Profil von Chandrika Wolkenstein

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Anzahl Gedichte: 122
Anzahl Kommentare: 10
Gedichte gelesen: 3.693 mal
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Titel
122 Rückflimmern 15.04.26
Vorschautext:
Eines Tages
wird mein Leben
in mir zurückflimmern,
Bild für Bild
wie Staubpartikel
im Licht eines alten Projektors.

Nicht die Tage werden bleiben,
die sich sauber erzählen lassen,
an denen alles funktionierte,
und niemand stolperte.

...
121 Schwerkraft 14.04.26
Vorschautext:
Menschen docken an
über Schwächen.

Nicht über Kontrolle.
Nicht über Überlegenheit.
Nicht über die sauber gefalteten Tage.

Sie docken an:
über das Zögern,
über die kleine Erschütterung in der Stimme,
über das Zittern hinter dem Lachen.

...
120 Werde Meer 13.04.26
Vorschautext:
„ If you don’t become the ocean, you’ll be seasick every day.“ Leonard Cohen

Wenn man sich ängstigt
vor der eigenen Tiefe,
lebt man am Ufer
wie auf geliehenem Boden.

Man sagt:
Das Leben ist zu viel.
Die Welt ist zu laut,
die Liebe zu unsicher.

...
119 Tanzender Stern 13.04.26
Vorschautext:
„Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern zu gebären.“ Friedrich Nietzsche


Lass dir dein Chaos
nicht nehmen.
Es ist nicht nur Verlust,
es ist auch Ursprung.

Fürchte nicht das Wilde in dir,
nicht den Widerstreit,
nicht die Stunden,
in denen alles unfertig ist.
...
118 Als es noch da war 12.04.26
Vorschautext:
Man denkt immer, Glück müsse sich groß anfühlen.
Aber es hat nichts Feierliches:
Kein Licht, das plötzlich auf alles fällt.
Keine Stimme, die sagt:
Das ist der Augenblick,
an den du später zurückdenken wirst.

Meistens kommt es unscheinbar.
Nicht als Ausnahmezustand, sondern als Alltag,
als Tage, die keinen Beweis brauchen,
als jemand, der noch da ist,
als das Gefühl, nicht erklären zu müssen, wer man ist.
...
117 Im Namen der Macht 07.04.26
Vorschautext:
Sie reden von Ordnung
und meinen Unterwerfung.
Sie reden von Glauben
und meinen Kontrolle.
Sie reden vom Volk
und meinen sich selbst.

Die Demokratie fällt nicht auf einmal.
Sie wird ausgehöhlt
durch Angst, Gehorsam und Lüge.

Machtzirkel bauen keine Zukunft.
...
116 Die andere Klarheit 03.04.26
Vorschautext:
Musik.
Sonst nichts.

Und doch wird etwas
in uns weit,
als hätte jemand
ein verborgenes Fenster
geöffnet.

Sie braucht keinen Begriff
für das,
was wir sofort erkennen.
...
115 Sterne über der Gosse 02.04.26
Vorschautext:
Wir liegen alle in der Gosse,
manchmal tiefer, als wir zugeben.
Wir zweifeln,
sehen mehr Boden als Himmel.
Und doch heben manche den Blick,
trotz der Risse,
trotz der Müdigkeit,
trotz der Welt.
Und dann sind da Sterne,
weit weg,
aber da.
Vielleicht retten sie nichts,
...
114 Für irgendwen die Welt 02.04.26
Vorschautext:
Für die Welt bist du vielleicht
nur ein Gesicht im Strom der Zeit,
ein Name, den der Wind verweht,
ein Schritt, der kommt und weitergeht.

Doch für ein Herz bist du das Licht,
das leise durch den Alltag bricht,
der Trost, wenn dunkle Stunden sind,
die warme Hand, die Hoffnung bringt.

So glaube nie,
du seist zu klein,
...
113 Nach dem Fest 19.03.26
Vorschautext:
Schönheit trägt Seide,
Hässlichkeit Haut.

Schönheit lebt
vom Blick der andern.
Hässlichkeit
braucht keinen.

Schönheit schläft ein
im letzten Champagnerglas.
Hässlichkeit wacht auf
neben dem Geruch
...
112 Nach dem Ausräumen 19.03.26
Vorschautext:
Am Abend sah man nur noch
die helleren Rechtecke an der Wand,
dort, wo die Bilder gehangen hatten.

Im Flur
roch es nach Staub und Holz,
nach Schränken,
die zu lange Dinge bewahrt haben.

Wir gingen langsam
von Zimmer zu Zimmer,
als könnten Schritte
...
111 Unter sich 02.03.26
Vorschautext:
Man sprach von Netzwerken
und hob die Gläser
auf sich.

Man war unter sich.
Das galt als Qualität.

Teppiche schluckten Schritte.
Wände hielten.

Man nannte es Diskretion.

...
110 Nachgesang 19.02.26
Vorschautext:
Die Spieluhr klingt, als wär‘ sie müd‘ vom Leben.
Die Ballerina dreht sich leis im Raum.
Sie wird niemals wie and’re Tänzer schweben.
Das Schweben bleibt ihr unerreichter Traum.

Ein feiner Staub legt sich auf ihre Kreise.
Die Melodie wird leis‘, ein dünner Klang.
Sie dreht sich stumm in immer gleicher Weise,
als sei ihr Dasein nur noch Nachgesang.

Dann stockt der Ton. Die kleine Feder bricht.
Kein Sinn durchzieht ihr kurzes Leben.
...
109 Hymne für Gisèle 19.02.26
Vorschautext:
Man hat dir angetan,
was Sprache sprengt,
was selbst die Nacht
kaum tragen kann.
Man(n) hat kein Mitleid
dir geschenkt.
Dein Schänder war
dein eig’ner Mann.

Sie kamen wie
zu einem geheimen Fest,
betäubten dich
...
108 Von Hand zu Hand 17.02.26
Vorschautext:
Du warst mein erster Trost in dunklen Nächten.
Ich hielt dich fest, als wärst du nur dafür gemacht.
Du nahmst mir sanft die Angst vor allem Schlechten
und hast stets über meinem Schlaf gewacht.

Dann kam die Zeit. Ich wurde groß und kälter.
Ich tat, als wärst du nur ein Kinderding.
Ich spielte mit dir kaum noch, immer seltener,
bis ich dich fortlegte und von dir ging.

Du lagst im Staub, von Motten leicht zerfressen,
das Auge stumpf, dein Fell schon ausgebleicht.
...
107 Tschüss 17.02.26
Vorschautext:
Ich hätte dich doch küssen sollen.
Der Tag war wirklich schön gewesen.
Ich wollt, ich könnt‘ Gedanken lesen.
Jetzt bleibt mir nichts, als dumpf zu schmollen.

Hast du denn auch mich küssen wollen?
Der Wein war herb und auserlesen.
Wir haben Gedichte vorgelesen.
Ich wollte dich nicht überrollen.

Du machtest es mir nicht so leicht.
Deshalb hab‘ ich es nicht gewagt,
...
106 Nach dem Applaus 16.02.26
Vorschautext:
Ich bin kein Clown.
Mein Lachen jongliert
mit Wahrheiten, die zerspringen
wie Glas.

Mein Gewand aus Rauten
raschelt leise
wie Kulissenstoff,
der nicht mehr an Wunder glaubt.

Auf meinen Schuhen
Staub von tausend Abenden,
...
105 Schmerzkaskade 15.02.26
Vorschautext:
Stell‘ dir vor, du stirbst allein.
Wirst du vorbildlich leise untergehn
oder vergebens laut um Gnade flehn?
Wirst du im stillen Rückwärts selbstverliebt
dein Leben und dein Leiden stolz beschauen?

Oder wirst du trauernd, lauernd, kauernd
von trüben Erinnerungen umschmiegt
im diesigen Licht
lautlos erschauern?

Was wird die Nacht für dich auffahren?
...
104 "Briefwechsel" 14.02.26
Vorschautext:
Im Winter schrieb ich dir, zutiefst verliebt.
Ich fühlte mich so unwahrscheinlich gut.
Dass du nicht nah warst, hat mich zwar betrübt –
doch jeder Satz war hell und voller Mut.

Im Frühling schrieb ich dir mit einem Hauch von Grün.
Die Welt war plötzlich leichter, fast wie neu.
Ich sah die Knospen in den Zweigen blüh’n
und glaubte: Dieses Glück bleibt uns auch treu.

Im Sommer schrieb ich dir im Sonnenlicht,
die Tage schmeckten nach Unendlichkeit.
...
103 Ball der Irren 14.02.26
Vorschautext:
In dieser fahl erleuchteten Stunde
wiegen wir uns wehrlos,
dem Charme der begehrlichen Musik ergeben,
schmiegen wir uns schwerelos
an eine mühselig gewundene Melodie.

Dieser regelmäßige Rhythmus tut uns gut
in erschütternden Zeiten.
Er hält uns bei Laune.
Er hält die Stimmen weich.
Er hält die Katastrophen auf Abstand.

...