| Titel | ||||
|---|---|---|---|---|
| 70 | Freier Blick | 30.01.26 | ||
|
Vorschautext: Das Meer: Magie im Jetzt. Was fasziniert, ist die Weite. Sie beruhigt, weil sie nichts fordert. Und dann ist da das Licht. Es zerbricht, tanzt, verschiebt sich je nach Tageszeit. Das Meer trägt Farben, die nicht bleiben wollen: weißsprühende Gischt, ... |
||||
| 69 | Meerweh | 30.01.26 | ||
|
Vorschautext: Häng dein Haar in den Salzwind. Nichts duftet besser als Meer. Barfuß im Sand wie ein Kleinkind lauf‘ den Wellen hinterher. Es spritzt und zischt und tost und schäumt. Davon hast du schon lang geträumt. Du fühlst dich neu, fast schaumgeboren. Du hast dein Herz an das Meer verloren. Geheimnisvoll und wunderschön, so sollen dich die Menschen sehen. Wild wie das Meer, so grenzenlos frei, so willst du sein. Also sei! |
||||
| 68 | Schade um den Mond | 29.01.26 | ||
|
Vorschautext: Wir streiten uns in der Nacht. Worte blitzen auf. Zorn glüht nach. Keiner hört zu. Jeder hat recht. Über uns der Mond. Er wandert um den Teich, uns belauschend. Schade um den Mond, er lässt die Sterne ... |
||||
| 67 | Nach dem Blick | 28.01.26 | ||
|
Vorschautext: „La laideur est supérieure à la beauté, car elle dure.“ Serge Gainsbourg (Das Hässliche ist dem Schönen überlegen, weil es bleibt). Unbeeindruckt von mir kreuzt eine Wanderratte meinen Weg. Das Fell stumpf und staubig, der Körper zu nah am Boden, der Schwanz nackt. ... |
||||
| 66 | An diesem geschmacklosen Tag | 28.01.26 | ||
|
Vorschautext: An diesem geschmacklosen Tag bleibt alles im Ansatz. Der blasse Morgen verspricht nichts. Der Kaffee hinterlässt nichts auf der Zunge. Gespräche rutschen durch. Kein Satz bleibt hängen. Selbst das Schweigen hat heute kein Aroma. Ich gehe durch Stunden wie durch lauwarmes Wasser. Vor dem Fenster fliegt eine Plastiktüte. ... |
||||
| 65 | Stillgelegte Verheißung | 27.01.26 | ||
|
Vorschautext: Geschlossen! Kein Licht brennt mehr, weil nichts mehr kommt. Regale bewahren das Ausbleiben. Preisschilder sprechen von gestern in einer Sprache ohne Bedarf. Die Kühltruhen atmen nicht mehr: Ende der Versorgung als Versprechen. Die Zukunft wurde aus dem Sortiment genommen. ... |
||||
| 64 | Kein Ort zum Bleiben | 26.01.26 | ||
|
Vorschautext: Ein Lied, plötzlich hab‘ ich an dich gedacht: Du warst wie ein Autobahn-Rastplatz bei Nacht. Du warst nur Neonlicht als ein Ersatz für Wärme. Selbst deinen Geruch mag ich auch heute noch nicht wirklich gerne: wie Diesel, altes Fett und kalter Rauch. Die leeren Gespräche mit dir belächle ich heute auch. Bei dir ist niemand lange Zeit geblieben, dich kann man einfach nicht so richtig lieben. Die Begegnung mit dir, reiner Zeitverlust, erschöpfter Stillstand in abgestumpften Fluss. Wär‘ ich ein Pendler, Fahrer, Schichtarbeiter, ... |
||||
| 63 | Leer gerechnet | 26.01.26 | ||
|
Vorschautext: Im immerwährenden Jetzt sind die Lichter ausgedünnt. Teppiche schlucken die Schritte der Zählenden. Um dem Zufall eine Form zu geben, werden Zahlen beschworen. Gespräche versickern im Dazwischen. Masken verraten nichts, doch alle spüren die Nähe zum Abgrund. Hände setzen routiniert. Blicke hypnotisieren die Kugel. Erwartung flackert auf, ... |
||||
| 62 | Container Terminal Altenwerder Morgens, 6:00 Uhr | 25.01.26 | ||
|
Vorschautext: Im Nebel wird umgeladen, sortiert, verschoben. Riesige Kräne, Giraffen aus Stahl, greifen ins Grau nach einem festen Takt. Fahrzeuge kreisen- ameisengleich- auf vorgegebenen Routen. Container rücken eng zusammen wie Schildkröten auf kaltem Beton. Alles ist in Bewegung, irgendwie unterwegs. Alles wird gestapelt, versiegelt, nummeriert. Alles wird überwacht, verbucht, registriert. Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Der Hafen verschifft sie alle, ... |
||||
| 61 | Außer Betrieb | 25.01.26 | ||
|
Vorschautext: Himmel ohne Wolken. Die Haltestelle steht noch. Zwei Schrauben im Blech, kein Fahrplan. Die Metallbank kalt, unbenutzt. Davor in einer gefrorenen Pfütze ein Kinderhandschuh himbeerrot. |
||||
| 60 | Welttheater | 24.01.26 | ||
|
Vorschautext: Wir treten auf, noch ehe wir wissen, welche Rolle die unsrige ist. Die Kostüme hängen bereit: Denken auf Linie, Dressur der Haltung, Gesicht unter Kontrolle. Der Text steht fest. Wir lernen ihn auswendig. ... |
||||
| 59 | Nicht verwertbar | 23.01.26 | ||
|
Vorschautext: Es liegt im Licht der Neonröhren, sein Körper bereits verbucht. Alles Weitere ist geregelt. Wir haben es bestellt, verarbeitet, portioniert mit Beilage. Der Vorgang läuft. Ein Schwein kichert im Schlaf. |
||||
| 58 | Abbitte | 23.01.26 | ||
|
Vorschautext: Es wäre angebracht, sich aufzubäumen im Abglanz der Lüge. Sie dürfen nur so viel wissen, wie sie wissen dürfen, feixen die Führer. Wahnwitzig wandelt uns das Unheil an, unmerklich, unaufhaltsam, und ich schwieg, wo Einspruch nötig war. Benommen und beklommen flehe ich um Fürsprache: ... |
||||
| 57 | Das hohe Lied des Aber (Deutscher Psalm) | 22.01.26 | ||
|
Vorschautext: Und das Volk sprach: Ja,.....................Aber. Und siehe, das Aber war stets zur Stelle und meldete Bedenken an. Gesegnet sei der Zweifel, der alles prüft und nichts bestehen lässt, wie es ist. ... |
||||
| 56 | Mittagsschlaf am Meer | 22.01.26 | ||
|
Vorschautext: So viele satte Salzkristalle schmeck‘ ich schmunzelnd auf den Lippen. Fühl‘ mich wie eine Steinkoralle, sanft schlummernd unter Meeresklippen. Lass‘ mich vom großen Meer betören, wieg‘ mich zu Wellenwasserchören. Samtweicher Sand schmiegt sich an mich und Sonnenstrahlen streicheln mich. So möchte ich noch ewig ruh’n. Will gar nichts anderes mehr tun. Will nur dem Meeresrauschen lauschen und leis‘ mit Meerjungfrauen plauschen. |
||||
| 55 | Normierte Tristesse | 21.01.26 | ||
|
Vorschautext: Man verbessert sich. Täglich. Schritte,Puls, Kalorien, Schlafphasen zählen, zählen, zählen. Der Körper wird Projekt, der Tag eine Aufgabe. Selbstoptimierung ersetzt Sinn. Das genügt. Ist das Leben? |
||||
| 54 | Wenn nichts mehr kommt | 21.01.26 | ||
|
Vorschautext: In manchen Gesichtern steht nichts. Das ist der Zustand: Ein Bahnhof nach dem letzten Zug. Anzeigetafeln dunkel. Bänke kalt. Erwartung: nicht mehr vorgesehen. |
||||
| 53 | Zwischen Gischt und Gesang | 20.01.26 | ||
|
Vorschautext: Der Sturm erwacht, die Wellen steigen. Der Himmel reißt auf wie Zeichenpapier. Blitze zucken wie zischende Peitschen. Der Salzwind schreit zornig über dir. Die wütende Gischt weiß noch ihre Namen, die einstmals nicht nach Hause kamen. Der Wal richtete sie: die Kühnen und Harten für ihre dunklen Gräueltaten. Die Männer wurden zu Treibgut im Blau, das nun nicht mehr so stürmisch rau die Boote durcheinander wirbelt, wie Strähnen um den Finger zwirbelt. ... |
||||
| 52 | Der Kreisel | 19.01.26 | ||
|
Vorschautext: Auf der leeren Straße tanzt ein Kreisel. Er dreht sich selbstvergessen, als sei die Welt ein runder Augenblick. Noch hält ihn das Kreisen. Noch trägt ihn die Bewegung. Er ahnt nicht: Die Kinder sind schon weiter. Sie haben keine Zeit mehr. Hände haben anderes zu tun. Man findet ihn später. Die Straße war schneller. |
||||
| 51 | Zwischen Wäsche und Staub : ihr Geruch | 19.01.26 | ||
|
Vorschautext: Mutter ist tot, So ist es jetzt. Es gibt Tage, da liegt ihr Geruch im Raum, einfach so, ohne Anlass. Nicht wie ein Zeichen, eher wie etwas, das noch da ist. ... |
||||