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Gedichte über Humor - Seite 4


Lothar und Klara

Klara hat einen Fahrrad-Fimmel.
Den muß man ihr auch lassen.
Sie radelt gern bei klarem Himmel
und genauso gern im Nassen.

Neulich hat sie es übertrieben:
da sprang die Kette von den Zähnen.
Vom Fahrwind ist nicht viel geblieben.
Sie fiel, sollte man noch erwähnen.

Und wie sie fiel...Dem Rad voraus -
zum Glück mit guten Haltungsnoten.
Die Arme sahen schon wüst aus,
von all den Schrammen: blauen, roten.

Dann war auch noch ein Fuß verstaucht.
Den mußte Lothar abends kühlen.
So wird er denn auch mal gebraucht,
um nachher noch Geschirr zu spülen.

Ein Mann, ein Wort. Macht er doch gern.
Sie wird sich sicher revanchieren.
Alsbald kann er sie schnarchen hör'n
und schließt mucksleise alle Türen.

Am andern Morgen steht ihr Rad,
im Keller dicht neben dem seinen.
Und Lothar denkt sich: wär doch schad´,
wenn wir die beiden nicht vereinen.

Gedacht, gemacht. Er holt die Säge,
den Schweissbrenner, und legt dann los.
Da ist zwar manches noch im Wege.
Voran! Sein Ehrgeiz ist ja groß.

Nun wird gesägt und viel geschraubt,
dass Blech und Rohre mächtig rappeln.
Erst wenn´s im Keller richtig staubt,
kann später auch nix lose zappeln.

*

Drei Tage später steht vor´m Haus,
ein ziemlich anderes Gefährt.
Klara sieht nicht begeistert aus.
Doch hat sie sich auch nicht beschwert.

Ihr Fuß ist heil. Die Schrammen weg.
Ihr Lächeln macht sich langsam auch.
Und nach dem ersten, kurzen Schreck,
beklopft sie Lothar's flachen Bauch.

> Woll'n wir?, < fragt sie und steigt vorn auf -
den Sattel etwas richtend.
Er schwingt sich also hintendrauf
und mahnt noch, ihren Fimmel schlichtend:

> Schön langsam. Mach mal halb so wild.
Man will ja noch´n bisschen leben. <
Doch wo kein Stopp, da auch kein Schild.
Sie will gleich tüchtig Zunder geben.

Ein wenig schwant ihm garnichts Gutes.
Doch schließlich geht es flott voran.
Das Tandem hält - und frohen Mutes,
strampeln sie im Winde dann.

Am Ortsrand: endlich freie Bahn
und nirgends Kreuz - und Querverkehr.
Wie fliegen - fast. Der helle Wahn!
Nur Klaras´ Lachen hinterher!


© Ralph Bruse
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Zu wohl ist auch nur wohl

Ihm ist zu wohl an manchen Tagen,
was andere wohl nicht verstehn.
Warum sollte er drüber klagen,
wenn sie ihn dauernd lächelnd sehn?

Zuviele grummeln, zetern, neiden;
stehn scheinbar gern in langer Schlange,
an Schalter, Kassen, oder beiden
und meist gewollt auch ziemlich lange.

Da steht auch Hans und summt für sich
ein federleichtes Sommerlied.
Die Dame, vor ihm, mag das nicht.
Wörtlich: > Sie gehn mir auf´s Gemüt! <

Er fragt sie, ob er ihr nachher,
den Einkauf heimwärts tragen soll?
Da hat sie keine Antwort mehr,
aber von ihm die Nase voll.

So geht's die liebelangen Tage...
Er lächelt tapfer vor sich hin:
summt selig, grüßt; ist keinem Plage.
Nur: irgendwie macht´s keinen Sinn...

...Bis er dann schrieb ein Kleingedicht,
ohne großartig nachzudenken:
in einer Bar, bei schwachem Licht,
um es dann wieder herzuschenken...

...Zu tauschen - denn sein Portmonee
war dünn und, wie gehabt, oft leer.
> Ein Blatt, ein Bier. Der Deal, okay?, <
brummte der nette Wirt leger.

So fand Hans endlich einen Freund,
der ihn zudem vollstens verstand.
Der packt sein Werk; bot ihm ´nen Joint
und brach ihm fast die hagre Hand.

> Ein Dichter, Leute!, < rief er aus
und wedelte vergnügt das Blättchen.
Hans weiß dann nur noch...Der hieß Klaus.
Zu arg dröhnte das Zigarettchen.

*

Am andern Tag erwacht er froh
und leicht verschwitzt an weichen Brüsten.
Die schöne Fremde lächelt so,
als wenn sie alles von sich wüssten.

Sie winkt ihm später noch im Gehen.
Hans schaut ihr lange hinterher.
Ihn schüttelt´s heftig, nur vom Sehen
und wohlig kneift´s auch vom Rever.


(c) Ralph Bruse
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