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Gedichte über Kinderfeiern - Seite 8


Der gestiefelte Kater

(Frei nach den Grimm Brothers)

Der Müller Beck, war alt und grau,
mahlt Korn an jedem Morgen.
Drei Söhne schenkte ihm die Frau,
dann starb sie voller Sorgen.

Der Müller nie sehr viel besaß,
außer der alten Mühle.
Ein Kater, der die Mäuse fraß,
meist in der Abendkühle.

Auch einen Esel, gab es wohl,
der war zum Lasten tragen.
Der fraß am liebsten Blumenkohl
und ließ sich wenig sagen.

Als auch der alte Müller ging,
zum Herrgott, um zu sterben.
Die Söhne, kurz nur Trauer fing,
dann galt es was zu erben.

Er älteste, die Mühle kriegt,
mit Glanz, in frohen Augen.
Des zweiten Gück, dem nicht obliegt,
der Esel mag kaum taugen!

Der Jüngste, aber übt Verriss,
ob seines Vaters Lohne.
Der Kater ist dann wohl Beschiss
und schmeckt ihm wie Zitrone.

„Dem gerbe ich das Katzenfell,
werd´ Handschuh mir draus machen!“
So klingt nun grauslich sein Appell,
man hört ihn schaurig lachen.

Dem Kater friert nun Mark und Bein.
„Halt ein, hört man ihn sprechen,
ich will Euch treu und dienlich sein,
und pures Glück Euch brechen!"

„So brauch´ ich ein paar Stiefel nur,
dann wird auch mich, man achten.
Dann führ´, das Glück ich auf die Spur,
das Ihr sollt´ nie mehr schmachten!"

Der Jüngste zählt das Geld zuletzt,
die Taler, die ihm blieben.
Kauft Kater rote Stiefel jetzt,
mit Mäusespeck berieben.

Der Kater stiefelt stolz daher,
dass was er einst versprochen,
das hält er ein, vergisst nie mehr,
kein Wort, wird je gebrochen.

Ein König lebt zu dieser Zeit,
der liebt es oft zu jagen.
Kein Rebhuhn zeigt sich weit und breit,
für jenes Herrschers Magen.

Die Vöglein waren alle scheu,
die taten sich verstecken.
Das war dem Kater nicht ganz neu,
die pickten gern an Hecken.

Er sann auf List, füllt einen Sack,
mit Korn, der schlaue Kater,
das lockt herbei, das scheue Pack,
mit tönendem Theater.

Manch Vöglein in den Sack nun geht,
um einmal satt zu fressen.
Der Kater etwas Abseits steht,
um Mäusewurst zu essen.

Und als der Sack, ganz voll und schwer,
er schnell ihn schließt und bindet.
Macht nun ganz stolz, auf großer Herr,
der sich ganz prima findet!

Schmeißt gleich den Sack zur Schulter auf
und läuft jetzt auf zwei Beinen,
als Kater Miez, im Dauerlauf,
geschmeidig möcht´ man meinen.

„Mein Graf schickt mich gar mit Verlaub,
um Kostbarstes zu bringen,"
wirft sich am Thron gleich in den Staub,
um dienlicher zu klingen.

Der König, will die Hühner gleich,
sich froh zum Mahle nehmen.
Beschenkt den Kater, gut und reich,
der braucht sich nicht bequemen.

Der eilt zu seinem Herren nun,
um ihm das Geld zu schenken,
das er mit großer List und Huhn,
sich reichlich tat erdenken.

„Hör spricht, der Kater halte ein,
gleich morgen musst du baden,
Im See, im warmen Sonnenschein,
das wird dir nicht groß schaden!"

Vom Koch hatte der Miez gehört,
der König führ´ spazieren,
mit seiner Tochter, die betört,
es liebte zu prahlieren.

Und als der Müllersohn im See,
sich gibt als kühner Schwimmer.
Hält an der Kater, mit Ohweh,
den König, welch Gewimmer!

„Mein Graf, mein Herr zum Bade ging,
nun hat man ihn bestohlen,
nahm Kleid und Hos´ und was hier hing,
der Teufel, soll sie holen!"

„Mein Graf ist nackt und kommt nicht raus,
wird wohl den Tod erleiden.
So kann mein Herr doch nicht nach Haus,
das muss man wohl vermeiden!"

Der König seinen Diener schickt,
nach Kleidern nun zu reiten,
die Tochter, in den See wohl spickt,
welch schöner Herr, bei Zeiten.

Der Kater aber jagt hinfort,
mit schnellen, flinken Schritten.
An einen ihm bekannten Ort,
um hier die Leut´ zu bitten.

Die standen auf der Wiese Grund,
die groß, wie keine Zweite,
die machten Heu seit frühster Stund´.
wohl in des Mittags Weite.

Die Wiese war des Hexers Reich,
was auch die Leute wussten.
Der Kater drohte ihnen gleich,
so das sie lügen mussten.

„Hört Leute, wenn der König fragt,
wem´s hier gehört, dann sagt ihr brav,
das euch niemals der Hunger nagt
und der Besitzer, sei der Graf!"

Und weiter nun der Kater rennt,
zu einem großen Roggenfeld.
Wo Sonne gar so garstig brennt,
gar hoch am blauen Himmelszelt.

Das Feld, das ist des Hexers Reich
und hundert Leute ernten Korn.
Der Kater droht ihnen sogleich,
so das sie reden Lügenhorn.

„Hört Leute, wenn der König fragt,
wem´s Feld gehört, dann sagt ihr brav,
das euch niemals die Not auch plagt
und der Besitzer, sei der Graf!"

Schon weiter läuft er nun geschwind,
der Kater, den die Stiefel tragen.
Der eilt dahin, im Abendwind,
sehnt manche Maus sich für den Magen.

Bleibt nun am dunk´len Walde steh´n,
wo hundert Leute Eichen sägen,
die nun wohl hin zum Tischler geh´n
und sich in Tisch und Stuhl dort prägen.

Der Wald, das ist des Hexers Reich
und hundert Leute schwitzen gern.
Der Kater droht ihnen sogleich,
zu lügen nun für seinen Herrn.

„Hört Leute, wenn der König fragt,
wem Wald gehört, dann sagt ihr brav,
das niemals ihr zu klagen wagt
und der Besitzer, sei der Graf!"

Und weiter treibt der Kater an,
besucht den Hexer nun im Schloß.
Das war sehr wohl ein alter Mann,
der den Besuch gleich sehr genoß.

„Ich hörte das Ihr zaubern sollt´,
spricht listig gleich der Kater.
So macht aus Asche etwas Gold
und Silber, alter Vater.

Ach, besser noch ein Elefant,
in den Ihr Euch verwandelt.
Das ist das größte Tier im Land,
jetzt zaubert schon und handelt!"

Der Hexer ist belustigt nun,
ob jenes Kater´s Worte,
die schändlich auf der Ehre ruh´n
ihm kränklichst nun an Sorte.

Schon sprich er leis den Zauber wild
und wird zum Rüsseltiere,
dem Kater nun der Schrecken gilt,
der streckt der Beine viere.

„So zauber mir ein kleines Ding,
ich bin ganz aus dem Häuschen.
Vielleicht nur einen Schmetterling,
vielleicht ein weißes Mäuschen!"

So murmelt Hexer wieder leis,
mit unbekannten Worten.
Und bumm, ein Mäuschen, wahrlich weiss,
wie feinste Sahnetorten.

Der Kater, aber flink und frei,
erhascht es, um zu fressen,
den Hexer, der dies Mäuschen sei.
Den kann man nun vergessen!

Der Kater sich das Bäuchlein reibt,
mit köstlichem Behagen,
das Leben schon Geschichten schreibt,
die kann man nicht beklagen.

Der König mit dem Müllersohn,
der frisch nun angekleidet,
und den ins Herz geschlossen schon,
die Tochter wohl beneidet.

Der fragt wem all´ das Land gehört,
durch das sie nun wohl fahren,
das groß ist und das ihn betört,
wie wenig ihn in Jahren.

So sagen alle Leute brav,
da ihnen Kater drohte:
„Dies Land Herr König, ist dem Graf,
der Kater, ist sein Bote!"

So wurd der Müller, König bald ,
nahm´s Töchterchen zur Braute,
Der seine ganzen Liebe galt,
die Süsse, die hieß Traute.

Der Kater, der bekam ein Amt,
Minister hoch zu Ehren.
So war´n sie alle glücklich samt,
das darf man nie verwehren!

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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Die Bremer Stadtmusikanten

(frei nach den Grimm Brothers)

Ein Esel ging auf Wanderschaft,
weil Nachts der Mond ihm deute,
das ihn sein Herr mit Leidenschaft,
das graue Fell bald häute.

Gar viele Jahre trug er still,
des Herren Korn in Säcken.
Da Esel noch nicht sterben will,
muss er sich nun verstecken.

Iaah, so klingt sein traurig Lied,
dass er bekümmert singet.
Sein Sinnen in die Ferne zieht,
das ihm ein Glück noch bringet.

Am Abend traf er auf den Hund,
der bellte gottergeben,
die Pfoten wohl vom Laufen wund
und hungrig noch nach Leben.

Der diente einst dem Jägersmann,
fand jede Spur und Fährte,
auch wenn er leider dann und wann,
die Beute selbst begehrte.

So jagte ihn der Jäger fort,
mit Schimpf´ und großer Schande.
Verbannte ihn von Heim und Ort,
in unbekannte Lande.

Die Welt allein ist gar nicht schlecht,
mag uns manch Kummer nehmen.
Sprach so der Esel: Ist dir´s recht,
so komm mit mir nach Bremen!

Gar friedlich sah in dieser Nacht,
die Beiden man nun träumen,
der Mond beschien die zwei ganz sacht,
wohl unter alten Bäumen.

Am nächsten Tag im Morgengrau
hört man ein musizieren:
Iaah - wauwau - iaah - wauwau,
so klingt ihr Stimmvibrieren.

Im nächsten Dorf ein Kater weilt,
trug Beulen auf dem Schopfe.
Der war ´ner Witwe gerad´ enteilt,
die schlug ihm auf den Kopfe.

Nun hockt er da, der Mausetod,
der manche Maus vernaschte,
blickt müde in das Sonnenrot,
wo er nach Motten haschte.

Doch die sind schnell und viel zu schlau
und fliegen bald von dannen.
Der Kater maunzt: Miau - miau,
sehnt sich nach Speck aus Pfannen.

Komm mit du altes Graugesicht,
bewegt die flinken Tatzen.
Hier hält dich nichts, du schwarzer Wicht.
wo deine Krallen kratzen.

Komm mit uns in das große Glück,
das wenige nur kennen.
Was hält dich Kater noch zurück?
Woll´n Musikant uns nennen.

Und so schloss sich der Kater an,
ging mit auf große Reise.
Des Nachts schlief man im dunk´len Tann,
der Esel schnarchte leise.

Dann kam der nächste Morgen schon,
die drei in Freud´ erwachten,
da traf sie ungemach ein Ton,
dass sie sich Sorgen machten.

So helft mir aus der Suppe nur,
die Dienstmagd ist im Wahne.
die will mich schlachten, ist da stur,
entfährt´s dem alten Hahne.

Der Esel lacht, der Jagdhund jault,
schweigt still, nichts wird passieren.
Der Kater sich das Fell noch krault:
Kannst prima musizieren!

Dein Kikriki hat noch gefehlt
jetzt sind wir sehr begehrlich.
Die grauen Stunden sind gezählt
und hier wird´s bald gefährlich.

Komm mit uns Hahn, die Zeit ist reif
du sollst dich nicht mehr grämen,
nun komm schon mit, sei nicht so steif,
denn unser Ziel heißt Bremen.

Und in der dritten Nacht da sah,
der Hund ein warmes Feuer.
Ein Räuberhaus, was dort geschah,
war ihnen nicht geheuer.

Der Räubertisch war reich gedeckt,
mit vielen guten Sachen.
Die hätten ihnen gut geschmeckt
und würden satt sie machen.

Und so berieten sich die vier,
die Räuber zu verjagen.
Zu essen Brot, zu trinken Bier,
für Seele, Leib und Magen.

Der Esel vor dem Fenster schon,
den Hund auf seinem Rücken.
Der Kater springt mit etwas Hohn,
auf Hund mit viel Entzücken.

Zu guter Letzt der Hahn nun fliegt,
dem Kater auf den Nacken.
Ob nun der Freunde Plan obsiegt,
die Räuber nun zu packen.

Iaah - iaah - wauwau - miau
kikiriki ihr Bösen!
So rufen sie durchs Nächtegrau.
Wir werden euch erlösen.

Nun müsst ihr sterben, Räuberpack,
nun geht´s euch an den Kragen.
Iaah - miau - wauwau im Sack,
wir werden euch erschlagen.

Die Räuber floh´n ob des Geschrei,
in aller Windeseile,
als ob´s der Klang des Teufels sei,
der sich im Schrecken teile.

Die Freunde aber lachten nur,
und speisten nun als Gäste.
Zusammen heißt ihr Treueschwur.
so schaffen wir das Beste!

Und weil es ihnen gut gefiel,
beschlossen sie zu bleiben.
Sie wähnten sich an ihrem Ziel
um Müßiggang zu treiben.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann hört man sie noch heute.
Mit Kikrikri - iaaah im Wind
wauwau - miau, als Beute.

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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Rotkäppchen und der Wolf

(Frei nach den Grimm Brothers)

Adele aß die Mittagshäppchen,
stets auf und war ein braves Kind.
So kaufte Mutter ihr ein Käppchen,
so schön und rot, wie Rosen sind.

Dies trug Adele auf dem Kopf
und freute sich darüber sehr.
Es wärmte ihr den blonden Schopf,
auch machte es an Chic, was her!

Die Großmutter, die war oft kränklich,
die hatte Rheuma meist und Gicht,
die lag im Bett und fand das schändlich,
trug oft ein mürrisches Gesicht.

Dann musst´ Adele sie besuchen,
weil die Verwandtschaft, so was tut!
Sie brachte Oma meistens Kuchen,
der war bekömmlich, frisch und gut.

Auch gab es meist ein Fläschchen Weine,
im Körbchen, süß und lang gereift.
Die Oma trank im Kerzenscheine,
aus Gläsern, die stets quergestreift.

Seit jenem Mützenkauf, dem Schnäppchen,
wo man dies rote Etwas fand,
hieß die Adele nur “Rotkäppchen“
und war bekannt in Stadt und Land.

Zur Pfingstzeit, wo sich alle laben,
an guten Sachen nun derweil,
sollt´ auch die Oma etwas haben,
der schmerzte gerad´ das Hinterteil.

So ward Rotkäppchen losgeschicket,
zu bringen ihr das Beste nur.
Kuchen und Schnaps, der sie erquicket,
zudem noch Salbe und Tinktur.

„Hab acht und bleibe auf den Spuren,
die dich zu Omis Hütte führ´n,"
hört man die gute Mutter murren,
die scheint ein Unheil zu verspür´n.

Rotkäppchen macht sich auf die Reise,
die mehr als eine Stunde währt.
Im Walde sang gar froh die Meise,
die hier im Frühjahr oft verkehrt.

So lief die Kleine ohne Sorgen,
bis plötzlich eine Stimme sprach:
„Ich wünsche einen guten Morgen,
der Wolf nun aus dem Dickicht brach.

Wohin des Weges, junges Mädchen,
was tragt ihr denn im Korbe dort?
Schon weit entfernt seid ihr vom Städtchen,
dies ist kein angenehmer Ort!"

Rotkäppchen denkt welch freundlich Wesen
und klagt dem Wolf ihr kindlich Leid.
„Die Oma, sei noch nicht genesen,
der Ischias, er bräuchte Zeit!

So würde sie ihr Gutes bringen,
zu Pfingsten, das voll Festlichkeit.
An Speis´ und Trank würd´ das gelingen,
auch nähme sie sich etwas Zeit!“

Der Wolf mit listigem Bedenken,
sucht Worte für das zarte Gör´.
„Du kannst ihr doch noch etwas schenken,"
das Kind leiht ihm sogleich Gehör.

„Pflück ihr doch noch ein Blumensträußchen,
du liebes Kind, das rat´ ich dir,
dann ist sie sicher aus dem Häuschen,
wenn du ihr bringst die bunte Zier.

So macht Rotkäppchen sich auf Suche,
nach Natterkopf, Vergissmeinnicht,
pflückt Kugelginster an der Buche
und Hahnenfuß im hellen Licht.

Bald ist ein schöner Strauß gebunden,
aus vielen bunten Blümelein,
die das Rotkäppchen noch gefunden.
Das wird Großmutter Freude sein!

Ihr kommt der Jäger in die Quere,
den grüßt sie kurz und eilt dahin,
Das Laufen bringt gewisse Schwere,
der Rückweg kommt ihr in den Sinn.

Doch weiter geht es nun zur alten
und guten Frau, die wartet schon!
Man sieht das Kind, am Weg sich halten,
das Haus winkt bald als rechter Lohn.

Schon klopft Rotkäppchen an die Türe.
ein lautes Stimmchen ruft: „Herein!"
Der Omas Zimmer mit Bordüre,
im fahlen Licht und Dämmerschein.

Hier ruht der Wolf in Omis Bette,
er fraß die alte Dame auf.
Nun trägt er´s Nachtgewand, das nette
der alten Lady, gar zuhauf.

„Oma, was hast du große Ohren.“
„Damit ich dich gut hören kann!“
„Und deine Augen, ganz verworrren.“
„Um dich zu sehen, dann und wann!“

Rotkäppchen schluckt, ist dies das Ende,
ist das die Oma, die sie kennt?
Mit Fell bewachsen ihre Hände,
die sie sonst nicht ihr Eigen nennt!

„Oma, gar groß erscheint dein Rachen,
auch sind drei Zähne nicht geputzt.
Das solltest du gleich nachher machen,
damit es dir noch lange nutzt!“

„Red´ keinen Mist, du dummes Kindchen,“
der Wolf springt auf, frisst auch das Kind.
Rülpst ein, zweimal und lässt ein Windchen,
weil alle Wölfe böse sind.

Dann legt er sich ins Bett ermattet,
von jener großen Völlerei,
von einem Baldachin beschattet,
denn es ist heiß im Monat Mai.

Kurz drauf schnarcht er aus allen Rohren,
was nun der alte Jäger hört.
Gut klingt das nicht in seinen Ohren,
der von der Alten, gar betört.

So schaut er nach der Herzensdame,
erblickt den Wolf in ihrem Bett.
„Warum in aller Herrgott´s Name,
wirkt der, so fröhlich und kokett?"

Gerad´ will er Isegrim erschießen,
da fällt sein Blick auch dessen Bauch.
Der schien die Oma zu genießen,
das Rotkäppchen wahrscheinlich auch.

Vielleicht sind beide noch am Leben,
die Isegrim voll Lust verschlang,
sein Bauch rumort, scheint sich zu heben,
aus dem auch leises Flüstern klang.

Der Jäger schneidet mit dem Messer,
den Wolfswanst auf, um reinzuseh´n.
Er rührt sich kaum der große Fresser,
scheint einem Träumchen nachzugeh´n

Bald purzeln Oma und Rotkäppchen,
geschwinde auf den Teppich doch,
der Jager sagt nur: „ Dotterdäppchen!“
Schaut finster auf des Bauches Loch.

Rotkäppchen hat sich schon gefangen,
füllt schon mit Steinen, das Gedärm.
Kaum hat sie damit angefangen,
schnarcht Isegrim eneut mit Lärm.

Bald ist der Bauch mit Stein befüllet,
die Oma näht zu, mit Genuss.
„Wach auf," der Jager, wütend brüllet,
dann hallt ein krachend, lauter Schuss.

Der Wolf springt auf und bricht zusammen,
kurz drauf, da ist er mausetot.
Nun scheint der Himmel voller Flammen,
die Nacht bricht bald durch´s Abendrot.

So ist der letzte Wolf Geschichte,
der mit des Sprechens Kunst vertraut.
Betrachtet man´s bei rechtem Lichte,
ist die Moral total versaut.

Rotkäppchen, aber lässt das Käppchen
und trägt seitdem des Jägers Hut,
auch dieser ist ein wahres Schnäppchen
und steht ihr doch noch mal so gut!

- Ende -

© Hansjürgen Katzer, Februar 2012
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Tischlein deck dich

(Frei nach den Grimm Brothers)

Ein Mann der hatte einst drei Söhne,
die tranken einer Ziege Milch,
zu füttern sie, gab´s oft Gestöhne,
die Ziege war ein rechter Knilch.

Der Älteste führt sie zum grasen,
an´s Kirchenspiel, wo Rauke stand,
Hier gab es reichlich Kraut und Rasen,
was uns´re Ziege lecker fand.

Und als er fragt, ob diese satt,
schon führt nach Hause er nun diese,
da meckert die: „Ich mag kein Blatt!"
Drauf sperrt er sie in die Remise.

Und als der Vater, gottvergessen,
zu ihr am Abend nochmal spricht;
„Ach Ziege, reich gab es zu fressen!"
Das Tier meckernd die Stille bricht.

„Ach sag wovon soll' ich denn satt sein?
sprang nur durch tiefe Gräbelein.
Sag kann man davon wirklich satt sein,
ich fand kein einzig´ Blättelein!"

Da flippt der Alte völlig aus,
ergreift die Knute nun vom Nagel,
jagt seinen Sohn zum Haus hinaus,
reibt ab ihn mit der Peitsche Hagel.

So, das er fleucht, das Weite sucht,
der Vater noch in tobend Grimmen,
den Sohn gar bitterlich verflucht,
wie konnte er ihn so verstimmen?

Am nächsten Tag, der gleiche Gang
der zweite Sohn treibt nun die Ziege,
behende und am Friedhof lang,
damit sie wohl das Beste kriege.

Und als er fragt, ob die Ziege satt,
schon führt nach Hause, er sie froh,
da meckert die: „Ich mag kein Blatt!"
Er sperrt sie ein, nun wohl im Stroh.

Und als der Vater pflichtversessen,
zu ihr am Abend launig spricht;
„Ach Zicklein reich hast du gefressen!"
Das Tier wieder in Meckern bricht.

„Sag wovon soll ich denn nun satt sein?
Sprang nur durch tiefe Bächelein.
Sag kann man davon wirklich satt sein,
ich fand kein einzig´ Blättelein!"

Der Alte greift erneut zum Stock,
hebt ihn nun an mit heulend Schwingen.
Prügelt den Sohn im Morgenrock,
das mag ihm Tracht und Schmerzen bringen.

Der zweite Sohn verlässt das Haus´.
mit Wut und unter reichlichTränen.
Der Alte stampft zur Stube raus,
um in der Kammer sich zu grämen.

Am nächsten Tage, noch einmal Spiel,
der Jüngste hütet nun das Zicklein.
Er führt zum Pfarrhof, es ans Ziel,
wo Kräuter wachsen hell im Lichtschein.

Und als er fragt ob die Ziege satt,
sie fraß der Kräutern gar so viele,
da meckert die: „Ich mag kein Blatt!"
So sperrt er sie nun auf die Diele.

Und als der Vater unterdessen,
zu ihr am Abend wieder spricht;
„Ach Tier, gar reich gab es zu fressen!"
Die Ziege gleich das Schweigen bricht.

„Sag wovon soll ich denn wohl satt sein?
Sprang nur durch knorrig Ästelein.
Sag kann man davon wirklich satt sein,
ich fand kein einzig´ Blättelein!"

Da greift zum Gürtel, der Alte im Wahn
und schwingt ihn mit tösendem Lärmen.
Dem Sohne zu zeigen, das er nichts getan
und ihm nun den Rücken zu wärmen.

So flüchtet nun auch der jüngste Sohn
und sucht seinen Weg in die Welt.
Die Ziege, die meckert im freudigen Ton,
was selbst dem Vater missfällt.

Nun treibt er die Ziege selbst zur Pfarrei,
damit sie nun Futter wohl findet.
Der Pfarrgarten blüht so bunt jetzt im Mai,
wo er, sie ans Gartentor bindet.

Und als er fragt ob die Ziege satt,
sie fraß von den Blumen gleich neune,
da meckert die: „Ich mag kein Blatt!"
So sperrt er sie ein in die Scheune.

Und als der Vater nachdem er gegessen,
zu ihr am Abend dann spricht;
„Ach Ziege so viel hast du heute gefressen!"
das Tier das Schweigen bricht.

„Sag mir wovon soll' ich denn wohl satt sein?
Sprang nur durch bunte Blümelein.
Sag kann man davon wirklich satt sein,
ich fand kein einzig´ Blättelein!"

Dies hört der Alte mit wachsendem Schauer,
was hat er den Söhnen im Zorn angedacht.
Die Ziege lag wohl mit dem Teufel auf Lauer,
und hatte den Alten zum Narren gemacht.

Er scherrt ihr das Fell und gerbt ihr das Leder,
die Ziege die schreit im Schmerz dieser Tracht,
So rennt gleich herbei, aus dem Dorfe ein Jeder
und schaut was der Alte schon wieder gemacht.

Der lebt nun in Trauer, die Ziege vertrieben,
dazu alle Söhne, von Hofe verjagt.
Nichts ist ihm vom seinem Leben geblieben,
so hockt er nun da, der sich bitter beklagt.

Wie ging es den Söhnen, die fanden Behagen,
in Handwerk und Arbeit, in Heimat und Stadt.
Die würden sich gerne mit ihn wohl vertragen,
der sie ohne Not, vertrieben einst hat.

Der älteste Sohn, der stattliche Heiner,
der war gar stets fleißig, an jeglichem Tag.
Der ging in die Lehre zu einem Schreiner,
weil Holzbearbeitung und tischlern ihm lag.

Und als die Lehre, wohl war bald zu Ende,
bekam er als Lohn, einen einzigen Tisch.
Der war ihm gedacht als edele Spende,
der war gar alt, schon nicht mehr ganz frisch.

Doch lag auf dem Tisch ein glücklicher Zauber,
denn wenn man nur Tischlein deck dich sprach,
stand bald das Essen, fein und sauber,
das seine Fläche, beinah´ brach.

Dann gab es nur die besten Speisen,
gab´s Kotelett, ja und Schweinebauch.
Und um es sich wohl zu beweisen,
von Nouvelle Cuisine, gar einen Hauch.

Auch Wein und Bier stand da im Becher
und manche gute Schinkenwurst.
So strafte Hunger keinen Zecher,
der sich betrank mit großem Durst.

Den Tisch wollt´ er zum Vater tragen,
der ihn dereinst so schändlich schalt.
Nun konnte man sich wohl vertragen,
nun da der Vater auch schon alt.

Zur Nacht kehrt er ins Gasthaus ein,
zu schlafen selig hier im Pfuhle.
Zu essen wagte hier kein Schwein,
im Bett sinkt er in tiefe Kuhle.

So sprach er: „Tischlein deck dich nun,"
lud ein, sie all´ des Wirtes Gäste.
Die griffen zu, wie´s Leute tun,
wenn´s gibt umsonst das Allerbeste!

So ward geschmaust, die halbe Nacht
und manches kühle Bier getrunken.
Des Tisches Mahl, war eine Pracht,
das hat dem Wirt ganz schön gestunken.

Wie gern er diesen Tisch doch hätt´,
sagt sich der Wirt und denkt an Tausch.
Die Gäste gingen bald zu Bett,
wohl manchen träfe schon der Rausch.

Und als der gute Heiner schlief,
da tauscht er aus, sein altes Tischchen,
kurz drauf´, er hoch zum Herrgott rief,
zu beten noch ein kleines bisschen.

Der Heiner merkt vom Tausche nichts,
es drängt ihn eilig nun nach Hause.
So wandert er dem angesichts,
drei tagelang, fast ohne Pause.

Am dritten Tag sieht er beglückt,
das Heim, wo er dereinst geboren,
der Vater ihn mit Freuden drückt,
den Sohn, den er schon fast verloren.

Und Abends dann zur Essenszeit,
soll sich das Tischlein wieder decken,
Mit guter, alter Herzlichkeit,
doch nichts geht heute ums verrecken.

Der Paul, der war der zweite Sohn,
den einst, der Vater jagte fort.
Der fand beim Müller Brot und Lohn,
galt bald als stärkster Mann im Ort.

Und als die Lehrzeit war vorbei,
gab´s einen Esel zum Geschenk.
Das dieser wirklich kostbar sei,
sagt ihm der Müller zum Gedenk´.

Denn Paul, ach sagst du: „Bricklebrit,
so fällt das Gold aus ihm heraus.
Für wahr, das ist ein großer Hit,
so lebst du nun in Saus und Braus´!"

Jetzt will auch Paul nach Hause nun,
die Heimat er schon lang vermisst.
Der Vater mag wohl Buße tun,
wenn er die alte Zeit vergisst.

Der Goldesel versöhnt im Streit,
mit Reichtum nun, gar ohne Sorgen.
So wandert er voll Fröhlichkeit,
vergnügt und heiter durch den Morgen.

Am Abend kommt zum Gasthaus er,
wo damals auch der Bruder war.
Der Esel trägt der Lasten schwer,
der müd´ und vollbeladen war.

Paul führt ihn schon zum Stall hinein,
dann ruft er: „Bricklebrit!"
Zehn Taler sollen Zahlung sein,
die nimmt er auch gleich mit.

Der Wirt sah dieses, denkt hurra,
schon wieder nur an Tausch,
verwickelt Paul mit viel Trara,
in einen langen Plausch.

Schenkt ein ihm Bier und noch mal Bier,
bis Paul gar doppelt sieht,
den Mond ganz hell, so um halb vier
und dann zu Bette zieht.

Das Grautier tauscht der Wirt nun aus,
mit arger Hinterlist.
Den Paul treibt´s geradwegs nach Haus´,
das er so lang vermisst.

Und als der Paul beweisen will,
das Grautier Taler bringt.
Da bleibt der Esel stur und still,
kein einzig´ Taler klingt.

Der Hans, der Jüngste froh und munter,
des Alten Lieblingssohn für wahr,
der kam bei einem Drechsler unter
und lernte drechseln Jahr um Jahr.

Und als die Zeit gekommen schien,
das er nun diesem nicht mehr diene,
ließ ihn der Meister weiterzieh´n
mit klagend schwerer Trauermiene.

Er gab ihm einen Sack zur Hand,
und drinnen lag ein Stock.
„Der hilft dir weiter mit Verstand
und prügelt manchen Rock.

Will gar an´s Leder dir ein Dieb,
sprich Knüppel aus dem Sack,
der Stock, ihm gleich den Rücken rieb
und prügelt alles Pack!"

So dankt der Hans, dann eilt er schon,
nach Hause heißt sein Ziel,
trägt auf dem Rücken Sack und Lohn.
Das Leben scheint ein Spiel!

Als er des Nachts beim Wirtshaus schellt,
wo gern der Wirt stets tauscht,
der alte Hund, des Wirtes bellt,
weil selig der berauscht.

Und weil der gar betrunken ist,
erzählt er manchen Schnack
Auch Tisch und Esel nicht vergisst,
schon schielt er nach dem Sack.

Der Hans hört zu mit spitzem Ohr.
„Dich krieg ich schon, denkt er.
Die Gierigkeit, die dich erkor,
die lieb ich gar so sehr!"

Und als der Hans nun schlafen geht,
den Sack wohl bei dem Kopf,
der Wirt alsbald im Zimmer steht,
der arme, alte Tropf.

Schon springt der Knüppel aus dem Sack,
schlägt wild und willig drein.
Bald läuft von Schopf ihm blutend Lack,
das soll ihm Mahnung sein.

„Gibst du mir Tisch und Esel raus,
so hat der Knüppel Ruh´.
Dann hält er ein, wir geh´n nach Haus,
sonst schlägt er weiter zu!"

So zieht der Hans am nächsten Tag
mit Esel, Sack und Tisch
und angelt weil er gerne mag,
sich fröhlich einen Fisch.

Und als er vor dem Hause steht,
dort wo der Vater wohnt.
Er gleich in dessen Stube geht,
den Vater reich belohnt.

Und auch die Brüder sind noch da,
empfangen gutes Wort.
Man lacht ob des was so geschah,
an ach so manchem Ort.

Zu essen gab es reichlich nun,
auch Geld war immer da.
der Knüppel konnt´ im Sacke ruh´n,
bis er ´nen Räuber sah.

Die Ziege aber unterdess´,
ward nimmer mehr geschaut,
manch Nacht, da meckert sie noch kess,
das selbst dem Teufel graut.

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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