Profil von Chandrika Wolkenstein

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Anzahl Gedichte: 158
Anzahl Kommentare: 21
Gedichte gelesen: 4.583 mal
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Titel
38 Frostfinger 08.01.26
Vorschautext:
Der Winter gierig greift nach mir
mit ungewaschenen Händen.
Ich zieh‘ den Kragen hoch und frier‘,
will diese Pein beenden.
Er legt mir Kälte auf die Zunge.
Eisblumen sprießen auf der Lunge.
Er flüstert mir leise Schnee ins Ohr.
Er kommt mir nah wie nie zuvor.
Sein alter und verbrauchter Atem
haucht grabeskalte Nebelschwaden.
Dann lässt er ab, noch übersatt von Nähe;
er nimmt sich Lebensenergie als Trophäe.
37 Traurige Tage 07.01.26
Vorschautext:
Mein Blick schweift durch das karge Zimmer,
verloren lieg‘ ich auf dem Bett.
Ich frage mich, was bleibt für immer,
vielleicht nur dieses Amulett,
das ich auf meinem Herzen trage.
Vielleicht bleibt nichts, und was ich sage,
schreib‘ ich nicht neu; ich antworte nur.
Ich folge einer textlichen Spur.
Es war alles schon da, wurde schöner gesagt.
Was bleibt von mir, hab‘ ich mich gefragt.
Drum zweifle ich an mir auch immer
und hüte freudlos dieses Zimmer.
36 Kurz davor 07.01.26
Vorschautext:
Manchmal möchte ich ihm
aus meinem Lieblingsbuch
vorlesen.
Doch ich tue es nicht.

Manchmal möchte ich ihm
die Sterne vom Himmel holen.
Doch ich tue es nicht.

Manchmal möchte ich
meine Dankbarkeit
behutsam in seine Hände
...
35 Himmelhoch, ohne Netz 04.01.26
Vorschautext:
Ein schwankendes Stück Drahtseil,
über einem Abgrund gespannt.
Ein erster tastender Schritt,
dann ein zaghafter Tanz
mit der Schwerkraft,
himmelhoch, ohne Netz.
Die Balance in der Schwebe
ist Arbeit,
nicht Talent.
Ich springe, hüpfe, federe, gehe,
weil Stehen schon Fallen wäre.
Die Tiefe und ich,
...
34 Begehren Ohne Süße 03.01.26
Vorschautext:
Unsere Geschichte spricht nach Mitternacht.
Dein Blick hat mein stillstes Sehnen entfacht.
Kein Wort, nur ein sehr sich’res Nicken;
Dann deine Hand an meinem Rücken,
fest, fordernd und gefährlich heiß.
Es perlt recht uncharmant der Schweiß.
Wenn wir uns‘re Umarmung finden,
und unsere Körper sich verbinden,
schalt‘ ich den Kopf aus, lass mich fließen.
Wir malen die Musik mit Füßen.
Ich fühl‘ mich frei, fühl‘ mich erlöst.
Du hast mein „ich“, mein Herz entblößt.
...
33 Milonga, nachts 02.01.26
Vorschautext:
Der Rauch hängt tief.
Die Gläser klirren
zu Whiskymief
und Blicke flirren.
Das Licht gedimmt und müde,
entkleidet die Blicke
sanft, nicht prüde.
Gesichter, die geliebt,
dennoch verloren haben
und gerade deshalb tanzen,
statt finster zu verzagen.
Das Bandoneon reißt
...
32 Machtwort 01.01.26
Vorschautext:
Wie will ich die Welt?
Ich will sie bunt.
Ich will sie laut.
Ich will sie rund.
Ich will mein Leben,
will es schrill.
Ich will entscheiden,
was ich will.
Nichts soll mit mir
hier mehr geschehen.
Ich will nicht länger
stumm zusehen.
...
31 Staubig 01.01.26
Vorschautext:
Staubig - glaub‘ ich -ist mein Herz.
Wirbelnd tanzt es himmelwärts.
In Wolken tanzt sich’s wunderschön,
um dann im Lichte zu vergeh’n.
Was bleibt, sind Flocken auf den Wegen,
die Menschen wegzukehren pflegen.
Ich war doch einst Moment des Lichts.
Mach‘ mich nun aus dem Staub ins Nichts.
30 Warum? 01.01.26
Vorschautext:
Meine Seele runzelt leise
auf eine unwohlsame Weise.
Ich muss mich einfach neu besinnen,
um dem Abgrund zu entrinnen.
Ich muss so manche Träume schreddern,
mich nicht in Trugbildern verheddern.
Ich muss die Welt von Nahem seh’n,
um auch das Gute zu versteh’n.
Warum fehlt mir die Leichtigkeit
in dieser mir geschenkten Zeit?
29 Rückschau 31.12.25
Vorschautext:
Als ich mit meiner Seele sprach,
war ich schon müde von der Reise,
auf der so mancher Traum zerbrach
kaum merklich, eher etappenweise.
Hab' ich mir zuviel vorgenommen?
Bin ich mir wirklich nah gekommen?
Hab' ich den Sinn für mich erfahren?
Bin ich nun weise mit den Jahren?
Jäh reift in mir ein Glücksgedanke.
Ich verneige mich ganz tief und danke.
28 Mantra mit Ablaufdatum 30.12.25
Vorschautext:
„Es kann nur besser werden,“
sagen wir am Ende eines Jahres
seit Jahren.
Wir sagen es, während wir „kriegstüchtig“ werden,
und man Friedensstifter verlacht.
Wir sagen es, während Politik sich schmiert,
und die Wirtschaft taumelt.
Wir sagen es, während wir Tiere züchten
für ein Leid in Serie,
und den Meeren der Atem ausgeht.
Schluss damit!
Ab jetzt fordern wir:
...
27 Die Ästhetik des Schiefen 29.12.25
Vorschautext:
Die Welt hängt schief im Rahmen.
Sie wurde so gehängt.
Das liegt nicht an den Dramen.
Die hab’n wir längst verdrängt.
So oft hab’n wir entschieden,
die Welt gerade zu richten.
Wir lügen uns zufrieden,
wenn wir das Chaos sichten.
Und eh‘ wir uns entsinnen,
bröselt die Wand von innen.
Und alles kippt ohne Gnade.
Wir leben schief und nennen’s gerade.
26 Anyway 28.12.25
Vorschautext:
Sie wusste stets, was sie tat.
Doch wusste sie auch, warum?
Sie überschritt Grenzen,
als seien es Spielregeln,
die man ändern darf,
wenn man das Spiel früh gelernt hat.
Männer fielen ihr zu
wie Zungen dem Zucker.
Man sagte, sie lockte mit Süße,
doch sie sättigte nie.
Man sagte, sie tränke keine Seelen,
doch sie ließ die verdursten
...
25 Im Stand-by der Anderen 28.12.25
Vorschautext:
Ich sag’s ,wie es ist.
Du hast kein eigenes Licht.
Immerzu wartest du,
bis jemand erscheint,
der es gut mit dir meint.
Ohne eigene Energie
lebst du von fremder Batterie.
Du dockst an,
wirst warm,
und leuchtest tatsächlich
für einen Moment,
wirkst sogar richtig
...
24 Traumrausch 28.12.25
Vorschautext:
Mein Traum geht leis‘ auf Zehenspitzen,
damit mein Herz nicht jäh erwacht.
Gedanken funkeln, sprüh’n und blitzen
in dieser fahlen Winternacht.
Mein Traum hält die Gedanken noch im Zaum.
Bilder huschen schweigend durch den Raum.
Aus dieser Quelle trinkt das Herz
und reckt sich trunken himmelwärts.
23 Leblosigkeit der Einsamkeit 27.12.25
Vorschautext:
Da ist kein Blick,
der nach mir sucht.
Da ist keine Stimme,
die mich meint.
Gedanken sind vorhanden,
sie werden nicht gebraucht.
Der Körper ist vorhanden,
ohne Bedeutung.
Meine Abwesenheit:
folgenlos.
Das ist der Schmerz.
22 Restbestand 27.12.25
Vorschautext:
Ausgehöhlt
vom Hunger
des Lebens.
Nicht leer,
eher abgetragen.
Gerade noch
stehend.
21 Ankommen 27.12.25
Vorschautext:
Still zieht mein Herz die Schuhe aus,
wenn ich dich vor mir sehe.
Ich strecke beide Arme aus;
Ich brauch‘ nur deine Nähe.
Wir halten uns ganz fest im Arm.
Der Kreis schließt sich, er wird schön warm.
Die Wärme fließt von Herz zu Herz.
Die Blicke finden himmelwärts.
Solch‘ innige Verbundenheit
gibt uns so viel Geborgenheit.
Die Seelen sind sich sichtbar nah.
Der Zauber wirkt ganz wunderbar.
...
20 Angefressen 27.12.25
Vorschautext:
Fressen, fressen,
immer essen.....
Hast du alles aufgegessen?
Hier gesessen,
da gesessen.
Ist die Portion angemessen?
Ganz versessen auf das Fressen,
stets das Beste nur gegessen.
Bist versessen von dem Fressen,
bist von allem angefressen.
19 Für die, die blieb ( meine Reisetasche) 27.12.25
Vorschautext:
Gegerbt von Zeit
und
weich geworden
von Wegen
wartest du
wehmütig
zwischen Wintermänteln.
In deinen Falten
schlafen Erinnerungen,
die nach Meer riechen
nach Zugluft und
zögernden Händen.
...