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Gedichte über Gerechtigkeit - Seite 4




Selbstgerechtigkeit

Selbstgerechtigkeit steht für den Habitus von Personen,
die sich gewohnheitsmäßig mit anderen vergleichen,
dabei immer wieder zu der klaren Überzeugung kommen,
sie halten die Regeln strenger ein, als die die abweichen.

Selbstgerechtigkeit macht die Eitlen & Stolzen blind.
Sie hüllt die Unbelehrbaren wie ein Leichentuch ein.
Das Selbst wird verherrlicht, alles andere ist Sünd'.
Nichts an Gegenbeweisen wird jemals genug sein.

Selbstgerechtigkeit zeigt mit dem Zeigefinger auf andere.
Sie notiert gewissenhaft die Fehler ihrer Widersacher.
Egal, ob Bagatelle oder längst gesühntes Begangene,
selbstgerecht wird nichts vergessen, was bringt Lacher.

Selbstgerechte Menschen grinsen wie die Aasgeier.
Lauthals prangern sie immer wieder Sünder offen an.
In ihrer Vollkommenheit tönen sie wie Marktschreier,
Kritik an ihrem Handeln treibt sie in den blanken Wahn.

Sie schmückt sich mit Sprüchen über Liebe und Weltfrieden.
Sieht sich zum Vorbild berufen, als aufrechter Wegweiser.
Die Selbsterleuchtung ist ihr von Geburt an beschieden,
sie selbst ist in ihrer Selbstverehrung ihr größter Lobpreiser.

Selbstgerechtigkeit verbirgt sich hinter einem Vorhang,
hinter der will sie ihre Doppelzüngigkeit verbergen.
Die Angst vor Einsamkeit versetzt sie in diesen Zwang,
mit Lügen und Hetze ist sie um Aufmerksamkeit werben.

Selbstgerechtigkeit erkennt jeden schlechten Charakterzug,
wittert Narzissmus, Blendertum auch ohne Uni-Examen.
Zur Not erfindet sie "Belege" für jeden gemeinen Betrug,
wenn widerlegt, tat sie das ja nur im gerechten Rahmen.

Mit Selbstgerechtigkeit ist nicht wirklich gut Kirschenessen,
wer es sich mit ihr verscherzt, wird entkernt ausgespuckt.
Allen um sie herum lässt sie es sogleich dann wissen,
schaut genau hin, so ergeht es allen, wer aufmuckt...

© meteor 2024
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Woher?

Wo kommen plötzlich diese Menschen her?
Diese mitfühlenden, so sozialen Wohltäter.
Zur Weihnachtszeit geben sie den Samariter,
barmherzig gegenüber bedürftige Mitglieder
dieser teils immer asozialeren Gesellschaft.
Immer weniger schaffen es aus eigener Kraft.

Die Reichsten der Reichen werden reicher,
die Ärmsten der Armen bleiben arm,
die einseitige Schere spreitzt sich weiter,
die Politik will, dass die Oberen Steuern sparn.

Alle Jahre wieder die selbe Scheinheilgkeit,
Leute, macht euch zum Spenden bereit!
Mit nur 5 € bist du namentlich dabei!
Fürs restlich Jahr bleibst du Spender frei!

Frei von jeglicher Mitverantwortung im Land.
Frei von allem Asozialen, was so auch stattfand.
Frei vom Hinsehen, was lebt im Straßenrand.
Frei von Schuld an diesem Staatszustand.
Freigespendet von Gewissensbissen...
Befreit von Anteilnahme, trotz Mitwissen.

Einmal im Jahr menschlich sein!
Mehr braucht es nicht, um ganzjährlich
als barmherziger Samariter zu gelten.
Danach bildet man sich ein,
zwischen sich und den wirklich Reichen
liegen gravierende Welten.

Empört über so dreist vorgehaltenem Spiegel,
zeigt man auf mich, was mach ich besser?
Reflexhaft zeigt man Stacheln wie ein Igel,
schiebt mich vor als sozialen Gradmesser.

Doch wer nur nach einer Ausrede sucht,
ist mit seinen eigenen Werten uneins.
Er hofft, ein offizieller Vorwand sei genug,
ein schlechtes Gewissen braucht es keins.

Weihnachten muss erst das ganze Jahr sein,
dann wäre Barmherzigkeit jederzeit "möglich".
Stell dir vor, Menschen laden Menschen ein,
diese Zeilen hier wären auch für mich unnötig...

Frohe Weihnachten!

© meteor 2024
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Was fehlt ...?

Wenn einem wer zufällig begegnet,
dessen Gesicht von Sorgen ist gequält,
was ihm wohl die Laune so verregnet,
fragt sich, was diesem Menschen fehlt?

Ist ihm gerade was Schlimmes passiert?
Das Entsetzen darüber unverkennbar ...
Fehlt ihm Hilfe, weil er ohnmächtig wirkt?
Ihm fehlt Beistand, das ist doch klar!

Tut ihm was weh, was ist sein Leid,
was verursacht diesen argen Schmerz,
was bedroht nur so seine Gesundheit?
Ein so kranker Körper ist kein Scherz.

Oder ist er arm und ihm fehlt Geld allzeit,
oder ist er reich, weiß damit nicht wohin?
Armen fehlt der Glaube an Gerechtigkeit,
Reichen steht nach mehr Luxus der Sinn.

Fehlt ihm auch nur der gesunde Verstand,
weshalb er freudlos die Umwelt bedroht?
Mit Sorgenfalten ist er bestens unerkannt,
immer mehr im Land fehlt es nicht an Not.

Es fehlt immer das, was man nicht hat!
Wenn man es dann hat, fehlt was anderes.
Wem nie was fehlte, der stumpft früh ab,
hält das Fehlen gar für was Spannendes...

Wem schon immer wieder was fehlte,
der erfragt selten erst bei wem die Ursache,
er erkennt intuitiv, was die Person quälte,
versucht zu helfen, "jetzt besser?" die Frage.

"Ja, klar! So wird's sein!", hämisches Grinsen,
so reagiert, wem nur Wegsehen fällt ein,
statt mitfühlendes, helfendes Hinsehen...
"Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!" ist seins.

Was fehlt denn jetzt wirklich auf dieser Welt?
Womit die Zukunft aller besser ausschaute?
Eine andere Menschheit, die zusammenhält?
Allein daran fehlt mir der Glaube ...

© meteor 2025
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