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Gedichte über Fantasie - Seite 19


Seelenverwindung

Lecke jedes Wort
von meinen Lippen,
lass sie deine Kehle
hinuntergleiten.
Versuche, deine Zunge
ihnen nachzuschicken,
bis sie am Gaumen
muss zurückbleiben.

Wie Kleinode aus Früchten,
dunkle, harte Süßigkeit,
die zu Creme zerfließt,
zu karamellisierten Sehnsüchten,
eine heilende Flüssigkeit,
die sich in deine Herzkammern ergießt
und in sahnigen Schlägen durch
deine Zellen zwingt,
was die Tiefe meiner Wildnis
durch dich dringt.

Meine fesselnden Silben werden
sich um deine Syntax winden,
schaumige Mischung aus
gebutterter Seide und Witz,
Dialoge von Herz zu Herz,
die ins Sternenzelt münden,
während die Nacht des Himmels
endlos aufblitzt.

Wir verdrehen unsere Zungen
zu stöhnenden Artikulationen,
zu lustvollen Versen,
von uns dürstend verschlungen,
die von eisigen Schauersensationen
über Leidenschaftstraversen
zu einem Lavastrom über gleiten.

Wir füttern einander mit Wünschen,
mit den intimsten Träumen im Kopf,
unser Speichel wie Honig,
der vom zarten Schein
der Morgendämmerung tropft,
während wir uns öffnen,
und das nicht wenig,
wie hungrige Vogelbabys gebärden,
die darum betteln, hoffen,
um jeden Preis genährt zu werden.

Hier, in diesem Urwald der Sprache,
findet dein Atem ein Zuhause
auf meinen Geschmacksknospen,
meine Zunge in deiner Wange,
das Echo deiner Urlaute am Auskosten,
zwischen den Turbulenzen unserer
explodierenden Ozeane.

Wenn sich zwei Seelen so finden,
sich verbal ineinander verbal verketten,
ihre Tiefen zusammen ergründen,
endlos abgetaucht, sich gegenseitig erretten,
besteht zwischen ihnen eine einmalige Bindung,
in sich verflochten und verwoben,
eine universelle quantenverschränkte
Seelenverwindung.

© meteor 2025
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Seelenregen

Der Geruch des Regens hüllt uns ein,
während du mich sinnlich verführst,
deine Lippen verbrennen meine,
in deinen Augen steht, was du spürst.

Wir nehmen uns die Zeit zuzuhören,
lassen unsere Augen mit sich reden,
wie sie sich mit Blicken betören,
sich unsere Liebe visuell eingestehen.

Vier Pupillen erfassen ihr Gegenüber,
vier schwarze Löcher ziehen sich an,
verlieren sich im Sog hinter Lidern,
ein Regenbogenhorizont aus Persipan.

Beim freiwilligen Sturz ins Inferno,
im freien Fall durchs Seelentor,
mit Freifallschein ins Herzcasino,
dringen wir in unsere Zentren vor.

Donner dröhnt aus unseren Herzen,
Gefühle prasseln auf Fingerspitzen,
heißer Strom züngelt in Zündkerzen,
springt über in Zungenkontaktblitzen.

Tauchen ab in ein Meer aus Küssen,
unsere Haut steht unter Feueralarm,
stoßen uns ab mit beiden Füßen,
springen umarmt in den Sinnesozean.

Unserem Schicksal ist es egal,
ob wir darin ertrinken,
es lässt uns keine Wahl,
müssen uns ineinander winden.

In uns bricht ein Sturm los,
ein Gefühlsbeben bahnt sich frei,
wie in einem gigantischen Erdstoß,
zerreißt eine Welle uns entzwei...

Aber unsere Seelen sind längst eins,
in sich verschmolzen, verbunden,
treiben in sich verschränkt vereint,
bleiben weiter in sich gewunden.

In einem schier endlosen Ausgleiten
stranden wir auf einem Berggipfel,
über uns sich Regenwolken ausbreiten,
Tropfen fallen auf Haut wie I-Tüpfel.

Mit jedem Einschlag ein Erreger,
eine Sinneswahrnehmung, ein Laut,
wir liegen auf uns, spiegeln uns wider,
im Seelenregen in uns vertraut.

© meteor 2025
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