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Gedichte über Schmerz - Seite 370




Vom Winde verweht, vorbei und vergessen

Du hattest nachgedacht über deine Sorgen,
Was wird aus dem Heute und was aus dem Morgen,
Du suchtest einen Halt hier und dort,
Doch hat es dich geknickt immerfort.
Du sahst soeben ein laues Blatt, unterdessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Du suchtest die Gesichter anderer Leute,
Die an dir vorbeigehen im Hier und Heute,
Suchtest Sinn und Verstand zu erkunden,
Der an dir vorbeilief, flüchtig und unumwunden.
Was auch immer du erkanntest an fremden Interessen,
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Du suchtest anderer Haltungen zu erkennen,
Jener, die raschen Schrittes an dir vorbeirennen,
Hofftest eine andere Hand zu erspüren,
Um dich ein wenig mit Glück zu verführen;
Doch lief das Glück an dir vorbei, indessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich laufe durch die Straßen und schaue Augenlieder,
Und bin der Meinung, so manche kommen immer wieder.
Manche sehe ich ein zweites Mal,
Denn eigentlich habe ich keine andere Wahl,
Als mich festzuhalten an fremden Interessen,
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich haste eilig von einem Moment in den nächsten Moment,
Und suche nach Sinn und Verstand, den ein Moment wiedererkennt.
Vergebliche Hast nach Orientierung in einem Augenblick,
Vergebliches Tun und Unterfangen, die Suche nach Glück
Endet stets in einer Anarchie unzähliger Handlungen, in meinem Ermessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich schaue Menschen aus einer Bahn aussteigen,
Und taste deren Meinung, die von ihren bewegten Gliedern abzweigen.
Ich verfolge weiterhin ihre Spuren,
Auf ihren vergeblichen Wegen und Touren,
Auch für sich ein wenig Glück zu erhaschen, gottlob dessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

So manchen Moment und auch dessen Menschen möchte ich in seiner Hast anhalten,
Mit ihnen neue Wege zu suchen und zu verwalten;
Denn unweigerlich bahnen sich fortan neue Wege,
Die ich für andere plane und diese wiederum anrege,
Wege, die sich selber negieren, da fremder Interessen,
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich beobachte Menschen miteinander sprechen,
Es ist mit Sicherheit kein großes Verbrechen,
Wenn falsche Inhalte ausgetauscht,
Wenn sich selbst und sein Ego wieder aufgebauscht,
Den anderen stets übertrumpfen zu wollen, zu Tisch und zum Essen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Manchmal möchte ich jemanden anhalten, nur einen Moment, im Nu,
Sich immer wieder neue Sitautionen aufbauen, immerzu
Nichts konstant bleibt mit ewigen Werten,
Wenn sich ewige Werte wiederum zu einem Nichts verhärten;
Vergeblich mein Ansinnen, irgendeinen Sinn und Verstand zu erkennen, denn indessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich versuche, Worte und Silben anderer zu erkennen,
Obgleich deren Protagonisten meilenweit aneinander vorbeirennen,
Von hastig aufgenommenen Gesprächen anderer einen Sinn zu erhalten,
Derweil Anarchie und Chaos alle Situationen verwalten,
Da die Schöpfung nur Naturen und keine Gesetze erkoren,
unterdessen,
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Wenn ich alle deratigen Erfahrungen miteinander summiere,
Bleibt ein Nichts für mich übrig, denn ich verliere
Beständig an Boden und festen Halt für mein Unterfangen,
Zu einem sinnhaften Glück mit anderen Menschen zu gelangen;
Doch glaube ich sehr an ein Prinzip in meinem Ermessen,
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.

Ich schaue ein letztes Mal die Menschen handeln,
Wie sehr sie sich unentwegt auf ihren Wegen wandeln;
Ich schaue Lieder, Augen, einen Blick,
Derweil ich in meinem Unterfangen ein wenig einknick,
Liebe und Glück zu verbreiten, denn unterdessen
Vom Winde verweht, vorbei und vergessen.
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Rückschau

Auch wir haben geschaffen in unserem Lande,
Einst in einem neuen schwarzen Gewande;
Was wir tuen konnten, in unseren Städten,
Das haben wir getan, fast möchte ich wetten;
Wir haben Steine gestapelt und Häuser errichtet,
Zunächst auf so manche schöne Lust verzichtet;
Sind Sonntags in die Kirche gegangen,
Es klingelte sanft, wir Gottesstrophen sangen;
Wie Lieschen vor dem Richter standen wir stocksteif da
Und fragten uns heimlich, ob Gott uns zusah;
Wir schufen uns Wohlstand, wir sparten beizeiten,
Nur sollte uns der Teufel nicht wieder verleiten;
Unsere Bäuche wuchsen so rasch und bald
zerstörten wir unseren Wald;
Es duftete Käfer auf unseren Straßen,
Düfte, von denen so manche verblassen,
So modrig schon, Verwesungsdüfte,
Es wallte Schamröte durch die Lüfte;
Und Schwarze kamen und aus den Taschen
Fielen Groschen, mit denen wir unsere Hände waschen.
Und wer hat uns betrogen? Niemand, doch
Erinnere ich mich, wie aus uns der Scharlatan kroch;
Wir verführten alle Welt zu glauben,
Hoch würden sie nicht hängen, die Wohlstandstrauben;
Jeder könne sich schaffen diesen Genuß,
Jeder könne erlangen einen solchen Kuß:
Er müsse nun wieder zu den Waffen greifen,
Um Industrie zu errichten, mit Verteidigung überzustreifen;
So wurden wir frei von Kümmernissen,
Längst nicht geplagt von Gewissensbissen;
Und so mancher hat seinen Glauben verloren,
Statt Freiheit und Demokratie die Beuter erkoren.
Schon sind wir müde vom Börsenhetzen,
Wir träumen davon, uns nicht zu verletzen,
Und um weiterhin an Infarkten zu sterben,
Allein um Unternehmen und Heime zu vererben.
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