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Gedichte über das Leben - Seite 1792


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Abschied

Alles ist ungewohnt,
unfassbar und frisch,
sitzt nicht mehr rezitierend
an deinem großen braunen Tisch.
Bist gegangen,
ohne langes, stöhnendes Anhangen,
hast dich verabschiedet ganz leise
für deine jetzt unbekannte Reise.
Hattest schon Pläne geschmiedet
in deinem einsamen Gehirnkämmerlein,
nur für dich,
still und völlig allein,
wolltest keine Last für Andere mehr sein.
Hast beschlossen,
unbemerkt,
fast lautlos zu entschwinden,
hattest ein Leben mit Charme, Humor
und Würde gefunden...........

.......es war dir gelungen.......

Bin ganz still
habe keine weiteren Fragen.
hattest alle Antworten durch deine Präsenz
im ausgleichenden Handeln
ausgetragen,
als du ungefragt,
letztlich des Lebens müde,
aus deinem leben getreten.
Weil gerade der letzte Ausgleich
war ein vergeblich trauriger Versuch,
ohne Kampf,
Hass und Wut,
vereinigend zu wirken,
bist daran zerbrochen.
Hast dich von da ab
in dein Innerstes verkrochen
und wartetest geduldig
bis die Zeit ihre Sprache sprach,
gingst kampflos
nach und nach
in deinen eigen gestalteten Himmel,
um zu erwarten die lichte Weite,
die dich dann befreite
von deiner geschwächten
und verwelkten Hülle.
Das war dann nicht nur dein eigener Wille.
Durftest jetzt den Übergang
in unbekannte, hellere Sphären erfahren,
wirst dort verweilen,
bis auch deine anderen Körper aufklaren
und du von Angesicht zu Angesicht
stehen wirst
vor dem großen Sonnenlicht
und erkennen darfst,
dass auch du warst sonnenhaft
in eine Form geboren
und bald stehen wirst vereint
als individueller Sonnenstrahl
vor den großen Himmelstoren.


11.10.13
Solyluna
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Die Zeitung

Ich bin der Mann, der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor es die Post gibt.
Noch, bevor die Werbung kommt.
Noch, bevor andere Nachrichten da sind.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über die Kriege auf der Welt!
Mit Artikeln,
über die Ökonomie auf der Welt!
Mit Artikeln,
über die Politik auf dieser Welt!
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe sie nur zu den Leuten.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Kriege beenden.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Ökonomie begreifen.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Politik verändern.
Einfach, in dem sie lesen. Und nachdenken.
Und mit anderen Menschen reden.
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung.
Ich bringe auch das,
mit dem Sie sich wehren können.
Ich bringe Ihnen die Sprache.


Ich bin der Mann der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor die Leute wach sind.
Noch, bevor die Leute geredet haben.
Noch, bevor die Leute etwas getan haben.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über die Geburt von Menschen
Mit Artikeln,
über den Tod von Menschen
Mit Artikeln,
über die Hochzeit von Menschen.
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe sie nur zu den Leuten
Und ich weiß,
einige Leser werden das Leben neu lieben
Und ich weiß,
einige Leser werden die Welt neu lieben
Und ich weiß,
einige Leser werden den Mensch neu lieben.
Einfach indem sie lesen. Und Nachdenken!
Und sich mit anderen Menschen treffen.
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung.
Ich bringe auch das,
mit dem Sie das Leben begreifen.
Ich bringe Ihnen die Sprache.


Ich bin der Mann, der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor die ersten Autos fahren.
Noch, bevor die Sonne aufgeht.
Noch, bevor das Leben beginnt.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über neue Bücher die alles verändern.
Mit Artikeln,
über neue Erfindungen die alles erleichtern!
Mit Artikeln,
über neue Erkenntnisse die alles verbessern!
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe Sie nur zu den Leuten.
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert die Welt
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert das Leben
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert der Mensch.
Einfach in dem sie Lesen. Und nachdenken.
Und auf andere Menschen zugehen
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung!
Ich bringe auch das,
was die Welt retten könnte.
Ich bringe Ihnen die Sprache.

Klaus Lutz
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


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