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Gedichte über Vergangenheit - Seite 3




Als im Zug noch Menschen reisten.

In München Gleis 18 stand schon der Zug.
Der schönen Tage war`s genug
als mein Sohn mit mir –etwas in Eile
suchte im Wagen das Abteile.
Zwei Reisende mir Platz gewährten,
sie wurden über 6 Stunden meine Gefährten.
Gefühlvoll der Abschied war getan,
der Zug, er fing zu fahren an.
Um die Mutter war s geschehen,
sie ließ den Bub am Bahnsteig steh`n.
Ich beäugte die feine Dame, mein Gegenüber,
ihr teures Gepäck im Netz darüber.
Sicher aus Blankenese, so höchst elegant;
sie lächelte mir zu charmant.
Und der junge gutaussehende Mann,
der kam aus Pakistan.
Zuerst noch schüchtern fremd,
die Konversation noch steif gehemmt
ordnete sich allmählich das Sitzgewirr,
schon klapperte der Kellner mit dem Plastikgeschirr.
Er bot: Kaffee, Tee, Kakao, Semmeln mit Wurst!!!
Ja, da meldeten sich Hunger und Durst.
Er reichte mir das Gewünschte mit einem Getränk.
Sogleich fiel mir der Becher aus dem Gelenk,
weil der klappbare Tisch nicht wollte,
was er herhergeben sollte.
Nur ein bisschen Kaffee- aber gefühlte Liter
wie aus der Kanne,
dünkt` mir der Boden nass wie in der Badewanne.
Der Mann stand auf, eilte zum Klo,
kam mit Papier und Taschentüchern von irgendwo.
Die Nässe war schon arg verschwommen,
da hat die Dame den feinen Stockschirm genommen,
wischte hin und her mit dem Papier
bis der Boden wurde trocken schier.
Erst war`s peinlich, dann war`s heiter,
denn es ging ja lachend immer weiter.
Der Mann verschwand mit der getränkten Mülle,
brachte mir einen Becher mit erneuter Fülle,
dem Kaffee, den ich doch so gern wollte,
während der Zug weiter lustig nach Hamburg rollte…
Die Dame kam tatsächlich aus Blankenese,
der Mann war Angestellter im Senat.
Und was sich sonst noch auf dem Bahnsteige in Hamburg tat?
Ich zeigte temperamentvoll auf meinen Mann,
„Mein neuer Freund“ lachte:
„Die Frau gleich nebenan,
gehört zu mir, sie ist auch aus Pakistan".
Diese Reise werd ich nie vergessen,
da haben noch richtige Menschen
ohne Laptop im Zug gesessen.
Er hat mir noch viele Karten geschrieben, die Erinnerung an Bashir ist bis heute geblieben.
CBi.
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Die Blechmilchkanne

Verbeult, gebraucht, oft demoliert
schlenkert sie an meiner Hand
losgeschickt mit ihr ausstaffiert
ging ich Bub aufs Bauernland

Entlang des Schotterweges & über Wiesen
Klapperte ihr Deckel blechern mit im Schritt
Mal rannte ich aus Furcht vor Kuh und Riesen
Der Deckel stürtzte! Eine weitere Delle so erlitt

Vorbei Geschafft am giftigen Hofhund dann
Beim Bauern in der offenen Milchstube
Das Einfüllen frischgemolkener Milch begann
Aus einer Riesenkanne schöpfte eifrig der Bube

Und wieder donnerte der Deckel zu Boden
Auf harten Fliesen schebberte es laut & vertraut
Im Stall muhte es, dazu schlichen 4 Pfoten
Hey! Verboten! Katzen ist die Milch nicht erlaubt!

Endlich voll und Deckel drauf! 2 DM in die Kasse
Jetzt ging es zurück, warm roch die Milch so toll!
Jedes schlenkern ein Balanceakt weißer Masse
Die Treppe runter - ohne Sturz - sonst gabs Groll

Dem Hund entkommen, bergauf die feuchte Wiese
Mist, die Blechkanne vertropfte weißen Rahm
Über den unrunden Deckelrand fliehte dieser
Im feinen Rinnsal die Kanne hinab er entkam

Von Insektenschwärmen attackiert & ausgesaugt
Erreichte ich endlich mein Ziel in der Küche
Die 'circa' 1,5 Liter Kuhmilch waren mir anvertraut
Mutter wartete schon, mit ihr Frühstücksgerüche

Die Mission war diesmal reibungslos gelungen
Das meiste Weiß kam heil & frisch zuhause an
Ok, die Milchkanne zählte zusätzliche Wunden
Neue Tapferkeitsmale sie so hinzu gewann

So ging das in den 70er mehrmals in der Woche
Selbst bei Schnee & Eis & Regen zog ich los
Als Dank schmeck ich heut noch diese Frische
Die weiße Rahmschnute auf der Oberlippe groß

© meteor 2024
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