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Gedichte über die Zivilisation - Seite 20


Minus Mensch

Es sind die letzten Sommertage,
trübe-fahl wie Blei, kein Laut
wilder Natur, von Vögeln, Bienen
erfüllt die Luft. Sie haben dieses
tote Land nicht mehr vertragen.
Zwischen ihnen und Unkraut
gab es keine Trennungslinien.

Es senkte sich oft feiner Nebel
auf endlose Kulturnatur.
Propellerkreischen war das Zeichen
sich zu entfernen, doch wohin, denn
eine Regel, lang verborgen,
ist: Gift, selbst in der kleinsten Spur,
folgt, uns am Ende zu erreichen.

Der Flugzeugpilot war ein Zyklop,
ein Auge mitten im Gesicht,
wo sonst die Nase ist - Glücksfall,
denn nichts mehr roch er wenn er
flog, durch Rauchwolken von brennenden
Rinderkadavern, ohne Sicht -
so sprühte er halt überall.

Sein Kind hat in dem großen Kopf
nur noch den Mund, der immer schreit.
Die Mutter wünschte ihm den Tod,
sie steckte es nach der Geburt in
einen Topf, es sollte weg,
die Grabhöhle war schon bereit -
was der Pilot ihr dann verbot.

Sie nennen es das Minuskind -
es lebt, und leidet für die Taten
jener Leute die im Wahn
von Selbstanbetung sagen, die
sind blind und ignorant,
welche zu mehr Vorsicht raten
bei deren profitablen Plan.

Fällt in der Nacht der schwarze Regen -
durch schmatzend-fauligen Morast
kriecht dieses larvengleiche Kind
mit andern, auf der Suche nach den
Wegen zu der optimierten
Welt der neuen Plusgesellschaft -
für die sie eine Lüge sind.

So führt ihr Schicksal uns im Kreis
zurück - bevor des Menschen Geist
beginnt zu forschen, zu erfinden,
und kreativ mit Fragestellung
und Beweis Lösungen sucht,
sich schließlich von Moral befreit -
um auf dem Bauch sich fortzuwinden.

Es sind die ersten Sommertage,
warm-leuchtend aus dem Zwielicht
nach langer Zeit gekommen.
Grün sprießt in dieses öde,
karge Land. Aus tiefer Stille und
von sanftem Wind getragen bricht
Lebendigkeit herein mit leisem Summen.
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Zölibat aussetzen!

Zölibat aussetzen!

Wer jetzt zu spät kommt,
Den bestraft das pralle Leben!
Wem nur Enthaltsamkeit da frommt,
Der kann den Priestern keine Freiheit geben!

Die Fleischesliebe ist Lebenskonstante,
Mit der das Menschsein auch beginnt.
Der Trieb braucht keine Gouvernante,
Die auf Enthaltsamkeit ihn trimmt!

Das Leben bleibt experimentell,
Denn es ist biologisch da.
Auch deshalb bleibt es sexuell
Und dem Begehren immer nah.

Wo das legal kanalisiert,
Weil im Erwachsensein erlaubt,
Wird kaum ein Kind dann mehr verführt,
Dem man so Scham und Jugend raubt.

Hebt deshalb auf den Zölibat,
Lasst heiraten die Priesterschaft!
Hört doch auf den Biologenrat,
Damit die Kirche Frieden schafft!

Bis zum Konzil von Elena
War Priestern Heiraten erlaubt,
Der Kirchenmann den Menschen nah,
Nicht abgehoben, fern, verstaubt.

Lasst heiraten die Geistlichkeit,
Die das doch längst so halten will,
Ins Kloster gehen, wer bereit
Und wem Enthaltsamkeit ein Ziel.

Des Mannes Trieb ist doch Tatsache,
Die niemand ignorieren kann.
Wer Glück nicht sieht als Fluch und Rache,
Der will befreit den Kirchenmann.

Biologie ist stets im Dasein,
Verbote können nichts ausrichten,
Denn bleibt der Mensch damit allein,
Wird großen Schaden er anrichten.

Und jener Papst wird hoch verehrt,
Welcher den Zölibat künftig aussetzt,
Weil er Unmöglichkeit verwehrt
Und sich für Menschlichkeit einsetzt.

Die Pfarrhäuser sind alle groß,
Dort können auch Familien leben,
Wenn aus Abrams fruchtbarem Schoß
Erneut erblüht das junge Leben.

Für dieses menschliche Begehren,
Das von uns Liebe wird genannt,
Lässt sich die Gottheit weiter ehren,
Die früh für Gattenliebe stand.


©Hans Hartmut Karg
2019

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