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Gedichte über das Leben - Seite 1658


Fegefeuer

War es nicht so, daß der Teufel mich geritten,
Befiehlt mir Moral, Ethik und all seine Sitten;
Im Fegefeuer ließ er mich knusprig braun schmoren,
Doch gestehe ich: ohne dir, satan, wäre ich längst verloren.

Es glimmt und lodert in mir, dieses Feuer,
Ergriffen von wallend Feuer speienden Ungeheuer;
Jene nämlich haben sich meiner Figuren bemächtigt,
Immerzu, selbst und vor allem als ich mit einem Weibe
genächtigt.

Anderntags nämlich roch es stets nach Asche und Glut,
An mir und in mir, in meiner Seele und meinem Blut;
Es schwofelte leise und kokelte vor sich hin,
Aschenstaub an meinem Körper bis hin unter mein Kinn.

Ich hatte ihn gründlich zu reinigen, meinen Leib,
Und zu überlegen, was ich denn nächstens mit mir treib;
Wer verflucht denn so laut in meinen Träumen meine Sinne,
Ich sinne darüber nach, ich denke und träume, ich spinne.

Mit eiskaltem Wasser habe ich meine Seele gekühlt
Und immer wieder diese mit Regenwasser abgespült,
Hochdroben auf einem Hausdache gestanden,
Wo mich noch des Abends Friedenstauben zum Satan betend vorfanden.

Es lebt sich im Fegefeuer fürwahr ungeheuer,
Und gar nicht gefährlich, nicht zu heiß und beileibe nicht zu teuer;
Notwendig reibe ich mich an solchen lodernden Launen meiner Natur,
Um mir stets die Frage stellen zu können: was mache ich denn jetzt nur?

Welcher Satan hat mich zu diesem und jenem denn getrieben?
Mit welchem Teufel möchte ich noch Walz auf Walz tanzen und schieben?
Und behende Schritte über das Parkett ausbreiten,
Um andere ebenso zum Satan in seinem eigenen Leibe zu
verleiten.

Ein Satan für einen Jeden in seinem eigenen Leben,
Einen solchen Genossen mag ein jeder sich selbst er-
schaffen und weben;
Ganz nach seinen Wünschen und Bedürfnissen ausgerichtet,
Damit dieser in uns von seinem selig sinnigen Sein im Fegefeuer berichtet.

Und uns zu neuen schweifen Lasten verführt,
Gerade was einem jeden an windigen Lasten bereit liegt und gebührt,
Daß uns der Satan über eine gewaltige Hürde der Wahrheit und der Doppelmoral springen läßt,
Nun aber auf, ihr Freunde der Wonne: Hebt an zum nächsten Satansfest.
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Lied zur deutschen Einheit

Was habt ihr verloren, ihr seligen Leute,
Jetzt fällt hinein die grausige Meute;
Groschen und D-Mark, sie heulen schon,
Ihr wünschtet euch schließlich diesen Lohn.

Ihr kauftet ein die Apfelsinen,
Doch nun sieht man es euch an, an eueren Mienen;
Wolltet ihr etwa die Arbeitslosen,
Oder gelüstete es euch nach Lottoglückslosen.

Warum ändert ihr die Geschichte nicht,
Was zwang euch untertan zu sein, so spricht,
Warum träumt ihr von hohen Wohnungsmieten,
Der Eigner wird euch das Billigwohnen verbieten.

Für vierzig Mark in zwei Zimmern zu hausen,
Die Marktwirtschaft wird über euere Köpfe brausen
Und manches Glück zertreten;
Möchtet ihr dann auch wieder zu einem Gotte beten.

Warum trog euch euer Selbstvertrauen,
Hattet ihr zu einem alternativen Sozialismus überhaupt
kein Vertrauen?
Oh tapferer Arbeiter drüben sprich!
Warum betrügst du uns und ebenfalls dich.

Das Soziale nämlich der Marktwirtschaft,
Hat vielen von uns Westdeutschen geschafft;
Ihr saht bloß den Schein unserer Welt,
Doch vergaßt ihr, ein "Noske" hat stets bis heute gebellt.

Warum habt ihr euerem Marx nicht geglaubt?
Warum ist er in Bürokratenhirnen verstaubt?
Ließe sich mit ihm eine neue Zukunft nicht wagen?
Nun müßt ihr das gemeinsame Leid mit uns Westdeutschen
tragen!

Ihr hattet wahrlich eine stolze Revolution,
So friedlich und machtvoll in eurer Nation;
Schon aber wendet ihr euere Wende;
Unsere Tradition aber ist die eine Erich Mende.

Das Wirtschaftswunder wünschtet ihr zu haben,
Ihr wolltet euch am Rockzipfel von Ludwig Erhard laben;
Warum zwangt ihr den Goliath nicht zum Kampfe?
Warum sangt ihr nicht neue Demokratie zur Klampfe?

Auch ihr hattet die Einheit verletzt,
Weil euch Schwarze zu Zeitrekorden der Einheit gehetzt;
Nun aber trinken wir auf unser gemeinsames Wohl,
Und wählen ab im Dezember, den Helmut Kohl.
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