Helle schweigende Nächte

Ein Gedicht von Max Vödisch
Nächte, weiß wie stilles Tuch.
Sie halten mich im Traumversuch,
wo Briefe ruhen, tief versteckt,
und Schatten flüstern, unentdeckt.

Ein Kind der Wege, früh entfacht,
vom Hunger groß, in dunkler Nacht,
von Sehnsucht, die nach Stärke schreit,
ein Feuer, das im Innern bleibt.

Ein wilder Fluss, so tief, so schwer,
ein Spiegel, der mich sieht – nicht mehr.
Ein Funken, der im Dunkel steht
und mit der Zeit nach vorne geht.

Ich sah die Menschen Hand in Hand,
doch blieb ich fremd in ihrem Land.
Zu hastig liebte ich, zu schnell –
die Nächte brannten viel zu hell.

Die Zukunft flüstert kalt und sacht,
ein Raubtier, das in Ketten wacht.
Das Gestern nagt an meinem Sein,
zerstört den Morgen, Stein um Stein.

Doch in dem Riss, den Schmerz hinterlässt,
verharrt ein Schweigen, das sich fest
dem Lärm der Angst entgegenstellt,
wie Tau, der auf ein welkes Blatt fällt.

Doch Schönheit, die ich kaum erkannt,
steht plötzlich leuchtend, unverbrannt.
Sie sagt mir leise, was ich bin:
ein Herz aus Sturm, ein neuer Sinn.

Ein Echo, das mich wiederfindet,
ein Atemzug, der neu beginnt.
Ich sehe mich klar, ich wachse zu –
und finde Frieden: Ich bin du.

Informationen zum Gedicht: Helle schweigende Nächte

9 mal gelesen
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24.01.2026
Das Gedicht darf unter Angabe des Autoren (Max Vödisch) für private Zwecke frei verwendet werden. Hier kommerzielle Anfrage stellen.
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