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Gedichte Über Leidenschaft - Seite 45


Verschnürt

Von außen betrachtet bist du grazil,
wirkst auf mich schon fast fragil,
wie dem auch immer sein mag,
deine Ausdruckskraft ist in dir stark.

Was du ausstrahlst als einfache Frau,
als der Frau mitten im realen Leben,
deine Lebensgeschichte ich beschau,
markante Stellen sie wiedergeben.

Dich ließ ich öfters in mir aufhallen,
fiel oft in deine großen Augenfallen,
wirkst so unglaublich zart besaitet,
folge deinem Blick, wohin er gleitet.

Deine Seelentore beginnen aufzuglühn,
dein umschmeichelnd Haar fällt weich,
rosa Lippenpaar geschwungen kühn,
verlockst mich zu dir in dein Reich.

Die Kunst der Fesslung ist dein Part,
der dich versucht, so zart verwahrt,
stell dich mir verschnürt mit Seilen vor,
welch erotischer Anblick im Hanfdekor.

Dein gesamter lebender Frauenleib,
Arme und Beine streng festgezurrt,
mehrfache Knoten aneinandergereiht,
angewinkelte Knie bedrängt im Gurt.

Die Seile halten zusammen deine Haut,
im Seidentuch dein Augenblick gefangen,
deine Brüste verpackt eng straff vertaut,
ein Lederband soll deinen Hals umspannen.

Von den richtigen Händen verschnürt,
kannst du deine Zerbrechlichkeit leben,
wie du dich zersprungen noch spürst
dein Kokon aus Stricken dir Halt gebend.

Fühlst jede Zelle deiner Haut zerissen,
ins Korsett lässt du dich frei fallen,
intensives Engegefühl lässt dich wissen,
du bist lebendig in dir am Widerhallen.

Völlig entrückt aus Raum und Zeit,
spürst du deine ureigenste Essenz,
verlässt in Trance deinen Leib,
schwebst über ihm in Transparenz.

In deinem ausgelieferten Zustand
fühlst du dich freier als je zuvor,
eingewickelt in diesem festen Verband,
kriecht dein tiefstes Unterste empor.

Jede Berührung auf deine Außenhülle
wie ein Stromschlag durch deinen Leib
sinnliche Explosionen deiner Gefühle
bereiten dir unvergesslichen Zeitvertreib.

Du bist wie umami die Würze im Spiel,
verstreust dein Esprit mit deiner Hingabe,
wieder entfesselt, entfaltest dich grazil,
suchst in Streicheleinheiten deine Zugabe.

© meteor 2025
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Der Bestseller...

Dieses Mal sollte es gelingen,
diese Zeilen mussten es bringen.
Viele Jahre schrieb er schon,
nichts war gelungen davon
was einen Verleger in Wallung brächte,
schrieb Tag für Tag und auch die Nächte.

Er wusste, einmal war es so weit,
lange war er schon für den Erfolg bereit.
Er schrieb sich die Finger wund,
vergaß das Essen, lebte ungesund.
Bald sind alle Seiten vollgeschrieben,
die Leser werden es lieben.

Sie spüren die Energie, den Schweiß,
den er hineingesteckt, den Fleiß.
Von Leidenschaft, Liebe und Hass,
schrieb so, dass es ihn fast zerfraß,
mit Betrug, Mord und Verderben,
hat er die Blätter vollgeschrieben.

Eine Flasche Wein noch, auch ohne Glas,
er schrieb und schrieb ohne Unterlass
war besessen von dem einen Gedanken,
nichts konnte ihn mehr aufhalten
ein Werk so zu verfassen,
so andere Schriftsteller erblassen.

Bald, -bald ist es geschafft,
da fehlte nur noch eine Kleinigkeit,
er grübelte und trank den Wein,
nur er konnte noch helfen, allein.
Die Gedanken flogen nur so herbei,
er schrieb die letzte Seite, es war vorbei.

Er nahm die Seiten zusammen,
die Hürde war endlich genommen,
schwebte in einem Zwischenraum,
umhüllt nur von dem einen Traum.
Am Morgen man ihn auf seinem Stuhl vorfand,
mit einem Lächeln und den Seiten in der Hand.

Sein Traum, ein Bestseller zu sein,
wurde wahr, in der ganzen Welt sogar,
die Verleger rissen sich um ihn,
bedauerten zu tiefst, was gescheh'n
er hatte um sein Leben geschrieben,
ein Werk, das bis heute in den Köpfen geblieben.


26.05.2025 © Soso
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