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Gedichte zur Beziehung - Seite 88


Familienglück

Die besten Menschen auf der Welt,
mit reinen, edlen Herzen,
unbezahlbar, mit allem Geld,
leiden die größten Schmerzen.

Was stark schlägt, das wird geschlagen,
Schärfstes Schwert das falsche Wort,
wieviel kann ein Mensch ertragen,
bis es ist ein wahrer Mord.

Das Leben, das man lebt und liebt,
in Harmonie und Frieden,
das Glück, das sehr viel schwerer wiegt,
es soll für immer siegen.

Doch kenne deinen schlimmsten Feind,
Hochmut, Neid und auch den Zorn,
und den, der alles oft vereint,
in dir selber ist ein Dorn.

Wer lacht ehrlicher vor Freude,
Eltern ihrer Kinder froh,
oder ist sie gleich die Freude,
das Kind das freut sich ebenso.

Wer weint leidvoller vor Trauer,
Eltern ihrer Kinder ob,
oder ist sie gleich die Trauer,
das Kind das trauert ebenso.

Niemand ist sich überlegen,
Kind und Eltern sind doch eins,
gibt kein deins, und auch kein meins.
Leben wir nicht ihretwegen?

In dieser Liebe liegt der Sinn,
im Leben, das wir führen.
Familie ist ein Gewinn,
das lässt sich immer spüren.

Von der Wärme an der Wiege,
den ersten Schritten im Haus,
an den vielen kleinen Dingen,
die machen es richtig aus.

Durch Niederlagen und Siege,
trotz Leben im Saus und Braus,
bis einer kalt im Sarg liege,
und über den Tod hinaus.

Wer kann das zugrunde richten?
Nur man selbst, man glaubt es kaum.
Der blanke Neid war mitnichten,
worauf unsre Ahnen bau'n.

Kann doch der Hochmut vernichten,
was lang wurde aufgebaut.
Übler Zorn lässt sich schlecht schlichten,
Todesstoß dem Ahnenbaum!

Missverständnis oft der Funken,
Unverständnis das Benzin,
Wut macht den Verstand betrunken,
spüren kurz Adrenalin.

Das Niveau, das ist gesunken,
lässt das Schlimmste in uns zieh'n,
Worte reißen tiefe Wunden,
In Seelen die es nicht verdien'.

Wo Liebe ist, da ist auch Hass,
wer nie gehasst, hat nie geliebt,
hat nicht das Herz am rechten Platz,
weiß auch nicht, wie im geschieht.

Denn liebst du wie ein Mensch so liebt,
so hat's dich auch getroffen,
und mehr als einmal unverdient,
ein andres Herz gebrochen!

Das war, das ist, das wird auch sein,
in allen Zeiten immer:
Auf Regen folgt der Sonnenschein,
vergiss das nie und nimmer.

Doch eine Regel gibt es schon,
für eine gute Zukunft:
Respekt ist Pflicht und auch der Lohn,
mehr brauchst du nicht dazu tun,

Respekt ist was am besten ist,
der Schlüssel zur Erlösung.
Findet den besten Kompromiss,
und gilt für klein und groß und,

wenn du glaubst an gute Geister,
oder an den lieben Gott,
große Philosophenmeister,
fürchtest nicht den Scham und Spott,

kämpfst für eine gute Sache,
und die deinen ebenso,
töte deine Lust auf Rache,
lebe dafür lichterloh!

Lebt in Wonne, lebt in Frieden,
Herz an Herz und Hand in Hand.
Blick zur Sonne, lern zu fliegen,
schleif dich wie ein Diamant!

Kämpf für eine bessere Welt,
im kleinen und im großen,
für alles unterm Himmelszelt,
den allgemeinen Frohsinn.

Vergiss nicht die Vergangenheit,
Geschichte und die Ahnen,
und lenk, die Gegenwärtigkeit,
in diese guten Bahnen.

Sprich jetzt nur noch eine Sprache,
von jetzt an jedem Orte:
liebe, lebe und viel lache,
bis hin zum letzten Worte!






- Michail Walerijewitsch Kokorev
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Nachtbus ohne Ziel

Markus ist wieder unterwegs,
die Nacht ist groß, der Rucksack schwer.
Die Mails vom Amt – er öffnet keine,
sie drücken nur, sie helfen nicht mehr.

Er will nicht bitten, nicht betrügen,
kein Antrag, der ihn bindet hier.
Lieber gehen mit leeren Taschen
als ein Leben ohne Tür.

Der letzte Job – ein Rad, ein Auftrag,
ein müder Bildschirm, müder Blick.
Ein „Danke“ noch, das nichts bedeutet,
ein Schritt nach vorn, zwei Schritt zurück.

Doch einen Satz trägt er noch bei sich,
als wär er Pflicht, nicht nur Gefühl:
„Wenn du Iris triffst, sag ihr bitte,
sie soll Nachsicht haben – mehr verlang ich nicht.“

Iris und er – sie blieben stehen
an einer Brücke, S-Bahn-Gleis.
Sie dachten, Wege könnten sich ändern,
wenn man nur weit genug verreist.

Gedanken wurden irgendwann zu Schritten,
nur Freiheit stand nie mit am Rand.
Man geht, um nicht mehr dort zu bleiben –
und lässt sich selbst zurück im Land.

Er sagt die Sätze längst gelernt,
kein Zittern mehr, kein Übermaß.
Im Kopf schon dort, wo keiner fragt,
wo niemand nach dem Gestern fasst.

„Wenn du Iris triffst“, sagt er leise,
sag ihr dies – mehr habe ich nicht:
Ich trage nur, was ich noch habe.
Der Rest gehört mir längst schon nicht.“

Die Stadt ist laut, sie frisst die Nächte,
Nachtbus, Zimmer, Zwischenzeit.
Matratzen, die nach Fremden riechen,
Fenster voller Einsamkeit.

Ein Aufkleber am Laternenmast,
sein Name, halb schon abgekratzt.
Was bleibt, sind Wege ohne Richtung,
und keiner, der dich wirklich fasst.

Mach die Tür zu. Licht aus. Schluss.
Markus kommt heut Nacht nicht heim.
Du kannst warten, bis es hell wird –
doch er passt nicht mehr hinein.

Du kannst warten, bis du sicher weißt,
dass Warten keinen Sinn mehr gibt:
Markus ist nicht fortgegangen.
Er ist nur nicht mehr darin.
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