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Gedichte über Kindergedichte - Seite 62


Rumpelstilzchen

(Frei nach den Grimm Brothers)

Des Müllers Tochter, jung und herrlich,
war wunderbar wohl anzuseh´n.
Die Burschen fanden sie begehrlich
und wollten ihr den Kopf verdreh´n.

Der Müller aber hatte Pläne,
die hatte er schon lang´ gehegt.
Die waren hart, wie seine Zähne,
die er mit Sorgfalt stets gepflegt.

Die Tochter sollt´ am Hofe weilen,
vielleicht sogar als Königin!
Sollt´ nie der Armen Schicksal teilen,
so stand dem Müller oft der Sinn.

Und als der junge König freite,
da sprach er frei: „Mein Töchterlein,
bewahrt das Reich vor jeder Pleite,
aus Stroh spinnt Gold sie gut und fein!"

Nun war der König wohl gewogen,
lud sie gleich ein ins Königsschloss.
Hat sie ins Kämmerlein gezogen,
wo Stroh nur lag und mancher Spross.

„Hier spinne nun, sonst sollst du sterben,
verrät ihr nun der König hart.
Der nächste Morgen bringt Verderben,
steht mir nicht pures Gold parat.“

Die Türen schließt, das Mädchen traurig,
das nicht mehr weiß, wie ihr geschieht.
Von Ferne heult ein Käuzchen schaurig,
so etwas, wie ein Todeslied.

„Wie kann der Vater sowas sagen,“
schluchzt sie in Tränen aufgelöst.
Ins Dunkel klingt ihr wehes Klagen,
wo mancher Geist und Gnom schon döst.

Mit einem Mal steht in der Kammer,
ein garstig, altes Männlein nun.
„Was soll dein lauter Katzenjammer,
ach, sagt mir nur, was soll ich tun?“

„Der König gab mir Stroh zu spinnen
und morgen schon, da will er Gold!
Ich weiß nicht wie, kann nicht beginnen,
die Alchemie ist mir nicht hold!"

Das Männlein grinst und schaut verlegen.
„Ich spinn für dich, du schönes Kind,
Dein Halsband wäre mir ein Segen,
gibst du, der Zauber gleich beginnt!“

Die Müllertochter gibt ihm gerne,
der ihr das Leben vielleicht schenkt.
Dann schaut sie hoch, ins Reich der Sterne,
wo sie mit Schrecken weiter denkt.

Schnurstracks und dreimal nur gezogen,
das Stroh sich nun zu Golde spinnt.
Manch alte Spule schon verbogen,
die gleich an Form und Wert gewinnt.

Am Morgen ist das Stroh versponnen,
der König voller Freude staunt.
„Nun hat das Glück für uns begonnen,“
verkündet er gleich frohgelaunt.

Die Gier im Geiste ist ihm groß,
so spricht zum Müller er erfreut,
„Dein Töchterlein, ist wie ein Los,
des Glückes, das heut´ Nacht erneut.

So soll sie mir das Stroh nun spinnen,
das sich mein Reichtum nochmals mehrt.
Um Mitternacht darf sie beginnen,
kein Päuschen sei ihr dann gewährt!“

Und wieder sitzt in großer Kammer,
des Müllers Tochter in der Nacht,
Gar kläglich klingt auf´s Neu ihr Jammer,
der manche Geister schlaflos macht.

Schon steht das Männlein, da im Scheine,
der durch viel Kerzenlicht erstrahlt.
„Mein Kind, was gibt’s du mir alleine.
wenn wieder Gold für dich erstrahlt!“

„Dann sollst du meinen Ring hier haben,“
sie zeigt dem Männlein ihren Schmuck.
Und lacht ihn aus den alten Knaben,
der sich nun gibt den nächsten Ruck.

Kreuzquer und dreimal schon verbogen,
er wieder Stroh zu Gold nun spinnt.
Manch krumme Spule aufgezogen,
das gleiche Spiel auf´s Neu beginnt.

Am Morgen ist das Stroh gesponnen,
der König nun vor Freude hüpft.
„Die Beste bist du,“ sagt er ganz versonnen,
der erste, zarte Bande knüpft.

„Ein drittes Mal, so sollst du Mädchen,
mir nochmals spinnen Stroh zu Gold,
die größte Kammer, hier im Städtchen,
die hab ich nur für dich gewollt!“

So sitzt die Gute in der Kammer,
schon wieder nun zur Mitternacht
und wieder klingt ihr lauter Jammer.
„Ich hab´ noch niemals Gold gemacht!“

Schon steht das Männlein da im Lichte,
das nun vom fahlen Monde fällt.
Ein Zaudern steht ihm zu Gesichte,
sein Lachen sich im Nu erhellt!

„Da bin ich um dir Gold zu spinnen,
wohl heute Nacht zum letzten Mal.
Was gibst du mir, soll mir verrinnen,
die Nacht noch einmal voller Qual?"

„Nichts kann ich dir für heute geben,
du nahmst das Halsband und den Ring,
Ich kann dir schenken nur mein Leben,
an dem fürwahr ich niemals hing!“

„Behalte es, das Männlein schlucket,
ch gebt mir erstes Kindelein!“
Und wie sie auf das Stroh so gucket,
spinnt er schon Fäden, golden fein.

Der teuflisch Pakt, er scheint besiegelt,
das Männlein spinnt die ganze Nacht
und als die Kammer ist entriegelt,
ward alles Stroh, zu Gold gemacht!

Der König froh, die Tochter sehnend,
so nimmt er sie alsbald zur Frau.
Sich wohl im großen Glücke wähnend,
da er als König, wirklich schlau.

Und da die Liebe nun auch brennet,
die Königin ein Kind bekommt.
Das sie mit Namen "Sarah" nennet,
schon steht das Männlein, da gar prompt.

„Nun will ich euer Kind mir holen,
das ihr dereinst des Nachts verspracht.
Ich schlich herum auf leisen Sohlen,
damit den Pakt, ihr niemals bracht!

So gebt das Kind, ihr müsst bezahlen,
den Preis mir nun, für eure Schuld!“
Man hört schon seinen Kiefer mahlen,
voll Argwohn und voll Ungeduld.

Ihr könnt die Tochter mir nicht nehmen,
die Königin kämpft wohl bis zuletzt.
Das Männlein tut sich furcht bar grämen,
den Mantel er vor Wut zerfetzt.

„Oh kannst du meinen Namen nennen,
in dritter Folge, will ich ruh´n.
Brauchst dich vom Kinde dann nicht trennen,
du dummes, altes Gackerhuhn!"

„Ach magst du vielleicht Udo heißen,
gar Konrad, Willi, Isidor.
Das Mannlein, mit dem Haar, dem weißen.
„So heiß ich niocht ich armer Tor!

Ich komme morgen Nacht dann wieder
und frage dich zur Geisterstund´.
nach meinem Namen wohl und bieder,
wohl unter all der Sterne Grund!"

Die Königin schickt hundert Mannen,
zu hören wie der Männer Klang.
Schon reiten beherzt von dannen,
der Königin ums Herz wird bang.

DDDie zweite Nacht, die selben Spiele,
das Männlein stapft mit festem Fuß.
„ Es gibt der Namen, gar so viele,
so sag mir meinen nun zum Gruß!"

„Magst du als Paul, dich wohl bekennen,
als Gollum und als Schnabelhans.
Mag man als Tunichtgut dich kennen?"
Das Männlein macht nhun großen Tanz.

„Oh nein, oh nein, so heiß ich nicht,
so lass dich mir´s nicht sagen.
Du dummes,altes, Mondgesicht,
gar traurig dein Betragen!

Kannst du meinen Namen nennen,
nicht morgen in derselben Stund´,
musst du dich von dem Kindlein trennen,
weil töricht ist des Menschen Grund“

Am Morgen kommt ein schwarzer Reiter,
mit Nachricht für die Königin.
„Ein Männlein sprach er tanzte heiter
und sprach manch Worte ohne Sinn.

Rief heute back ich, morgen brau ich,
hol übermorgen mir das Kind.
Das war ein purer Schrecken, grauslich,
wie furchtbar manche Männlein sind!"

Dann sprach er: „ Ach, das niemand weiß,
so wohlgemach bei allen Nöten,
das ich nun Rumpelstilzchen heiß,
das mag kein einzig Vöglein flöten!"

„Ach. Rumpelstilzchen, ist sein Name!"
Die Königin vor Glück berauscht
und hofft, dass Gott sich ihr erbarme,
auch wenn sie ihn oft ausgetauscht.

Und als das Männlein steht zur Stunde,
wo Mitternacht sich gerad´ entfacht.
Da bellen leis´ des Königs Hunde,
die Königin voll Freude lacht.

„Wie heiß ich wohl zum letzten Male,
stell ich die Frage nun hier an.
Dann Müllerkind, den Lohn mir zahle.
den unser Handel einst ersann!"

Die Königin, sie will sinnieren:
„Ich glaub du heißt gar Kunibert,
vielleicht auch Max, klingt Stimmvibrieren,
vielleicht auch Otto, oder Gert."

„Nichts ist hier wahr, das Männlein fauchet,
du kennst nun meinen Namen nicht!"
Sein karges, graues Köpfchen rauchet,
als Königin noch einmal spricht.

„Vielleicht magst Willehad, du heißen,
auch Rumpelstilzchen klingt nicht schlecht!“
Da donnert es, aus Nebel weißen,
das Männlein keift mit letztem Recht.

„Das hat der Pfarrer dir gemunkelt,
das hat der Satan dir gesagt.
Das hat ein Dämon dir gefunkelt,
das hat der Teufel nur gewagt!"

Schon reißt es ihn nun in der Mitten,
entzwei, das Männlein ist nicht mehr.
So ließ das Ende sich nicht bitten,
zwei Hälften bleiben, kalt und leer.

Nun endet wieder, hier ein Märchen,
das manchem Kinde ward erzählt.
Es sträuben sich so manche Härchen,
wo uns derweil ein Alptraum quält!

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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Schneewittchen

(Frei nach den Grimm Brothers)

Es nähte einst die Königin,
in kalter Winterszeit.
Der war ganz selig schon der Sinn,
auch hatte es geschneit.

Die trug ein Kindlein unterm Herz,
dass sie sich lang´ erhofft,
das käme bald schon, Ende März,
drum träumte sie jetzt oft.

Sie stach sich in den Finger, au!
Das Blut quoll rot und rein.
Ach, dachte sich die gute Frau:
„Wär´s doch ein Töchterlein!

Das mir geschenkt, so süß und froh,
mit Lippen rot wie Blut.
Auch roten Wangen ebenso,
das edel, stark und gut."

„Ihr Haar sei schwarz wie Ebenholz,
der Fensterrahmen gleich.
So wär´ das Mädchen, schön und stolz
an Gaben, wahrlich reich!"

„Die Haut sei weiß, wie jener Schnee
der unterm Fenster liegt.
Dies Zauberreich der Winterfee,
das jeder Angst obsiegt.

Schneewittchen wär ein Name nun,
der mir für´sie gefällt.
Noch gibt es allerhand zu tun,
bis sie, auf dieser Welt!"

Und als das Kind geboren war,
so wie sie sich erträumt.
Da starb die Frau, die es gebar,
im Tode aufgebäumt.

Mit einem letzten traurig Blick,
der auf der Tochter lag.
Das Leben zeigt sein Missgeschick,
an jenem wehen Tag.

Schneewittchen, aber lebt nun fort.
von Ammen wohl genährt.
An einem klagend, düst´ren Ort,
dem Unheil widerfährt.

Acht Jahre währt die Trauerzeit,
die sich der König gibt.
Er trägt nur noch sein schwarzes Kleid,
da er die Frau geliebt!

Schneewittchen wächst zum Kind heran,
ein Mädchen, süß und zart.
Hat immer weiße Kleider an,
ist freundlich und apart.

Dann bricht der König mit der Schuld,
die er sich selber gab.
Ein neues Weib, erfährt nun Huld,
vergessen bald das Grab.

Wo ruht die schöne Königin,
die ihm die beste Frau.
Schon streicht er sie, aus seinen Sinn,
so ist der Welten Schau!

Des Königs neue Frau ist schön,
der jede Achtung gilt.
Doch steht sie täglich mit Gestöhn´,
vor ihres Spiegels Bild.

„Sag Spieglein, Spieglein an der Wand,
mir, weil du ehrlich bist.
Wer ist die Schönste hier im Land,
die man wohl nie vergisst!"

Der Spiegel murmelt kurz gefasst,
mit seufzend Unterton.
Das ihr sein Sprüchlein, denn auch passt,
zu ihrer Freude Lohn.

„Frau Königin, Frau Königin,
da seid nur Ihr genannt.
Ihr seid seit Eures Anbeginn
die Schönste, hier im Land!"

So ging das viele Jahre hier,
tagtäglich jeden Tag,
Der Spiegel ist ihr Freund und Zier
so lange, sie es mag.

Schneewittchen reift zur jungen Maid,
die schöner als man glaubt,
im Frühling und zur Sommerzeit,
manch Burschens Blicke raubt.

Und eines Tages, es wird Zeit,
das Spieglein wieder spricht.
Er nun der Königin zum Leid,
jetzt mit der Teuren bricht.

„Frau König, Frau König,
Ihr seid schon eine Zier.
Schneewittchen, aber sagt mein Sinn,
ist schöner noch als Ihr!

Gar tausendmal, das sag ich frei,
ist lieber mir ihr Bild.
Das schönste Bild, das mir wohl sei,
dem aller Zauber gilt!"

Die Königin vor Neid erblasst,
den Spiegel schlägt entzwei.
Weil deren Wort ihr nicht gepasst,
gleich einer Lüge sei.

Von nun an ist das Kind verhasst,
sie denkt an dessen Tod.
Er müsst´ gelingen, dass er passt,
beende ihre Not.

So buhlt sie um den Jäger schon,
damit er ihr gedenkt
und ihr zu ihrem Liebeslohn,
nun seine Hilfe schenkt.

„Schneewittchen führ´ zum Wald hinein,
zerschneid den zarten Leib.
Bring Lunge mir und Leber fein,
von diesem jungen Weib!“

Der Jäger tat was sie befahl,
führt´s Kind in dunklen Wald.
In seiner Hand des Messers Stahl.
dem all sein Denken galt.

Und als er schon zur Tat bereit,
doch sein Gewissen spricht:
„Schneewittchen, dir geschieht kein Leid,
es trotzig, aus ihm bricht.

Doch bleib im Wald, versteck dich hier
und sei stets auf der Hut,
gar boshaft ist manch Mensch, manch Tier
in seinem Hass, der Wut!"

Später erlegt er auf der Pirsch,
mit neu erlangtem Herz,
wohl einen stattlich großen Hirsch,
der endet nun im Schmerz.

Der Jäger schneidet ihn frisch auf,
nimmt Lunge, Leber gleich
und kehrt zurück im Dauerlauf,
heim in das Königreich.

Die Königin, die Gaben sieht,
nun ist sie hocherfreut,
Ihr Hass, dem leichten Skrupel flieht,
die Schönste, sie erneut!

Der Koch brät, was Jäger bracht´,
der Königin zu essen.
So scheint ihr schändlich umgebracht,
Schneewittchen fast vergessen.

Schneewittchen irrt im Wald herum,
der Mond wirft fahl sein Licht.
Des Nachts, ist es im Wald nie stumm,
doch Angst, die hat sie nicht.

Und als das Kind ganz müde war,
die wunderschöne Maid,
da sieht ein kleines Haus, sie klar,
fast schon zur Morgenzeit.

Gar zierlich ist das Haus bestellt,
sie schaut sich lächelnd um.
Die Küche ist vom Licht erhellt,
aus Stein der Wasserkumm.

Der kleine Tisch ist schon gedeckt,
mit Tellern siebenmal,
auch Löffel, Messer aufgesteckt,
gar sieben an der Zahl.

Auch sieben Becher stehen hier
und sind noch nicht benutzt.
In sieben Krügen, schäumt das Bier,
die sind ganz blankgeputzt.

Im Schlafraum, sieben Bettchen hold,
mit weißen Daunenpfuhl.
Die Nachttöpfchen aus purem Gold,
die stehen unterm Stuhl.

Und da Schneewittchen müde nun,
legt sie sich auf ein Bett.
Ein süßer Traum lässt sie bald ruh´n,
die Welt ist manchmal nett.

Am Abend stehen sieben Zwerge,
mit staunend Äugelein,
die gruben sonst das Erz im Berge,
vor ihren Bettelein.

„Ach schaut, was für ein schönes Kind,
der Kleinste ist voll Zauber.
Die hält uns wie der Frühlingswind,
das Häuschen, rein und sauber!"

Schneewittchen aus dem Schlaf erwacht,
hat sich nun sehr erschrocken,
schaut auf die Zwerge, die zur Nacht,
hier stehen und frohlocken.

Man redet laut im Zwergenhaus,
dann darf das Mädchen bleiben.
Schon brät sie, süße Puffer aus
und tut Kartoffeln reiben.

„Doch hüte dich Schneewittchen gar.
Die Stiefmutter wird kommen,"
sagt ihr Zwerg "Knuff", der Hoffnung rar,
dem Schicksal zu entkommen.

Die Königin sich bestens fühlt,
ihr Spieglein ist geflickt
und als die Nacht, sich endlich kühlt,
sie ihm nach Antwort schickt!

„Sag Spieglein mir, ganz ohne Schand´,
sag es mir stets von Neu.
Wer ist die schönste Frau im Land,
der ach dein Bild erfreu?"

Das Spieglein räuspert sich ganz leis´,
mit einem kurzen Beben.
„Ich sage Euch, das was ich weiß,
doch bitte, lasst mich leben!

„Ihr seid im Reich, die Schönste hier,
doch das Schneewittchen in den Bergen,
ist schöner, tausendmal als Ihr,
das Heimat fand bei sieben Zwergen!"

Die Königin, die keift und brüllt,
lässt sich den Jäger bringen.
Der ist ins Nachtgewand gehüllt,
als Schwerter ihn durchdringen.

Die Königin ersinnt nun List,
Schneewittchen zu ermorden.
Sie die nie aufgibt, wie ihr wisst,
zur Gifthexe geworden.

Beträufelt einen Kamm dergleich,
Schneewittchen, ihn zu bringen.
Verlässt das kleine Königreich,
damit es mag gelingen.

Geschminkt ist sie, als alte Frau,
mir Falten und Geschwüren
Schneewittchen kennt sie ganz genau,
lässt sich nur so verführen.

So klopft sie an das Zwergenhaus,
Schneewittchen ist am bügeln.
Schaut gleich zur Türe wohl heraus,
an Neugier nicht zu zügeln.

„Ach Kindchen dieser Kamm aus Horn,
macht schöner dir die Haare,
steck an den Schopf, ihn gleich da vorn,
da zeigt er Pracht, gar Wahre.

Gib mir ach, einen Heller nur,
dann soll er dir gehören.
Dann kannst du göttlich von Natur,
wohl Jedermann betören!"

Schneewittchen kauft, der Handel gut!
Sie wankt zurück zur Küche,
der Kamm, er sticht mit giftig Glut,
setzt ab Schwefelgerüche.

Schneewittchen nun in Ohnmacht fällt,
schon sinkt sie auf den Boden.
Ist das ihr Abschied von der Welt,
Beginn von Traueroden?

Zur Nacht kommen die Zwerge heim,
sie sehen mit Entsetzen,
im Munde hat Schneewittchen Schleim,
der tat sich gerad´ zersetzen.

Auch findet man den Kamm aus Horn,
den gilt es zu entfernen.
Nun noch zwei Schlückchen Doppelkorn,
der hilft, wie wir hier lernen.

Da wacht Schneewittchen aus dem Schlaf,
der sie fast überrollte.
Der diese Schöne, lieb und brav,
ins Jenseits bringen sollte!

Nun lacht sie wieder und ist froh
und kocht gleich beste Speisen.
Um Dankbarkeit und Freude so,
den Zwergen zu beweisen.

Die Königin die kichert still,
stolz steht sie in der Kammer,
weil sie das Spieglein fragen will,
im Bild aus Katzenjammer.

„Ach Spieglein , Spieglein an der Wand,
nun sag mir nach Bekunden.
Wer ist die schönste Frau im Land,
die man hier vorgefunden?"

Der Spiegel schüttelt schier sein Glas,
dass es ein wenig scheppert,
dann, wie man aus dem Buche las,
spricht er wahrlich zerdeppert:

„Die Schönste seid Ihr, hier im Reich,
doch bei den sieben Zwergen,
tut tausendmale, es Euch gleich,
Schneewittchen in den Bergen!"

Die Königin, sie kreischt und weint,
ob dieser klaren Worte.
Auch wenn das Ende hier nun scheint,
hat Gift sie von der Sorte.

Die Wirkung zeigt, wohl mit Verlaub,
der Mord kann noch gelingen.
Nun will sie um des Lebens Raub,
ihr einen Apfel bringen.

Den sie mit List, hat präpariert,
dass er ein Ende deutet.
Damit das Leben rasch verliert,
im Friedhofsklang schon läutet.

Und wieder schleicht die Königin,
schnurstracks zum Zwergenhaus.
Nur eines hat sie noch im Sinn,
lockt schon das Mädchen raus.

Als alte Frau, sehr gut getarnt,
spricht sie Schneewittchen an:
„Vor Fremden Kind, seist du gewarnt,
die schleichen durch den Tann!

Ich bin nur eine alte Frau,
bring Äpfel auf dem Markt.
So schöne Äpfel, seht genau,
das Ihr daran erstarkt!"

„Nein, das Schneewittchen will kein Obst,
von dieser guten Tante.
Ach Mütterchen, auch wenn du tobst,
wie eine mir Verwandte!

So nehm´ ich nichts, was mir gereicht,
man hat es mir verboten.
Stefmuttern um das Haus mir schleicht,
den Tod in ihren Pfoten!"

„Ach Kind, nun sieht den Apfel hier,
der hat so rote Bäckchen.
Der ist gesund, so glaube mir.
Hab´ viele noch im Päckchen!"

Schneidet den einen gleich entzwei
und isst schon mit Behagen.
„Für dich nun diese Hälfte sei,
du hast dich gut betragen."

Nun lenkt Schneewittchen sinnend ein
und labt sich am Gereichten.
Es schwindet ihr der Sonnenschein,
im Taumel all des Leichten.

Schon sinkt er nieder, wirrer Tod,
Schneewittchen nun zu fassen.
Am Himmel blüht das Abendrot,
will´s Trauern nicht verpassen.

Die Königin sich sicher ist,
Schneewittchen ist gestorben.
Am Ziel ist sie mit Hinterlist,
so neidvoll und verdorben.

Als sieben Zwerge finden sie,
da scheint nichts mehr zu machen.
Nun sind die traurig, wie noch nie
und können nicht mehr lachen.

Sie weinen eine lange Nacht,
in weher Totenklage.
Schon wird Schneewittchen eingebracht
in einem Glasbausarge.

Da liegt es nun, Schneewittchen, ach
manch Träne längst vergossen.
Die Zwerge fühlen sich ganz schwach,
einer war sehr verschossen.

Die Königin den Spiegel putzt,
der sich im Ekel weidet.
Er fühlt sich nur noch ausgenutzt,
er, der seit Wochen leidet.

„Ach, Spieglein, Spieglein, sage mir,
man hat mich lang verkannt!
Wer ist die schönste Frau, die Zier
in diesem, unsrem Land?"

„Das seid doch Ihr, Frau Königin,
die schönste hier ihm Land!“
Dann war der Spiegel gänzlich hin
und fiel gleich von der Wand.

Die Königin wähnt sich am Ziel,
hat alles nun erreicht.
Am Ende war es nur ein Spiel,
dass sie nicht hat erweicht.

Die Zwerge tragen nun den Sarg,
zur Grabesstätte schon.
Es ist ein dunkler, feuchter Tag,
der Nebel bringt als Lohn.

Die Last ist schwer, die Herzen auch,
nie wird der Kummer enden.
Da bricht ein Reiter aus dem Rauch,
der Sarg fällt aus den Händen.

Der Sturz ist heftig und sehr hart,
Schneewittchen, fällt recht träge.
Zwerg "Gomlin" klemmt sich seinen Bart,
ob dieser Hammerschläge.

„Nun schaut, das Kind, es schnappt nach Luft,
hat Apfelbrei erbrochen!"
Der Nebel birgt nun neuen Duft,
der Tod, er scheint zerbrochen.

Der Reiter, der den Sturz gebracht,
hebt auf das schöne Mädchen.
Bringt sie wohl heim, wo Liebe wacht,
gleich in sein Heimatstädtchen.

Dort ist er stolzer Königssohn,
nimmt sie sogleich zur Braute.
Besteigt alsbald den Königsthron,
unter der blauen Raute.

Und als das große Hochzeitsfest,
wo Tausend sind versammelt
Die Stiefmutter verlässt das Nest,
ihr Schloss hat sie verrammelt.

Sie macht sich rasch zu Hochzeit hin,
ihr Kutscher rast von hinnen.
So ist sie, uns´re Königin,
noch immer ohne Sinnen.

Und als Schneewittchen, sie erblickt,
da trifft sie großes Grausen,
ein Schrei, sie in den Himmel schickt,
der wird zum zornig Sausen.

Der Königssohn, sie schon begrüßt:
„Nun sollt Ihr für uns tanzen,
Dies tanzen werde Euch versüßt,
durch feurig, heiße Wanzen.

Das sind Pantoffeln, stahlgemacht
und rot in ihrem Glühen.
So tanzt Ihr für uns heute Nacht,
mit eifrigem Bemühen!"

So ist es und so hat sie Not.
und nichts ist mehr in Butter.
Sie tanzt vor Qual, bis sie ist tot,
der Braut, gar garstig Mutter.

Der Rest aber , lebt wirklich froh
und lässt es gut sich gehen.
Ich hoffe Euch geht’s ebenso,
man wird sich wiedersehen!

© Hansjürgen Katzer, Februar 2012
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