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Gedichte über Philosophie - Seite 7


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Faustische Kränkungen

Faustische Kränkungen


In den modernen Medien finden sich mehr und mehr faustische Kommunikanten: Der Mensch als eigenwilliger Schöpfer seiner selbst, ausgedrückt in seinem Umgang mit Sprache und Wort. Dieser Personenkreis unterscheidet sich – so meinen sie selbst - von Dampfplauderei, bei der es um Unterhaltung, um Kurzweil, um Entspannung und Kurzinformation geht.
Die faustischen Kommunikationsformen auch in den Kommentaren, bei denen der Mensch sich sogar der Weltdeutung überlegen zeigt, sehen den Menschen im Netz als Hüne, der sich gewaltig und ohne Beschränkung einbringt, um seine Präsenz zu zeigen. Doch können dabei nicht wenige Faustische Kränkungen offenbar werden. Welche Faustischen Kränkungen kann man da unterscheiden?

1. Selbstkränkung
Menschen, die sich selbst nicht lieben, können auch Mitmenschen nicht wirklich lieben. Oft sind sie in Selbstkränkungen und Komplexen gefangen und wissen nicht, wie sie sich daraus befreien können.
Sprache kann dabei eine Hilfe sein. Jedoch ist der Introvertierte in echter Not, weil er das Sprechen meist nicht erlernen konnte. So sind die Stammelnden eigentlich unsere Schwestern und Brüder, denen Hilfe so nötig wäre, doch sehen wir oftmals nicht, dass sie Hilfe brauchen.
Leichter fällt uns das bei Rede- und Sprechfreudigen. Aus jedem zweiten Satz springt uns schon entgegen, wo die Selbstängste stecken, sich zur Selbstkränkung aufgebäumt haben und ein glückliches Dasein verhindern. Wo die Selbstkränkungen den Grad der Destruktion oder gar der Zerstörung/Selbstzerstörung erreichen, wäre professionelle Hilfe anzuraten.

2. Sozialkränkung
Je mehr Fremde in einem Gastland Aufnahme finden wollen, desto mehr muss sich der Gastgeber, die Gastgeberin anstrengen, um das Fremde zu verstehen. Nur wer verstanden hat, entgeht der Kränkung! Das kann dann zur Herkulesarbeit am eigenen Bewusstsein werden, wenn die Lebensnormen der Ankömmlinge sich von denen der Gastkultur unterscheiden oder ihnen gar diametral entgegenlaufen. Dann kann es zu üblen Kränkungen auf beiden Seiten kommen.
Es kann Begegnung helfen, jedoch nur, wenn nicht eine der beiden Lebensformen sich der anderen Lebensform als fundamental überlegen sieht. Wo dies der Fall ist, muss mit schwrsten Sozialkränkungen gerechnet werden, die möglicherweise als unauflösbar ins aktuelle Lebenfeld hineinwirken und faire Begegnungen verhindern.

3. Gotteskränkung
Sind Menschen nur sich selbst gegenüber verpflichtet oder stellen sie ihre eigene Religion über alle anderen Glaubensüberzeugungen, kommen sie ohne Kränkungen gegenüber Mitmenschen kaum aus. Damit kränken sie Gott, der doch den Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat, wie das Christentum es beschreibt. Wie aber soll der Mensch Gottes Ebenbildnis sein und bleiben, wenn er sich nicht tolerant verhält?
Gibt es einen Schöpfergott, so kann der das nicht zulassen und wird den Sündenbegriff für den Menschen wählen: Der Mensch ist sündhaft und kann nur durch die Barmherzigkeit und Gnade Gottes aus dieser Sündhaftigkeit befreit werden, sofern er an diesen Schöpfergott glaubt, ihn seine Untaten reuen und er Gott nicht frevelhat schmäht.
Wo Menschen sich über Gott stellen und/oder ihre Religion nur als Waffe gegen andere Religionen oder Mitmenschen missbrauchen, lästern sie der eigenen Gottheit und kränken damit nicht nur die Gottheit, sondern auch sich selbst.
Wo Menschen an keinen Gott glauben, müssen sie dennoch lernen, Gläubige zu dulden und ihnen eine angemessene Glaubensausübung zu ermöglichen.
Wenn der Mensch selbst sich über alles und jeden erhebt, kann die Menschheit nur in der Barbarei enden.


©Hans Hartmut Karg
2018

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