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Gedichte über Einsamkeit - Seite 285


Düsteres Schicksals eines "Sonnyboys"

-Fiktion -

Er hatte immer einen flotten
Spruch auf den Lippen.
Ein verschmitztes Lächeln
umspielte seine Lippen,
kräuselte seine Augenfältchen.
Bei Wind und Wetter
verrichtete er Gartenarbeit,
hielt am Zaun mit Passanten
gern ein Schwätzchen,
ließ seinen Charme spielen.
Sein Repertoire an Witzen
schien unerschöpflich zu sein.
Für jeden hatte er den
passenden parat, freute sich,
wenn er Leute erheiterte,
sie zum Lachen brachte.
Er demonstrierte ihnen
mit seinem sonnigen Gemüt,
eine Seelenruhe, die auf sie
emotional abfärbte.
Für die Nöte der anderen
hatte er ein offenes Ohr,
verstand es, dank seiner
Feinfühligkeit Traurige
zu trösten, Verzagte zu ermutigen,
Aufgebrachte zu beruhigen….

Zuhause verlor er sich in
seiner Einsamkeit, die ihm
auf der Seele lastete,
ihm das Herz schwermachte.
Von seiner Seelennot
ließ er nicht das Geringste
nach außen dringen.
Für Außenstehende wollte er
weiterhin der „Sonnyboy“,
wie sie ihn liebevoll nannten,
sein und auch bleiben.

Er war es leid, diese Rolle
spielen zu müssen,
hinter der sein wahres
Ich getarnt war,
sich nicht zeigen durfte,
immer mehr verkümmerte,
bis die Freude am Leben
aus ihm heraussickerte,
wie bei einer
leckgeschlagenen Batterie.

Schienensuizid

Eines Abends trank er sich Mut an.
Im Schutz der Dunkelheit
wankte er zu den Eisenbahngleisen.
Als der ICE heranrauschte, ließ er sich
vornüber ins Gleisbett fallen.

Noch Tage später fand man
zwischen den Schienen
Teile seiner zerfetzten Turnschuhe,
Versinnbildlichung seines bis zur
Unkenntlichkeit verstümmelten Körpers.
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Leben

Leben



Sternenlose Nacht
sie hat mich gepackt
Am Fenster im 8. Stock
die Straßenlaternen flackern
Ein Schrei weit entfernt, klingt so nah
Ein knurren ein Hecheln, ein Heulen...

Undurchdringliche Nebelschwaden
ziehen an meinen Blick vorbei
riesige Häuserflächen sind verschwunden
schemenhafte Gestalten, sie kommen
und sie gehen, einige schauen zu mir
haben mich gesehen, blieben alle stehen

Der volle Mond mich nicht beschützt
Sie schweben auf mich zu und schreien
ich kann sie nicht verstehen
es werden immer...immer mehr
flackerndes, blaues Licht!
Heulende, winselnde Töne überall

Knarrende, trampelnde Geräusche
hinter mir, viele noch dunklere Gestalten
tragen fratzenähnliche Masken
sie grinsen mich unentwegt an
Eine neue Gestalt, ganz in weiß
engelsgleich - Sie redet mit mir

Meine Angst bleibt steh'n
zerrt nicht mehr an mir herum
Diese Stimme verzaubert mich
"Karl! Bitte tue das nicht!" "Bitte nicht!"
Ich breite meine Arme zur Ihr aus
sie greift sanft zu, nimmt mich in Ihre Arme

Diesen Duft, kenne ihn irgendwo her...
Der Nebelschleier weicht von meinen
Augen, Tränen klar und rein
salzig wie das Leben, entrinnen mir
Rosanne! "Was machst Du hier"
fragte ich verzweifelt froh!

Oh Karl! verabredet waren wir
nur wir zwei diesesmal
niemand anderes dabei
Zwei Stunden hab' ich gewartet
bist nicht ans Telefon gegangen....
Bin losgefahren, hatte Angst um Dich
das Dir etwas passiert ist

Jetzt fällt's mir ein, das Klingeln
eine Stunde vor unserem Date
es ging mir durch Mark und Bein
zerstörte mein Sein
Dieses Klingeln kenne ich schon lange
Bevor ich Dich kennenlernte
immer wieder diese Absagen!
"Können wir das verschieben
auf ein anderes mal"

Doch bei Dir war alles anders
habe gespürt, was Du für mich empfindest
Was ich fühle, wenn ich Dich sehe
Ich konnte nicht dran gehen
wollte die Absage nicht hören!
Alles war plötzlich so sinnlos
Rosanne, liebste Rosanne...
Schaue auf das Handy, "Mutter"
stand im Anrufregister
alles brach aus mir raus

Die dunklen Gestalten, Polizisten
sie gingen alle langsam und leise hinaus
Dein weißer Mantel, wie Mondlicht...
...halte es jetzt nicht mehr aus
Schau in Deine kastanienbraunen Augen
zieh' Dich ganz nah an mich heran

Dieser Kuss, so sehr von mir erhofft
wurde alles, was ich bisher nicht kannte
Die Zeit schaute uns zu
blieb im Zimmer stehn!
Zwei Menschen vereint, fast verloren
zwei Liebende wurden neugeboren...





Jwu 68
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