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Gedichte über das Leben - Seite 1811


Rotkäppchen im Westerwald

Die Mutter sprach zu ihrem Kind:
„Heut‘ weht ein ziemlich böser Wind!
Hier hast Du Kugelhupf und Wein,
zu Omi geh ins Altenheim!
Ich bin des Aufenthalts dort leid,
für Alte hab‘ ich keine Zeit!“

Das Kind ging durch den Westerwald,
oh je, wie blies der Wind so kalt!
Von rechts kam er, es pfiff und zog,
dass sich manch‘ deutsche Eiche bog…

Da hörte sie lauten Gesang,
dem Rotkäppchen war´s gar nicht bang,
denn sie sah eine Burschenschar
mit Hakenkreuz, wie wunderbar!
Die Jungs marschierten auf sie zu,
vorbei war’s mit des Kindes Ruh‘.
Wie arisch sie doch alle waren,
mit blauen Augen, blonden Haaren!

Der erste war der schönste Kerl,
das Kind verliebte sich ganz schnell
in diesen schönen Adolf Wolf,
er nahm sie – hart und mit viel Stolz.
„Danach“ sprach er in ernstem Ton:
„Du weißt, ich wünsch‘ mir einen Sohn!
Wir brauchen eine Heeresschar,
wozu sind Frauen auch sonst da?“


Sie tauschte rot sogleich mit braun
und nannte sich Frau Eva Baum.
Und als der Wolf kam an die Macht,
da hat sich Eva still gedacht:
„Ich hab ein ungutes Gefühl,
mein Wolf ist so verroht und kühl.
Die Füchslein lässt er alle morden
von seinen reißerischen Horden!“

Und so regierten sie ein Reich,
das keinem anderen kam gleich.
Die ganze Welt sah’s mit Verdruss
und nach 12 Jahr’n war endlich Schluss.
Zerstörung kam nun übers Land,
die beiden tot – durch eig’ne Hand.
Das Märchen der Gebrüder Grimm
war nicht im mindesten so schlimm…

Bläst heut‘ der Wind nicht wieder kalt,
im schönen, deutschen Westerwald?
So mancher Wolf streift durchs Geäst,
und wer sich von ihm fangen lässt,
erfährt kein Mitleid je von ihm,
drum lasst die Wölfe lieber zieh’n…
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Die Zeit

Weil der Lauf der Welten niemals steht,
sagt sich der Mensch:
"Mensch, wie die Zeit vergeht."
Mein Wimpernschlag ist deine Ewigkeit
"und nur der Mensch vergeht..."
...so sagt die Zeit.

Grenzenlos ist ihre Dimension.
Sie ist für immer und war immer schon.
Ihr Gleichklang hat einen Rhytmus nie gebraucht,
dann jedoch ist die Menschheit aufgetaucht.

Zukunft Gegenwart und Vergangenheit,
das nennt der Mensch seitdem: Die Zeit.
Kaum hat er diesen Namen ihr gegeben,
wurde sie unentbehrlich für sein Leben.

Er teilt sie ein in Tage, Wochen, Jahre
und zählt sie von der Wiege bis zur Bahre.
um sie zu binden hat er die Uhr erfunden
und wurde so zum Sklaven seiner Stunden.

Auf einmal war sie individuell,
milliardenfach und unterschiedlich schnell.
Sie verfliegt, sie rennt davon und man beklagt
ihren Zahn, der stets an irgendetwas nagt.

Der eine wünscht sich, das sie ewig bleibt,
während ein anderer sie sich vertreibt.
Jemand beeilt sich, damit er sie nicht verliert.
Bevor der Mensch kam, ist so etwas nicht passiert.

Er forscht und grübelt, wie sie wohl begann
und ist sich sicher, mit dem Urknall fing sie an.
Wär´ sie ein Ozean irdischer Natur
dann wüsste er von ihr ein Tröpfchen nur.

Galaxien sah sie kommen und vergehen.
Ein wahres Urknallfeuerwerk hat sie gesehen.
Doch niemals vorher sah sie eine Welt,
in der sie nur ein Maßstab war, für Geld.

Kostbarkeit ist sie und Rarität.
Unwiederbringlich, jede Stunde die vergeht.
Du bist im Irrtum, glaubst du ernsthaft Menschenskind,
das jemals jemand wirklich Zeit gewinnt.

Ein Leben lang gehetzt hinter ihr her
bleibt für dich selbst am Ende keine mehr.
Denn die Zeit, zu tun was du schon immer wolltest,
war der Tribut, den du an so ein Leben zolltest.

Doch mancher hat mit ihr sein Glück gefunden
und wem dies nicht gelang, dem heilt sie alle Wunden.
so ist sie stets ein angemess´ner Preis,
für den der mit ihr umzugehen weiß.

J.J. Edler
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