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| 110 | Nachgesang | 19.02.26 | ||
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Vorschautext: Die Spieluhr klingt, als wär‘ sie müd‘ vom Leben. Die Ballerina dreht sich leis im Raum. Sie wird niemals wie and’re Tänzer schweben. Das Schweben bleibt ihr unerreichter Traum. Ein feiner Staub legt sich auf ihre Kreise. Die Melodie wird leis‘, ein dünner Klang. Sie dreht sich stumm in immer gleicher Weise, als sei ihr Dasein nur noch Nachgesang. Dann stockt der Ton. Die kleine Feder bricht. Kein Sinn durchzieht ihr kurzes Leben. ... |
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| 109 | Hymne für Gisèle | 19.02.26 | ||
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Vorschautext: Man hat dir angetan, was Sprache sprengt, was selbst die Nacht kaum tragen kann. Man(n) hat kein Mitleid dir geschenkt. Dein Schänder war dein eig’ner Mann. Sie kamen wie zu einem geheimen Fest, betäubten dich ... |
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| 108 | Von Hand zu Hand | 17.02.26 | ||
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Vorschautext: Du warst mein erster Trost in dunklen Nächten. Ich hielt dich fest, als wärst du nur dafür gemacht. Du nahmst mir sanft die Angst vor allem Schlechten und hast stets über meinem Schlaf gewacht. Dann kam die Zeit. Ich wurde groß und kälter. Ich tat, als wärst du nur ein Kinderding. Ich spielte mit dir kaum noch, immer seltener, bis ich dich fortlegte und von dir ging. Du lagst im Staub, von Motten leicht zerfressen, das Auge stumpf, dein Fell schon ausgebleicht. ... |
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| 107 | Tschüss | 17.02.26 | ||
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Vorschautext: Ich hätte dich doch küssen sollen. Der Tag war wirklich schön gewesen. Ich wollt, ich könnt‘ Gedanken lesen. Jetzt bleibt mir nichts, als dumpf zu schmollen. Hast du denn auch mich küssen wollen? Der Wein war herb und auserlesen. Wir haben Gedichte vorgelesen. Ich wollte dich nicht überrollen. Du machtest es mir nicht so leicht. Deshalb hab‘ ich es nicht gewagt, ... |
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| 106 | Nach dem Applaus | 16.02.26 | ||
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Vorschautext: Ich bin kein Clown. Mein Lachen jongliert mit Wahrheiten, die zerspringen wie Glas. Mein Gewand aus Rauten raschelt leise wie Kulissenstoff, der nicht mehr an Wunder glaubt. Auf meinen Schuhen Staub von tausend Abenden, ... |
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| 105 | Schmerzkaskade | 15.02.26 | ||
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Vorschautext: Stell‘ dir vor, du stirbst allein. Wirst du vorbildlich leise untergehn oder vergebens laut um Gnade flehn? Wirst du im stillen Rückwärts selbstverliebt dein Leben und dein Leiden stolz beschauen? Oder wirst du trauernd, lauernd, kauernd von trüben Erinnerungen umschmiegt im diesigen Licht lautlos erschauern? Was wird die Nacht für dich auffahren? ... |
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| 104 | "Briefwechsel" | 14.02.26 | ||
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Vorschautext: Im Winter schrieb ich dir, zutiefst verliebt. Ich fühlte mich so unwahrscheinlich gut. Dass du nicht nah warst, hat mich zwar betrübt – doch jeder Satz war hell und voller Mut. Im Frühling schrieb ich dir mit einem Hauch von Grün. Die Welt war plötzlich leichter, fast wie neu. Ich sah die Knospen in den Zweigen blüh’n und glaubte: Dieses Glück bleibt uns auch treu. Im Sommer schrieb ich dir im Sonnenlicht, die Tage schmeckten nach Unendlichkeit. ... |
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| 103 | Ball der Irren | 14.02.26 | ||
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Vorschautext: In dieser fahl erleuchteten Stunde wiegen wir uns wehrlos, dem Charme der begehrlichen Musik ergeben, schmiegen wir uns schwerelos an eine mühselig gewundene Melodie. Dieser regelmäßige Rhythmus tut uns gut in erschütternden Zeiten. Er hält uns bei Laune. Er hält die Stimmen weich. Er hält die Katastrophen auf Abstand. ... |
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| 102 | So liebst du | 14.02.26 | ||
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Vorschautext: Du liebst leise, wie man die Tür schließt, damit das Kind nicht aufwacht. Wie man Tee noch einmal warm macht, ohne zu fragen, ob es sich lohnt. Du fragst nicht viel. Du drängst nicht. ... |
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| 101 | Stille Wärme | 13.02.26 | ||
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Vorschautext: Die Jahre lagen wie fremde Städte in meinen Taschen, schwer und kalt. Wie Fahrkarten sammelte ich Namen und fand zu keinem Zeitpunkt Halt. Die Stimmen, die mich einst umgaben, sind längst verhallt im leeren Wind. Nur manche Blicke, manche Nächte, an die erinnere ich mich blind. Ich kam zurück mit kleinen Narben. Die Fremde war kein sanfter Ort. ... |
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| 100 | Ohne Anschrift | 13.02.26 | ||
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Vorschautext: In einer Flasche treiben Verse ohne Anschrift. Die Nacht umschließt die Schrift mit salzigem Schweigen. Auf wogender Zunge trägt die See die suchenden Worte. ... |
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| 99 | Schutzengel | 13.02.26 | ||
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Vorschautext: Du standst bereits am Fuße meiner Wiege und warst bei mir auf allen meinen Wegen. Du streckst mir deine warme Hand entgegen, wenn ich dem Schmerz zu sehr erliege. Du willst mich durch dunkle Tage treu begleiten, Du willst mir niemals von der Seite weichen. Du willst mir deinen starken Arm stets reichen und bist mir Freund in allen schweren Zeiten. Du hast mich oft aus Not errettet, ... |
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| 98 | Mehr Farbe | 12.02.26 | ||
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Vorschautext: Auf dem Regenbogen finden wir uns wieder in einem federleichten Farbenmeer. Die Welt dort unten wird für uns viel leiser, als käme sie aus weiter Ferne her. Wir ruhen über all‘ den grauen Tagen. Nichts muss heut‘ Sinn sein. Nichts ist Maß. Kein Leben, das uns drängt mit seinen Fragen. Nur dieses warme Licht, wie unter Glas. Dann schließt der Himmel langsam seine Farben, und unten warten wieder Zeit und Pflicht. ... |
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| 97 | In einem fernen Land | 12.02.26 | ||
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Vorschautext: Auf meinem Badewannenrand liegt eine Muschel, die ich fand. Beim Baden lausche ich gespannt dem Ruf des Meeres in einem fernen Land, und ich erinnere mich an jenen Strand und deine Fußspuren im Sand. Ach, wie fand ich dich charmant. Du warst so herrlich braun gebrannt. Dein Akzent hat mich gebannt. Du nahmst ganz einfach meine Hand, und mein Herz war sofort entflammt. ... |
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| 96 | Bring mich zu den Sternen | 12.02.26 | ||
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Vorschautext: Bring mich zu den Sternen, bitte. Hier ist mir alles viel zu laut. In der Stille find’ ich meine Mitte. Hab mir das Schweigen abgeschaut. Nimm mich aus den grellen Räumen, aus dem Muss, das ständig schreit. Ich will nicht nur von Freiheit träumen. Will bei mir sein – ganz befreit. Rundherum die großen Lichter, ohne Urteil, ohne Ziel. ... |
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| 95 | Mango Mambo | 11.02.26 | ||
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Vorschautext: In deinem Blick die Abendsonne, golden, warm und still verglüht. Dein Atem trägt den Duft der Wonne, auf deinen Lippen Süßes blüht. Die Süße klebt an meinen Fingern, wir lachen leis im Sommerwind. Palmen wiegen, Sterne schimmern. Wie schnell doch unsre Zeit verrinnt. Ein Mambo – unsre Körper nah, wir bewegen uns im Takt, ganz sacht ... |
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| 94 | Sommer jetzt | 11.02.26 | ||
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Vorschautext: Ich wünsch‘ mir den Sommer jetzt, nicht irgendwann. Wenn Luft nach Leben schmeckt und Tage barfuss geh’n. Wenn ich helle Stunden kann am Fenster seh’n. Wenn ich nachts die Sterne schauen kann. Ich will die Sonne warm auf meinen Schultern spür’n. Nicht nur als Wunsch, der sich ins Herz mir drängt. Ich will, dass Sonnenlicht mich reich beschenkt, und leichte Winde meine müden Schritte führ’n. Ich will den Duft von Gras, von Flieder nach dem Regen. Ein sanftes Grün, das keine Sorgen kennt. ... |
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| 93 | Leise Töne | 10.02.26 | ||
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Vorschautext: Ruh‘ dich aus in meinen Versen. Bette dich in ihrem Sinn. Lass die Hast, die Alltagsscherben. Schau, du findest dich darin. Gerne schreib‘ ich dir Gedichte. Du bist mir Inspiration. Denk‘ ich an unsere Geschichte, wird jedes Wort ein leiser Ton. Manchmal will mir Musik gelingen, manchmal klingt’s eher atonal. ... |
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| 92 | Gleich alt | 10.02.26 | ||
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Vorschautext: Meine Puppe ist in die Jahre gekommen. Sie sitzt am Fenster im Sonnenlicht. Verfilzt das Haar, ein Auge erlischt. Doch hat ihr die Zeit nicht das Lächeln genommen. Ihr Kleid ist müde – Motten fraßen dran. Die Säume dünn, der Stoff schon zernagt. Er hat sich stumm durch die Jahre geplagt. Das Kleid hält trotzdem, so gut es kann. Wir sind gleich alt. Kein Trost, nur wahr. Ihr Stoff wird Staub, mein Körper auch. ... |
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| 91 | Du wusstest es | 09.02.26 | ||
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Vorschautext: Als ich dich sah, verstummte mir das Wort, als hätte sich die Zeit in dir verdichtet. Ein Augenaufschlag: ich ergab mich dir sofort. Du hast mein Herz mit deinem Blick belichtet. Ich stand und wusste nicht mehr, wer ich war, nur dass dein Blick mich durch und durch erkannte. So nah warst du, und doch so sonderbar, als wärst du der, den ich schon immer kannte. Du lächeltest, als hättest du’s geahnt, als wüsstest du: hier gab es kein Entkommen. ... |
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