Profil von Chandrika Wolkenstein

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Anzahl Gedichte: 158
Anzahl Kommentare: 21
Gedichte gelesen: 4.583 mal
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Titel
58 Abbitte 23.01.26
Vorschautext:
Es wäre angebracht,
sich aufzubäumen
im Abglanz der Lüge.
Sie dürfen nur so viel wissen,
wie sie wissen dürfen,
feixen die Führer.
Wahnwitzig wandelt uns das Unheil an,
unmerklich, unaufhaltsam,
und ich schwieg,
wo Einspruch nötig war.
Benommen und beklommen
flehe ich um Fürsprache:
...
57 Das hohe Lied des Aber (Deutscher Psalm) 22.01.26
Vorschautext:
Und das Volk sprach:
Ja,.....................Aber.

Und siehe,
das Aber war stets zur Stelle
und meldete Bedenken an.

Gesegnet sei der Zweifel,
der alles prüft
und nichts bestehen lässt,
wie es ist.

...
56 Mittagsschlaf am Meer 22.01.26
Vorschautext:
So viele satte Salzkristalle
schmeck‘ ich schmunzelnd auf den Lippen.
Fühl‘ mich wie eine Steinkoralle,
sanft schlummernd unter Meeresklippen.
Lass‘ mich vom großen Meer betören,
wieg‘ mich zu Wellenwasserchören.
Samtweicher Sand schmiegt sich an mich
und Sonnenstrahlen streicheln mich.
So möchte ich noch ewig ruh’n.
Will gar nichts anderes mehr tun.
Will nur dem Meeresrauschen lauschen
und leis‘ mit Meerjungfrauen plauschen.
55 Normierte Tristesse 21.01.26
Vorschautext:
Man verbessert sich.
Täglich.
Schritte,Puls, Kalorien, Schlafphasen
zählen, zählen, zählen.
Der Körper wird Projekt,
der Tag eine Aufgabe.
Selbstoptimierung
ersetzt Sinn.
Das genügt.
Ist das Leben?
54 Wenn nichts mehr kommt 21.01.26
Vorschautext:
In manchen Gesichtern
steht nichts.
Das ist der Zustand:
Ein Bahnhof
nach dem letzten Zug.
Anzeigetafeln dunkel.
Bänke kalt.
Erwartung:
nicht mehr vorgesehen.
53 Zwischen Gischt und Gesang 20.01.26
Vorschautext:
Der Sturm erwacht, die Wellen steigen.
Der Himmel reißt auf wie Zeichenpapier.
Blitze zucken wie zischende Peitschen.
Der Salzwind schreit zornig über dir.
Die wütende Gischt weiß noch ihre Namen,
die einstmals nicht nach Hause kamen.
Der Wal richtete sie: die Kühnen und Harten
für ihre dunklen Gräueltaten.
Die Männer wurden zu Treibgut im Blau,
das nun nicht mehr so stürmisch rau
die Boote durcheinander wirbelt,
wie Strähnen um den Finger zwirbelt.
...
52 Der Kreisel 19.01.26
Vorschautext:
Auf der leeren Straße tanzt ein Kreisel.
Er dreht sich selbstvergessen,
als sei die Welt ein runder Augenblick.
Noch hält ihn das Kreisen.
Noch trägt ihn die Bewegung.
Er ahnt nicht:
Die Kinder sind schon weiter.
Sie haben keine Zeit mehr.
Hände haben anderes zu tun.
Man findet ihn später.
Die Straße war schneller.
51 Zwischen Wäsche und Staub : ihr Geruch 19.01.26
Vorschautext:
Mutter ist tot,
So ist es jetzt.

Es gibt Tage,
da liegt ihr Geruch im Raum,
einfach so,
ohne Anlass.

Nicht wie ein Zeichen,
eher wie etwas,
das noch da ist.

...
50 Warum 18.01.26
Vorschautext:
Meine Seele runzelt leise
auf eine unwohlsame Weise.
Ich muss mich ständig neu besinnen,
um dem Abgrund zu entrinnen.
Ich muss so manche Träume schreddern,
mich nicht in Trugbildern verheddern.
Ich muss die Welt von Nahem seh’n,
um auch das Gute zu versteh’n.
Warum fehlt mir die Leichtigkeit
in dieser mir geschenkten Zeit?
49 Wider der Turbologik 17.01.26
Vorschautext:
Ich steigere mein Tempo nicht
für Leistungskennzahlen.
Ich beschleunige nicht
für Produktionszyklen.
Ich erhöhe meinen Takt nicht
für das Bearbeitungsvolumen.
Ich optimiere nicht
meine Aufmerksamkeitsspanne.
Ich lasse Zeit entstehen.
Das ist kein Rückzug.
Das ist Widerstand
gegen eine Ordnung,
...
48 Alte Liebe 17.01.26
Vorschautext:
Die Liebe hat das Lodern verlernt,
doch die Glut wärmt genau richtig.
Die Jahre haben das Reden abgeschliffen
wie Kiesel im Fluss,
doch wir treiben im gleichen Wasser.
Die Luft ist uns dünn geworden,
doch wir atmen im gleichen Rhythmus.
Die Erde nimmt uns langsam zurück,
doch wir halten uns
verbunden
in Innigkeit.
47 Für Vater 17.01.26
Vorschautext:
Hätt‘ dir so gern was Schönes noch gesagt
vor deiner großen, langen Reise.
Hätt‘ dich so manches gern gefragt,
bevor du leise, so ganz leise
den Abschied gabst. Dann warst du fort
vielleicht an einem besseren Ort,
wo alles einfach leichter ist,
wo du ein Seelenvogel bist.
Von Zeit zu Zeit ziehst du ganz leise
vor meinem Fenster deine Kreise,
weist mir den Weg, den ich noch geh‘,
bis ich dich endlich wiederseh‘.
46 Vom Ende her 16.01.26
Vorschautext:
Manchmal legen Momente die Uhren ab:
Ein Raum wird still, ohne leer zu sein,
ein Lied löst die Zeit auf, ohne Verlust zu sein;
Eine Wahrheit wird erkannt,
ohne dass man sie gesucht hat.
Du hörst dein Herz deutlich.
Du spürst etwas,
das ist nicht von dieser Welt,
ein Sein ohne Vorher und Nachher.
Wenn alles vorbei ist,
was wird dann aus der Ewigkeit?
Vielleicht war sie nur das Wort für ein Gefühl.
...
45 Wenn die Zeit den Atem anhält 15.01.26
Vorschautext:
Eine Melodie aus Licht
ist kein Klang.
Es ist eine Schwelle.
Für einen Moment
steht ein Tor zur Ewigkeit
offen,
ohne Wächter,
ohne Schlüssel.
Du siehst nichts,
doch du spürst
einen Zustand
jenseits der Zeit.
...
44 Schweigen 14.01.26
Vorschautext:
Wir sagen einander wenig.
Manches, weil es nicht mehr nötig ist.
Manches, weil wir es nicht mehr finden.
Das Schweigen hat sich eingerichtet,
fragt nicht nach Erlaubnis.
Es bleibt, weil wir es dulden.
Sätze liegen
wie unbenutztes Besteck
in der Schublade der Jahre.
Wir verstehen,
miteinander zu schweigen
und übersehen dabei,
...
43 Was der Abschied übrig lässt 13.01.26
Vorschautext:
Da ist noch kalter Kaffee in der Tasse.
Dein Brot liegt auch noch angebissen da.
Wie ich die Stelle, wo wir enden, hasse,
wird mir in solchen Augenblicken klar.
Im Bad wohnen noch Relikte deiner Nähe.
Die Zahnbürste wird vergeblich auf dich warten.
Wenn ich dein Bleiben künftig auch verschmähe,
such' ich nach stillem Zeugnis ,all' den zarten
Überbleibseln unserer Gewesenheit;
mehr ist leider nicht geblieben.
Ich erinnere viel Kummer und Leid
im bunten Leben, das wir liebten.
...
42 Bleib doch 13.01.26
Vorschautext:
Wie Lippen, die sich fast berühren,
wie ein charmantes Lächeln im Vorübergehen,
wie süßer Duft, den wir im Abgang spüren,
wie ein zu kurzes, scheues Wiedersehen
ist das Davongleiten der Zeit.
Dies hinzunehmen war ich nie bereit.
Sekunden blühen auf und fallen zusammen.
Was schön war, tat so weh im Gehen.
Ich blieb zurück und zählte meine Schrammen
Die goldenen Augenblicke starben im Verwehen.
Ich wollte sie doch so gern für mich bewahren.
In meinen Händen trug ich sie wie Schnee.
...
41 Liebe mich 12.01.26
Vorschautext:
Auch dieser Tag soll mir der schönste sein.
Mein Recht auf Glück genieß' ich ganz allein.
Hab' mich im Gym geplagt, hab' nichts gegessen.
Hab' meine Schale wieder neu vermessen.
Mein Bild in diesem stillen See,
an dem ich heute Abend steh',
verzückt mich, doch will ich's berühren,
will es ein kleiner Wasserring entführen.
Berauscht von mir steig' ich hinab
in mein Waldseewonnengrab.
40 Lernstolpern 11.01.26
Vorschautext:
Am Boden lang kriechen
aus Angst vor dem Fallen,
aus Furcht vor den Folgen,
den Mund immer halten.
Dem Geld nachrennen,
nach Höherem streben,
und völlig vergessen,
das Leben zu leben.
Auf später hoffen,
statt jetzt zu handeln,
sich immer weigern,
sich selbst zu wandeln.
...
39 Staub der Jahre 09.01.26
Vorschautext:
Wintertage tragen Staub in ihren Taschen,
von Wegen, die man ging und nicht mehr geht.
Erinnerungen an dich sacht verblassen
wie dein Name, der ganz leis‘ im Schnee verweht.
Du warst das Maß, das alles andere überragte.
Du warst Verderben mir im Übermaß.
Du warst Beweis dafür, dass ich Vertrauen wagte.
Du warst der Grund für Tränen, die ich längst vergaß.
Du bist nunmehr ein grauer Wintermantel,
der nicht mal mehr nach wahrer Wärme riecht.
Du bist ein Frostgewand, vom Lauf der Zeit verschandelt,
aus dem der Staub der Jahre unablässig kriecht.
...