Profil von Chandrika Wolkenstein

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Anzahl Gedichte: 192
Anzahl Kommentare: 34
Gedichte gelesen: 6.557 mal
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Titel
132 Heimatlos 02.05.26
Vorschautext:
Der Bahnhof riecht nach Diesel,
nach nassem Beton,
nach Kaffee aus Pappbechern.

Ich habe mir etwas Heimat
zusammengefaltet
zwischen Blusen und Papieren.

Mein Koffer duftet
nach dem Gewürz,
das meine Mutter
mit den Fingern maß.
...
131 Wo Worte wohnen 23.04.26
Vorschautext:
Die Sprache ist das Haus des Seins."
Martin Heidegger

Wer keine Worte hat,
wohnt eng.

Die Freude bleibt
vor der Tür.
Der Schmerz liegt
namenlos im Zimmer.
Die Angst geht um
bei Nacht,
...
130 Sachzwang 20.04.26
Vorschautext:
“Hell is empty and all the devils are here“ Ariel to Prospero Shakespeare: The Tempest,
Act 1, scene 2

Chandrika Wolkenstein Sachzwang

Die Hölle ist leer.
Nicht weil das Böse ausgestorben wäre.
Sondern weil es umgezogen ist,
in Großraumbüros und Kommentarspalten,
in Gremien und Ministerien,
in dem beruhigenden Tonfall,
mit dem man Härte
...
129 Es gibt mehr 20.04.26
Vorschautext:
Wir wissen so viel
und verstehen so wenig.

Wir kartieren den Himmel,
zählen Sterne,
berechnen Bahnen,
simulieren das Ende der Welt
auf glatten Bildschirmen –
und scheitern doch
am eigenen Herzen,
an einem Blick,
an der Stille nach einer Nachricht.
...
128 Unter deinem Namen 19.04.26
Vorschautext:
Die Dinge
tragen kein Urteil.

Nicht der Regen.
Nicht die Nacht.
Nicht das Schweigen
zwischen zwei Menschen.

Erst dein Denken
tritt hinzu
und macht daraus
Trost,
...
127 Der andere Weg 19.04.26
Vorschautext:
Manchmal beginnt ein Leben
mit dem stillen Wissen,
dass die vorgezeichneten Wege
gut ausgeleuchtet,
geordnet,
beinahe freundlich sind,
aber nicht für dich.

Du gehst den schwereren Weg.
Kein Versprechen.
Keine Rettung.
Nur nichts,
...
126 Mit allem von gestern 18.04.26
Vorschautext:
Gestern steckt mir noch in den Knochen
nicht nur als Erinnerung,
mehr als Gewicht,
als feiner Staub in den Kammern des Herzens,
den selbst das Licht nicht fortnimmt,
sondern sichtbar macht.

Ich gehe nicht leer in diesen Morgen.
Ich trage die ungesagten Worte,
die Blicke, die geblieben sind,
die Liebe in ihrem verstummten Kleid,
und die Müdigkeit der Seele,
...
125 Vom Getragensein 17.04.26
Vorschautext:
Je älter ich werde,
desto leiser wird der Irrtum,
ich hätte hier das Sagen.

Ich habe Pläne gemacht,
aber das Leben
trat nie durch die Tür,
die ich ihm offenhielt.

Es kam ungefragt.
Es nahm Platz.
Es liebte mich für eine Weile.
...
124 Zwischen Sternenstaub und Erde 16.04.26
Vorschautext:
Die Seele
tritt alt ans Licht,
mit Staub von Sternen
in den unsichtbaren Falten.

Sie wird sanfter,
heller,
durchsichtiger,
während die Jahre
den Körper beschweren.

Der Körper
...
123 Innere Jahreszeit 16.04.26
Vorschautext:
Der Winter arbeitete gründlich.
Er schnitt die Tage kahl,
legte frei,
was bloß Gewohnheit war.

Die Kälte nahm allem die Milde,
verdunkelte den Blick,
ließ nur gelten,
was standhielt.

Doch selbst unter Schnee
vergaß etwas in mir
...
122 Rückflimmern 15.04.26
Vorschautext:
Eines Tages
wird mein Leben
in mir zurückflimmern,
Bild für Bild
wie Staubpartikel
im Licht eines alten Projektors.

Nicht die Tage werden bleiben,
die sich sauber erzählen lassen,
an denen alles funktionierte,
und niemand stolperte.

...
121 Schwerkraft 14.04.26
Vorschautext:
Menschen docken an
über Schwächen.

Nicht über Kontrolle.
Nicht über Überlegenheit.
Nicht über die sauber gefalteten Tage.

Sie docken an:
über das Zögern,
über die kleine Erschütterung in der Stimme,
über das Zittern hinter dem Lachen.

...
120 Werde Meer 13.04.26
Vorschautext:
„ If you don’t become the ocean, you’ll be seasick every day.“ Leonard Cohen

Wenn man sich ängstigt
vor der eigenen Tiefe,
lebt man am Ufer
wie auf geliehenem Boden.

Man sagt:
Das Leben ist zu viel.
Die Welt ist zu laut,
die Liebe zu unsicher.

...
119 Tanzender Stern 13.04.26
Vorschautext:
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ Friedrich Nietzsche


Lass dir dein Chaos
nicht nehmen.
Es ist nicht nur Verlust,
es ist auch Ursprung.

Fürchte nicht das Wilde in dir,
nicht den Widerstreit,
nicht die Stunden,
in denen alles unfertig ist.
...
118 Als es noch da war 12.04.26
Vorschautext:
Man denkt immer, Glück müsse sich groß anfühlen.
Aber es hat nichts Feierliches:
Kein Licht, das plötzlich auf alles fällt.
Keine Stimme, die sagt:
Das ist der Augenblick,
an den du später zurückdenken wirst.

Meistens kommt es unscheinbar.
Nicht als Ausnahmezustand, sondern als Alltag,
als Tage, die keinen Beweis brauchen,
als jemand, der noch da ist,
als das Gefühl, nicht erklären zu müssen, wer man ist.
...
117 Im Namen der Macht 07.04.26
Vorschautext:
Sie reden von Ordnung
und meinen Unterwerfung.
Sie reden von Glauben
und meinen Kontrolle.
Sie reden vom Volk
und meinen sich selbst.

Die Demokratie fällt nicht auf einmal.
Sie wird ausgehöhlt
durch Angst, Gehorsam und Lüge.

Machtzirkel bauen keine Zukunft.
...
116 Die andere Klarheit 03.04.26
Vorschautext:
Musik.
Sonst nichts.

Und doch wird etwas
in uns weit,
als hätte jemand
ein verborgenes Fenster
geöffnet.

Sie braucht keinen Begriff
für das,
was wir sofort erkennen.
...
115 Sterne über der Gosse 02.04.26
Vorschautext:
Wir liegen alle in der Gosse,
manchmal tiefer, als wir zugeben.
Wir zweifeln,
sehen mehr Boden als Himmel.
Und doch heben manche den Blick,
trotz der Risse,
trotz der Müdigkeit,
trotz der Welt.
Und dann sind da Sterne,
weit weg,
aber da.
Vielleicht retten sie nichts,
...
114 Für irgendwen die Welt 02.04.26
Vorschautext:
Für die Welt bist du vielleicht
nur ein Gesicht im Strom der Zeit,
ein Name, den der Wind verweht,
ein Schritt, der kommt und weitergeht.

Doch für ein Herz bist du das Licht,
das leise durch den Alltag bricht,
der Trost, wenn dunkle Stunden sind,
die warme Hand, die Hoffnung bringt.

So glaube nie,
du seist zu klein,
...
113 Nach dem Fest 19.03.26
Vorschautext:
Schönheit trägt Seide,
Hässlichkeit Haut.

Schönheit lebt
vom Blick der andern.
Hässlichkeit
braucht keinen.

Schönheit schläft ein
im letzten Champagnerglas.
Hässlichkeit wacht auf
neben dem Geruch
...