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Anzahl Gedichte: 18
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Titel
18 Der Dieb. 14.05.22
Vorschautext:
Der Dieb.
Ein kleines Häuschen, zentral gelegen, für die dort Wohnenden ist das Haus ein Segen.
Die U-Bahn fährt zum „Tor der Welt“; man kann schon sagen: es gefällt.
Wir sind ein Teil dieser alten und neuen Generation, wir wohnen da über 4o Jahre schon.
Jung waren wir, von Freunden umworben. Inzwischen sind wir alt geworden.
Lange Wege werden weit, und alles mündet in Bescheidenheit.
Frau managt den Tag, der Mann kann nicht mehr, das Auto aber fährt noch ER.
Auch in der alten Ehe fällt irgendwann die Note: Frauenquote:
Geändert hat sich`s wesentlich, denn das, was Männersache war, das bin jetzt ICH.
Zum Beispiel: Frauenpower Rasenmähen.
Gestern, als der Strom im Haus das Kabel belebte, den Rasenmäher zum Schneiden anregte,
die Haustüre halb offen stand, der Steckdose wegen, schlich ein Dieb in das kleine Häuschen, das so zentral gelegen,
...
17 Knieschoner. 14.05.22
Vorschautext:
Knieschoner.
Gefangen in der Preisspirale,
umfasst sie uns Konsumenten alle, nämlich die Kostenfalle.
Kein Rädchen will mehr ins andre passen, die Stabilität hat uns verlassen.
Arm sind wir nicht, ich will nicht klagen, doch der riesengroße Einkaufswagen, der mich auffordert ihn zu beladen,
zwingt mich Preise zu vergleichen, die von gestern zu heut schon wieder abweichen.
Während ich mit dem Drahtross gehe, in jedem Gang suchend lang stehe,
wundert mich manches Regal: schon wieder ausverkauft Mehl und Öl, ist das normal?
Leere Borde gähnen mich an, mit dem Toilettenpapier fing es an.
Einmal traute ich mich eine Lage von 12 Rollen zu nehmen, an der Kasse fing ich an, mich zu schämen.
Man würde mich jetzt zu den Hamstern zählen, die den anderen den Konsum wegstehlen.
Neulich, als ich wieder Regale inspizierte, und mich für Preise interessierte,
...
16 Selber alt geworden. 10.05.22
Vorschautext:
Selber alt geworden.
Wurde früher einer Achtzig, den man kannte, Freunde, Nachbarn oder Verwandte, war es eine höfliche Pflicht, zu gratulieren, mehr war es nicht.
Da hielt man in der Hand ein Päckchen Kekse und Kaffee für die Küche, sagte auf die edlen Sprüche, wie gut er war im Werte, wie man ihn schätzte und verehrte.
Man wünschte ihm das Lied vom langen Leben, wollte ihm mehr Zeit und Zuwendung geben, zu der man so jung nicht war imstande, das eigene Alter noch ganz am Rande.
Dem Himmel sei Dank, dass meine Eltern die Achtzig überschritten, da war meine Liebe zu ihnen und mein stilles Bitten, für sie noch lange zu sorgen, denn als sie starben, fühlte ich mich „alt geworden.“ Als sie gegangen sind, war ich nicht mehr das Kind.
Ich rückte nach an Jahren, die Zeit verging immer schneller, älter und älter wurde das eigene Gebaren. Ein Glück, ich habe meinen Mann, der liebevoller nicht mit mir umgehen kann, als er an meiner Wenigkeit hängt, jeder Tag, der neue, uns umarmend umfängt.
Das meiste, höchste und schönste, was mich bewegte im Leben, hat mir die Familie gegeben. Mehr als dieses Glück hab ich nie verlangt, nur um den Erhalt gebangt, der fragil wie Glas zerbrechen könnte, von einem zum anderen Momente.
Zum hohen Alter möchte ich sagen, dass sich einige schon weit über die Achtzig wagen, rege und beweglich im Geiste, auf dass jeder für sich leiste, was noch seine Kräfte bringen, Lebenslust vor allen Dingen, und Dankbarkeit für das lange Leben, das mir und meinem Mann gegeben. Und unseren lieben Zeitgenossen, die positiv und unverdrossen aufhören zu sinnieren und warten auf Dinge, die noch passieren.
Ich kann es nicht glauben, dass ich nun zu meinem eigenen 80. Geburtstag gehe, zu meiner geliebten Familie in der Nähe, möglichst fern von daheim und den Gratulanten, den Blumen, dem Rampenlicht, denn vorne zu stehen, das liegt mir nicht.
Da mein Jahrgang katholisch registriert, was dem Klerus auffallen wird, kann es sein, dass ein Abgesandter sehr engagiert mit Bibelsprüchen gratuliert, erst wieder geht nach Kaffee, Kuchen und Gottes Segen, das wäre zwar ehrenwert, käme aber ungelegen.
Liebe Kinder und Enkel: Ich bin bescheiden, aber auch vermessen, man möge mich gernhaben,- und nicht vergessen: die einzige Gabe, die ich habe, ist meine Liebe zu euch, ganz ehrlich;
diese Tiefe der Gefühle ist für mich unentbehrlich.
...
15 Mein Freund, der Sepp. 09.05.22
Vorschautext:
Mein Freund, der Sepp.
Lieber Sepp,
ich bin noch auf der Welt, muss zusehen, wie dein Sägewerk zerfällt, ich bin die einzige, die um dich weint, es ist keiner mehr da, wie es scheint.
Sepp, deine Nummer steht noch im Netz, es ist eine Vision, denn du bist 2o Jahre tot und kannst nicht mehr ans Telefon.
Sepp, ich höre noch die schrillen Töne in unseren Kinderohren, wenn Baumstämme auf den Loren, zersägt von dem geschwinden Blatt mit den scharfen Zähnen, die Luft puderte mit Sägespänen.
Die Bretter wurden gestapelt und hoch getürmt, wir Kinder haben die Gipfel gestürmt und du, Sepp, hast uns die Freiheit gelassen, wir mussten nur auf uns selbst aufpassen.
Im Sommer wurden wir oft in den Wald mitgenommen, im Bayrischen/Böhmischen hast du das Holz bekommen, von der Ladefläche runter in dein Führerhaus, so fuhren wir harzbefleckt mit den Stämmen nach Haus.
Sepp, du gabst uns immer Freude am Kinderleben, hast uns sogar dein Paddelboot gegeben: „Aber rudert`s nur bis zum Viadukt, sonst wird`s gefährlich“, das haben wir eingehalten, wir waren ehrlich.
Wir durften in der Wolfach fischen, die Fänge braten, sie in der Bauernküche auftischen. Wir waren gern gesehen bei Muttern, lernten bei ihr den Rahm mit der Zentrifuge buttern.
Und wenn es regnete an manchem Sommertag, fanden wir immer einen Bretterverschlag, der uns vorübergehend nützte, dann sprangen wir in die Pfützen bis es spritzte.
Wenn die Baumstämme dampften nach dem Regen, kam uns Harzgeruch entgegen, der unsere Lungen aromatisierte wie Menthol; bei Sonne, Wind und Regen fühlten wir uns gesund und wohl.
Sepp, du konntest immer mein Heimweh ermessen, hast mich gemocht, auch nie vergessen. Deshalb bist du oft mit mir in den Himmel geflogen, denn du warst Flieger, zeigtest mir meine Heimat von oben.
...
14 Das katholische Kind. 24.04.22
Vorschautext:
Das katholische Kind.
Bigotter Gehorsam war dem Klerus geschuldet,
und von uns Kindern von klein auf erduldet.
Wenn Pfarrer Böckl, der gestörte, uns Kinder im Beichtstuhl verhörte, was für uns Kleine grässlich, ob die Sünden schwer waren oder lässlich.
Er lockte Geständnisse aus uns Zwergen; wir hatten wahrlich nichts zu verbergen.
Mit List konnten wir uns überwinden, harmlose Sünden zu erfinden.
Manch lange Buße, die auf mich gekommen, hab ich mit nach Haus genommen.
Nun, bigott bin ich nie gewesen, aber mein braves Wesen
richtete sich nach der Obrigkeit, denn mit Auflehnen kamen wir nicht weit.
Außerdem kannten wir so was nicht. Demütig in Geduld und Verzicht,
stampften wir tapfer durch Kälte und Schnee; im Warmen taten die Finger weh. Ja, Demut wurde von uns verlangt, Wehleidigkeit aberkannt.
Wenn ich an die Schulmessen denke, an die Herrgottsfrüh und die Kirchenbänke, wo wir knien mussten in den Reihen, hungrig und durstig, das war schon Kasteien.
...
13 Das Glas. 24.04.22
Vorschautext:
Das Glas

ist nicht mehr halb voll, man sieht schon den Grund,
wir sind betagt, gottlob noch gesund,
so gesund, dass wir das Leben genießen vital,
noch motiviert, eigenständig und sozial.
Unsere Kinder halten uns am Bewegen,
sie mischen uns auf, sie laden uns ein,
„For ever young“ ist ihr Bestreben
Gott, lass es noch nicht anders sein.

Die Zeit verrinnt wie der Sand in der Uhr.
...
12 Auf dem Mond. 19.04.22
Vorschautext:
Auf dem Mond.
Wie all die Jahre schon, vermeide ich beim Geldauszahlen die Automation,
indem ich die Scheine an der Kasse, von einer Dame auszahlen lasse.
Man will bald unbar Geld verwalten, den Blick darauf ganz ausschalten.
Sparstümpfe sollen wie Motten ans Licht, nun, so weit sind wir noch nicht.
Der Leiter der Bankfiliale, will mit mir ins Digitale.
Es wird ihm nicht so leicht gelingen, mich online dazu zu zwingen,
digital alles zu ordern, um meine Rente auf`s Netz zu fordern.
Der Mann beteuert, dass es sich für mein Alter lohnt,
zugleich wünscht er mich „Greisin“ auf den Mond.
Dem Onlinebanking nochmal entkommen, stelle ich fest ganz benommen,
dass man von mir auch erwarte, dass ich bezahle nur noch mit Karte.
...
11 Wohin zuletzt? 19.04.22
Vorschautext:
Wohin zuletzt?
Wir schau`n sie uns noch von außen an,
die Heime der Alten und fragen- w a n n
wir mal selbst hinter den Mauern wohnen,
labil aus den Fenstern sehen und von den Balkonen.
Man schiebt es auf die lange Bank,
doch wird man alt, dazu noch krank,
kann man alleine nicht mehr leben,
muss man sich ins Heim begeben.
So ist das mit der Konsequenz:
Vom Eigenleben in die Dekadenz.
Ist es gut, so alt zu werden,
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10 49. Geburtstag. 13.04.22
Vorschautext:
49. Geburtstag!
Nach vielem Grübeln, Rätseln, Denken, was könnt ich meiner Liebsten schenken,
unnötig sollt` s nicht sein, da fällt mit nur ein Gutschein ein,
Mit zunehmenden Jahren muss auch die schönste Frau erfahren,
wie das Spiegelbild nicht mehr nur schmunzelt, weil es an manchen Stellen runzelt.
Wenn der Frische nicht mehr genug, höchste Gefahr ist in Verzug.
Jetzt oder nie, dafür gibt´s die Beautyindustrie…
Das muss man schon ins Auge fassen, nichts dem Zufall überlassen,
Weil`s so nicht weitergehen kann, packt man die Grunderneuerung an:
Härchen rupfen, Brauen zupfen, permanente Farbe tupfen.
Halsringe !!! Oh, diese Ketten !!! muss man spachteln, dann einfetten,
den Körper kneten im Liegen, Gelenke heben und verbiegen,
...
9 Verkanntes Genie. 13.04.22
Vorschautext:
Verkanntes Genie.
Mir träumte, dass papierene Bällchen in sanften Wogen
mit gedichteten Worten vom Himmel flogen.
Der geflügelte Inhalt auf dem Papier war natürlich von mir.
Doch kein Finder hob sie auf, machte sich einen Reim daraus.
Ja, sagt die Traumdeuterin, die ich selber bin,
deine Reimerei macht sicher keinen Sinn, sie wird keinen interessieren, wirst du sie nicht publizieren.
Eine Öffentlichkeit kann ich mir nicht leisten, man würd` mich vernichten wie die meisten, die nicht im Pen-Club registriert und von Lektoren integriert.
„Und der Grund deiner Dichterirrung? Was willst du eigentlich mit der Verwirrung, die weder Wünsche erfüllt noch deine „des Lobes-voll- Sehnsucht“ stillt?“
Das ist es ja, dass ich keinen habe, der meine Gabe, sei sie noch so gelind, mir ist ein bisschen gleichgesinnt. Eine kleine Runde mit Schreibern die ihre Gedichte vorlesen, nur zur Freude, fern vom Verlagswesen.
Gut, es wäre schön, wenn meine Familie, von Neugierde getrieben, fragen würde: „Hast du wieder ein Gedicht geschrieben?“, doch leider ist keiner von den Lieben lyrisch interessiert, das macht mein Wunschdenken so kompliziert. Ab und zu kann ich mich in ein Thema zwängen und dazu etwas von mir aufdrängen.
Die Resonanz hinterher kommt nicht auf die Beine,
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8 Knopf im Ohr. 12.04.22
Vorschautext:
Knopf im Ohr.
Kürzlich fuhr ich von HH nach München für zwei Wochen,
saß mit vier jungen Menschenkindern im Abteil,
fühlte mich von ihnen angesprochen,
bevor ich begriff nach einer langen Weil`,
dass ihre Plaudereien, die über einen Knopf im Ohr verbunden,
nicht mir galten über sechseinhalb Stunden.
Wie das böige Blätterlaub, so purzelten die vielen Namen durcheinander,
bald kannte ich sie alle: die Emma, die Greta, den Nikolaus und Alexander.
Ein anderer über seinem Laptop saß,
Zeit und Mitreisende vergaß;
die Tastatur seit Hamburg schon,
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7 Wo ein Anfang, wo ein Ende? 11.04.22
Vorschautext:
Wo ein Anfang, wo ein Ende?

Der Bilderflut zu Leibe rücken,
ist leicht gesagt, will gar nicht glücken.
Die familiären Fotos, die mit den Jahren kamen,
welche gesteckt in Alben, Schachteln in Dosen und Rahmen,
gesammelt seit Jahrzehnten in Hülle und Fülle
können doch nicht verbrennen im Ofen oder in der Mülle.
Mein Töchterchen hat kürzlich dasselbe gemeint,
es hat zu viel Fotos wie es scheint.
Was einst geknipst als Wertekapital
liegt nun vergessen im Kellerregal.
...
6 Mein Schneckenhaus. 11.04.22
Vorschautext:
Mein Schneckenhaus.
Seit dem Corona-Jahr erhitzen sich die Gemüter,
denn es gibt Zweifler, Demonstranten,
Gehorsame und Gesetzeshüter.
Die Menschen leiden, kämpfen, streiten, drohen, schimpfen,
ob es um den Lockdown geht, die Masken, das Testen oder das Impfen.
Die Spaltung unter Freunden wird schon kritisch,
das Verhalten in der Gemeinschaft ist kosmopolitisch.
Kann man sich für etwas nicht gleich entschließen,
fangen Gegner an verbal zu schießen.
Willst du nicht ihrer Meinung sein, kriegen sie dich dumm und klein.
Und bei Erklärungsnot, sobald Ausgrenzung droht.
...
5 Haushaltsauflösung. 11.04.22
Vorschautext:
Haushaltsauflösung.
Meine bewundernswerte Freundin ist pragmatisch, sie trennte sich systematisch
vom angehäuften Überfluss,
dem damit verbundenen Verdruss.
Der Garten zu fordernd, das Haus viel zu groß,
deshalb sie sich entschloss,
sich von der Belastung, der monströsen,
durch einen Ausverkauf zu erlösen.
Die Teppiche, Ladenhüter und Sesselschoner,
wurden verschenkt an die Dorfbewohner.
Das, was sie noch übrig hat, gibt sie gern mit warmen Händen;
es tut ihr gut, das Egale zu verschwenden.
...
4 Mozartkugeln. 11.04.22
Vorschautext:
Mozartkugeln.
„Brösel kleben an deinem Mund
du sollst nicht so viel Kuchen essen
Zucker ist so ungesund
hast du das schon vergessen?“
Verführt von den Teufelchen, den bösen,
von den Glucosen, die bis in die Adern dringen,
möchte ich mich von der Sucht erlösen,
dem Blut cleane Werte bringen!
Nur, ich versteh die Welt nicht mehr,
nie mehr zum Konditor gehen dürfen oder in die Confiserie
wo`s gibt die Mozartkugeln in Zellophan,
...
3 Die Rollatoren. 11.04.22
Vorschautext:
Die Rollatoren.
Man kennt sie die Alten,
ich meine die ganz Alten, die, wenn sie an die Luft gehen wollen, mit ihrer Körperlast auf vier Rädern rollen.
Festgehalten an den Griffen, die dem Gleichgewichte nützen, um sich sicher drauf zu stützen.
Das durchdachte Ding lässt sich faltend transportieren, erlahmte Kräfte aktivieren.
Im Notsitz verschnauft, kann man wieder erstarken,
überall, zu jeder Zeit auf einer Briefmarke parken.
Nun denn, wer diese Spezies gesehen hat -
und selber schon der Achtzig naht,
überdenkt seine Befindlichkeiten, sieht sich noch fit, und ist bei weitem
nicht gewillt, sich so der Öffentlichkeit zu präsentieren, er sträubt sich, will mit dem Stock kaschieren, was noch aussieht wie flanieren.
So gesehen, mein geliebter Gatte, dem ich widersprochen hatte,
...
2 Die Heimsuchung. 10.04.22
Vorschautext:
Die Heimsuchung.
Flüsse steigen, sie fluten die Täler
vernichten die Häuser, ertränken die Menschen.
Eisberge weinen, Meere füllen sich, Lebensraum versinkt in den Fluten.
Die Berge speien Lava, Feuerwalzen alles begraben.
Stürme entwurzeln Bäume, entblößen Dächer, versenken Schiffe.
Tsunamis wüten in den Meeren, verschlingen die Küsten mit gierigen Wellen.
Wälder brennen, Landstriche verkohlen.
Wüsten werden zu Wanderdünen, Dörfer und Städte versanden.
Die Erde ist heiß, Wasser verdunstet, Menschen hungern, dursten und fliehen.
Epidemien verteilen unsichtbare Dämonen auf die Menschen aller Nationen.
Doch noch viel Schlimmeres steht uns bevor, denn verfolgt von Hunger, Krieg und Not stehen Flüchtlinge an unseren Grenzen, wir nehmen sie auf, und wissen nicht, was weiter geschieht.
...
1 Der greise Schritt 08.04.22
Vorschautext:
Der greise Schritt.

Anfangs ist es Vergesslichkeit die amüsiert, was hie und da mal so mal passiert,
wenn man kopflos aus dem Haus geeilt, ziemlich lang im Kaufrausch weilt, getroffen wird von jähem Blitze, das Blut, es lodert hoch zur Hitze, sich überhaupt nicht sicher ist, ob die Herdplatte aus ist oder nicht.
Oder: Liegt der Stecker auf dem Bügelbrett lose, hat man ihn nicht rausgezogen aus in der Dose? Ob Kontrollzwang oder nur Unachtsamkeit, meist ist der Altersweg noch weit.
Anders die Krankheit, die wir beim Namen nennen, die Gedächtnisstörung, die wir kennen, die man bemerkt, erst in kleinen Schritten, nach kurzer Zeit ist sie fortgeschritten.
Es beginnt, wenn er, der Gemeinte, einen Hergang nicht mehr erklären kann, Termine verwechselt, wo und wann, und wenn alle reden und er bleibt stumm, ihn kaum interessiert das Drumherum. Da viele Stimmen er nicht mehr duldet, meint er, das sei seinem schlechten Gehör geschuldet.
Kein Tischgespräch findet mehr statt, er löffelt bis er satt, lächelt mir noch lieb zu, dann geht er in die Mittagsruh. Ich kann mit ihm nicht diskutieren, er lässt sich überhaupt nicht kritisieren. Die Wesensveränderung lässt sich nicht beheben, wir lieben uns trotzdem und müssen damit leben.
Er braucht mich wie das tägliche Brot, ich bin seine Stütze in der Not.
Den Ausgang kann man nicht manipulieren, auch mir kann dasselbe passieren.
Das Alter ist eine riskante Lebenszeit, zum Glück sind wir beide noch zu zweit und können einander noch ALLES geben.
Was sagte der Wortkarge neulich soeben? „Du bist meine Liebe, ich könnt ohne dich nicht leben.“
...
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