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Gedichte über die Erkenntnis - Seite 619




Eins plus Eins

(Kein Ideal ist dem andern gleich...)

Da vermutet unser geschulter Geist
Der sich logisch zumeist beweist
Das sich Eins und Eins summieren lassen
Wenn wir gedanklich sie mit Hirn erfassen

Als gleich, als Masse, als Exemplar
Stimmen wir, das ist ganz klar
Dieser Theorie natürlich in Gänze zu
Doch passt er wirklich, dieser Schuh?

Abstrakt ist unser Zentimeter
Misst er genau zehn Millimeter
Beim Gramm ist es doch zumindest ähnlich
Das Kilo zeugt den Faktor tausend nämlich

Zeit gemessen in Minuten und Sekunden
Lässt sich zählen durch des Zeigers Runden
Doch deucht mir, dass da was nicht stimmt
Wenn man die Zeit so nacheinander sinnt

Gibt es doch gute Zeiten, schlechte Zeiten
Und um das begrifflich etwas aufzuweiten
Zeit lässt sich nur begrenzt verschieben
Ganz klar, Umkehr ist uns hintertrieben

Als Mensch ist man vom Maß gefangen
Von Sekunde, Kilo und Meter hintergangen
Addieren lässt sich so nur was gleich
Absolutes macht die Grenzen weich

So werden aus dem einen Apfel zwei
Etwas Witz ist natürlich auch dabei
Das Wurmloch ist perfekt getarnt
Der Wurm vom Hirn mit eingegarnt

Reicht Ähnlichkeit ... uns schon aus
Gleich gibts ... nicht in unsrem Haus
Genau Nichts ... gibts in unsrer Welt
Um das ... absolute Einigkeit bestellt

Wir hoffen auf diverse Konstruktionen
Mathematisch physikalische Illusionen
Darauf, dass schneller Fortschritt löst
Was Zurzeit verspannt, ja, was verdöst

Wir lauschen auf die innere Stimme
Auf dass die nach rechtem Wege sinne
Wir feilen an Technik, mehren Wissen
Wollen kaum mehr Wohlstand missen

Wir potenzieren, abstrahieren
Nähern uns an und iterieren
Geist, Verstand und Glaube
Das Zeichen eine weiße Taube

Trachten danach zu kommunizieren
Wollen den Gleichstand wohl zitieren
Doch die Röhren scheinen verschlossen
Durch Potentialunterschied verdrossen

Gemeinsam sind wir ... nicht allein
Es muss jeder ... für sich selber sein
Nicht zwei sind ... einander gleich
Licht nicht ... Dunkel unser Reich

Sacht, mit viel Gefühl verloren
Dichterisch noch unvergoren
Zur Theorie des Eins und Eins ein Nein!
Ein Quellgebiet der unseren Pein

© Auris cAeli
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Auf der Suche

Der Mensch an sich recht glücklich ist
solange er noch nichts vermisst.
Fehlt aber etwas, just und hier
wird unser Menschlein gar zum Tier.

Man muss für Hilfe sofort sorgen,
jetzt und sofort, und nicht erst morgen.
So greift der Mensch, man ahnt es schon,
zum heiß geliebten Telefon.

Doch halt, so nicht, da fehlt die Nummer!
Und das ist unsres Menschen Kummer.
Dass etwas fehlt ist eins der Dinge,
und meist gibt es zwei Kümmerlinge.

Man braucht jemanden der das hat
was diesem Menschen fehlt, jetzt grad.
Man braucht – und das ist kein Geheimnis:
Ein Firmen-, Branchen-, Sachverzeichnis.

„Da war doch mal, wo ist es nur?“
Das Menschlein sucht in einer Tour.
Erst neulich hat er es gesehen
jungfräulich in der Ecke stehen.

So wie ein Heftchen war´s gebunden
das Buch für Firmen und für Kunden.
Doch nun, so scheint’s, ging es verloren.
Das Menschlein hat schon rote Ohren.

Jetzt schimpft es schon auf alle Welt
die dieses Buch da weggestellt.
Auf Buben bös, die in der Nacht
das Buch ganz heimlich weggebracht.

Auf Hinz, auf Meier und auf Schmitt,
die nahmen es besuchend mit.
Dann wäre da noch seine Frau.
Die war’s, das weiß er ganz genau!

Die hat beim Putzen dieses Buch
mit ihrem nassen Scheuertuch
bestimmt hier vom Regal gefetzt!
Und unser Menschlein schaut zuletzt
auf jenes Bord. Was steht da? Klar:
Das Buch ist da wo’s immer war!

Kurz denkt der Mensch: Entschuldigung.
Das war’s auch schon an Huldigung.
Das Buch jedoch, bewahrt als Schatz,
hat ab sofort ’nen andren Platz.

Was dies bedeutet für den, der’s sucht,
das wissen wir, wenn der dann flucht.
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