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Gedichte über Philosophie - Seite 6


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Migrationsfolgen

Migrationsfolgen

Der Menschheit längste frühe Phase
War die als Sammler und als Jäger:
Man wanderte noch ohne Straße,
Es gab noch keinen Heger, Pfleger.

Der Menschheit eingeboren war
Das Überleben, das nun kämpfte
Bei Schnee und Eis so Jahr um Jahr,
Weil Kälte Zukunftschancen dämpfte.

So wurden Menschen recht weltoffen
Und mancher kam – und mancher blieb,
Wo Mitleid er konnte erhoffen,
Wenn Kältenot zum Wandern trieb.

Doch mehr und mehr waren schon da,
Die ebenfalls nach Nahrung jagten,
Denn wo man Mammutherden sah,
Sich Menschen keiner Not versagten.

Ist nun der Flüchtling wirklich fort,
Nur weil er wandern muss und will
An warmen und bequemen Ort –
Mit einem unbekannten Ziel?

Es bleibt noch immer die Ansage
Dass Neugier oder Not ihn treibt.
Das ist bis heut' die große Frage,
Warum er nicht zu Hause bleibt.

Ist's Abraham'sche Gottverheißung,
Sind's mangelnde Lebensgrundlagen,
Die bringen ihn auf die Weltreisung
In guten wie an schlechten Tagen?

Ist denn der Mensch reisend geboren,
Auf dass er niemals sesshaft werde,
Früh seiner Herkunft abgeschworen
Und lieber reist gern hoch zu Pferde?

Selbst in den frühen Hochkulturen
War Teilwandern noch sehr latent.
Es finden sich bis heute Spuren,
Dass mancher vorm Nachbarn wegrennt.

Ist nicht der Mensch ein Herznomade
Und immer reichlich auf dem Sprung,
Wenn es ihn kribbelt in der Wade
Und er glaubt, Wandern hält ihn jung?

Macht Wandern Menschen nicht unstet
Und weckt es nicht Begehrlichkeiten?
Verändert sich Mentalität:
Sieht er noch, wie die andern leiden?

Wandern allein entpflichtet leider
Von Fürsorge vor Ort für Leid
Und treibt den Menschen immer weiter –
Ist er da noch zum Dienst bereit?


©Hans Hartmut Karg
2018

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