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Gedichte über Sprachen - Seite 33


Die Sprache bringt es an den Tag

Ja ich weiß, schwere Zeiten beginnen,
Das merkt man mit allen Sinnen.
Hitlerbärtchen und braune Uniformen,
Bringen neue nationale Normen.



Meine Lebensarbeit ist Lesen und Schreiben.
Das Bibliotheksverbot beendet mein Treiben.
Mein Beruf wurde mir aus der Hand geschlagen,
Und geliebte Literatur aus dem Haus getragen.



Judenschweine werden wir genannt,
Die Situation ist nun angespannt.
Mein Leben wird immer mehr zum Problem,
Habe kein Verständnis für das neue System.



Plötzlich, von heute auf morgen,
Wurde mir meine Freude verdorben.
Nun kann ich es nicht fassen,
Ich muss mich mit deren Sprache befassen.



Früher war es Anerkennung, heute ist es Spott,
Derzeit überwiegen BDM, SS und die HJ.
Eins kann man sagen: die Sprache ist verlogen,
Ach und nazistische Schriften einfach unerzogen.



Ich lasse die neue Sprache auf mich zukommen,
Erschütternde Erkenntnisse sind angekommen.
So suchte ich nach einer Strategie,
Da ist sie, meine Geheimformel: die LTI!





Die Sprache des Dritten Reiches ist reines Gift,
Da bleibt keine Pause für meinen Stift.
Ich beschäftige mich mit Propaganda und Manipulation,
Den Werkzeugen dieser Organisation.



Lügen und Elend werden verbreitet,
Sternträger werden ins KZ geleitet.
Die LTI ist meine Balancierstange,
Mein Helfer bei Angst und Bange.



Ein allmählicher Sprachverfall macht sich breit,
Und mir bleibt nicht mehr viel übrig von der Zeit.
Der Nazismus ändert Wortwerte und Worthäufigkeiten,
Die gute Sprache gerät in Schwierigkeiten.



Meinen Beruf, den tat ich gerne,
Mein altes Leben liegt in der Ferne.
Die Welt versinkt in Not,
Ich schwanke zwischen Leben und Tod.



Nazismus gleitet in Fleisch und Blut der Menge,
Und kommt somit schnell in die Gänge.
Offenbar bin ich der Einzige der sieht,
Was mit unserer Sprache wirklich geschieht.



Die Aussagen Hitlers und Goebbels mögen verlogen sein,
Der Sprachstil schießt Lügnern jedoch ein Loch ins Bein.
Egal welche Lüge man auch sagt,
Die Sprache bringt es an den Tag.

Autor: Viktor Stoyanov
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Paradox

Viele Tiere die uns nützen,
Müsst‘ man achten, loben, schützen.
Ihnen sollt‘ man dankbar sein,
doch fällt vielen nichts and’res ein,
als ihre Namen zu missbrauchen.

Man sollte sie zusammenstauchen,
wenn es heißt: „Du blöde Gans“,
die uns legt die leck’ren Eier-
zum Kuchenbacken für die Feier,
Daunen schenkt für’s Oberbett,
sich d’rin zu kuscheln, ist doch nett,
Sie warnt bei Tag und bei Nacht die Bauern.
Vor unerwünschten diebischen Gaunern,
die flüchten durch ohrenbetäubendes Schnattern,
ohne Beute zu ergattern.
Wurden im alten Rom hoch geschätzt,
als Wächter des Staatsschatzes eingesetzt.
Blöd ist nur, der sie so nennt,
weil er den Wert der Gans verkennt,
Sie aber genüsslich zur Martinszeit
zu verzehr´n ist gern bereit.

Ähnlich ist’s, wenn’s heißt „dumme Pute, dummes Huhn“,
die uns doch nur Gutes tun.
Zuverlässig in engen Gehegen –
täglich frische Eier legen.

„Altes Kamel“ und „dummer Esel“
Ist nicht bei Beduinen zu hör’n,
weil sie auf ihre Lastträger schwör’n
und sich über die Packesel freu’n,
son’st müsst’s ihr Rückgrat schmerzlich bereu’n.

Auch einfach nicht fein,
wenn jemand sagt: „du dummes Schwein“
oder gar: „du alte Sau“
obwohl sie sind doch äußerst schlau,
oft zweimal jährliche Ferkel nähren,
die wir nachher gern verzehren.
Auch, alberne Kälber ist manchmal zu hören,
wenn Jungen spaßen mit kecken Gören.
Dabei bringt’s Albern große Freud‘
War immer lustig, früher wie heut.


Der ist im Kopf nicht ganz gesund,
der einfach sagt: „Krummer Hund“.
Auch „blöder Hund“ hört man nicht selten.
Den, der so redet, müsste man schelten,
denn selbst der Dümmste weiß genau:
Hunde sind anhänglich, treu und schlau.
Beschützen uns, sind uns’re Begleiter-
Spielen mit Kindern lustig und heiter.
Schnüffeln nach Drogen zu unserem Schutze,
sind bei der Suche nach Menschen zu nutze.

Unverschämt und total Paradox ist das Schimpfwort „blöder Ochs“
Arbeit hatte der genug.
Zog den Dreschbalken und schweren Pflug.
Den Nacken drückte hart das Joch
in vielen Ländern heute noch.
Der, wenn sein Herr trank mal zu viel,
immer wieder fand sein Ziel.
Selbst, wenn sein Boss schlief deshalb ein,
führte er ihn wieder heim,
war steht’s top orientiert,
hat seinen Herrn so nie blamiert.
Kennt Hin und Rückweg ganz genau.
Ochsen sind halt eben schlau.
Selbst am Ende- weiß ja jeder –
schenken sie Fleisch und Fell fürs Leder.
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