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Anzahl Gedichte: 66
Anzahl Kommentare: 93
Gedichte gelesen: 42.210 mal
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Titel
66 Im Ried 21.11.23
Vorschautext:
Dort, auf der Lichtung, halten wir -
den dunklen Walddom erst verlassen.
Kein Fragen: warum sind wir hier?,
wenn wir uns an die Hände fassen.

Das Heidemoor glüht in der Sonne.
Wir setzen uns und ruhen aus.
Mit Rascheln füllt sich alle Wonne
und weiter hinten knarrt ein Haus.

Es steht, wo sich kein Mensch hintraut,
inmitten moorrastigem Grunde.
...
65 Hafenstadt im Regen 15.10.23
Vorschautext:
Regen hat das Licht verschlungen.
Drängend kommt schon Nacht heran.
Auf dem Parkplatz lärmen Jungen;
küssen Mädchen dann und wann.

Sieh - die klein'ren Kinder springen
munter noch in Riesenpfützen!
Und im Bürgersaal - da singen
Männer mit Matrosenmützen
Seefahrtslieder,
immer wieder.

...
64 Mensch 23.09.23
Vorschautext:
Sie schreibt: vergiss dein Lächeln nicht,
auch wenn du lieber weinen willst.
Von hier kommt jetzt zu dir mein Licht:
solang´, bis du den Kummer stillst.

Das schreibst du einfach so - in Sorge,
von Mensch zu Mensch - von dir zu mir.
Was ich mir noch in Scheu dann borge,
ist doch Geschenk - und bleibt im Hier.

Ich kneife mich dann öfter mal
und denk´: kannst du so selbstlos sein?
...
63 Der Zauberer 18.09.23
Vorschautext:
Er saß auf jener Bank im Hafen,
beinah reglos, doch nicht stumm.
Die Augen zu, als würd´ er schlafen,
weh'n leise seine Worte um.

Das wirre Haar hob sich im Wind.
Hoch aufgestellt der Kragen,
vernimmt man Silben, wie vom Kind;
hört sich der Mann bald sagen:

> Du hast die Liebste nicht beschützt,
auch die kleine Tochter nicht.
...
62 Nicht allein 11.09.23
Vorschautext:
Es stand ein Haus für sich allein,
im Dämmern, auf der leichten Höhe.
Kein Mensch geht hin, oder kehrt ein,
als dulde es auch keine Nähe.

Nur neulich kam ein Mann dorthin.
Er suchte wohl die Stille -
sagte sich, wenn ich schon hier bin,
dann ist es wohl auch Gottes Wille.

Die schwere Türe...Er klopft an.
Und ahnte: niemand öffnet sie.
...
61 Lothar und Klara 04.09.23
Vorschautext:
Klara hat einen Fahrrad-Fimmel.
Den muß man ihr auch lassen.
Sie radelt gern bei klarem Himmel
und genauso gern im Nassen.

Neulich hat sie es übertrieben:
da sprang die Kette von den Zähnen.
Vom Fahrwind ist nicht viel geblieben.
Sie fiel, sollte man noch erwähnen.

Und wie sie fiel...Dem Rad voraus -
zum Glück mit guten Haltungsnoten.
...
60 Das leichte Sein 29.08.23
Vorschautext:
Allein auf dem Wege am Steilhang zu sein,
betrübte ihn garnicht so sehr.
Aus graublauem Himmel stahl sich Sonnenschein.
Er setzte sich, mit Blick zum Meer.

Mit flüchtigen Küssen sausten dort unten
die Schwalben auf Sturzwellen hin.
In Booten - die größren, die kleinen und bunten:
da saßen auch winkende Leute drin.

Er packte sein Brot ein und stapfte dann weiter:
die Steilküste ostwärts hinab.
...
59 Alter Friedhof 25.08.23
Vorschautext:
Hier geh ich hin, als stiller Gast -
vorbei an moosumarmten Mauern.
Ist manches mir schon schwere Last:
so will ich hier im Regen kauern.

Allein im nassen Gräsernicken,
sitz ich verfror´n auf jener Bank -
könnte mich nach dem Salbei strecken,
der unter mir, in Pfützen, sank.

Das Herz gestillt, schau ich umher.
Da läuft ein Mann, der lächelt.
...
58 Über Land 14.08.23
Vorschautext:
Dem Überland-Bus kaum entstiegen,
umfing mich königliche Stille.
Die Sorgen kamen zum Erliegen
und fern schien mir auch jeder Wille.

So ließ ich mich ins Weite treiben:
vorbei an Felder, Wiesen, Fluss.
Nirgends wollte ich wirklich bleiben,
weil ich ja nirgends bleiben muß.

Die Wanderkarte in den Händen,
warf ich nur kurz den Blick darauf -
...
57 Graues Meer 09.08.23
Vorschautext:
Als der späte Sommer ging,
kamst nur du hierher -
oft sich nun dein Blick verfing,
an Land und auf dem Meer.

Es war zu still in jenen Tagen
und in trüber Geisternacht.
Du hörst im Rauch ein leises Klagen;
hörst dich auch reden: sacht.

Jeder Schritt auf Sand und Stein,
holt mehr Klarheit fort.
...
56 Was nie wird 06.08.23
Vorschautext:
Fern, so fern, die Insel Rügen...
Da wollten sie nur einmal hin;
Stunden würden schon genügen:
alle Sorgen aus dem Sinn -
nah der Brandung, fern dem Morgen;
Joschi nah bei ihr, im Sand.
Säuselnd in der Nacht geborgen
und sie zwei allein am Strand.

Ach, Joschi...

Als wackle sie im schwachen Wind,
...
55 Zu wohl ist auch nur wohl 03.08.23
Vorschautext:
Ihm ist zu wohl an manchen Tagen,
was andere wohl nicht verstehn.
Warum sollte er drüber klagen,
wenn sie ihn dauernd lächelnd sehn?

Zuviele grummeln, zetern, neiden;
stehn scheinbar gern in langer Schlange,
an Schalter, Kassen, oder beiden
und meist gewollt auch ziemlich lange.

Da steht auch Hans und summt für sich
ein federleichtes Sommerlied.
...
54 Der Eigenbrötler 30.07.23
Vorschautext:
Im Dorf, die Leute, mögen ihn,
auch wenn er kauzig ist und spröde.
Sie sehen ihn früh auswärts ziehn:
allein hin, an des Weihers Öde.

Dort wirft er seine Angel aus;
setzt sich ins feuchte Ufergras.
Nie bringt er Fische mit nach Haus.
Wohl auch, weil er sie schlicht vergaß.

Die Angel ist ihm Alibi -
das Schweigen ihm ein wahrer Freund.
...
53 Der gleiche Himmel 28.07.23
Vorschautext:
Glaubst du, wenn wir uns morgen sehen,
dass uns dann blau der Himmel scheint;
dass alles Alte flieht im Wehen
und einer von uns nicht doch weint?

Das leise Lächeln trägt weit hin,
durch Land, das heiter vorwärts stürmt.
So manches macht auf einmal Sinn,
wenn sich nichts mehr am Wege türmt.

Ach, weißt du: lassen wir doch morgen,
wie heute, jede Stunde, sein.
...
52 Besserwisser 25.07.23
Vorschautext:
Recht haben
oder: Besserwisser


Der Mensch - voila' - hat immer recht.
Man nennt´s: freie Meinungs-Kultur.
Der Unterschied ist wie ein Specht,
der laut klopft, oder leise nur.

Der eine sagt: ich denke mir.
Die andere: ich weiß.
Ein dritter schwört auf sein Pläsier
...
51 Das Haus am Deich 22.07.23
Vorschautext:
Die Nacht hat scheu den Tag geküsst,
dort hinter Land und Meer.
Ehe sie stumm zum Abschied grüßt,
wandelt funkelnd sie umher.

Ein Perlennetz steigt auf - und weit,
in dampfend mildes Licht.
Im Glitzern simpler Herrlichkeit
sieht man den Hof am Deich noch nicht.

Doch rührt sich schon im Schafstall Leben.
Die Herde strömt hinaus.
...
50 Wo die Tiere sind 20.07.23
Vorschautext:
Am morschen Giebel jagen Spatzen
und Schwalben pfeilschnell surrend hin.
Vom Wald, das Knarren, leise Kratzen,
genügen sich ganz ohne Sinn.

Im Winter ruht das Haus verlassen.
Doch nun wehn warme Winde.
Die Rehmutter zupft Gräsermassen,
beäugt vom scheuen Kinde.

Am Abend wühlen Borstenschweine
um´s Haus, im wilden Garten -
...
49 Lothar sieht fern 18.07.23
Vorschautext:
Am Abend flimmert Lothars´ Glotze.
Das muß ja auch mal sein.
Dann sitzt er beinah wie zum Trotze
alleine da, bei Chips und Wein.

Der Reisser-Krimi steht bevor.
Er flitzt noch schnell zum Klo.
Zurück, im Sessel, ist er Ohr,
was denn so los ist, anderswo.

Die Nachrichten war´n auch schon schlimmer.
Da Krieg, Stunk da. Lass stecken.
...
48 Die Lesende 15.07.23
Vorschautext:
Sie saß ganz still im Sommerweben,
versunken dort, auf jener Bank.
Sie schien aus aller Zeit zu schweben -
doch war sie weder müd, noch krank.

Einzig das Buch in ihren Händen
ließ sie alles, ringsum, vergessen.
Sie las, ohne den Blick zu wenden:
lächelnd sinnend währenddessen.

Auf der Parkbank - etwas weiter,
saßen Mann und Frau im Schatten.
...
47 Lothar hat Zahnweh 11.07.23
Vorschautext:
Lothar quält der Backenzahn
und das jetzt schon seit Wochen.
So langsam treibt´s ihn in den Wahn,
das Ziehen und das Pochen.

Den Zahnarzt konnte er nie leiden.
Der ist ja auch brutal.
Lässt sich wohl trotzdem nicht vermeiden,
daß der da ran muß - wieder mal.

Na gut. Nur auf dem Weg dahin,
kriegt Lothar seltsam weiche Knie.
...
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