Profil von Chandrika Wolkenstein

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Anzahl Gedichte: 110
Anzahl Kommentare: 6
Gedichte gelesen: 2.816 mal
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Titel
50 Warum 18.01.26
Vorschautext:
Meine Seele runzelt leise
auf eine unwohlsame Weise.
Ich muss mich ständig neu besinnen,
um dem Abgrund zu entrinnen.
Ich muss so manche Träume schreddern,
mich nicht in Trugbildern verheddern.
Ich muss die Welt von Nahem seh’n,
um auch das Gute zu versteh’n.
Warum fehlt mir die Leichtigkeit
in dieser mir geschenkten Zeit?
49 Wider der Turbologik 17.01.26
Vorschautext:
Ich steigere mein Tempo nicht
für Leistungskennzahlen.
Ich beschleunige nicht
für Produktionszyklen.
Ich erhöhe meinen Takt nicht
für das Bearbeitungsvolumen.
Ich optimiere nicht
meine Aufmerksamkeitsspanne.
Ich lasse Zeit entstehen.
Das ist kein Rückzug.
Das ist Widerstand
gegen eine Ordnung,
...
48 Alte Liebe 17.01.26
Vorschautext:
Die Liebe hat das Lodern verlernt,
doch die Glut wärmt genau richtig.
Die Jahre haben das Reden abgeschliffen
wie Kiesel im Fluss,
doch wir treiben im gleichen Wasser.
Die Luft ist uns dünn geworden,
doch wir atmen im gleichen Rhythmus.
Die Erde nimmt uns langsam zurück,
doch wir halten uns
verbunden
in Innigkeit.
47 Für Vater 17.01.26
Vorschautext:
Hätt‘ dir so gern was Schönes noch gesagt
vor deiner großen, langen Reise.
Hätt‘ dich so manches gern gefragt,
bevor du leise, so ganz leise
den Abschied gabst. Dann warst du fort
vielleicht an einem besseren Ort,
wo alles einfach leichter ist,
wo du ein Seelenvogel bist.
Von Zeit zu Zeit ziehst du ganz leise
vor meinem Fenster deine Kreise,
weist mir den Weg, den ich noch geh‘,
bis ich dich endlich wiederseh‘.
46 Vom Ende her 16.01.26
Vorschautext:
Manchmal legen Momente die Uhren ab:
Ein Raum wird still, ohne leer zu sein,
ein Lied löst die Zeit auf, ohne Verlust zu sein;
Eine Wahrheit wird erkannt,
ohne dass man sie gesucht hat.
Du hörst dein Herz deutlich.
Du spürst etwas,
das ist nicht von dieser Welt,
ein Sein ohne Vorher und Nachher.
Wenn alles vorbei ist,
was wird dann aus der Ewigkeit?
Vielleicht war sie nur das Wort für ein Gefühl.
...
45 Wenn die Zeit den Atem anhält 15.01.26
Vorschautext:
Eine Melodie aus Licht
ist kein Klang.
Es ist eine Schwelle.
Für einen Moment
steht ein Tor zur Ewigkeit
offen,
ohne Wächter,
ohne Schlüssel.
Du siehst nichts,
doch du spürst
einen Zustand
jenseits der Zeit.
...
44 Schweigen 14.01.26
Vorschautext:
Wir sagen einander wenig.
Manches, weil es nicht mehr nötig ist.
Manches, weil wir es nicht mehr finden.
Das Schweigen hat sich eingerichtet,
fragt nicht nach Erlaubnis.
Es bleibt, weil wir es dulden.
Sätze liegen
wie unbenutztes Besteck
in der Schublade der Jahre.
Wir verstehen,
miteinander zu schweigen
und übersehen dabei,
...
43 Was der Abschied übrig lässt 13.01.26
Vorschautext:
Da ist noch kalter Kaffee in der Tasse.
Dein Brot liegt auch noch angebissen da.
Wie ich die Stelle, wo wir enden, hasse,
wird mir in solchen Augenblicken klar.
Im Bad wohnen noch Relikte deiner Nähe.
Die Zahnbürste wird vergeblich auf dich warten.
Wenn ich dein Bleiben künftig auch verschmähe,
such' ich nach stillem Zeugnis ,all' den zarten
Überbleibseln unserer Gewesenheit;
mehr ist leider nicht geblieben.
Ich erinnere viel Kummer und Leid
im bunten Leben, das wir liebten.
...
42 Bleib doch 13.01.26
Vorschautext:
Wie Lippen, die sich fast berühren,
wie ein charmantes Lächeln im Vorübergehen,
wie süßer Duft, den wir im Abgang spüren,
wie ein zu kurzes, scheues Wiedersehen
ist das Davongleiten der Zeit.
Dies hinzunehmen war ich nie bereit.
Sekunden blühen auf und fallen zusammen.
Was schön war, tat so weh im Gehen.
Ich blieb zurück und zählte meine Schrammen
Die goldenen Augenblicke starben im Verwehen.
Ich wollte sie doch so gern für mich bewahren.
In meinen Händen trug ich sie wie Schnee.
...
41 Liebe mich 12.01.26
Vorschautext:
Auch dieser Tag soll mir der schönste sein.
Mein Recht auf Glück genieß' ich ganz allein.
Hab' mich im Gym geplagt, hab' nichts gegessen.
Hab' meine Schale wieder neu vermessen.
Mein Bild in diesem stillen See,
an dem ich heute Abend steh',
verzückt mich, doch will ich's berühren,
will es ein kleiner Wasserring entführen.
Berauscht von mir steig' ich hinab
in mein Waldseewonnengrab.
40 Lernstolpern 11.01.26
Vorschautext:
Am Boden lang kriechen
aus Angst vor dem Fallen,
aus Furcht vor den Folgen,
den Mund immer halten.
Dem Geld nachrennen,
nach Höherem streben,
und völlig vergessen,
das Leben zu leben.
Auf später hoffen,
statt jetzt zu handeln,
sich immer weigern,
sich selbst zu wandeln.
...
39 Staub der Jahre 09.01.26
Vorschautext:
Wintertage tragen Staub in ihren Taschen,
von Wegen, die man ging und nicht mehr geht.
Erinnerungen an dich sacht verblassen
wie dein Name, der ganz leis‘ im Schnee verweht.
Du warst das Maß, das alles andere überragte.
Du warst Verderben mir im Übermaß.
Du warst Beweis dafür, dass ich Vertrauen wagte.
Du warst der Grund für Tränen, die ich längst vergaß.
Du bist nunmehr ein grauer Wintermantel,
der nicht mal mehr nach wahrer Wärme riecht.
Du bist ein Frostgewand, vom Lauf der Zeit verschandelt,
aus dem der Staub der Jahre unablässig kriecht.
...
38 Frostfinger 08.01.26
Vorschautext:
Der Winter gierig greift nach mir
mit ungewaschenen Händen.
Ich zieh‘ den Kragen hoch und frier‘,
will diese Pein beenden.
Er legt mir Kälte auf die Zunge.
Eisblumen sprießen auf der Lunge.
Er flüstert mir leise Schnee ins Ohr.
Er kommt mir nah wie nie zuvor.
Sein alter und verbrauchter Atem
haucht grabeskalte Nebelschwaden.
Dann lässt er ab, noch übersatt von Nähe;
er nimmt sich Lebensenergie als Trophäe.
37 Traurige Tage 07.01.26
Vorschautext:
Mein Blick schweift durch das karge Zimmer,
verloren lieg‘ ich auf dem Bett.
Ich frage mich, was bleibt für immer,
vielleicht nur dieses Amulett,
das ich auf meinem Herzen trage.
Vielleicht bleibt nichts, und was ich sage,
schreib‘ ich nicht neu; ich antworte nur.
Ich folge einer textlichen Spur.
Es war alles schon da, wurde schöner gesagt.
Was bleibt von mir, hab‘ ich mich gefragt.
Drum zweifle ich an mir auch immer
und hüte freudlos dieses Zimmer.
36 Kurz davor 07.01.26
Vorschautext:
Manchmal möchte ich ihm
aus meinem Lieblingsbuch
vorlesen.
Doch ich tue es nicht.

Manchmal möchte ich ihm
die Sterne vom Himmel holen.
Doch ich tue es nicht.

Manchmal möchte ich
meine Dankbarkeit
behutsam in seine Hände
...
35 Himmelhoch, ohne Netz 04.01.26
Vorschautext:
Ein schwankendes Stück Drahtseil,
über einem Abgrund gespannt.
Ein erster tastender Schritt,
dann ein zaghafter Tanz
mit der Schwerkraft,
himmelhoch, ohne Netz.
Die Balance in der Schwebe
ist Arbeit,
nicht Talent.
Ich springe, hüpfe, federe, gehe,
weil Stehen schon Fallen wäre.
Die Tiefe und ich,
...
34 Begehren Ohne Süße 03.01.26
Vorschautext:
Unsere Geschichte spricht nach Mitternacht.
Dein Blick hat mein stillstes Sehnen entfacht.
Kein Wort, nur ein sehr sich’res Nicken;
Dann deine Hand an meinem Rücken,
fest, fordernd und gefährlich heiß.
Es perlt recht uncharmant der Schweiß.
Wenn wir uns‘re Umarmung finden,
und unsere Körper sich verbinden,
schalt‘ ich den Kopf aus, lass mich fließen.
Wir malen die Musik mit Füßen.
Ich fühl‘ mich frei, fühl‘ mich erlöst.
Du hast mein „ich“, mein Herz entblößt.
...
33 Milonga, nachts 02.01.26
Vorschautext:
Der Rauch hängt tief.
Die Gläser klirren
zu Whiskymief
und Blicke flirren.
Das Licht gedimmt und müde,
entkleidet die Blicke
sanft, nicht prüde.
Gesichter, die geliebt,
dennoch verloren haben
und gerade deshalb tanzen,
statt finster zu verzagen.
Das Bandoneon reißt
...
32 Machtwort 01.01.26
Vorschautext:
Wie will ich die Welt?
Ich will sie bunt.
Ich will sie laut.
Ich will sie rund.
Ich will mein Leben,
will es schrill.
Ich will entscheiden,
was ich will.
Nichts soll mit mir
hier mehr geschehen.
Ich will nicht länger
stumm zusehen.
...
31 Staubig 01.01.26
Vorschautext:
Staubig - glaub‘ ich -ist mein Herz.
Wirbelnd tanzt es himmelwärts.
In Wolken tanzt sich’s wunderschön,
um dann im Lichte zu vergeh’n.
Was bleibt, sind Flocken auf den Wegen,
die Menschen wegzukehren pflegen.
Ich war doch einst Moment des Lichts.
Mach‘ mich nun aus dem Staub ins Nichts.