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Gedichte über die Welt - Seite 2


miteinander gemeinsam gegeneinander

miteinander gemeinsam gegeneinander

Politiker längst Rentner auf Lebenszeit
das letzte Kinderlachen stieg in die Straßenbahn ein
ziellose Träume verglühen im Eis
Lächeln ist gegen Wände geprallt
Gedankenblitze voller Sehnsucht
Liebe zwischen zwei lauten, taktlosen Musikstücken
Klappern von Registrierkassen
graue Haut vor den Computern
Augenblicke verzweifelt gesucht
die Scherben der Natur zu Geld gemacht
Worte die nichts sagen und Treue die nichts bedeutet
den Besitz als Ziel gesetzt
hilflos treibt die Hilfe davon
Rücksicht in den Kehlen erstickt
der Neid bis an die Zähne bewaffnet
Kinder die das Hassen lernen
Vertrauen in der Erde versickert
Schmerzen in der Nahrungskette
antriebslos verharrt das Glück
Flohmärkte der Eitelkeit
keine Mitglieder im Förderverein für Frieden
der Verstand auf der Flucht
Museen voller guter alter Zeit
Trauer längst dem Vermögen gewichen
Berührungen zufällig verboten
Freiheit von der Klippe gestürzt
dem Esel den Reiter aufgezwungen
Schönheit massenhafter Einheitswert
Toleranz gepredigt und begraben
steinerne Wege der Gefühle gepflastert
schnelles Geld in Altenheime gesteckt
die Hoffnung brennt im kargen Treiben
niemals um Verzeihung bitten
der Starke liebt des Schwachen Angst
stehen geblieben und anonym auf der Strecke ertrunken
Einsamkeit an Scheiben platt gedrückt
in der Geisterbahn des Seins allein gelassen
Blitzeis auf den Sonnenstrahlen
Lebenssorgen sickern durch die Narben
Gespräche erstarren an der Oberfläche
Sünden sind längst ausgestorben
Selbstverliebtheit bewegt die Persönlichkeit
Lügen kleben an den Lippen
allein dem Geld gehört der Stolz
hinter vorgehaltener Hand verblaßt die Wahrheit
und in den Wüsten der Hysterie stirbt das Füreinander
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Bekenntnis eines Poeten

Ich habe meine inneren Türen verschlossen
So wie die Sonne abends ihre Strahlen einzieht
Sammle ich meine Essenz, meine Wörter
Einzelne Silben, vereinzelt Gold
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Ich weiss wie sehr mir Liebe fehlt
Ich kann kein Blut sehen
Wenn es Ängste regnet
Flüchte ich mich in die Vergangenheit
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Ich schäme mich nicht der Welt zu zeigen
Gerechtigkeit ist eine Einbahnstrasse
Wir sind die neuen Henker, moderne Richter
In uns, um uns - unbewusst Täter und Opfer
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Hier wird geboren, da gehungert und gelitten
Manchmal leise gestorben
Der Wind, er segnet alles
Die Erde, das Meer, jede Bewegung
Selbst das Ungewisse
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Die Welt da draußen, sie lebt von Klischees
Ich habe mich ausgesperrt
Es fällt mir immer schwerer
Die Wahrheit ans Licht zu zerren
Oh Verzeihung!
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Ich stehe vor meinem Schicksalsrad
Mit dem 10. Trumpf in der großen Arkana
Wenn die höheren Mächte resignieren
Siegen die geistigen Widersacher
Bleiben die Klänge stehen
Ich will nicht schreien
Ja, ich schreibe

Das falsche Lippenrot
Mein Herz in Bitterstoffe getaucht
Ertrinken in den Alltagswellen
Die Seele verstrudelt
Jemand sagt, ich hätte einen Wunsch frei
Ich würde die Hügel begraben
Im Land wo die Vögel nicht mehr singen
Und Herz und Adern erfrieren
Die Heimat der Unmenschlichkeit
Ich würde sie mit einem Schild versehen:
Dieser Tag endete mit uns!


© Marcel Strömer
[Magdeburg, den 19.05.2018]
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