Profil von Chandrika Wolkenstein

Typ: Autor
Registriert seit dem: 27.11.2025

Statistiken


Anzahl Gedichte: 110
Anzahl Kommentare: 6
Gedichte gelesen: 2.816 mal
Sortieren nach:
Titel
70 Freier Blick 30.01.26
Vorschautext:
Das Meer: Magie im Jetzt.
Was fasziniert, ist die Weite.
Sie beruhigt, weil sie nichts fordert.

Und dann ist da das Licht.
Es zerbricht, tanzt, verschiebt sich
je nach Tageszeit.

Das Meer trägt Farben,
die nicht bleiben wollen:

weißsprühende Gischt,
...
69 Meerweh 30.01.26
Vorschautext:
Häng dein Haar in den Salzwind.
Nichts duftet besser als Meer.
Barfuß im Sand wie ein Kleinkind
lauf‘ den Wellen hinterher.
Es spritzt und zischt und tost und schäumt.
Davon hast du schon lang geträumt.
Du fühlst dich neu, fast schaumgeboren.
Du hast dein Herz an das Meer verloren.
Geheimnisvoll und wunderschön,
so sollen dich die Menschen sehen.
Wild wie das Meer, so grenzenlos frei,
so willst du sein. Also sei!
68 Schade um den Mond 29.01.26
Vorschautext:
Wir streiten uns
in der Nacht.
Worte blitzen auf.
Zorn glüht nach.
Keiner hört zu.
Jeder hat recht.
Über uns
der Mond.
Er wandert um den Teich,
uns belauschend.
Schade um den Mond,
er lässt die Sterne
...
67 Nach dem Blick 28.01.26
Vorschautext:
„La laideur est supérieure à la beauté, car elle dure.“
Serge Gainsbourg

(Das Hässliche ist dem Schönen überlegen, weil es bleibt).

Unbeeindruckt von mir
kreuzt eine Wanderratte
meinen Weg.

Das Fell stumpf und staubig,
der Körper zu nah am Boden,
der Schwanz nackt.
...
66 An diesem geschmacklosen Tag 28.01.26
Vorschautext:
An diesem geschmacklosen Tag
bleibt alles im Ansatz.
Der blasse Morgen verspricht nichts.
Der Kaffee hinterlässt nichts
auf der Zunge.
Gespräche rutschen durch.
Kein Satz bleibt hängen.
Selbst das Schweigen
hat heute kein Aroma.
Ich gehe durch Stunden
wie durch lauwarmes Wasser.
Vor dem Fenster fliegt eine Plastiktüte.
...
65 Stillgelegte Verheißung 27.01.26
Vorschautext:
Geschlossen!
Kein Licht brennt mehr,
weil nichts mehr kommt.

Regale bewahren das Ausbleiben.
Preisschilder sprechen von gestern
in einer Sprache ohne Bedarf.

Die Kühltruhen atmen nicht mehr:
Ende der Versorgung als Versprechen.

Die Zukunft wurde aus dem Sortiment genommen.
...
64 Kein Ort zum Bleiben 26.01.26
Vorschautext:
Ein Lied, plötzlich hab‘ ich an dich gedacht:
Du warst wie ein Autobahn-Rastplatz bei Nacht.
Du warst nur Neonlicht als ein Ersatz für Wärme.
Selbst deinen Geruch mag ich auch heute noch
nicht wirklich gerne:
wie Diesel, altes Fett und kalter Rauch.
Die leeren Gespräche mit dir belächle ich heute auch.
Bei dir ist niemand lange Zeit geblieben,
dich kann man einfach nicht so richtig lieben.
Die Begegnung mit dir, reiner Zeitverlust,
erschöpfter Stillstand in abgestumpften Fluss.
Wär‘ ich ein Pendler, Fahrer, Schichtarbeiter,
...
63 Leer gerechnet 26.01.26
Vorschautext:
Im immerwährenden Jetzt
sind die Lichter ausgedünnt.
Teppiche schlucken die Schritte
der Zählenden.
Um dem Zufall eine Form zu geben,
werden Zahlen beschworen.
Gespräche versickern im Dazwischen.
Masken verraten nichts,
doch alle spüren die Nähe zum Abgrund.
Hände setzen routiniert.
Blicke hypnotisieren die Kugel.
Erwartung flackert auf,
...
62 Container Terminal Altenwerder Morgens, 6:00 Uhr 25.01.26
Vorschautext:
Im Nebel wird umgeladen, sortiert, verschoben.
Riesige Kräne, Giraffen aus Stahl,
greifen ins Grau nach einem festen Takt.
Fahrzeuge kreisen- ameisengleich-
auf vorgegebenen Routen.
Container rücken eng zusammen
wie Schildkröten auf kaltem Beton.
Alles ist in Bewegung, irgendwie unterwegs.
Alles wird gestapelt, versiegelt, nummeriert.
Alles wird überwacht, verbucht, registriert.
Träume, Wünsche und Sehnsüchte.
Der Hafen verschifft sie alle,
...
61 Außer Betrieb 25.01.26
Vorschautext:
Himmel ohne Wolken.
Die Haltestelle steht noch.
Zwei Schrauben im Blech,
kein Fahrplan.
Die Metallbank kalt, unbenutzt.
Davor
in einer gefrorenen Pfütze
ein Kinderhandschuh
himbeerrot.
60 Welttheater 24.01.26
Vorschautext:
Wir treten auf,
noch ehe wir wissen,
welche Rolle die unsrige ist.

Die Kostüme hängen bereit:

Denken auf Linie,
Dressur der Haltung,
Gesicht unter Kontrolle.

Der Text steht fest.
Wir lernen ihn auswendig.
...
59 Nicht verwertbar 23.01.26
Vorschautext:
Es liegt im Licht der Neonröhren,
sein Körper bereits verbucht.
Alles Weitere ist geregelt.
Wir haben es bestellt,
verarbeitet,
portioniert
mit Beilage.
Der Vorgang läuft.
Ein Schwein kichert im Schlaf.
58 Abbitte 23.01.26
Vorschautext:
Es wäre angebracht,
sich aufzubäumen
im Abglanz der Lüge.
Sie dürfen nur so viel wissen,
wie sie wissen dürfen,
feixen die Führer.
Wahnwitzig wandelt uns das Unheil an,
unmerklich, unaufhaltsam,
und ich schwieg,
wo Einspruch nötig war.
Benommen und beklommen
flehe ich um Fürsprache:
...
57 Das hohe Lied des Aber (Deutscher Psalm) 22.01.26
Vorschautext:
Und das Volk sprach:
Ja,.....................Aber.

Und siehe,
das Aber war stets zur Stelle
und meldete Bedenken an.

Gesegnet sei der Zweifel,
der alles prüft
und nichts bestehen lässt,
wie es ist.

...
56 Mittagsschlaf am Meer 22.01.26
Vorschautext:
So viele satte Salzkristalle
schmeck‘ ich schmunzelnd auf den Lippen.
Fühl‘ mich wie eine Steinkoralle,
sanft schlummernd unter Meeresklippen.
Lass‘ mich vom großen Meer betören,
wieg‘ mich zu Wellenwasserchören.
Samtweicher Sand schmiegt sich an mich
und Sonnenstrahlen streicheln mich.
So möchte ich noch ewig ruh’n.
Will gar nichts anderes mehr tun.
Will nur dem Meeresrauschen lauschen
und leis‘ mit Meerjungfrauen plauschen.
55 Normierte Tristesse 21.01.26
Vorschautext:
Man verbessert sich.
Täglich.
Schritte,Puls, Kalorien, Schlafphasen
zählen, zählen, zählen.
Der Körper wird Projekt,
der Tag eine Aufgabe.
Selbstoptimierung
ersetzt Sinn.
Das genügt.
Ist das Leben?
54 Wenn nichts mehr kommt 21.01.26
Vorschautext:
In manchen Gesichtern
steht nichts.
Das ist der Zustand:
Ein Bahnhof
nach dem letzten Zug.
Anzeigetafeln dunkel.
Bänke kalt.
Erwartung:
nicht mehr vorgesehen.
53 Zwischen Gischt und Gesang 20.01.26
Vorschautext:
Der Sturm erwacht, die Wellen steigen.
Der Himmel reißt auf wie Zeichenpapier.
Blitze zucken wie zischende Peitschen.
Der Salzwind schreit zornig über dir.
Die wütende Gischt weiß noch ihre Namen,
die einstmals nicht nach Hause kamen.
Der Wal richtete sie: die Kühnen und Harten
für ihre dunklen Gräueltaten.
Die Männer wurden zu Treibgut im Blau,
das nun nicht mehr so stürmisch rau
die Boote durcheinander wirbelt,
wie Strähnen um den Finger zwirbelt.
...
52 Der Kreisel 19.01.26
Vorschautext:
Auf der leeren Straße tanzt ein Kreisel.
Er dreht sich selbstvergessen,
als sei die Welt ein runder Augenblick.
Noch hält ihn das Kreisen.
Noch trägt ihn die Bewegung.
Er ahnt nicht:
Die Kinder sind schon weiter.
Sie haben keine Zeit mehr.
Hände haben anderes zu tun.
Man findet ihn später.
Die Straße war schneller.
51 Zwischen Wäsche und Staub : ihr Geruch 19.01.26
Vorschautext:
Mutter ist tot,
So ist es jetzt.

Es gibt Tage,
da liegt ihr Geruch im Raum,
einfach so,
ohne Anlass.

Nicht wie ein Zeichen,
eher wie etwas,
das noch da ist.

...