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Gedichte zur Beziehung - Seite 35


Androgyn

Androgyn

„Was bin ich?
Mann oder Frau?
Ich werd aus Dir nicht schlau.
Schufte wie ein Pferd,
auf dem Bau,
meinen Augen ich kaum trau,
bin ich nun Mann oder Frau?“

Lässt mich all die Dinge tun,
die ein Mann zu machen hat,
um die Familie zu ernähren,
den sozialen Status zu gewähren,
der Dir doch so wichtig ist,
Dich gerne an den Anderen misst,
dabei stets Neid in Deinen Augen ist.

Du meinst, Dein Leben ist so trist,
weil Du aus dem Osten bist.
Du hast es dadurch so schwer...
Dein Leben schwarz wie Teer.
Andere hatten eben Glück,
sie haben geerbt ein Haus am Stück,
Eltern gesegnet Kinder mit Gaben,
gesichert die Zukunft haben.





Oberflächlich gebe ich Dir Recht,
dafür sind sie der Eltern Knecht.
Brauchen uns nicht zu bedanken,
nur für die Kredite bei den Banken.

Ich komme von der Arbeit heim,
einkaufen,
Kind versorgen,
spielen,
Wäsche waschen,
sauber machen,
und dann,
Abendessen kochen nebenan.

Danach gehe ich ins Büro.
Arbeite an den Sachen,
bis in die Nacht,
die Dinge ranzuschaffen,
die Du, Dir so wünschst,
ich glaube,
Du spinnst.

Um das ganze abzurunden
habe ich den Sport gefunden.
Dreimal in der Woche
in das Fitnessstudio,
dazwischen im Büro.




Meinen Körper stärken,
die ganze Last tragen,
um nicht zu versagen.
Drei Runden Kurse,
in die Sauna mit letzter Kraft,
ausgepowert die Emotionen,
falle ich in der Nacht,
neben Dir ins Ehebett.
Das findest Du sehr nett.

Nach der Arbeit musst Du ruhen,
vorm Fernseher mit Hausschuhen.
Kannst Dich nicht verbrennen,
...hinter Gelt herrennen.

Nach der Arbeit treiben lassen,
voll und ganz auf mich verlassen.
Verträge unterschreibst Du blind,
weil es, anscheinend nur meine sind.

„Bist Du für all das blind?
Denkst Du nicht daran,
dass die Blase irgendwann,
mal platzen kann?“

Spürst meine Kraft nicht schwinden?
Wie ich Kämpfe mit den Winden?
Keine Nacht mehr schlafen kann?
Ich fühle mich, wie ein Mann!


Bist Du als Frau nicht privilegiert,
dass Dein Mann Dich nicht regiert?
Kannst alle Sachen machen.
Es lassen richtig krachen.

Solange Du hast Deine Ruhe,
fragst nicht nach meinem Getue.
Welcher Mann macht das schon.
Ich tanz Dir auf der Nase rum,
dass nimmst Du mir nicht krumm.

„Hast Du mir nicht zugehört,
dass mich Dein Verhalten stört?
Kannst mir nicht ein bisschen helfen,
so wie im Märchen die Elfen,
die den Rücken heimlich stärken,
ohne, dass es Andere merken?“

Dazu hast Du keine Lust.
Es mache Deinem Chefe Frust,
dass Kollegen tun es mit Lust,
nach der Arbeit weiterwirken,
Pflanzen für Andere Birken,
sind dann an der Arbeit müde,
ruhen sich auf der Arbeit aus,
danach schmeißt der Chef sie raus.

Die Gespräche machen mich müde,
...immer nur eine Plattitüde.


Du möchtest von der Arbeit kommen,
Dich in unserem Erfolg Sonnen.
Dein Bierchen trinken ab um acht,
dann ins Bett fallen ganz sacht.

Morgens stehst Du fein auf,
setzt Dich an den gedeckten Tisch,
Wie „Tischlein deck Dich.“
Woher es kommt,
interessiert Dich nicht.
Lässt mich überall im Stich.

„Mutter,
was soll ich nur machen,
mein Mann lässt es nicht krachen.
Wir sind doch noch so jung,
müssen für das Alter vorsorgen.
Das Geld abzahlen,
was wir uns borgen,
bei den Banken mit Sorgen.

Ich schaff´s nicht mehr allein,
Das wird unsere Ehe entzweien.
Wir sind schon so lange,
den Weg gegangen,
bekamen unser geliebtes Kind,
ich will es nicht aufgeben
wie andere geschwind.



Sich einen Ersatz besorgen,
denken nicht an morgen,
Leben in den Tag hinein,
sind am Ende, dann allein.“

„Liebe Tochter,
beschwer Dich nicht.
Schau Dir andere Männer an,
die sind kein Gedicht.

Sind schlecht zu ihren Kindern,
schlagen ihre Frauen, saufen, Huren,
Party machen...
All das macht Dein Mann nicht,
die Ehe man nicht bricht.

Mir ging´s genau wie Dir,
schau unsere Ehe an,
wir haben es geschafft,
auch Dein Vater niemals rafft,
dass ich mich kaputt gemacht.

Mein Herz ist heut krank,
das ist der Dank.
Trotzdem bin ich weiter,
mit Deinem Vater heiter.“





„Bruder,
ich brauche einen Rat.
Was soll ich nur machen...?

Schwester,
Du nahmst Dir einen dummen Mann,
Du musst begreifen,
der das tun muss,
der im Kopf, hat nicht nur Humus.

Das Geschlecht ist heut egal.
Die Schwarzer hat ein Buch geschrieben...
Es steht bei Mutter im Regal,
dort ist es auch geblieben.“

Was soll ich nur tun?
Mein Körper wird immer schwächer.
Ich trau´s mir nicht zu sagen.
Bin noch jung, in diesen Tagen.

Okay, dann werd ich weiter machen,
die ganzen Sachen mir aufbürden,
die ein Mann tun sollte in Würden,
die Familie stark zu machen.

Okay, ich lass es alleine krachen.
Mutter hat es auch geschafft,
die ist zwar heute schwach,
weil sie sich hat verbrannt,
deshalb ist ihr Herz, so krank.
Wer ist hier der Dumme,
in der ganzen Summe?
Die Antwort habe ich bekommen,
darin kann ich mich nicht sonnen.

Der kluge Mensch lebt länger,
ist gesund,
wenn sich Andere für ihn,
den Rücken wund geschund.

Verantwortung anderen überlässt,
seine Seele, hängt ins Geäst,
wie ein Fähnchen im Winde dreht,
weil´s einfach leichter geht.

Dem Winde auszusetzen,
hinter dem Gelde, her zu hetzen.
Das ist anstrengend und schwer,
„Mann“ segelt lieber auf dem Meer.
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Mephisto

Mephisto

Nicht als Pudel,
kamst Du in mein Leben.
Wollte auch nach Weisheit streben.

Faust´s Mephisto* war mir begegnet,
ein Pudel** nicht gesegnet.
Verkleidet in fremder Gestalt,
die Bosheit und Gewalt.

Die Intelligenz hatte es mir angetan.
Mit rosa Brille, wie im Tran,
hab die Pudelmütze nicht gesehen,
die mich hätte warnen müssen,
vor dem weiteren Geschehen.

Die Pudelmütze im Gepäck,
gut versteckt, hatte die Gabe,
alle Dinge zu erfahren,
die den Menschen fehlt,
um sich unbeseelt,
in die Lücken einzubringen,
die richtigen Lieder,
zum richtigen Zeitpunkt,
singen.

Vom scheinbar, göttlichen Gesang,
war ich total befangen.

Endlich,
jetzt kann ich mit jemand reden
der versteht mein ganzes Leben.
Weiß was ich gern esse,
verwöhnt mich,
Ihn nicht mehr verlasse,
meinen Ehemann,
...stattdessen hasse.

Groß gewachsen, grüne Augen, Anzug, mit schwarzen Schuhen.
So einen Mann wollte ich,
ganz geschäftstüchtig
und väterlich.

Schutz hat er mir dargeboten,
vor allem vor dem,
was „normal“ verboten.
Meine Neugierde geweckt,
was noch alles in ihm steckt.

Ja, er hat mich gewarnt,
vor sich und seinem Leben.
Er nie ein Zuhause hatte,
drei Frauen vor mir,
konnten es Ihm, nicht geben.

Das wollte ich gern mit Ihm Leben.
Wollte unbedingt beweisen,
dass jeder Mensch Fehler hat,
so wie ich die mache, Tag für Tag.
Oft dafür gesteinigt wurde,
wenn was schief ging,
war ich schlecht,
ging es gut,
lediglich der Knecht.

Ich meinte,
wir sind aus gleichem Holz,
so froh Ihn endlich,
...endlich gefunden zu haben.

Mein Leben mit Ihm teilen,
alte Wunden gemeinsam heilen.
Die Welt,
nach unserem Sinn gestalten.
Egal was andere davon halten.

Allein war ich im Geist,
so lange vor ihm,
dachte ich,
verliebte mich unsterblich
dadurch nur in Dich.

Als Frau mich,
selbst wieder zu spüren.
Dazu konnte er mich verführen.
Komplimente nicht mit Worten,
an verschiedenen Orten.

Er hat mir gezeigt,
ist mir geneigt,
alles zu erreichen,
gemeinsam, stellen die Weichen.

Egal was passiert,
wir gehören zu den Reichen,
die das Leben nun beschenkt.
Keinen von uns beiden,
jemals wieder einschränkt.

Wir sind so gleich,
in Vielem, dachte ich.
Seine Mütze im Gepäck,
nahm ich wahr,
zu blind zu erkennen die Gefahr,
Die indes Gleichnis** Bildes steckt.

Warum sind die anderen Frauen,
immer von Ihm abgehauen?
Konnten sie Ihm nicht trauen?
Warum liebt er Lieder und Texte
die so gewaltvoll und gemein?

Naiv,
nahm ich entgegen,
seine Hand.
Sprang ab mit seiner Hilfe,
aus dem Alltags Trott.
Verzeihen kann ich Ihm heut,
auch dem lieben Gott.
Es war meine Entscheidung,
dahin ließ ich mich entführen.
Gesehen nicht die Verkleidung,
die mich normalerweise irritiert.

Zu spät hab ich erkannt,
mein altes Leben selbst zerstört,
ich bin einfach nur gerannt.
Nach dem Strohhalm greifen,
der mir geboten wurde.
Mein Alter Ego abstreifen,
vor die Füße legen,
wie mein ganzes Leben.

Endlich fühlte ich mich frei,
zu kurz war die Träumerei.
Die schwarze Mütze
nahm er schnell heraus.
Es war ein Graus.

Die Wahrheit so schnell erkennen,
konnte nicht mehr wegrennen.
Der Packt war geschlossen.
Mit Blut besiegelt und vergossen.

Danach die Tränen.
Es half nicht´s.
Brachte Ihn, nur, zum Gähnen.

* Faust I, Johann Wolfgang von Goethe
**Faust I: „Das also war des Pudels Kern!“
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