschlag rasen. Da die Weide eben ist, zwingt Erschöpfung bald zum Rasten. ... |
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129 | Novemberrose | |||
Vorschautext: Sie blüht noch, freilich zeigt ihr Kleid schon Schäden. Den Novemberfrösten trotzt keine Blütenherrlichkeit, nur diese Rose mag da trösten. Die Wand, an der ihr Dornzweig lehnt, beschert der Blume milde Stunden. Der Seidenkelch bedankt sich, dehnt durch Schönheit laue Sonnenrunden. Nicht beugbar ist die Zuversicht des farbbestückten Elfenstrauches. ... |
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128 | Miniaturgürteltier | |||
Vorschautext: Gott erschuf das Gürteltier, formte es – avec plaisir – aus dem Schöpfungslehm, der Erde, hoffend, dass es schön sein werde. Streng in Platten unterteilt, liegt der Kopf leicht eingekeilt, doch geschützt durch Panzerringe. Also ist es guter Dinge. Schau, da liegt ja noch ein Rest Matsch, der sich noch kneten lässt, ... |
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127 | flocke um flocke | |||
Vorschautext: flocke um flocke vom leintuch zum polster langsam zur last erwächst diese schicht weißmützenschornstein und doppelweißbirken kaum zu erkennen im wirbelnden dicht alles wird weicher selbst kälte wirkt milder farblose bilder die vortrefflich schmücken ... |
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126 | wunderkugeln | |||
Vorschautext: luftholdes wunderding spektrum der farben hauchend gezeugter ball wabbelnd im schwebfall blubbernd im steigen atem von mir kindheitsgedanken weckt dieses wanken wie das vergehen kugeln zum träumen schauglas aus schäumen ... |
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125 | Klassentreffen | |||
Vorschautext: Es trafen ein: 3a, 4b, 2a, 1d, 3c, 2d. Wie diese waren pünktlich da: 4c, 4d, 1b, 4a, 1c, 1a, 2b, 2c, es fehlten aber, das tat weh, 3b und – arg vermisst – 3d. Das Klassentreffen, wie man sieht, war gut besucht und man beriet, zum Jubiläum, dem geraden, vielleicht auch Schüler einzuladen. |
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124 | nächtliche gedankenreisen | |||
Vorschautext: milchstraße kosmos eiskaltes fühlen glutheißer sonnen forschendes wühlen um im aeternum grenzen zu finden scheitert am wesen menschlichen geistes mir sind des himmels flimmergestirne ... |
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123 | Winterbirke am Bach | |||
Vorschautext: Der Birke – oft im vollen Laub als Trauernde beschrieben - ist nach des Herbstes Blätterraub auch ohne jeden Schmuck verblieben als kahle, öde Nackedei. Doch schon ein Blick, dann weißt du’s besser, die dünnen Zweige tragen Sterne aus Reifkristallen. Im Gewässer - gespiegelt mit der Weglaterne – erscheint sie schöner als im Mai. |
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122 | Nützlich für Kreuzworträtsel | |||
Vorschautext: Es lechzt vor Durst, tritt aus dem Hain, der Leu und strebt zum nahen Born. Azurn das Firmament im Mond des Heus, doch frisch wie neugeborn fühlt sich der Leu, dem Lebenssaft schenkt dieser Quell vorm grünen Tann - wie auch dem Odem – linden Lenz. Da schleicht ein Aar sich scheel heran. Die Fittiche eng angelegt, verharrt der Kämpe vor dem Bronn, gebeut dem Leuen Fleuchen, der ... |
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121 | Naturschmuck | |||
Vorschautext: Du bist die Birke, du die Erle, vergesst, die Tanne je zu sein, die Kugeln trägt, der Kerze Schein sich spiegeln lässt in einer Perle, die Flammen teilt und Funken sprüht. Der Reif, nicht frostig im Gemüte, wohl rau und harsch nach außen nur, hängt nächtens Schmuck auf. Der Natur Kristallverbrämung, Eisesblüte, die Ast und Zweigwerk überzieht. ... |
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120 | Ebenezer Huber | |||
Vorschautext: Ebenezer nannte Huber seinen Sohn, den jüngsten, er taufte ihn in einem Zuber am Donnerstag nach Pfingsten. Ebenezer trug’s gelassen, dacht‘ an seine Söhne. Er würd sie auch wohl taufen lassen, doch wertlos für Gehöhne. Ramses hieß sein erster Knabe, Nummer zwei Kaluber. ... |
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119 | Zeit der guten Wünsche | |||
Vorschautext: Ich wünsch dir Kiemen eines Aales, den Bauchumfang des Grönlandwales. Das Angesicht des Warzenschweines sei unverwechselbar auch deines. Im Watschelgang der Eiderente sollst dich bewegen, zehn Segmente des Egels solln dein Hälschen gliedern. Es liegt mir fern, mich anzubiedern, mehr gute Wünsche zu Silvester erschienen dir wohl als Geläster. |
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118 | Schwarzweißgeäst | |||
Vorschautext: Es freut das farbverwöhnte Auge, sich einmal nur dem schwarzen Ton und seinem Widerpart, dem reinen Weiß zu widmen. Der Neuschnee lässt die Äste, die dünnen Zweige hart und starr erscheinen, sie geisterfingerknöchern schon, mit seiner Pracht vereinen. Ein kahler Winterbaum, den gelbe Fruchtlast drückt im Herbst, verführt im Frost zum Traum. |
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117 | Parabel | |||
Vorschautext: Paradam war Parevas Mann, sie liebten sich, doch spät erst dann, kam klein Parabel auf die Welt. Was mir so sehr daran gefällt, es war die Eisprungmathematik im Paradiese schon in Praktik. |
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116 | Sechszeiler | |||
Vorschautext: Sechszeiler 1 Fast niemand im Bekanntenkreis, ich habe gründlich recherchiert, will Tollwut haben. Ein Beweis, dass Wohlstand ein Verhalten schürt, das jegliche Natürlichkeit verwirft. Ein Ärger unsrer Zeit! Sechszeiler 2 Die Zweitaktmotorkettensäge ... |
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