Sortieren nach:

Gedichte über das Alleinsein - Seite 4


Spaziergang

und wieder dreh ich meine Runden
alleine in der Natur, hab mich gefunden
wann nur mag meine Seele gesunden?
zahlreich, tief sind ihre Wunden...

über Feldwege und durch dichte Wälder
meide Teerstraßen, große Menschenfelder
will niemanden jetzt um mich haben
die nur wieder die Ursachen erfragen
was dazu führte, zu all diesen Narben

mit den Jahren bin ich mir längst im Klaren
das menschliche Versagen schuld waren
Reue und Buße machen nicht ungeschehen
was über Kinderseelen ließ man ergehen

und noch heute gibt es dafür Fürsprecher
Prügelstrafe und Demütigung wären ok!
die Kindeserziehung gestattet Verbrecher
hilflos, wehrlos ... Unrecht tut jedem weh!

wieso wurden und werden Täter resozialisiert?
ihre Taten bequem als Krankheit kategorisiert!
Opfer mit "Wird schon wieder!" abserviert...
keinen kümmert, was aus ihnen später wird
was geschehen ist, ist "leider" mal passiert!
lieber werden Täter zu Opfern umdeklariert

was hat sie nur zu ihren Taten verleiten lassen?
wie konnten sie nur was sie lieben so hassen?
mussten sie eine schwere Kindheit ertragen?
mit ihren Narben ein Weiterleben allein wagen?
ihr zerstörtes Urvertrauen führte zum Versagen...

und so dreh ich wieder meine Runden
hab mir meine Fäuste fest angebunden
benutze sie nur gegen Unrecht in mir
grün und blau befleckt ist meine Seele
tränengefüllte Pfützen umgeben das Papier
auf dem ich mit Kerben die Tage zähle
und ich stehe, gehe, lebe weiter im Hier
verhindere, dass ich selber andere quäle
auch in mir versteckt sich dieses Tier
ich werde es bändigen, das versprech ich...

... mir!

© meteor 2025
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Paranoia

Diese Stimme in meinem Kopf!
Manchmal denke ich, ich bin paranoid,
wenn sie wieder mein Hirn verstopft,
mich mit unsinnigen Fragen überzieht.

Immerhin ist es nur diese eine Stimme,
nicht zwei oder ein Mehrkanalkanon,
sie unterhält sich mit mir über Dinge,
manchmal verstehe ich nichts davon.

Warum sind eigentlich Selbstgespräche
für viele sofort ein Grund zur Besorgnis?
In jedems Kopf laufen ständig Vorträge,
die Selbstwahrnehmung ist das Ergebnis.

Wenn ich meine Stimme wie andere höre,
ist sie mir erschreckend fremd und ungut,
in mir drin ist sie anders und ich schwöre,
meine Stimmbänder sind sicher kaputt.

Diese Stimme verfolgt mich, ist immer da,
sie ist allwissend, weiß, wo überall ich war.
Selbst in der dunkelsten Stille ist sie hörbar,
sitzt in mir tief drin, ihr Name ist Paranoia.

Parà heißt 'neben' und noûs ist der 'Verstand',
zur inneren Wiedergabe des Denkens gegeben,
ist sie Vermittlerin zwischen was ist bekannt
und all dem, was noch nicht ist zugegen.

Paranoia, du kennst mein wahres Gesicht,
vor dir muss ich mich nicht verstellen,
du hast in meine Seele diese tiefe Einsicht,
hilfst mir, meine inneren Kämpfe zu bestehen.

Du sorgst dafür, dass trotz Informationsflut
meine intellektuelle Struktur intakt bleibt.
In der Koexistenz von Wahrheit und Betrug
suchst du nach dem Sinn, wohin alles treibt.

Egal, in welche alberne Rolle ich auch schlüpfe,
unter welchem Pseudonym ich was schreibe,
du, Paranoia, bist Soufleuse meiner Ausflüchte,
erkennst den Grund, warum ich mich verkleide.

In einer Welt voller chaotischer Absurditäten,
ertrag ich vieles nur dank deiner Präsenz,
mein Verfolgungswahn spinnt Sinnfäden,
beschützt mich vor zunehmender Influenz.

© meteor 2025
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen